Schuberth GmbH

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Schuberth GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1922
Sitz Magdeburg
Leitung Jan-Christian Becker,Frank Danielzik (Geschäftsführer) [1]
Mitarbeiter ca. 400 (2015) [2]
Umsatz 69,8 Mio. Euro (2015) [3]
Branche Kopfschutztechnologie
Website www.schuberth.com
Stand: 2015 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2015

Der Magdeburger Helmhersteller Schuberth Holding GmbH ist ein deutsches Unternehmen für Kopfschutztechnologie. Es produziert diverse Kopfschutzsysteme für die Bereiche Motorrad, Motorsport, Arbeitsschutz, Feuerwehr, Polizei und Militär. Besonders bekannt ist das Unternehmen als Hersteller von Motorrad- und Motorsporthelmen.

Das Unternehmen engagiert sich seit 1999 in der Formel 1, stattet diverse Teams mit Helmen aus und unterhält eine Sponsorpartnerschaft mit AMG Petronas. Aktuell produziert Schuberth pro Jahr 900.000 Helme.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in die Fabrikation
Schuberth GmbH - Werk in Magdeburg

1922 wird die Firma Schuberth in Braunschweig als Möbeltischlerei in der Nachbarschaft einer Brauerei gegründet, um den dort ausgedienten Arbeitern eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen.

In den frühen 1950er Jahren nimmt Schuberth die Entwicklung und Produktion von Kopfschutzsystemen auf. Bereits 1952 wurde der erste Arbeitsschutzhelm präsentiert sowie eine neue Innenausstattung für die Stahlhelme des Bundesgrenzschutzes und der Länderpolizeien. 1954 kam der erste Motorradhelm mit dem Namen „Aero“ auf den Markt. Seit 1956 produziert Schuberth auch Schutzhelme für das Militär, zunächst für die Besatzungsmächte Westdeutschlands, dann auch für die deutsche Bundeswehr. Unter der Führung des Unternehmers Christian Zahn wuchs das Unternehmen zum größten Helmproduzenten Europas. Im Jahr 1976 präsentierte die Schuberth GmbH den ersten Motorrad-Integralhelm. Seit 1985 nutzt das Unternehmen einen eigenen Windkanal und Klimaprüfstand bei der Entwicklung seiner Produkte. Unter Alexander Zahn, Sohn von Christian Zahn, entwickelte sich das Familienunternehmen zu einem renommierten Premium-Anbieter. Unter seiner Leitung wurde 2003 die Helmproduktion von Braunschweig (Niedersachsen) nach Magdeburg (Sachsen-Anhalt) verlegt.[4] Im Jahre 2006 ging der Familienbesitz in das Eigentum eines US-amerikanischen Private-Equity-Fonds über.[4] 2008 wurden auch die Bereiche Forschung und Entwicklung, Marketing und Vertrieb von Braunschweig nach Magdeburg verlegt.[5] Endgültig abgeschlossen war die Unternehmensumsiedlung nach Magdeburg allerdings erst im Jahre 2015 mit dem Umzug des Schuberth Air & Acoustic Labs[6], dem eigenen Aerodynamik- und Aeroakustik-Windkanal mit Klimaprüfstand.

2013 erwarb der in München ansässige Perusa Fonds die Mehrheit der Geschäftsanteile an der Schuberth GmbH und deren Tochtergesellschaften (Schuberth Gruppe).[7] Seit 2013 leitet Jan-Christian Becker das Unternehmen als Geschäftsführer (CEO). Frank Danielzik ist seit 2015 CFO. Im Jahr 2014 kaufte Schuberth das italienische Spezialunternehmen für Helminnenausstattungen Teca25 und integrierte es in die Schuberth Holding, im Jahr darauf wurde die italienische Vertriebsgesellschaft Schuberth Italia S.r.L. gegründet. 2014 führte Schuberth eine selbstentwickelte Helmtechnologie ein, das „Direct Fibre Processing“[8], das an die Fertigungsmethoden der Flugzeugindustrie angelehnt ist. Im selben Jahr geht Schuberth für die Entwicklung und den Vertrieb eines neuen Polizeischutzsystems (Helm-Maskenkombination HMK 150) eine Kooperation mit Avon Protection und Ceotronics ein, um neue technische Richtlinien der Polizei zu erfüllen.[9] Seit 2015 dient eine weitere Kooperation mit der 3M Gruppe der gemeinsamen Entwicklung und dem Vertrieb von Polizei- und Militärhelmen.[10] Aktuell exportiert Schuberth weltweit in 55 Länder, unterhält eine eigene Vertriebsgesellschaft in Nordamerika und beschäftigt ca. 400 Mitarbeiter.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Helme werden im betriebseigenen Wind- und Akustikkanal auf ihre Aerodynamik getestet.[11]

