Scootertuning

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Sport-Resonanzauspuff (Yasuni R) für Rollermodelle mit „stehendem“ Zylinder (z. B. Peugeot Speedfight 1 oder Speedfight 2) mit „Kevlar“-Endschalldämpfer

Scootertuning bezeichnet das Tuning von Motorrollern (engl. Scooter). Die meisten Roller haben einen Hubraum von etwa 50 cm³ und einen Zweitakt-Motor. Die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h (Mofa) oder 45 bzw. 50 km/h kann mit entsprechendem Fachwissen und finanziellen Möglichkeiten auf Geschwindigkeiten von – als Maximalwert – über 140 km/h und rund 20 kW und mehr Leistung am Hinterrad gebracht werden. Die meisten mit handelsüblichen Tuning-Teilen modifizierten Roller haben eine Motorleistung im Bereich zwischen etwa 8 und 12 PS (6 bis 9 kW) und erreichen Maximalgeschwindigkeiten zwischen etwa 75 und 100 km/h.

Damit trotz solcher Umbauten die Betriebserlaubnis erhalten bleibt, ist eine Ummeldung und Vollabnahme der Umbauten beim TÜV erforderlich. Dies zieht Einzelabnahmen, Abgasuntersuchungen und Festigkeitsprüfungen (Rahmen, Fahrwerk) beim TÜV nach sich. Zudem wird für das Führen dieser Fahrzeuge ein anderer Führerschein benötigt, da der AM-Führerschein eine Hubraumbegrenzung von 50 cm³ und eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 45 km/h hat. In der Praxis fahren gerade sehr viele Jugendliche und junge Erwachsene ihre getunten Roller mit der Originalzulassung und ohne die für die höhere Geschwindigkeit nötige Fahrerlaubnis, womit sie sich strafbar machen. Zusätzlich ist das Fahren ohne Fahrerlaubnis eine Obliegenheitsverletzung, die im Schadensfall Regressforderungen der Versicherung nach sich ziehen kann.

Motivation[Bearbeiten]

Da für viele Jugendliche (ab 15 mit dem Mofaschein) ein Motorroller das erste motorisierte Fahrzeug ist, ist die Begeisterung dafür groß. Da viele Roller, besonders Mofa-Roller, im Originalzustand große Probleme im Straßenverkehr bereiten, frisiert ein großer Teil der Jugendlichen ihre Roller. Die Gründe für das Verlangen von Mofafahrern nach mehr Geschwindigkeit und mehr Leistung sind das ständige Überholtwerden bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h durch die Drosselung. Auch eine besonders niedrige Maximalgeschwindigkeit bei Steigungen wird bemängelt, bedingt durch die Drosselung des ohnehin schon schwachen Motors. Auch Roller mit 45 km/h Höchstgeschwindigkeit werden häufig überholt und haben im Originalzustand meist nicht genug Leistung bzw. Drehmoment, um diese Geschwindigkeit auch bei Steigungen und/oder im Zweipersonenbetrieb annähernd beizubehalten.

Technik[Bearbeiten]

Drosseln[Bearbeiten]

Unter dem Entdrosseln versteht man die Entfernung gesetzlich vorgeschriebener Drosselungen zur Erreichung höherer als der erlaubten Höchstgeschwindigkeiten. Hintergrund ist, dass in Europa verkaufte Motorroller mit 50 cm³ Hubraum und 45 km/h Höchstgeschwindigkeit von den Herstellern konstruktiv auf deutlich höhere Höchstgeschwindigkeit ausgelegt sind. In Europa werden sie jedoch mit einer gesetzlich vorgeschriebenen technischen Geschwindigkeitsbegrenzung verkauft. Die dazu eingesetzten, sehr vielfältigen und oft in Kombination eingesetzten Begrenzungsmaßnahmen werden unter dem Oberbegriff Drosseln zusammengefasst.

