Sedlitz (Senftenberg)

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Koordinaten: 51° 32′ 58″ N, 14° 3′ 29″ O
Höhe: 107 m
Einwohner: 900 (1. Jan. 2019)
Eingemeindung: 1. März 1997
Postleitzahl: 01968
Vorwahl: 03573
Sedlitzer Kirche

Sedlitz, niedersorbisch Sedlišćo, ist ein Ortsteil der brandenburgischen Kreisstadt Senftenberg im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Er liegt in der Niederlausitz direkt am Sedlitzer See und am Großräschener See.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutung und Entwicklung des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Sedlitz hat seinen Ursprung in dem sorbischen Wort szedlive (Wohnsitz).

Chronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge bis zum Auffinden der Braunkohle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sedlitz wurde 1449 erstmals urkundlich erwähnt. Die Geschichte der Ansiedlung reicht jedoch bis in das 12. Jahrhundert zurück. Im Zuge der deutschen Ostexpansion kam es zur Ansiedlung zwischen dem Flüsschen Rainitza und der Reppist-Raunoer Hochfläche. Der sorbisch geprägte Ort lag an einem Verbindungsweg, der von Senftenberg zur alten Zuckerstraße führte. Bis zum großen Brand im Jahre 1882 veränderte das Bauerndorf kaum seine Struktur. Landwirtschaft, Bienenzucht und Fischfang waren die Haupteinnahmequellen. Torf wurde im sumpfigen Umland als Brennstoff gewonnen. Die Einwohner Sedlitz waren im Amt Senftenberg zu verschiedenen Diensten verpflichtet. Sie mussten in der Winterzeit Küchenholz hauen und ins Amt fahren. Gemeinsam mit den Einwohnern von Jüttendorf mussten die Sedlitzer beim Bierbrauen helfen, acht Jüttendorfer Gärtner mussten die erste Pfanne füllen, drei Sedlitzer Gärtner waren zu anderen Handreichungen verpflichtet. Außerdem mussten die Sedlitzer mit auf die Schweine-, Wolfs- und Hasenjagd gehen.

Der Ort war bekannt für die Herstellung hölzerner sorbischer Bauernuhren, der sogenannten serbske zegarje.

Ab 1770 gab es in Sedlitz einen Schulbetrieb. Am 3. August 1823 wurde die Sedlitzer Dorfkirche eingeweiht, die pfarramtliche Betreuung fand bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts durch Senftenberg statt.

Ab dem Auffinden der Braunkohle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abbau der Braunkohle ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte das Leben im Ort. An der Grube „Anna-Mathilde“ entstand die gleichnamige Werkssiedlung. Diese Werkssiedlung war ein zweiter Ortskern, der industriell geprägt war. Durch den Bau von Bergarbeiterwohnungen stieg die Einwohnerzahl von 500 im Jahr 1850 auf fast 3000 im Jahr 1940. Um den Ort entstanden Tagebaue. Durch den Tagebau Sedlitz (Tagebau Tatkraft), die ehemalige „Grube Ilse-Ost“ der Ilse Bergbau AG kam es zu einer ersten Teildevastierung des Ortes in den Jahren 1962/1963. Dieser Tagebau stellte die Kohleförderung im Jahr 1978 ein. Zur gravierenderen Devastierung kam es durch den Tagebau Meuro in den Jahren 1986/1987. Die ehemalige Waldrandsiedlung und der Ortsteil Sedlitz-West (Anna-Mathilde) mussten dem Bergbau weichen. 685 Einwohner wurden umgesiedelt.

Die Tagebaurestlöcher wurden nach dem Abbau der Braunkohle für die landwirtschaftliche Nutzung rekultiviert, die Kippenflächen aufgeforstet oder in Seen wie zum Beispiel den Sedlitzer See umgewandelt. Der Sedlitzer See erhält schiffbare Kanäle zum Geierswalder See über den Sornoer Kanal und über den Rosendorfer Kanal zum Partwitzer See und über den Ilse-Kanal zum Großräschener See.

Am 1. Januar 1973 wurde der devastierte Ort Sorno nach Sedlitz eingemeindet.[1] Am 1. März 1997 wurde Sedlitz nach Senftenberg eingemeindet.[2] Ortsvorsteher ist Steffen Philipp.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung in Sedlitz von 1875 bis 1996[3]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 532 1933 2950 1964 2772 1989 1030 1993 1109
1890 583 1939 2879 1971 2376 1990 979 1994 1099
1910 1722 1946 2972 1981 1834 1991 955 1995 1069
1925 2087 1950 3031 1985 1577 1992 1085 1996 1046

Im Jahr 1880 waren 95,6 Prozent der Einwohner Sorben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalgeschütztes Wohnhaus in der Senftenberger Straße

Gegenüber der Dorfkirche befindet sich die ehemalige evangelische Schule. Das Gebäude wurde auch durch den Rat der Gemeinde genutzt.

Die Häuser in der Bahnhofstraße 10 und in der Senftenberger Straße 12 sind als Baudenkmale in Senftenberg eingestuft.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1870 erfolgte der Bau der Bahnstrecke Großenhain–Cottbus mit einer Haltestelle im benachbarten Bahnsdorf. Der heutige Haltepunkt Sedlitz Ost wurde erst 1920 eingerichtet. Er liegt ferner an der Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz.

Durch den Ort führen die Bundesstraßen 96 und 169.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Forkert: Senftenberger Rückblicke Teil II Interessantes aus der Senftenberger Geschichte. Buchhandlung „Glück Auf“ GmbH, Senftenberg 2007.
  • Frank Förster: Verschwundene Dörfer – Die Ortsabbrüche des Lausitzer Braunkohlereviers bis 1993. Domowina-Verlag, Bautzen 1995, ISBN 3-7420-1623-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sedlitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  3. Statistik Brandenburg (PDF)