St. Martin (Kunitz)

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Kirche in Kunitz

Die evangelische Dorfkirche St. Martin steht im nordöstlichen Ortsteil Kunitz der Stadt Jena in Thüringen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1491 bestätigte der Bischof Dietrich I. von Naumburg schriftlich den Nachweis einer Kirche in Kunitz.[1] Das heutige Kirchenschiff entstand bis ca. 1773 (Inschrift über dem Portal an der Südfassade) anstelle eines im Jahre 1764 durch Brand zerstörten mittelalterlichen Vorgängerbaues als barocke protestantische Hallenkirche mit zwei Emporen. Die Decke ist als hölzerne Tonne mit farbig gefasster Papiertapete ausgebildet. Zum sparsamen Schmuck des Kirchenraumes zählt die über dem Altarbogen angebrachte Stuckkartusche mit der Inschrift „Soli Deo Gloria“. Es wurde der Turm nach einem Entwurf von Carl Spittel im Jahr 1860 mit seiner spitzen Haube ergänzt, zugleich erneuerte man den nun im Übergang zum Turm befindlichen Kanzelaltar. Der dabei abgebaute barocke Kanzelkorb ist als Fragment erhalten. Der 1857 von Carl Heinrich Ferdinand Streichhan geschaffene Entwurf hingegen wurde verworfen.[2]

In der Kirchgemeinde Golmsdorf, zu der fünf Kirchen gehören, waren vier Kirchen, darunter die Kunitzer, zur Zeit der Wiedervereinigung auf Grund von Baumängeln nicht begehbar. Die Kunitzer Martinskirche wurde ab der Mitte der 1980er-Jahre weitgehend durch bürgerschaftliches Engagement (Spenden und Arbeitsleistungen) wiederhergestellt. Zunächst mussten die Dachkonstruktion stabilisiert sowie Dach und Turmhaube neu gedeckt werden. Um 1990 folgten der Putz und die Farbfassung der Außenfassaden. Bis 1998 wurde der Innenraum in den Farben der Barockzeit (Emporen) bzw. des 19. Jahrhunderts (Kanzelaltar) restauriert. Im Juli 2010 wurde ein neues Geläut in der Kirche installiert: drei Bronzeglocken, die 50.000 Euro gekostet hatten und die durch Spenden finanziert wurden. Die Glockenweihe des Geläuts fand am 3. Oktober 2010 zeitgleich mit dem Kunitzer Hausbrückenfest statt. Die Weihe war in den Oktober verschoben worden, weil in der Martinskirche in den Sommermonaten eine Wochenstube für das Große Mausohr, eine geschützte Fledermausart, ist.[3]

Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Martinskirche ist umgeben von einem Friedhof mit massiver Umfassungsmauer aus Bruch- und Hausteinen. Zwei erhaltene und zu Beginn der 2010er Jahre restaurierte bzw. teilerneuerte Grabsteine erinnern an Ortspfarrer und ihre Familien im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helga Sciurie: Kirchen um Jena. Eine Einführung in ihre Geschichte und symbolische Bedeutung, Jena 2000.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Martin (Kunitz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. C. Zenker: Historisch-topographisches Taschenbuch von Jena 1836 und seiner Umgebung. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, Resprintauflage 2011, S. 124–126.
  2. Kerstin Vogel: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan: Architekt und Oberbaudirektor im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach 1848 bis 1884. Bd. 1, Diss. Weimar 2009, S. 104.
  3. Neue Glocken in Kunitz Abgerufen am 11. Mai 2014.

Koordinaten: 50° 57′ 20,6″ N, 11° 38′ 9,6″ O