Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen

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Die Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen ist eine Präventions-, Aufklärungs- und Hilfsaktion, die seit 2003 in München jährlich vor und während der Oktoberfestzeit durchgeführt wird. Sie wird von drei sozialen Einrichtungen aus München in Kooperation organisiert: Amyna e.V., IMMA e.V. und dem Frauennotruf München. Die Aktion wird seit 2008 von der Landeshauptstadt München gefördert.[1]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptziel der Aktion ist es, Mädchen und Frauen zu ermöglichen, auf dem Oktoberfest Spaß zu haben, ohne in Gefährdungssituationen zu kommen. Zu den Unterzielen zählt neben mehr Sicherheit und einem erhöhten individuellen Sicherheitsgefühl für Mädchen und Frauen entsprechende Hilfsangebote und Möglichkeiten, sich selbst zu wehren, bekannter zu machen, Zivilcourage und solidarisches Handeln zu fördern sowie die öffentliche Wahrnehmung für das Thema sexuelle Übergriffe auf dem Oktoberfest zu sensibilisieren.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“, Oktoberfest München

Die Aktion Sichere Wiesn wurde 2003 gegründet. Von Anfang an legten die Gründerinnen auf eine breit angelegte Vernetzung mit städtischen und anderen öffentlichen Stellen wert. Bei Kooperationsgesprächen im Rahmen dieser Vernetzungsarbeit waren in diesem Gründungsjahr etwa 1500 Personen von Institutionen wie dem Fremdenverkehrsamt, dem Stadtjugendamt, der Polizei, dem Roten Kreuz und anderen beteiligt. Oberbürgermeister Christian Ude und Bürgermeisterin Gertraud Burkert wurden als Schirmherren gewonnen. Feste Kooperationen wurden mit der Stiftung Hänsel + Gretel, der Kinderhilfe Deutschland e.V. und Kinderhilfe Bayern e.V. sowie der Stiftung Bündnis für Kinder gegen Gewalt, die die Aktion auch finanziell unterstützen und der Fachhochschule München, die die Mitarbeit von Studentinnen im Rahmen eines Projektstudiums ermöglichte, eingegangen.

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit war in diesem ersten Jahr eine Plakataktion zur Aufklärung und Prävention. Daneben wurden erstmals rund 21.000 Infoflyer verteilt und die Homepage der Aktion erstellt. Als erste große Institution übernahm das Kommissariat 314 der Polizei Hinweise auf die Aktion Sichere Wiesn auf ihre Plakate, die auf dem Oktoberfest aufgehängt waren. Weitere Öffentlichkeitsarbeit erfolgte über gezielte Medienarbeit, die ihren Niederschlag in über 100 Berichten in Zeitungen, TV und Rundfunk fand, davon immerhin zwei Berichte in internationalen Zeitungen.

Erstmals wurde auch ein Security Point als Anlaufstelle für Mädchen und Frauen auf dem Behördenhof eingerichtet. Er war während der gesamten Oktoberfestzeit täglich von 17:00 – 24:00 Uhr geöffnet. In diesem ersten Jahr wurden 9 Mädchen und 19 Frauen vor Ort betreut. In zwölf der 28 Fälle war das Thema sexualisierte Gewalt Grund für die Kontaktaufnahme. Siebenmal war das Problem, dass die Hilfesuchende den Kontakt zu ihrer Gruppe verloren hatte, dreimal ging es um Diebstähle. Die meisten der Hilfesuchenden (21) wurden von einer der anderen Anlaufstellen im Behördenhof an den Security Point überwiesen.[3]

2004 wurde die Plakataktion in verändertem Rahmen fortgesetzt, es wurden erstmals dreisprachige Infokarten verteilt (deutsch, englisch, italienisch). Der Security Point hatte in der Oktoberfestzeit wieder täglich geöffnet. Es wurden fast dreimal so viele Frauen und Mädchen wie im Vorjahr betreut (79). Hauptproblemfelder waren neben (sexualisierter) Gewalt und dem Verlust der Bezugsgruppe wieder Diebstähle, aber auch andere psychische Krisen und starke Alkoholisierung mit Aggressionen. Es gelang erneut, eine hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erreichen, über 100 Medienberichte erschienen.[4]

In den Folgejahren konnten sowohl die Vernetzung und die Öffentlichkeitsarbeit immer weiter ausgebaut werden, als auch die Arbeit vor Ort. Das fünfjährige Jubiläum wurde 2007 mit einem Preisausschreiben gefeiert, zusätzlich gab es erstmals einen Kinospot.[5]

Seit 2010 gibt es Sicherheitsarmbänder für Wiesnbesucherinnen und im Vorfeld des Oktoberfestes eine Aufklärungskampagne in Schulen, genannt Pausenhofaktion.[6]

Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prävention und Aufklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorfeld informiert die Aktion sichere Wiesn über Flyer, Plakate und Werbespots nicht nur über dieses Angebot, sondern gibt auch Tipps für einen sicheren Oktoberfestbesuch. Sie verteilt spezielle Armbänder, auf denen man vor dem Oktoberfestbesuch die Adresse des Hotels oder auch wichtige Telefonnummern notieren kann und rät zu Security Kits mit Geld und Handy, die direkt am Körper getragen werden sollten.[7] Jährlich werden etwa 5000 Armbänder über Schulen, Campingplätze und Hotels verteilt.[8][9]

