Smaragd-Netzwerk

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Das Smaragd-Netzwerk (auch Emerald-Netzwerk, engl.: Emerald Network, franz.: Réseau Emeraude) ist ein auf dem Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (Berner Konvention) basierendes Schutzgebietsnetz, das von den Vertragsstaaten einzurichten ist. Die Ausweisungen der Smaragd-Gebiete, auch als „Areas of Special Conservation Interest“ (ASCI, „Gebiete mit besonderem Schutzinteresse“) bezeichnet, erfolgen aufgrund der 1989 verabschiedeten Resolution Nr. 1 (1989) sowie der Empfehlung Nr. 16 (1989) des Ständigen Ausschusses der Berner Konvention.[1][2]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Erkenntnis heraus, dass für einen erfolgreichen Schutz von Pflanzen, Tieren und Lebensräumen ein Ansatz auf Basis nationaler Betrachtungen nicht ausreichend ist, wurde 1979 das Ziel formuliert, dass wildlebende Pflanzen und Tiere sowie ihre natürlichen Lebensräume – insbesondere die Arten und Lebensräume, deren Erhaltung die Zusammenarbeit mehrerer Staaten erfordert – zu erhalten sind und eine Zusammenarbeit zwischen den Staaten zu fördern ist (Artikel 1 Berner Konvention[3]).

Artikel 4 Ziffer 4 der Berner Konvention sieht konkret den koordinierten grenzüberschreitenden Lebensraumschutz und Artikel 11 die allgemeine Zusammenarbeit der Vertragsparteien vor. Mit der Errichtung des 1989 beschlossenen Smaragd-Netzwerks (Recommendation No. 16 (1989) Ziffer 1: [...] take steps to designate areas of special conservation interest [...]) soll ein grenzüberschreitendes kohärentes Schutzgebietsnetz entstehen. Für die Auswahl der Smaragd-Gebiete hat die Expertengruppe des Ständigen Ausschusses der Berner Konvention Kriterien festgelegt[2][1].

Geltungsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konvention wurde von nachfolgenden Staaten unterzeichnet (in Klammer das Datum des Inkrafttretens, Stand: Juni 2010[3]), die sich somit zum Schutz und zur Schutzgebietsausweisung verpflichten: Albanien (1. Mai 1999), Andorra (1. Februar 2001), Armenien (1. August 2008), Aserbaidschan (1. Juli 2000), Belgien (1. Dezember 1990), Bosnien und Herzegowina (1. März 2008), Bulgarien (1. Mai 1991), Burkina Faso (1. Oktober 1990), Dänemark (1. Januar 1983), Deutschland (1. April 1985), Estland (1. Dezember 1992), Europäische Union (1. September 1982), Finnland (1. April 1986), Frankreich (1. August 1990), Georgien (1. März 2010), Griechenland (1. Oktober 1983), Irland (1. August 1982), Island (1. Oktober 1993), Italien (1. Juni 1982), Kroatien (1. November 2000), Lettland (1. Mai 1997), Liechtenstein (1. Juni 1982), Litauen (1. Januar 1997), Luxemburg (1. Juli 1982), Malta (1. März 1994), Marokko (1. August 2001), Mazedonien (1. April 1999), Moldawien (1. September 1994), Monaco (1. Juni 1994), Montenegro (1. Februar 2010), Niederlande (1. Juni 1982), Norwegen (1. September 1986), Österreich (1. September 1983), Polen (1. Januar 1996), Portugal (1. Juni 1982), Rumänien (1. September 1993), Schweden (1. Oktober 1983), Schweiz (1. Juni 1982), Senegal (1. August 1987), Serbien (1. Mai 2008), Slowakei (1. Januar 1997), Slowenien (1. Januar 2000), Spanien (1. September 1986), Tschechische Republik (1. Juni 1998), Tunesien (1. Mai 1996), Türkei (1. September 1984), Ukraine (1. Mai 1999), Ungarn (1. März 1990), Vereinigtes Königreich (1. September 1982, davon abweichend die Gebiete Isle of Man (24. August 1992), Akrotiri und Dhekelia (24. Oktober 2001) und Jersey (25. Oktober 2002)), Zypern (1. September 1988).

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

EU-Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Natura 2000-Gebiete „Julijske Alpe“ (FFH-Gebiet) und „Julijci“ (Vogelschutzgebiet) in Slowenien – im Bild der Gebietsteil um die Berge Prisojnik und Razor –, wurden zur Erhaltung von 25 Lebensräumen, 22 FFH-Arten und 22 Vogelarten, die europaweit gefährdet sind, ausgewiesen.

In den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union erfolgt die Umsetzung der Berner Konvention über die Richtlinien 2009/147/EG (Vogelschutzrichtlinie, zuvor 79/409/EWG) und 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie). Das hieraus entstehende Schutzgebietsnetz wird in der EU nicht Smaragd-Netzwerk, sondern „Natura 2000“ genannt. Es besteht in den 28 EU-Staaten aus insgesamt 27.384 einzelnen Gebieten mit einer Gesamtfläche von 1.106.610 km² (davon 318.133 km² Meeresgebiete), was einer Abdeckung von durchschnittlich 18,14 % des Gesamtgebiets entspricht (Stand: Dezember 2014)[4].

Die Maßnahmen der einzelnen EU-Staaten zur Errichtung des Natura 2000-Netzwerks, sowohl hinsichtlich der Gebietsausweisungen als auch bei der Anwendung des EU-Rechts, sind jedoch sehr unterschiedlich. So hat Slowenien 37,85 % seiner Staatsflächen als Natura 2000-Gebiete unter Schutz gestellt, Dänemark hingegen nur 8,34 %[4].

Albanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albanien verfügt bislang noch über kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, hat jedoch 25 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 5.224,30 km² (18,17 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5].

Armenien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Armenien gibt es noch kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hat 13 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 3.185,35 km² (10,69 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5].

Aserbaidschan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Aserbaidschan gibt es noch kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hat bislang 12 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 10.000,15 km² (11,55 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5].

Belarus (Weißrussland)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Belarus gibt es bislang kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hat 16 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 9.806,26 km² (4,72 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5].

Bosnien und Herzegowina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bosnien und Herzegowina besteht noch kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hat 29 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 2.504,55 km² (4,89 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5].

Georgien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Georgien gibt es noch kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hatte bis Dezember 2014 jedoch 21 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 6.116,89 km² (8,78 % der Staatsfläche) nominiert[5]. Im Jahr 2015 wurden zusätzlich sieben Gebiete gemeldet, so dass mit Stand Dezember 2015 eine Smaragd-Gebietsfläche von 7.841,56 km² (11,25 % der Staatsfläche) nominiert ist[6].

Marokko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Marokko gibt es bislang kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hat 11 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 5.728,20 km² (1,28 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5].

Mazedonien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mazedonien gibt es noch kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hat jedoch 35 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 7.543,83 km² (29,34 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5].

Moldawien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Moldawien gibt es bislang kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hat 18 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 4.172,65 km² (12,33 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5].

Montenegro[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Montenegro gibt es bislang kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hat jedoch 32 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 2.400,77 km² (17,38 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5].

Norwegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Norwegen gibt es noch kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hatte bis Dezember 2014 insgesamt 633 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 42.960,74 km² (11,15 % der Staatsfläche) nominiert[5]. Bis Dezember 2015 hat Norwegen weitere Gebiete gemeldet, so dass mit Stand 4. Dezember 2015 711 Smaragd-Gebiete mit einer Gesamtfläche von 52.418,11 km² (13,61 % der Staatsfläche) nominiert sind[6].

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Russland gibt es bislang kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hatte bis Dezember 2014 insgesamt 923 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 312.047,15 km² (1,83 % der Staatsfläche) nominiert[5]. Bis Dezember 2015 hat Russland weitere Gebiete gemeldet, so dass mit Stand 4. Dezember 2015 1.267 Smaragd-Gebiete mit einer Gesamtfläche von 479.199,86 km² (2,8 % der Staatsfläche) nominiert sind[6].

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Piz Plavna Dadaint, eines der Schweizer Smaragd-Gebiete, wurde zur Erhaltung von Steinadler (Aquila chrysaetos), Bartgeier (Gypaetus barbatus), Auerhuhn (Tetrao urogallus), Alpenschneehuhn (Lagopus muta), Haselhuhn (Bonasa bonasia) und dem endemischen Ladiner Hungerblümchen (Draba ladina) ausgewiesen.

Die Schweiz hat in der Bundesversammlung am 11. Dezember 1980 den Beitritt zur Berner Konvention genehmigt, die Ratifikationsurkunde wurde am 12. März 1981 hinterlegt und am 1. Juni 1982 ist die Konvention in der Schweiz in Kraft getreten.[7]

Gemäß der Angaben des Ständigen Ausschusses der Berner Konvention existieren in der Schweiz 149 Arten und 34 natürliche Lebensräume, die in Europa bedroht sind. Um diese zu erhalten, haben der WWF und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz im Jahr 2002 auf Basis fachlicher Kriterien 139 Gebiete benannt, die als Smaragd-Gebiete unter Schutz zu stellen sind (13 % der Landesfläche für Vogelschutzgebiete und 3,6 % für Nicht-Vogelarten).[8][9][10]

Am 22. Oktober 2009 hat die Schweiz 37 Smaragd-Gebiete an den Europarat gemeldet, woraufhin der Ständige Ausschuss der Berner Konvention im Herbst 2012 diese Gebiete offiziell als Smaragd-Gebiete anerkannt hat. Dass die bislang gemeldeten 37 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 642,16 km² (1,56 % der Staatsfläche) keinesfalls ausreichen, um der Verpflichtung der Berner Konvention zur Erhaltung der Biodiversität nach zu kommen, ist den Behörden bekannt.[9][10][11]

Folgende anerkannte Smaragd-Gebiete gibt es bislang in der Schweiz (Stand: Dezember 2014)[12]: Bonfol (2,19 km²), St-Ursanne (19,98 km²), Étang de la Gruère (2,01 km²), La Vraconne (1,95 km²), Vallée de Joux (8,82 km²), Sèche de Gimel (0,13 km²), Pfynwald (20,33 km²), Stazerwald (8,27 km²), Ruinaulta (26,26 km²), Val Roseg (18,40 km²), Maggia (4,14 km²), Magadinoebene (13,18 km²), Colombera (0,26 km²), Tresa (0,15 km²), Les Grangettes (10,04 km²), Les Mosses (15,88 km²), Flühli-Sörenberg-Habkern (96,91 km²), Moore auf dem Rickenpass (2,25 km²), Galgenmaad-Schribersmaad (3,09 km²), Hanenried (0,45 km²), Thurspitz (4,61 km²), Boniswiler – Seenger – Ried (1,47 km²), Rive Sud du Lac de Neuchâtel (35,62 km²), Complexe alluvial du Rhône genevois (26,28 km²), Katzensee (5,02 km²), Belpau (4,36 km²), Pfäffikersee (11,01 km²), Reusstal (31,95 km²), Walenstöcke-Brisen (27,14 km²), Val Piora (14,31 km²), Monte di Brissago (9,14 km²), Albionasca (4,63 km²), Monte Generoso (62,15 km²), Ramosch (3,11 km²), Ardez (6,07 km²), Piz Plavna Dadaint (25,92 km²), Oberaargau (114,68 km²).

Serbien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Serbien gibt es bislang kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hat 61 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 10.210,78 km² (13,18 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5].

Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Ukraine gibt es bislang kein anerkanntes Smaragd-Gebiet, das Land hat aber 159 Gebiete mit einer Gesamtfläche von 43.322,83 km² (7,18 % der Staatsfläche) nominiert (Stand: Dezember 2014)[5]. Die Gebietszahl blieb 2015 gleich, jedoch wird die Fläche zum Stand 4. Dezember 2015 mit 43.546,94 km² geringfügig größer angegeben[6].

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ständiger Ausschuss der Berner Konvention (1989): Recommendation No. 16 (1989) of the standing committee on areas of special conservation interest (Adopted by the Standing Committee on 9 June 1989) [HTML]
  2. a b Europarat (2010): Criteria for assessing the National Lists of proposed Areas of Special Conservation Interest (ASCIs) at biogeographical level and procedure for examining and approving Emerald candidate sites, T-PVS/PA (2010) 12, 9. Dezember 2010 [PDF]
  3. a b Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume vom 19. September 1979, in der Fassung vom 10. Juni 2010 [PDF]
  4. a b „Natura 2000-Barometer“, in: Europäische Kommission (2015): Natura 2000 – Newsletter Natur und Biodiversität, Heft Nr. 38, Juni 2015, 16 S. [PDF]
  5. a b c d e f g h i j k l m n Europarat (2015): Convention on the conservation of European wildlife and natural habitats – Group of Experts on Protected Areas and Ecological Networks – 34th meeting of the Standing Committee to the Bern Convention – List of candidate Emerald sites (December 2014), T-PVS/PA(2014)15E, 4. Februar 2015 [PDF]
  6. a b c d Europarat (2015): Convention on the conservation of European wildlife and natural habitats – 35th meeting of the Standing Committee to the Bern Convention – Update list of officially nominated candidate Emerald sites (December 2015), T-PVS/PA(2015)14, 4. Dezember 2015, 61 S. [PDF]
  7. Der Bundesrat – das Portal der Schweizer Regierung, Informationen zum Bundesrecht [HTML]
  8. WWF Schweiz (o. J.): Artikel „139 Kandidaten für Smaragd-Gebiete in der Schweiz“ [PDF]
  9. a b BirdLife Schweiz (2015): Informationen zum Smaragd-Netzwerk in der Schweiz [HTML]
  10. a b ProNatura & BirdLife Schweiz (2012): Presseaussendung zur Anerkennung der ersten 37 Smaragd-Gebiete der Schweiz [DOC]
  11. HOFMANN, M. (2010): Artikel „Auf der Suche nach «Smaragden»“, in: Neue Zürcher Zeitung, 28. August 2010 [HTML]
  12. Europarat (2015): Convention on the conservation of European wildlife and natural habitats – Group of Experts on Protected Areas and Ecological Networks – 34th meeting of the Standing Committee to the Bern Convention – List of Emerald sites (December 2014), T-PVS/PA(2014)16E, 4. Februar 2015 [PDF]