Ab einer bestimmten Drehzahl setzt der Zündfunke aus, und der Roller kann nicht weiter beschleunigen. In vielen modernen Rollern verbaut, oft in Verbindung mit einem Distanzring. Meistens muss die CDI (Zündung) gegen eine offene getauscht werden, nur bei wenigen Modellen (besonders bei Modellen vor dem Baujahr 2003) kann man die elektrische Drossel umgehen, indem man sie abklemmt.

Der Distanzring befindet sich in der Variomatic zwischen dem Variator und der Riemenscheibe (fälschlich bekannt als Lüfterrad oder Steigscheibe, denn an der Steigscheibe, die hinter dem Variator montiert ist, steigen die Variomatikgewichte durch die Fliehkraft nach außen und drücken den Variator in Richtung Riemenscheibe, wodurch sich die Übersetzung ändert) unter dem Keilriemen. Er sorgt dafür, dass der Keilriemen bei höheren Geschwindigkeiten nicht – wie eigentlich konstruktiv vorgesehen – auf die äußerste Bahn gehen kann und dadurch seine Endübersetzung (und damit die mögliche Endgeschwindigkeit des Rollers) nicht erreicht. Dies ist vergleichbar mit einem Fahrrad mit Kettenschaltung, bei der man die Kette vorne nicht auf das größte Kettenblatt schalten kann.

Krümmerdrossel beim Laser X-Pro Sportauspuff (Schweißpunkte sind markiert)

Der Originalauspuff ist bei fast jedem Roller gedrosselt. Der Querschnitt des Krümmers wird reduziert (durch einen Konus oder eine U-Scheibe, sogenannte Krümmerverjüngung), ein Blindrohr wird montiert, oder am Einlass oder am Endschalldämpfer ist eine Verengung. Diese Verengung hat zur Folge, dass es die Resonanz des Auspuffes beeinflusst bzw. stört, was sich durch einen Leistungsabfall bemerkbar macht.

  • Axialwegbegrenzer

Der Axialwegbegrenzer ist eine neuere Methode, den Roller auf 25 km/h zu drosseln. Er ist eine Drosselscheibe, die auf den Variator geschraubt wird, welche verhindert, dass die Steigscheibe mit den Gewichten ganz aufsteigen kann und somit kann der Roller seine Endübersetzung nicht erreichen.

  • Gasschieberanschlag

Der Gasschieberanschlag ist eine typische Mofaroller-Drossel. Er ist am Vergaser montiert und sorgt dafür, dass sich der Gasgriff nur noch z. B. zur Hälfte drehen lässt. So ist kein Vollgas möglich. Ein Ausbau dieser Drossel ohne Ausbau des Distanzringes kann den Motor durch Überdrehen schädigen.

  • Ansaugstutzen

Das Verbindungsstück zwischen Vergaser und Kurbelgehäuse, der sogenannte Ansaugstutzen, wird in seinem Querschnitt verengt um die Leistung zu verringern und Tuningvorhaben zu erschweren. Er lässt sich auffräsen oder durch einen offenen bzw. Tuning-Ansaugstutzen (kurz ASS) ersetzen. Diese Veränderung bringt aber unter Beibehaltung des Original-Vergasers kaum Leistungszuwachs, sie ist erst mit größerem Vergaser und besonders auch einem hubraumstärkerem Zylinder effektiv.

  • Luftfilter

Meist durch einen „Schnorchel“ gedrosselt, damit weniger Luft angesaugt wird. Man kann entweder den „Schnorchel“ entfernen oder einen Tuning-Luftfilter (auch „Pilz“ genannt) verbauen. Bei jeder Veränderung am Luftfilter muss der Vergaser neu bedüst werden, da sich das Luft-Benzingemisch verändert, wenn der Vergaser mehr Luft zieht. Wenn man den Vergaser nicht neu bedüst, kann es zu einem Kolbenklemmer oder sogar zum Kolbenfresser führen, da sich zu viel Luft im Benzinluftgemisch befindet, was die innere Kühlung des Zylinders beeinflusst, da sich das Metall durch die Hitze der zu heißen Verbrennung ausdehnt. Bei Tuningluftfiltern wird der Roller durch das Ansauggeräusch deutlich lauter und bei guter Abstimmung erhält man einen Leistungsschub von bis zu 15 %.