Konkrete Hilfen auf dem Oktoberfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aktion sichere Wiesn betreibt auf dem Gelände des Oktoberfestes im Behördenhof einen Security Point im Servicezentrum. In einem Raum im Untergeschoss haben Mädchen und Frauen die Möglichkeit kostenlos und auf Wunsch auch anonym Hilfe zu bekommen, wenn sie sich verunsichert oder bedroht fühlen, eine sexuelle Belästigung, eine Vergewaltigung oder einen Übergriff selbst erlebt oder als Zeugin miterlebt haben. Dort arbeiten Psychologinnen und Sozialpädagoginnen, die neben der akuten Krisenintervention auch Gespräche über die nächsten Schritte und praktische Hilfen, wie die Möglichkeit das Handy aufzuladen, Pflaster oder Aspirin und notfalls auch die Organisation eines sicheren Heimwegs anbieten. Im Bedarfsfall wird auch ein Fahrdienst angeboten, bei dem nötigenfalls Polizeibegleitung hinzugezogen wird.[10][11][12]

Die WiesnProtect App[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit kurzem gibt es alle Informationen und Tipps zusammen mit Orientierungshilfen und anderen Sonderfunktionen auf einer WiesnProtect App, die vom Computermagazin Chip als „der perfekte … Begleiter für alle Oktoberfestbesucher“ bezeichnet wird.[13] Der Stern nennt WiesnProtect in seiner Liste der 10 besten Wiesnapps an zweiter Stelle und erklärt, sie sei nicht nur für die Zielgruppe weiblicher Oktoberfestbesucher geeignet, sondern gehöre auf jedes Smartphone.[14]

Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aktion sichere Wiesn wird von der Stiftung Hänsel und Gretel,[15] sowie seit 2008 von der Landeshauptstadt München gefördert. Sie ist darüber hinaus auf weitere Spenden angewiesen.[16] Offiziell unterstützt wird die Aktion darüber hinaus von den Gleichstellungsstellen des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, des Landkreises und der Landeshauptstadt München, den Wiesnwirten, der Münchner Arbeiterwohlfahrt, der evangelischen Kirche Bayern, darüber hinaus erhält sie Unterstützung von privaten Spendern.[17]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurzinformation. (Nicht mehr online verfügbar.) sicherewiesn, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 3. September 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sicherewiesn.de
  2. Unsere Ziele. (Nicht mehr online verfügbar.) sicherewiesn, archiviert vom Original am 27. Februar 2015; abgerufen am 3. September 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sicherewiesn.de
  3. Abschlussbericht 2003. (Nicht mehr online verfügbar.) sicherewiesn.de, archiviert vom Original am 13. April 2013; abgerufen am 7. September 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sicherewiesn.de
  4. Abschlussbericht 2004. (Nicht mehr online verfügbar.) sicherewiesn.de, archiviert vom Original am 13. April 2013; abgerufen am 7. September 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sicherewiesn.de
  5. Abschlussbericht 2007. (Nicht mehr online verfügbar.) sicherewiesn.de, archiviert vom Original am 13. April 2013; abgerufen am 7. September 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sicherewiesn.de
  6. Abschlussbericht 2010. (Nicht mehr online verfügbar.) sicherewiesn.de, archiviert vom Original am 13. April 2013; abgerufen am 27. September 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sicherewiesn.de
  7. Nina Kaimer: "Pfotn weg, i mog ned!": So kommen Frauen sicherer durch die Wiesn. Augsburger Allgemeine, 30. September 2012, abgerufen am 6. September 2014.
  8. dapd: Sichere Wiesn für Frauen – so gehts. Abendzeitung München, 2. August 2011, abgerufen am 6. September 2014.
  9. Wie heißt mein Hotel noch mal? Die Welt, 4. August 2010, abgerufen am 6. September 2014.
  10. Security Point. (Nicht mehr online verfügbar.) sicherewiesn, archiviert vom Original am 27. Februar 2015; abgerufen am 3. September 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sicherewiesn.de
  11. SW: Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“. polizei-dein-partner.de, 18. August 2014, abgerufen am 3. September 2014.
  12. Andi Hörmann: Bier, Promille und Vergewaltigungen. Deutschlandradio Kultur, 22. September 2014, abgerufen am 3. September 2014.
  13. Wiesn Protect. Chip.de, abgerufen am 3. September 2014.
  14. Till Bartels: Die zehn besten Wiesn-Apps. Stern, 24. September 2013, abgerufen am 3. September 2014.
  15. sichere Wiesn (Memento vom 6. Februar 2014 im Internet Archive)
  16. Claudia Wessel: Sicherheit auf der Wiesn. Süddeutsche Zeitung, 10. Mai 2010, abgerufen am 3. September 2014.
  17. PartnerInnen. (Nicht mehr online verfügbar.) sicherewiesn, archiviert vom Original am 27. Februar 2015; abgerufen am 3. September 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sicherewiesn.de