Sigrid Herrmann-Marschall

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Sigrid Herrmann-Marschall (* 14. Januar 1964 in Frankfurt am Main) ist eine Bloggerin. Auf ihrem Blog veröffentlicht sie kritisierende Beiträge zum Thema Islamismus und Sekten.

Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrmann-Marschalls Untersuchungsgegenstand sind salafistische und islamistische Organisationen und Akteure.[1] In diesem Zusammenhang berät sie Kommunalpolitiker und hält öffentliche Vorträge.[2][3] Nachdem sie mit Analysen aus dem Rhein-Main-Gebiet begonnen hatte, ist sie inzwischen bundesweit aktiv.[4] Das öffentliche Auftreten begann mit einer Aufklärungs- und Protestaktion im Jahr 2012,[5] dem Widerstand gegen die Koranverteilungskampagnen der Gruppe um Ibrahim Abou-Nagie.[6]

Sie gehörte zu den Kritikern des Auftritts von Mohamed Matar von der Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) bei einer Gedenkveranstaltung zum Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz.[7] Die Einbeziehung der NBS in Integrationsprojekte für Flüchtlinge wird von ihr kritisiert.[8] Sie will Verbindungen des Islamischen Zentrum Hamburg nach Hessen aufgedeckt haben.[9]

Sie darf trotz Klage von Islamic Relief behaupten, „dass sich die Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland (IRD) und auch die Mutterorganisation aus Großbritannien unter anderem an der Finanzierung der Hamas beteiligen würden“.[10][11][12]

2017 beschuldigte sie gegenüber dem Hessischen Innenministerium zwei muslimische Mitarbeiter des Frankfurter „Violence Prevention Networks“ (VPN), diese würden selbst Kontakte zur extremistischen Szene unterhalten. Die beiden Mitarbeiter wurden daraufhin vorläufig suspendiert. Eine Sicherheitsüberprüfung durch das Ministerium bescheinigte den Mitarbeitern, ihre Kontakte stellten kein Sicherheitsrisiko dar.[13] Die inzwischen entlastete Mitarbeiterin wurde wegen ihres ehrenamtlichen Engagements für einen muslimischen Frauenbildungsverein überprüft. Der Frauenverein hatte gemeinsam mit einem von Salafisten geleiteten Verein einen sogenannten „Schwesterntreff“ veranstaltet. Außerdem hatte sie eine Vortragsreihe gemeinsam mit anderen Vereinen organisiert, in der auch Redner mit islamistischem Hintergrund aufgetreten waren. „Die jungen Leute fallen auf so jemanden rein“, erklärte VPN-Geschäftsführer Thomas Mücke das Verhalten seiner Mitarbeiterin.[14]

Herrmann-Marschall ist eine Diplom-Biologin.[15] Sie ist Mitglied der SPD.[16] Seit 2012 betreibt sie den Blog „Vorwärts und nicht vergessen“, der nach einer Textzeile aus dem Solidaritätslied von Bertolt Brecht benannt ist.[17]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wurde 2016 von den Jusos Frankfurt wegen angeblichen Schürens von Angst vor einer vermeintlichen Islamisierung als Rechtspopulistin bezeichnet,[18] bzw. als Holocaust-Relativiererin diffamiert.[19] Die Jusos nahmen diesen Vorwurf wieder zurück und entschuldigten sich dafür.[20]

Sie bezeichnete sich auf ihrer Webseite selbst als „unabhängige Sekten- und Islamismus-Expertin“.[2] Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor befand hierzu, Herrmann-Marschall besitze allenfalls Laienwissen über den Islam und verurteile Menschen ohne nachprüfbare Beweisführung pauschal als Anhänger islamistischer Strömungen.[21]

Der Journalist und Autor Yassin Musharbash wies einen Teil der Kritik von Herrmann-Marschall an seiner Arbeit zurück.[22]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorothee Dienstbühl, Sigrid Herrmann-Marschall: Investigate Social Media – Die Übertragung salafistischer Strukturen in sozialen Netzwerken auf örtliche Gegebenheiten und der Nutzen für die Sicherheitsbehörden. In: Thomas-Gabriel Rüdiger, Petra Saskia Bayerl (Hrsg.): Digitale Polizeiarbeit: Herausforderungen und Chancen. 1. Auflage. Springer VS, 2018, ISBN 978-3-658-19755-1, S. 91–107, doi:10.1007/978-3-658-19756-8.
  • Sigrid Herrmann-Marschall: Die Medienstrategie der Gülen-Bewegung. In: Friedmann Eißler (Hrsg.): Die Gülen-Bewegung (Hizmet) Herkunft, Strukturen, Ziele, Erfahrungen. EZW-Texte, Nr. 238. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin 2015, S. 168 ff.
  • Sigrid Herrmann-Marschall: Die Hilfsorganisation „Islamic Relief“: Heiligenschein mit Rissen. In: Materialdienst der EZW 11/2017. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin 2017, S. 415 ff. (ezw-berlin.de).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Birgit Gärtner: Salafistische Strukturen in Ostwestfalen-Lippe. Abgerufen am 22. Oktober 2018 (deutsch).
  2. a b Gießener Anzeiger Verlags GmbH & Co KG: FDP Gießen: Extremismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall über "Islamismus in Mittelhessen". Abgerufen am 22. Oktober 2018.
  3. Saarbrücker Zeitung: Freie Wähler laden ein zu Islam-Vortrag. Abgerufen am 22. Oktober 2018.
  4. Große Aufregung um Salafistinnen. In: NRW.direkt. 9. Februar 2018 (nrw-direkt.net [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  5. Koranverteilungen in deutschen Städten: Die Sache mit der Wahrheit. In: FAZ. 14. April 2012, abgerufen am 25. Februar 2019.
  6. Samuel Schirmbeck: Gefährliche Toleranz: Der fatale Umgang der Linken mit dem Islam. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Herr Müller, schweigen Sie nicht länger zum Imam auf dem Breitscheidplatz! (bz-berlin.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  8. Marcel Leubecher: Bertelsmann-Studie: Muslime helfen häufig Flüchtlingen. In: DIE WELT. 27. März 2017 (welt.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  9. Deutsche Welle (www.dw.com): Terror: Fragwürdige Partner in der Präventionsarbeit? | DW | 22.08.2017. Abgerufen am 22. Oktober 2018.
  10. Frankfurter Rundschau: Interview Sigrid Herrmann-Marschall: „Mit Aufklärung gegenhalten“. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  11. Sigrid Herrmann-Marschall: Islamic Relief: Vermeidbare Eigentore. 16. Juni 2018, abgerufen am 7. September 2018.
  12. ILI News am 09. April 2017. Abgerufen am 8. September 2018 (englisch).
  13. Frankfurter Rundschau: Extremisten in Hessen: Verdacht erhärtet sich nicht. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 28. Oktober 2018]).
  14. Islamistischer Extremismus: Prävention als Gratwanderung. In: ZEIT ONLINE. (zeit.de [abgerufen am 30. November 2018]).
  15. Vgl. die Angabe ihres akad. Grades in Politisches Informationssystem Offenbach 2011
  16. Frankfurter Rundschau: Muslime in Hessen: Wo der Extremismus anfängt. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  17. Sigrid Herrmann-Marschall: Liebe Leserinnen und Leser,. 8. Juni 2012, abgerufen am 25. Februar 2019.
  18. In eigener Sache: Ruhrbarone-Autorin zeigt Frankfurter Jusos an | Ruhrbarone. In: Ruhrbarone. 30. September 2016 (ruhrbarone.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  19. Frankfurter Neue Presse: Sigrid Herrmann-Marschall im Montagsinterview: Islamistische Terrorgefahr: „Die Politik duckt sich weg“ | Frankfurter Neue Presse. (fnp.de [abgerufen am 22. Oktober 2018]).
  20. Frankfurter Rundschau: Jusos Myrella Dorn und Frederik Michalke: „Der Wähler wird verarscht“. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 28. Oktober 2018]).
  21. Dunja Ramadan Frankfurt: Islamismus mit Islam bekämpfen. In: sueddeutsche.de. 5. August 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 31. Oktober 2018]).
  22. "Ich bitte Sie, meine Worte zu veröffentlichen" - Radikale Ansichten. In: zeit.de. 15. Dezember 2017 (zeit.de [abgerufen am 28. Oktober 2018]).