Soda (Mineral)

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Soda
Emi Koussi crater natron.jpg
Innerer Krater des Emi Koussi (Tibesti, Tschad). Soda-Ablagerungen am Grund sichtbar.
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Na2[CO3] • 10H2O[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Carbonate (und Verwandte)
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
5.CB.10 (8. Auflage: V/D.02)
15.01.02.01
Ähnliche Minerale Thermonatrit, Trona
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-domatisch m[2]
Raumgruppe Cc[1]
Gitterparameter a = 12,83 Å; b = 9,03 Å; c = 13,44 Å
β = 123,0°[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1 bis 1,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 1,478; berechnet: 1,458
Spaltbarkeit deutlich nach {001}, unvollkommen nach {010}
Bruch; Tenazität muschelig, spröde
Farbe farblos, weiß, grau, gelb
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,405
nβ = 1,425
nγ = 1,440[3]
Doppelbrechung δ = 0,035[3]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = gemessen: 71°; berechnet: 80°[3]
Pleochroismus farblos
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten wasserlöslich, schon in schwachen Säuren unter CO2-Abgabe löslich
Besondere Merkmale phosphoreszierend

Die oder das[4] Soda (englisch Natron[5]) ist ein Salz-Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate (und Verwandte)“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Na2[CO3] • 10H2O[1] und stellt damit das Decahydrat des Natriumcarbonats dar.

Soda entwickelt meist farblose, weiße, graue oder gelbe Ausblühungen beziehungsweise krustige Überzüge auf Salzgesteinen.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte Soda zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Wasserhaltigen Carbonate ohne fremde Anionen“, wo es zusammen mit Baylissit, Chalkonatronit, Gaylussit, Pirssonit, Thermonatrit und Trona eine eigenständige Gruppe V/D.02 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet Soda in die neue Klasse der „Carbonate und Nitrate“ ein (die Borate bilden jetzt eine eigene Klasse). Dort gehört es nach wie vor zur Abteilung der „Carbonate ohne weitere Anionen, mit H2O“. Diese Abteilung ist allerdings noch präziser unterteilt nach der Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit großen Kationen (Alkali- und Erdalkali-Carbonaten)“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 5.CB.10 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Soda wie die alte Strunz’sche Systematik in die gemeinsame Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ ein, dort allerdings in die Abteilung der „Wasserhaltigen Carbonate“. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 15.01.02 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserhaltigen Carbonate mit A+(XO3) • x(H2O)“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soda ist eine von sieben Modifikationen der chemischen Verbindung Natriumcarbonat. Die anderen Modifikationen sind:

  • wasserfreies Natriumcarbonat (Na2CO3, Mineral Natrit)
  • Natriumcarbonat-Monohydrat (Na2CO3•H2O, Mineral: Thermonatrit)
  • Natrium-Calcium-carbonat-Dihydrat (Na2Ca(CO3)2•2H2O, Mineral Pirssonit)
  • Natrium-Calcium-carbonat-Pentahydrat (Na2Ca(CO3)2•5H2O, Mineral Gaylussit)
  • Natriumcarbonat-Heptahydrat (Na2CO3•7 H2O)
  • Natriumcarbonat-hydrogencarbonat-Dihydrat (Na(HCO3)•Na2CO3•2H2O, Mineral Trona).

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soda bildet sich vorwiegend durch Verdunstung an den Rändern von Salzseen oder durch Ausfällung am Seegrund bei kaltem Wetter.

Fundorte sind verschiedene Natronseen unter anderem in Ägypten, Äthiopien (Shala), Bolivien (San Juan), Großbritannien, Italien, Kanada, Mongolei (Ost-Gobi), Ungarn, Russland, Schweiz und den USA.[3]

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soda kristallisiert monoklin in der Raumgruppe Cc mit den Gitterparametern a = 12,83 Å; b = 9,03 Å; c = 13,44 Å und β = 123,0° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Altertum wurde es allgemein als Reinigungsmittel unter anderem für Glas verwendet. Im alten Ägypten diente es zur Trocknung von Leichen und damit der Mumifizierung. Die Römer der Antike versuchten, mit alkalischer Birkenasche oder Soda Haare zu bleichen.

Soda ist ein wichtiger Rohstoff beziehungsweise ein wichtiges Hilfsmittel zur Herstellung von Glas, Bleichmitteln, Waschmitteln, Farbmitteln, Gerbereiprodukten.

Die natürlichen Vorkommen reichen dafür nicht aus, so dass es weltweit in großen Mengen hergestellt wird (siehe Natriumcarbonat).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 46, 306.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Soda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Soda – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 304.
  2. Webmineral – Natron (englisch)
  3. a b c d Natron bei mindat.org (engl.)
  4. Duden, Rechtschreibung der deutschen Sprache; 21. Aufl.; Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 1996
  5. Mineraldatenblatt - Natron (engl.; PDF; 68 kB)