Schwartau

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Schwartau

In Bad Schwartau

Daten
Gewässerkennzahl DE: 9626
Lage Schleswig-Holstein, Deutschland
Flusssystem Trave
Abfluss über Trave → Ostsee
Quelle Dodauer See
54° 8′ 7″ N, 10° 32′ 32″ O
Quellhöhe 45 m ü. NN
Mündung Bei Bad Schwartau in die TraveKoordinaten: 53° 54′ 26″ N, 10° 43′ 2″ O
53° 54′ 26″ N, 10° 43′ 2″ O

Länge 39 km
Rechte Nebenflüsse Flörkendorfer Mühlenau, Curauer Au
Durchflossene Seen Barkauer See
Kleinstädte Bad Schwartau
Gemeinden Bosau, Süsel, Scharbeutz, Ratekau
Das Flusssystem der Schwartau (schematisch)

Die Schwartau ist ein vor der Begradigung stark mäandrierender, heute 39 Kilometer langer Nebenfluss der Trave im südöstlichen Schleswig-Holstein im Kreis Ostholstein, der von der Quelle bis zur Mündung einen Höhenunterschied von 46 Metern aufweist.[1]

Der Name „Schwartau“ geht auf einen wendischen Namen zurück, der „(die) sich schlängelnde“ bedeutet (nicht wie häufig volksetymologisch angenommen auf die niederdeutsche Bezeichnung für „schwarze Au“) und damit auf den gewundenen Unterlauf des Flusses Bezug nimmt. Die erste schriftliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde des dänischen Königs Waldemar aus dem Jahr 1215 (szwartowe).

Hydrologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wassereinzugsgebiet der Schwartau wird im Norden durch die südlich des Dieksees der Holsteinischen Schweiz liegenden Moränen begrenzt.

Die Schwartau hat ihren Ursprung im Dodauer See, der nach dem Bau der südlichen Umgehungsstraße Eutins künstlich wiederhergestellt wurde. Er dient als Vorfluter der Oberflächenwässer von den etwa 53 m über NN ansteigenden Hügeln nördlich des Sees (zwischen Dodauer See und Kreuzfeld). Da der See tiefer als das umgebende Gelände liegt (ca. 45 m über NN), verfügt er über keinen natürlichen Abfluss. So wurde der Lauf der Schwartau zunächst getunnelt unter der B 76 (Eutin–Plön) nach Süden abgeführt. Der Bachlauf quert die L 176 nördlich von Quisdorf und die L 184 nördlich von Braak, um sich dann bei der Braaker Mühle mit der Majenfelder Au zu vereinigen (ca. 27 m über NN).

Da diese viel mehr Wasser führt als die Schwartau, könnte man dieses Gewässer als eigentliches Quellgewässer der Schwartau ansehen.

Die so verstärkte Schwartau fließt dann südöstlich zwischen Braak und Aukamper Moor, durch den Barkauer See, weiter Richtung Kesdorf, Woltersmühlen, Pönitz, Gleschendorf, Schulendorf und Pansdorf vorbei, weiter nach Rohlsdorf, Techau, Hobbersdorf und schließlich durch die Stadt Bad Schwartau.

Die Schwartau fließt zeitweilig in einem besonders deutlich ausgeprägten Urstromtal. Der Fluss mündet gegenüber dem Schellbruch in die untere Trave, nachdem diese die Stadthäfen der Hansestadt Lübeck durchquert hat.

Der stark gewundene Unterlauf der Schwartau hatte im Verhältnis zu seiner Länge nur ein geringes Gefälle, was zu gelegentlichen Überschwemmungen führte. Um dies zu ändern, wurde der Unterlauf der Schwartau 1933 vom Reichsarbeitsdienst begradigt. Die Altarme sind noch deutlich erkennbar. Über weite Teile Ihres Verlaufes bildet die Schwartau typische Flussauen.

Nach dem „Auenprojekt Schwartau“ zur Auenrenaturierung soll ein 4,7 Kilometer langer Abschnitt der Schwartau zwischen Hobbersdorf und Groß Parin naturnah in einen Auenraum umgestaltet werden. Dafür soll der auf dieser Strecke begradigte Flusslauf durch acht Mäander umgeformt und mit den vorhandenen Altarmen verbunden werden. Dadurch verlängert sich der Flusslauf um 700 Meter. Die damit geschaffenen Überflutungsflächen bereichern den Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Die Umgestaltungsmaßnahmen sollen 2023 abgeschlossen werden.[2][3]

Größere Zuflüsse zur Schwartau sind die Curauer Au, die Flörkendorfer Mühlenau, die Ottenbek und die Sielbek.

Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehung des Flusslaufes der Schwartau – eines Urstromtals – geht zurück auf einen Schmelzwasserstrom, durch den sich am Ende der letzten Eiszeit (der Weichseleiszeit) große Massen an Gletschertauwasser in den Eisstausee des Lübecker Beckens ergossen haben. Das Urstromtal der Schwartau ist besonders gut an den westlichen Steilhängen zwischen Bad Schwartau und dem Ortsteil Groß Parin (und weiter Richtung Hobbersdorf) sowie an dem östlichen Höhenzug des Riesebusches gut zu erkennen.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flusslauf ist reich an vorgeschichtlichen Fundplätzen. Im Aukamper Moor bei Braak (Bosau) wurden 1946 beim Torfstich in der Nähe eines ebenfalls gefundenen Brandplatzes zwei Holzfiguren von Mann und Frau gefunden (das so genannte Götterpaar von Braak). Die männliche Figur misst 2,75 m, die weibliche 2,3 m. Die Köpfe wurden sorgfältig geschnitzt. Die Frau trägt ihr Haar in einem Knoten auf dem Kopf. Die sexuellen Merkmale beider sind ebenfalls deutlich geschnitzt. Das Eichenholz, aus dem die Statuen hergestellt wurden, wurde nach der Radiokohlenstoffdatierung im frühen 4. Jahrhundert v. Chr. gefällt, also die vorrömische Eisenzeit. Die Figuren befinden sich heute im Museum Schloss Gottorf.[4]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stele am Ort von Alt-Lübeck

An der Mündung der Schwartau zur Trave liegt als Bodendenkmal Alt-Lübeck (Liubice). Diese slawische Siedlung lag auf einem Hügel an der Schwartau-Mündung und existierte von etwa 819, bis sie 1138 von den Ranen Liubice zerstört wurde.

Zur vollen Blüte kam Liubice unter Gottschalks Sohn Heinrich ab 1093. Er machte Liubice zum Zentrum seines Reichs und baute es zu einem frühstädtischen Komplex aus, bestehend aus einer Burg, einem Hafen und zwei Vorburgsiedlungen. Am anderen Flussufer gründete er eine Kaufleutesiedlung. In der neu befestigten Burg wurde eine Kirche errichtet.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Kanalisierung der Schwartau in den 1930er Jahren und infolge der Entwässerung entstand im Bereich von Bad Schwartau, zwischen dem heutigen Kurpark, östlich der Straße Riesebusch (L 309) und dem Bahndamm eine landwirtschaftlich genutzte Fläche. In den 1970er Jahren wurde dieser Bereich in Naßwiesen, Fließ- und Stillgewässer mit Weidengebüschen und einem Erlenwald umgewandelt. Südlich davon wurde 1936 der Schwartauer See als Teil des Kurparks angelegt.

Die Schwartauwiesen im Mündungsgebiet der Schwartau in die Trave (zwischen der Teerhofsinsel und den Bundesautobahnen A1 und A226) ist ein etwa 110 Hektar großer Landschaftsraum, der weitgehend unbebaut und von Grünlandwirtschaft geprägt ist, wurde am 24. Juni 1993 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.[5]

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der überwiegende Talraum der Schwartau gehört heute als "FFH-Gebiet Schwartautal von Schulendorf bis Bad Schwartau" zum Natura 2000-Netzwerk.[6]

Historische Mühlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Jahrhunderten wurde die Schwartau entlang ihres Flusslaufes zum Antrieb von Wassermühlen genutzt. Nach einer Karte von 1850[7] gab es an der Schwartau die folgenden Mühlen:

Vor dem Erscheinungsjahr der Karte gab es im heutigen Ort Bad Schwartau und an der Einmündung der Schwartau in die Trave zwei weitere Mühlen, die jedoch 1850 nicht mehr existierten.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schwartau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bearbeitungsgebiet Schwartau (34), Gewässerbewirtschaftungsverband Schwartau.
  2. Auenprojekt Schwartau, Rotary Club finanziert Baumpflanzung im Auenprojekt Schwartau, Der Reporter, 7. April 2022.
  3. Planfeststellungsverfahren für einen Antrag des Wasser- und Bodenverbandes Schwartau - Auenprojekt Schwartau, Kreis Ostholstein, 19. Juli 2018.
  4. Svend Hansen: Archaeological Finds from Germany, Figures of deities from Braak, district of Ostholstein (Schleswig-Holstein), Booklet to the Photographic Exhibition, Berlin 2010 (Seite 76).
  5. Stadtverordnung über das Landschaftsschutzgebiet "Schwartauwiesen" in der Hansestadt Lübeck, Erklärung zum Landschaftsschutzgebiet vom 24. Juni 1993.
  6. Naturerlebnisraum, Stadt Bad Schwartau.
  7. Karte: Die Herzogthümer Holstein und Lauenburg, Hoffmann & Campe, Hamburg 1850.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Freie und Hansestadt Lübeck, ein Beitrag zur deutschen Landeskunde, Geographische Gesellschaft in Lübeck, 1890, Seite 16 [1]