  • Wandler

Die neueren Rollermodelle (Stand 2007) haben eine Art „Hülse“ zwischen dem Wandler und der Kupplung auf dem Federteller, welche verhindert, dass der Roller seine Endübersetzung erreichen kann, da der Wandler nicht ganz auseinander gehen kann.

  • Vergaser

Oft werden kleine Vergaser (12–14 mm) mit kleinen Hauptdüsen verbaut, was weniger Verbrauch, aber auch weniger Leistung zur Folge hat.

  • Übersetzung

Bevor Variomatik und Elektronik begannen, im Kleinkraftradbau Einzug zu halten, war es üblich, die Übersetzung der Kraftübertragung des Fahrzeugs so anzupassen, dass nur eine bestimmte Drehzahl (und damit Geschwindigkeit) im höchsten Gang erreicht werden konnte. Durch Einbau eines größeren Ritzels konnte dies umgangen, bei Kontrollen aber auch leicht überprüft werden, da die Zahl der Zähne des Kettenritzels und -rades in den Papieren festgehalten wurden. Vor allem bei Mofas war dies sinnvoll; um eine Geschwindigkeit von 25 km/h zu erreichen, benötigt ein Mofa rund 0,7 PS – was aber zu wenig für eine verkehrstaugliche Beschleunigung ist. Üblicherweise hatten diese 1,4 PS und ein „zu kleines“ Ritzel, sodass die Motorleistung bei 15 km/h maximal war und bis 25 km/h auf rund 0,7 PS abfiel. Ein Mofa mit größerem Ritzel kam so mit seinen 1,4 PS auf rund 40 km/h.

Allgemein[Bearbeiten]

Tuningmaßnahmen können das Entfernen der Drosselungsmaßnahmen des Herstellers umfassen, wie oben dargestellt. Darüber hinaus können aber auch serienmäßige Teile durch Tuning-Teile von anderen Herstellern ersetzt werden, die die Motorleistung gegenüber der Leistung des entdrosselten Motors weiter erhöhen. In der Praxis werden oft beide Methoden parallel eingesetzt bzw. überschneiden sich. Einige verbreitete Tuningmaßnahmen bzw. die entsprechenden Komponenten sind im Folgenden aufgeführt. Tendenziell gilt, dass weitere Tuningmaßnahmen erst nach kompletter Entfernung der meisten bzw. aller serienmäßigen Drosselmaßnahmen sinnvoll sind. Ein Nichtbefolgen dieser Regel sollte nur in Erwägung gezogen werden, wenn man sich über die tatsächlich vorhandenen Drosselmaßnahmen und deren genaue Auswirkungen auf Motorcharakteristik etc. vollkommen im Klaren ist, was großes Fachwissen voraussetzt. So kann zum Beispiel durch den Einbau eines stärkeren Zylinders bei gleichzeitigem Belassen eines Drossel-Distanzrings in der Variomatik eine starke Drehzahlüberschreitung (Überdrehen) des Motors und im Extremfall ein Motorschaden die Folge sein.

Arbeitsweise eines Hochleistungs-Zweitaktmotors mit Vergaser-Gemischaufbereitung, Membransteuerung und Resonanz-Auspuff

Tuning-Komponenten[Bearbeiten]

70 cm³-Tuningzylinder mit dem serienmäßigen, kleineren 50 cm³-Kolben als Vergleich
  • Austausch-Zylinder mit mehr Hubraum (bei original 50 cm³ auf typischerweise 70 cm³, teils auch bis zu >110 cm³)

Bekannte Hersteller von Zylindern sind Airsal, Diffusione Ricambi (DR), Fabrizi, Hebo, Italkit, Malossi, Metrakit, Polini, Stage6 (Athena), Top Performances, Team Christofolini (TCR) und TRT (2Fast 80 cm³).

Bei einem Zylinder-Austausch sollte der Vergaser neu bedüst werden oder ein größerer Vergaser mit entsprechender Bedüsung verbaut werden. Ebenfalls müssen zur Abstimmung des Motors die Variomatikgewichte, gegenbenfalls die Gegendruckfeder und die Federn der Fliehkraftkupplung geändert werden, da jeder Zylinder auf eine andere optimale Drehzahl ausgelegt ist.

Bekannte Hersteller für Kurbelwellen sind Stage6, Doppler, Hebo, 2Fast, Italkit (Alferre), Malossi (MHR), Metrakit, Motorforce, Bgm, Polini, Top Performance. Die Kurbelwelle übersetzt die Kraft; sie wandelt die Hubbewegung des Kolbens in eine Drehbewegung um. Deswegen wird bei Zylinderumbauten oft eine neue Kurbelwelle benötigt, da die serienmäßigen nicht für die Belastungen ausgelegt sind. Bei dem in Rollern üblichen Zweitaktmotor ist der Kurbelwellenkasten - oder auch Kurbelwellengehäuse genannt - für das Ansaugen und das Vorverdichten des Luft-Öl/Benzin-Gemisches zuständig. Viele Hersteller haben im Namen ihrer Racingwellen das Kürzel „HPC“ angefügt. HPC steht für High-Primary-Compression (erhöhte Vorverdichtung im Kurbelgehäuse); diese „Funktion“ ist aber bei fast jeder Tuningkurbelwelle gegeben, da die meisten so genannte Vollwangenwellen sind.

Bekannte Hersteller von Auspuffen sind Bidalot, Doppler, DPR, Giannelli, Hebo, Kundo, Laser, Leo Vince, Malossi, Metrakit, Polini, Stage6, Tecnigas, TJT, TNT, Top Performances, Roost und Yasuni.

  • größere Vergaser bewirken bessere innere Kühlung und bessere Befüllung des Zylinders mit Gasgemisch, aber im Allgemeinen auch eine Verbrauchserhöhung. Diese kann besonders in Kombination mit einem 70cm³-Tuningzylinder erheblich sein.

Bekannte Hersteller sind Arreche, Dell'Orto, Koso, Mikuni, Bing, KeiHin und Stage6 die von 12 mm bis zu 34 mm hinreichen. Zur Optimierung des Vergasers wird häufig auch ein anderer Luftfilter eingesetzt, damit mehr Luft angesaugt werden kann, jedoch muss man dann den Vergaser mit größeren Hauptdüsen und in seltenen Fällen auch größeren Nebendüsen abstimmen.

  • Tuning-Variatoren für besseres Schaltverhalten und dadurch bessere Beschleunigung und Endgeschwindigkeit.

Bekannte Hersteller sind Malossi, Polini, Hebo, Top Performances, Stage 6 und Naraku

  • kürzere / längere Getriebe für bessere Beschleunigung / mehr Endgeschwindigkeit
  • Tuning-Kupplungen zur Abstimmung des Rollers, damit die Kraft des Motors optimal auf das Hinterrad übertragen werden kann. Ein Durchrutschen der Kupplung wird somit auch verhindert.
  • verstärkte Keilriemen
  • Stärkere Gegendruckfedern in der Kupplung verhindern ein Durchrutschen des Keilriemens bei stark getunten Motoren.
  • Membranblöcke sind luftströmungsoptimiert und haben Membranen aus Carbon; diese öffnen sich schneller als die serienmäßigen Metallmembranen; der Motor erzielt ein besseres Ansprechverhalten und erreicht schneller höhere Drehzahlen. Außerdem trägt der Motor keinen Schaden davon, falls eine der Membranen bricht und ins Kurbelgehäuse fliegen, da sich das Carbon auflöst. Mit normalen Stahlmembranen wäre ein Motorschaden nach dem Bruch unvermeidbar.

Bekannte Hersteller sind Malossi, Polini und Stage6.

  • Innenrotorzündungen werden zur Verringerung der bewegten Masse verbaut. Es werden so schneller höhere Drehzahlen erreicht. Sie erzeugt auch einen stärkeren und besseren Zündfunken und man kann den Zündzeitpunkt frei bestimmen.

Customizing[Bearbeiten]

In einigen Fällen passt nicht alles perfekt, dann wird das „Customizing Tuning“ angewandt. Damit bezeichnet man den Umbau bzw. die Anpassung eines Serienproduktes an die eigenen Wünsche. Dabei wird z. B. der Auspuff zum Teil mit einem Winkelschleifer abgetrennt („abgeflext“) und mit einem anderen Teil eines Auspuffes wieder zusammengeschweißt, damit alles passt. Am häufigsten wird beim Customizing der Rahmen geändert, sodass der Motorblock fest verbaut und montiert werden kann.

„Böser Blick“ (BCD)
Formel 1-Spiegel in Carbon-Optik

Lack/Farbe[Bearbeiten]

  • Auspuff
  • Effektlacke (Flip-Flop)
  • Downhill Lenker (auch „Downi" genannt)
  • Chrom Felgen
  • Felgenrandaufkleber
  • Helmfach
  • Innenraum
  • Unterbodenbeleuchtung (LED / Kaltlichtkathoden)
  • Verchromter, lackierter oder polierter Variomatikdeckel
  • Verkleidung
  • Quattro Optik

Verkleidung[Bearbeiten]

  • Aufkleber
  • Böser Blick
  • Design-Verkleidungsteile
  • Farbkombinationen
  • Fräsungen an der Verkleidung
  • Neons/L.E.D./Kaltlichtkathoden
  • Polierarbeiten auf Metalloberflächen
  • Renngitter (auch Racinggitter genannt)
  • Riffelbleche
  • Spachtelarbeiten
  • Sportheck anbringen
  • Spritzschutz entfernen
  • Heckdurchgang

Zubehör[Bearbeiten]

Die im Folgenden genannten Zubehörteile gelten verständnisgemäß als Ersatz eines Serienteils oder zusätzlichen Anbauteils. Meist liegt dem Ersatz oder der zusätzliche Anbringen die visuelle Aufschönung zugrunde.

  • Bremsscheiben
  • Blinkergläser in verschiedenen Farben
  • Breitreifenkits
  • Bremszylinderabdeckung
  • Downhill Lenker
  • F1-Spiegel
  • Fußrasten
  • Griffe
  • Heckspoiler
  • Höherlegungssatz (HLS)
  • Helmfachmusikanlage
  • Kickstarter
  • Lackierte Bremssättel
  • LED-Blinker
  • Lenkerspoiler
  • Lüfterradabdeckung
  • Nummernschildhalterungen an dem Variomatikdeckel
  • Seitenständer
  • Sitzbezüge
  • Tachometer
  • Trittbretter
  • Unterbodenbeleuchtung
  • Variomatikdeckel
  • Variomatikdeckel Cutted

Bekannte Hersteller von Verkleidungsteilen und Zubehör sind Kiesler, BCD, MTKT, STR8, DMP, Stage 6 und TNT .

Rechtliche Problematik[Bearbeiten]

Das große Problem beim Rollertuning besteht in der Illegalität der Benutzung eines frisierten Rollers im öffentlichen Straßenverkehr. Ein frisierter Roller, der sich in Höchstgeschwindigkeit, Hubraum, Motorleistung, Lautstärke, Schadstoffausstoß, nicht zugelassene Anbauteile oder Ähnlichem von den in der Betriebserlaubnis eingetragenen Werten unterscheidet, erfordert, wenn man den Roller im öffentlichen Straßenverkehr bewegen möchte, einen den neuen Verhältnissen entsprechenden Führerschein, eine Ummeldung/Abnahme beim TÜV und dadurch meistens einen daran angepassten Versicherungsschutz.

