Straßenbahn Melbourne

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Straßenbahn
Straßenbahn Melbourne
Bild
Citadis-Bahn auf der Linie 109
Basisinformationen
Staat Australien
Stadt Melbourne
Eröffnung 11. November 1885
Betreiber Keolis Downer EDI Rail
Infrastruktur
Streckenlänge 250 km
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem 600 Volt DC Oberleitung
Betrieb
Linien 26
Fahrzeuge W, Z, A und B class, Alstom Citadis, Siemens Combino
Statistik
Fahrgäste 182,7 Mio. pro Jahr (2010)
Netzplan
Liniennetz (2011)

Die Straßenbahn Melbourne ist der wichtigste Träger des öffentlichen Nahverkehrs in der australischen Stadt.

Mit einer Länge von 245 Kilometern und mit 1813 Haltestellen besitzt Melbourne das größte[1] Straßenbahnnetz der Welt. Es werden jährlich 150 Millionen Personen befördert.

Das Liniennetz besteht aus 27 Linien, die mit den Nummern 1 bis 112 nummeriert sind.[2] Sehr beliebt bei Touristen ist die City Circle Tram um die Innenstadt, die mit historischen, teils in weinrot oder grün gelb lackierten Fahrzeugen verkehrt kostenlos benutzt werden darf. Zusätzlich darf innerhalb des City Circles, dem Linienweg der Linie 35, der gesamte Trambetrieb kostenlos benutzt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Eröffnungsfahrt der Kabelstraßenbahn am 11. November 1885.

Die Anfänge gehen auf das Jahr 1885 zurück, als eine Kabelstraßenbahn nach US-amerikanischem Patent (das gleiche, das die berühmten San Francisco Cable Cars noch heute antreibt, wenn auch inzwischen als kulturhistorisches Denkmal) eröffnet wurde.[3] Diese erste Bahn wurde noch aus New York importiert, die weiteren wurden im Lande in Lizenz nachgebaut.

Zu Zeiten der Cabletrams erreichte der Maximalausbau insgesamt elf Powerhouses, das sind die Bauwerke in denen stationäre Dampfmaschinen über riesige Treibräder für den unterirdischen Antrieb durch kilometerlange Stahlförderseile (engl. „rope“ oder „cable“) sorgen. Der jeweilige Gripman in den einzelnen Cars konnte sich über eine mechanische Klemmvorrichtung in ca. drei Fuß (etwa einem Meter) Tiefe unter der Straßenoberfläche anklinken und so den Bahnwaggon vorwärts bewegen – die Maximalgeschwindigkeit war durch die Seilzuggeschwindigkeit vorgegeben.

Dazu musste mittig in jedem Gleis (also zwischen den Schienen) ein bis zu vier Fuß (ca. 1,2 m) tiefer Schacht angelegt werden, in dem das Stahlseil über Rollen so geführt wurde, dass die angeklemmten Waggons gezogen werden konnten. Nach oben wurde dieser Schacht mit einem durchgängigen Spalt (engl.: „slot“) abgeschlossen und gesichert, damit sich niemand verletzen konnte.

Die bis zu acht Kilometer langen Stahlzugseile, die zum Einsatz kamen, waren sechskardeelig (mit „Seele“) aus gedrehten Drahtseilen mit jeweils sieben Drähten, „endlos“ verspleißt und besaßen ein enormes Gewicht. Um das Einklemmen zu ermöglichen durften sich diese Zugseile nur minimal von der Klemmkralle zusammen drücken lassen.

Mit Aufkommen stabiler elektrischer Motorantriebe wurden die Straßenbahnen nach und nach auf diese Antriebstechnik umgestellt, um die aufwändigen Unterhaltungsmaßnahmen (z. B. mussten die Förderseile mindestens jährlich erneuert werden) zu reduzieren.

City Circle Tram
Wagen der B2-class in der Spencer Street.

Aktuelles Liniennetz[Bearbeiten]

Linie Linienweg Bemerkungen
1 East Coburg – South Melbourne Beach über Lygon Street & Melbourne City Centre
3 Melbourne University – East Malvern Nur Wochentags
3a Melbourne University – East Malvern Wochenend-/Feiertagsvariante der 3 über St Kilda
5 Melbourne University – Malvern
6 Melbourne University – Glen Iris
8 Moreland – Toorak über Lygon Street & Melbourne City Centre
11 West Preston – Victoria Harbour Docklands über Collins Street
12 St Kilda/Fitzroy St - Victoria Gardens über Collins Street & City
16 Melbourne University – Kew über St Kilda
19 North Coburg – City (Elizabeth Street)
30 St Vincents Plaza – Etihad Stadium Docklands über La Trobe Street

(lt. Fahrplan nur werktags tagsüber, oft auch tagsüber am Wochenende)