Schuberth gewann 2014 zum neunten Mal in Folge die Leserwahl „Best Brand“ von Europas größtem Motorrad-Magazin Motorrad in der Kategorie Helme.[12] Der aktuelle Klapphelm C3 Pro wurde mit dem iF product design Award 2014 ausgezeichnet.[13]

Schuberth produziert zudem Schutzhelme für das Bau-, Stahl-, Chemie-, Energie- und Forstgewerbe.[14]

Seit Gründung stattet Schuberth die Bundeswehr aus und war maßgeblich an der Weiterentwicklung des Gefechtshelms beteiligt. Für Paraden und Postenstehen (Protokollhelm) wurde 1956 ein Helm der Firma aus Kunststoff eingesetzt, der nur 235 Gramm wog.[15] Auch das Schweizer Militär trägt Schuberth-Helme.[16] Neben der deutschen Polizei[17] und Feuerwehr[18] sind auch viele europäische Einsatzkräfte mit Helmen des Unternehmens ausgestattet. Die Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) stattete ihre Helme mit Helmfutter der modernen Variante der Firma Schuberth aus.[19]

Engagement im Motorsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 startete Schuberth sein Engagement als Sponsor in der Formel 1. Nick Heidfeld war in der Saison 2000 als erster Rennfahrer Werbeträger von Schuberth. Mit Rekord-Weltmeister Michael Schumacher entwickelte sich eine langjährige Verbindung, die auch nach dessen Ausstieg aus der Formel 1 andauerte. In der Saison 2015 trugen unter anderem Nico Rosberg (Rennstall Mercedes AMG Petronas), Felipe Massa (Rennstall Williams Martini Racing), Nico Hülkenberg (Rennstall Sahara Force India) und Sergio Pérez (Rennstall Sahara Force India)[20] den Schuberth-SF1-Helm,[21] der aus 19 Lagen Kohlefaser besteht. Die Partnerschaft mit Nico Rosberg und Felipe Massa besteht seit dem Jahr 2005.

Die Sicherheit des Formel-1-Helmes wurde nach einem schweren Unfall von Felipe Massa beim Großen Preis von Ungarn 2009 positiv erwähnt.[22][23]

Schuberth rüstet nicht nur Formel-1-Piloten aus, sondern auch Fahrer der Indycar, NASCAR, DTM sowie Nachwuchspiloten der ADAC Formel 4 und der FIA Formel-3-Europameisterschaft. Zu den Fahrern zählen unter anderem Danica Patrick, Mick Schumacher und David Beckmann.[20]

2016 wurde der Helmhersteller Ausrüster des Red Bull MotoGP Rookies Cup[24], einer Rennserie für Nachwuchs-Motorradfahrer. Auch die Moto2-Fahrer Marcel Schrötter und Jesko Raffin tragen in der WM-Saison Helme von Schuberth.[25][26]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekanntheit erlangte in den späten 1980ern der Motorradhelm Speed durch die Erwähnung in der Comicserie Werner. Der aus strömungstechnischen Gründen wie ein Golfball gestaltete Helm galt dort als ein Erkennungszeichen der ungeliebten, rollerfahrenden Popper. Obwohl das Design spaltete, war der 1983 vorgestellte Helm der erste Motorradhelm bei dessen Entwicklung die Erkenntnisse der Aerodynamik Anwendung fanden. Der Helm genießt heute Kultstatus.[27]