Ansonsten, das heißt in der Praxis bei den meisten frisierten Rollern, liegt die Ordnungswidrigkeit des Fahrens eines Fahrzeuges ohne gültige Betriebserlaubnis und/oder die Straftat des Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor. Manipulierte Fahrzeuge können beispielsweise anhand der Antimanipulationsplakette überführt werden. Manche Polizisten besitzen auch selbst erhebliche Fachkenntnisse und können Tuningmaßnahmen bereits an charakteristischen sichtbaren Teilen erkennen. Erste Anhaltspunkte sind dabei unter anderem – neben bestimmten, bei Jugendlichen als Tuningbasis beliebten Rollertypen – das Vorhandensein von Aufklebern bekannter Hersteller von Tuningteilen, optische Änderungen der Verkleidung und generell das schon von Weitem erkennbare Vorhandensein eines Resonanzauspuffs.

Dabei führt theoretisch bereits der Austausch nur einer einzigen relevanten Komponente gegen ein Tuningteil – oder die Entfernung nur einer der Drosselmaßnahmen des Herstellers – zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. Dies kann etwa der Austausch der serienmäßigen Variomatikgewichte gegen leichtere sein, oder der Einbau eines Auspuffs ohne ABE für genau den betreffenden Fahrzeugtyp. Dabei ist theoretisch unerheblich, ob die Leistung oder Geschwindigkeit sich dadurch überhaupt nennenswert erhöht hat, Messlatte ist im Zweifel allein die fehlende Zulassung des betreffenden Teils von Motor, Variomatikgetriebe, Kupplung oder Auspuff. In der Praxis sehen jedoch Polizisten bei Verkehrskontrollen über solche Bagatellverstöße teilweise hinweg. Stark getunte, optisch oder geräuschmäßig auffällige Roller werden dagegen auch zielgerichtet aufgehalten und überprüft, insbesondere natürlich wenn zuvor eine Übertretung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugtyps festgestellt wurde. Zur Abklärung einer möglichen Leistungserhöhung noch vor Ort sind dazu teils sogar mobile Geschwindigkeits-Prüfstände im Einsatz.

Viele Jugendliche sind sich des Risikos und der Illegalität nicht bewusst oder nehmen diese bewusst in Kauf, häufig ohne die tatsächlichen Risiken und Konsequenzen überhaupt genau zu kennen: So besteht ohne entsprechende TÜV-Eintragungen oder -Abnahme der Tuning-Änderungen, also ohne Betriebserlaubnis, beim Fahren im öffentlichen Straßenverkehr kein Versicherungsschutz in der Voll- oder Teilkasko mehr. Selbst in der Haftpflichtversicherung, die für vom Fahrer verursachte Personen- oder Sachschäden bei anderen Verkehrsteilnehmern aufkommt, kann die Versicherung im Schadensfall bis zu 5000 Euro Regress vom Fahrer nehmen.

Mögliche (teilweise strafrechtliche) Konsequenzen beim illegalen Tuning:

  • Vorführung des Fahrzeugs beim TÜV nach Rückbau der Tuningmaßnahme nötig
  • Stilllegung des Fahrzeugs
  • 1 Punkt im Flensburger Fahreignungsregister für Erlöschen der Betriebserlaubnis
  • 2 bzw. 3 Punkte für Fahren ohne Fahrerlaubnis
  • Geldbuße, Geldstrafe oder Sozialstunden, zusätzlich ggf. Gebühren und Auslagen für Ämter, Sachverständige und Gericht
  • Fahrverbot
  • Fahrerlaubnisentzug
  • Sperre von 6 Monaten oder länger zur Erteilung einer neuen Fahrerlaubnis zusätzlich zum Fahrerlaubnisentzug
  • Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr (in sehr seltenen Ausnahmefällen)
  • Einzug des Fahrzeugs (sehr selten, bei Mehrfachtätern)

Nebenfolgen aus Erlöschen der Betriebserlaubnis und/oder Fahren ohne Fahrerlaubnis in der Probezeit:

  • Verlängerung der Probezeit
  • Anordnung eines Aufbauseminars
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