35 City Circle Kostenloser City Circle
48 Victoria Harbour Docklands – North Balwyn über Collins Street
55 West Coburg – Domain Interchange über William Street & City
57 West Maribyrnong – City (Elizabeth Street) über North Melbourne
59 Airport West – City (Elizabeth Street)
64 Melbourne University – East Brighton
67 Melbourne University – Carnegie
70 Waterfront City Docklands – Wattle Park
72 Melbourne University – Camberwell
75 City (Spencer Street) – Vermont South
78 North Richmond – Balaclava
82 Moonee Ponds – Footscray ehemals Teil der Straßenbahn Footscray
86 Bundoora RMIT – Waterfront City Docklands über Smith Street & Bourke Street
96 East Brunswick – St Kilda Beach über Bourke Street, City & St Kilda Stadtbahnlinie
109 Box Hill – Port Melbourne über Collins Street, City & Port Melbourne Stadtbahnlinie

Rollmaterial[Bearbeiten]

W-class[Bearbeiten]

Bei den Straßenbahnen der W-class handelt es sich um die ältesten noch in Betrieb befindlichen Fahrzeuge, welche von 1923 an gefertigt wurden. Insgesamt wurden bis in die fünfziger Jahre 752 Bahnen in drei Ausführungen hergestellt, die als neues Standardmodell in Melbourne eine wichtige Rolle für den Straßenbahnbetrieb einnahmen. Mit dem Aufkommen neuer Fahrzeuge und dem zunehmenden Alter der W-class wurden zahlreiche Fahrzeuge nach Kopenhagen, Seattle und Savannah (Georgia) verkauft oder gelangten in den Besitz von Privatleuten bzw. Sammlern. Nach über 50 Jahren Betrieb konnte ein vorzeitiges Ende des Einsatzes nur durch den Einbau neuer Bremsen verhindert werden, sodass heute noch 26 Fahrzeuge im Straßenbahnnetz eingesetzt werden. Zusätzlich übernehmen sie die Beförderung von Passagieren auf dem touristischen City Circle, es stehen 26 Fahrzeuge als unmittelbar einsetzbare Reserve zur Verfügung. Weiterhin sind 175 Wagen in Straßenbahndepots abgestellt.

Z-class[Bearbeiten]

Die Z-class-Straßenbahnen sind noch heute von großer Bedeutung für den Betrieb und werden auf einem großen Teil der Linien eingesetzt. Seit 1975 wurden drei Serien von unterschiedlicher Ausführung angefertigt, die sich jedoch nur in geringer Weise unterscheiden lassen und meist im äußeren Erscheinungsbild Unterschiede aufweisen. Als Grundlage wurden die Gothaer Straßenbahnen verwendet. Die Gesamtzahl von 230 Fahrzeugen teilt sich auf die erste Serie mit 100, die zweite Serie mit 15 und die dritte Serie mit 115 angefertigten Straßenbahnen auf. Durch ein Programm zur Erneuerung des Fuhrparks wurden von 2014 bis Anfang 2015 acht Fahrzeuge ausgemustert und recycelt, um einzelne Bestandteile für andere Straßenbahnfahrzeuge verwenden zu können. Als Ersatz werden neue E-class-Straßenbahnen in Betrieb gestellt.[4]

A-class[Bearbeiten]

Die A-class-Straßenbahnwagen werden größtenteils noch im Linienbetrieb eingesetzt. Sie wurden von 1983 bis 1987 ausgeliefert und teilen sich auf die Serien A1 und A2 auf. letztere ist durch den Einbau neuer Bremssysteme, Türen und Zielanzeigen zu unterscheiden und dadurch gleichzeitig wegweisend bei der Entwicklung der Straßenbahnen Melbournes. Von den 70 gebauten Straßenbahnen ist nur eine der Serie A1 nicht mehr in Betrieb.

B-class[Bearbeiten]

Für die Übernahme von Eisenbahn-Vorortstrecken in Süd-Melbourne durch die Straßenbahn mussten neue Straßenbahnfahrzeuge angeschafft werden, denen eine Führung über Eisenbahn- und Straßenbahnstrecken möglich ist. Dabei wurde aus der Z-class und A-class die neue B-class entwickelt, um den Betrieb auf diesen Strecken zu übernehmen. Auch bei diesen Fahrzeugen besteht eine Unterteilung nach Serien, der B1 und B2, die ebenfalls nur geringe Unterschiede aufweisen. Ein Novum für die Straßenbahn Melbourne war die eingebaute Klimaanlage. Alle 132 gefertigten Fahrzeuge befinden sich in Betrieb.

C-class[Bearbeiten]

Bei der C-class handelt es sich um Straßenbahnen des in Frankreich gefertigten Modells Alstom Citadis mit den Baujahren 2001/2002. Sämtliche 36 Bahnen fahren auf der Linie 109. