Sebastián Romero Radigales

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Sebastián Romero Radigales (* 20. Januar 1884 in Graus, Provinz Huesca; † 31. Juli 1970 in Madrid) war ein spanischer Diplomat, der posthum als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet wurde.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastián Romero Radigales wurde 1884 als dritter Sohn von Ellena Radigales und des Senators Evaristo de Romero in Graus geboren. Nach seiner Schulausbildung studierte er Rechtswissenschaften und schlug danach eine Laufbahn im diplomatischen Dienst ein.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Amtszeit von Miguel Primo de Rivera wurde er 1925 spanischer Konsul in Bulgarien. 1927 wurde er zum Konsul in Rumänien ernannt. 1928 heiratet er Elena Cutavá Anino, die griechische Eltern hatte und in Rumänien geboren wurde. Die Ehe blieb kinderlos, sie adoptierten ein Mädchen aus der Familie seiner Ehefrau.

Im Oktober 1934 wurde Sebastián Romero Radigales vom spanischen Staatspräsident Niceto Alcalá Zamora nach Chicago entsandt und am 7. Dezember erhielt er seine Beglaubigungsurkunde vom amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Während des Spanischen Bürgerkrieges zwischen 1937 und 1939 war er als Vertreter der spanischen Landesregierung unter Francisco Franco in Griechenland tätig. Im April 1943, während der deutschen Besatzungszeit, wurde er Generalkonsul von Athen und Thessaloniki, er löste den Diplomaten Eduardo Gasset ab.

Rettung von Juden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Januar 1943 war Spanien von deutscher Seite ultimativ aufgefordert worden, Juden spanischer Staatsangehörigkeit aus Griechenland zu repatriieren oder ihrer Einbeziehung in „allgemeine Judenmaßnahmen“ zuzustimmen. Als einziger neutraler Staat lehnte Spanien zunächst eine Aufnahme ab. Erst am 15. März 1943 revidierte die Regierung diese Entscheidung. Die Staatsangehörigkeit sollte jedoch streng überprüft und die Repatriierten mit Hilfe jüdischer Hilfsaktionen nach wenigen Tagen Aufenthalt in ein Drittland geschafft werden.[2] Von der Deportation nach Auschwitz unmittelbar bedroht waren in erster Linie mehr als 500 in Saloniki lebende spanische Juden.[3]

Radigales erwies sich 1943 als derjenige spanische Diplomat, der sich am stärksten für die Juden einsetzte. Auf eigene Verantwortung widersprach er der Mitteilung, die spanische Regierung habe kein Interesse an dem Schicksal der Juden von Saloniki, und bewahrte diese vor sofortiger Deportation. Nachdem ihm die revidierte spanische Position übermittelt worden war, versuchte Radigales, die strengen Kriterien zur Anerkennung der spanischen Staatsangehörigkeit zu umgehen. Ohne Rückendeckung plante er einen Abtransport mit schwedischen Schiffen. Bei Verhaftungen übermittelte er die Daten des Deportationszuges an die spanische Botschaft in Berlin, um seine Schützlinge noch herausholen zu lassen. Seine Aktivitäten wurden am 1. Juli 1943 vom spanischen Außenminister gerügt, der seinem Botschafter in Berlin übermittelte, er solle Radigales’ „übertriebenen Eifer“ zügeln. Weil Spanien die Repatriierungsmaßnahmen verschleppte, wurden 367 „Austauschjuden“ am 2. August aus Saloniki ins Lager Bergen-Belsen deportiert.[4] Erst im Februar 1944 kamen diese Juden in Spanien an.

Anfang 1944 wiederholten sich diese Vorgänge in Athen, das nunmehr auch unter deutscher Besatzung stand. Dort lebten 200 Juden spanischen Abkunft, von denen 155 im März 1944 verhaftet wurden. Erneut drängte Radigales auf großzügige Anerkennung der Staatsangehörigkeit und – vergeblich – auf rasche Repatriierung. Die verhafteten Juden wurden letztendlich über Bergen-Belsen und die Schweiz gerettet.

Nach Kriegsende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1954 zog er sich im Alter von 70 Jahren aus dem diplomatischen Dienst zurück und verbrachte seine Zeit im Haus der Familie in der "Villa Elena" in Graus (Huesca). Er verstarb 1970 nach kurzer Krankheit in Madrid.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 21. Mai 1951 wurde Sebastián Romero Radigales vom Präsidenten des griechischen Roten Kreuz für seine Verdienste um die Nation während der deutschen Besatzungszeit ausgezeichnet.
  • Am 18. Juli 1954 wurde er mit dem Gran Cruz de la Orden del Mérito Civil in Spanien ausgezeichnet.

Posthum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sebastián Romero Radigales wurde 2014 posthum als Gerechter unter den Völkern geehrt. Er ist der siebte Spanier, der diese Auszeichnung und einen Ehrenplatz in Yad Vashem als nichtjüdische Einzelperson erhalten hat.[5]
In dem griechischen Kurzfilm von Edward Serotta Ein Buchladen in sechs Kapiteln wird seine Rettungsaktion am Beispiel einer Aktion in seiner Privatwohnung beschrieben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Real Academia de la Historia Biografía escrita por Matilde Morcillo Rosillo, Profesora Titular de Historia Contemporánea en la Universidad de Castilla-La Mancha (Campus de Albacete) (spanisch)
  2. Bernd Rother: Spanien - zwischen Hilfe und Restriktion. In: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel: Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit: Regionalstudien 3 - Dänemark, Niederlande, Spanien, Portugal, Ungarn, Albanien, Weissrussland. Berlin 1999, ISBN 3-932482-18-2, S. 147/148.
  3. Bernd Rother: Die Rettung spanischer und Portugiesischer Jüdinnen und Juden aus Bergen-Belsen 1943-1945. In: Hilfe oder Handel? Rettungsbemühungen für NS-Verfolgte. (Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Heft 10), Bremen 2007, ISBN 978-3-86108-874-5. S. 43.
  4. Bernd Rother: Spanien - zwischen Hilfe und Restriktion. In: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel: Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit: Regionalstudien 3 - Dänemark, Niederlande, Spanien, Portugal, Ungarn, Albanien, Weissrussland. Berlin 1999, ISBN 3-932482-18-2, S. 150–151.
  5. Sebastián Romero Radigales auf der Website von Yad Vashem (Spanisch)