Smržovka

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Smržovka
Wappen von Smržovka
Smržovka (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Liberecký kraj
Bezirk: Jablonec nad Nisou
Fläche: 1481,491[1] ha
Geographische Lage: 50° 44′ N, 15° 15′ OKoordinaten: 50° 44′ 15″ N, 15° 14′ 48″ O
Höhe: 585 m n.m.
Einwohner: 3.704 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 468 51
Kfz-Kennzeichen: L
Verkehr
Bahnanschluss: Liberec–Tanvald
Smržovka–Josefův Důl
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Marek Hotovec (Stand: 2007)
Adresse: náměstí T. G. Masaryka 600
468 51 Smržovka
Gemeindenummer: 563811
Website: www.smrzovka.cz

Smržovka (deutsch Morchenstern, früher auch Morchelstern und Morgenstern) ist eine Stadt mit etwa 3500 Einwohnern im Liberecký kraj in Tschechien und gehört der Euroregion Neiße an.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteil in typischer landschaftlicher Umgebung
Historisches Gemälde aus dem 18. Jahrhundert mit der Ortschaft Morchenstern im Hintergrund
Häuser am Marktplatz
Pfarrkirche St. Michael

.

Friedhof

Die Stadt liegt in Nordböhmen im Isergebirge, etwa 10 km östlich der Kreisstadt Jablonec nad Nisou (deutsch Gablonz an der Neiße).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung wurde 1568 zum ersten Mal erwähnt und gehörte zunächst der Familie Smiřický. Ab 1622 war sie im Besitz von Albrecht von Wallenstein. Ab 1634 gehörte die Herrschaft Morchenstern den Reichsgrafen Desfours. Im 18. Jahrhundert wurde die Herrschaft von Reichsgraf Franz Anton Desfours ererbt, der sie noch um 1785 besaß.[3] Das Dorf Morchenstern hatte um diese Zeit 333 Häuser.[3]

Die Michaelskirche, die Graf Nikolaus Desfours 1735 zuerst aus Holz hatte erbauen lassen, wurde 1749 zur Pfarrkirche erhoben und 1766 von Graf Karl Josef Desfours auf dem Grundriss eines Kreuzes groß und schön aus Stein neu errichtet und mit den Glocken der aufgehobenen Kirche St. Michael zu Prag beschenkt.[4]

Lange Zeit war Smržovka ein Zentrum der Holzindustrie, ab dem 18. Jahrhundert auch der Textil- und Glasindustrie. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bildete die Ortschaft eine Gemeinde im Gerichtsbezirk Tannwald. 1868 wurde der Ort offiziell ein Marktflecken, 1905 erhielt er die Stadtrechte.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Morchenstern der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Auf Grund des Münchner Abkommens gehörte Morchenstern von 1938 bis 1945 zum Landkreis Gablonz an der Neiße, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Stadt überwiegend von Deutschen bewohnt, die 1945 teilweise vertrieben wurden und zum anderen Teil als Fachleute dablieben. In Morchenstern existierte von 1944 bis Kriegsende ein Zwangsarbeitslager für Frauen des KZ Groß-Rosen.[5]

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Morchenstern überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1830 2550 in 471 Häusern[4]
1900 6942 deutsche Einwohner[6]
1930 7846 [7]
1939 6703 [7]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[8]
Jahr 1970 1980 1991 2001 2003 2006
Einwohner 3747 3526 3418 3430 3433 3431

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Smržovka ist vom Adjektiv smržová abgeleitet, was ein Berg mit Waldbestand bedeutet, in dem viele Morcheln wachsen. Die deutschen Siedler interpretierten das falsch und vermuteten die mittelalterliche Waffe als Namensgeber. Bis heute ist die Morchel und zwei Sterne als Symbole für den Morgenstern im Wappen enthalten.[9]

Die offizielle deutsche Bezeichnung für Smržovka lautet Morchenstern. Der deutsche Name ist bei der Bevölkerung etwas umstritten, weil bis etwa 1970 Morchelstern als deutsche Bezeichnung üblich war. Die Morchel ist in der Bergregion Isergebirge häufig anzutreffen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Smržovka sind keine Ortsteile ausgewiesen. Grundsiedlungseinheiten sind Dolní Smržovka (Untermorchenstern), Horní Ves, Luční, Muchovský hřeben, Nová Mýtina, Střední Smržovka (Mittelmorchenstern), Za tratí und Záhoří.[10]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Glasschleiferei hat Tradition im Ort; „Gablonzer Bijouterie“ wurde und wird in Smržovka und im Nachbarort Tanvald in großen Mengen in Handarbeit überwiegend in familiären Schleifereien hergestellt. In Smržovka befindet sich eine Rennrodelbahn mit Natureis.

In der Stadt gibt es ein tschechisch-deutsches Begegnungszentrum.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/563811/Smrzovka
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. a b Jaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 4: Bunzlauer Kreis, Prag 1786, S. 301–303.
  4. a b Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 2: Bunzlauer Kreis, Prag 1834, S. 324, Ziffer 1).
  5. Rudolf M. Wlaschek: Juden in Böhmen. München : Oldenbourg, 1990, S. 152
  6. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 14, Leipzig und Wien 1908, S. 135.
  7. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Gablonz an der Neiße. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Tschechische Bevölkerungsstatistik
  9. Stadt Smržovka: Historie
  10. http://www.uir.cz/zsj-obec/563811/Obec-Smrzovka