Im Jahr 2001 kam es zu Problemen mit dem Feuerwehrhelm Typ H2 der Firma Schuberth. Dies hatte einen Beitrag im Fernsehmagazin Frontal21 am 22. Januar 2002 zur Folge,[28] und führte zu einer Anordnung zur Abwendung besonderer Unfall- und Gesundheitsgefahren nach § 17 Abs. 1 Nr. 2 SGB VII (Gesetzliche Unfallversicherung).[29]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schuberth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Perusa erwirbt Mehrheit an Schuberth-Gruppe in: News aktuell Presseportal vom 18. September 2013, abgerufen am 25. April 2014.
  2. Stephan Maderner, Schuberth: Finanzfundament für die nächsten sechs Jahre. Wachstum setzt sich fort, Bike + Business vom 3. Februar 2016, abgerufen am 6. April 2016.
  3. Wie aus Glasfasern ein Helm entsteht Volksstimme.de, 22. März 2016, abgerufen am 25. Mai 2016.
  4. a b Schuberth verlagert Firmensitz. In: Motorrad online. 12. Juli 2006, abgerufen am 25. Mai 2016.
  5. Schuberth verlässt Braunschweig. In: PS. Abgerufen am 25. Mai 2016.
  6. Prüflabor für die Helmentwicklung. In: www.tourenfahrer.de. Abgerufen am 25. Mai 2016.
  7. Perusa: News und Presse. In: www.perusa-partners.de. Abgerufen am 25. Mai 2016.
  8. Motorradhelme. Welt Online, 14. Juli 2015, abgerufen am 25. Mai 2016.
  9. VDP GmbH: Detailansicht Arbeitsschutz in der Polizei. In: www.polizeipraxis.de. 8. Mai 2014, abgerufen am 25. Mai 2016 (deutsch).
  10. Dirk Schäfer: 3M und Schuberth kooperieren. In: www.business-on.de. Abgerufen am 25. Mai 2016.
  11. Der Schritt in die Königsklasse Firmenhomepage.
  12. Best Brands 2014 (Teil 7) Helme: Schuberth in: Motorrad online vom 17. März 2014, abgerufen am 4. Mai 2014.
  13. iF online exhibition, abgerufen am 4. Mai 2014.
  14. Arbeitsschutz Firmenhomepage.
  15. Die Zeit, 4. Oktober 1956 Nr. 40, S. 2.
  16. Militär Firmenhomepage.
  17. Polizei Firmenhomepage.
  18. Feuerwehr Firmenhomepage.
  19. Floyd R. Tubbs: Stahlhelm. Evolution of the German Steel Helmet. State University Press, Kent 2000, ISBN 0-87338-677-9, S. 114.
  20. a b Featured Drivers - Schuberth. In: www.schuberth.com. Abgerufen am 31. Mai 2016.
  21. Car Racing – Schuberth. In: www.schuberth.com. Abgerufen am 31. Mai 2016.
  22. Unfall von Felipe Massa – Schumis Helm rettete Massa. In: autobild.de. Abgerufen am 31. Mai 2016.
  23. Damon Lavrinc: Here’s What Makes F1 Helmets So Insanely Safe. In: WIRED. 4. September 2013, abgerufen am 31. Mai 2016.
  24. Red Bull Rookies – Red Bull Rookies 2016 mit Schuberth-Helmen. Speedwerk, 1. Oktober 2015, abgerufen am 31. Mai 2016.
  25. Moto2 – Marcel Schrötter vertraut 2016 auf Schuberth-Helme. Speedwerk, 22. Januar 2016, abgerufen am 31. Mai 2016.
  26. Moto2-Fahrer Jesko Raffin und Schuberth gehen gemeinsam ins Rennen ... Burning Out – Eure Motorradzeitung, 20. März 2016, abgerufen am 31. Mai 2016.
  27. Der Golfball. Motorrad. 6. Januar 2006, abgerufen am 4. Mai 2016..
  28. Gemeinsamer Hinweis des Innenministeriums und der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg UKBW, abgerufen am 6. April 2016.
  29. Anordnung gemäß § 17 Abs. 1 Nr. 2 SGB VII zu Feuerwehrhelmen, Landesfeuerwehrverband Hessen, abgerufen am 6. April 2016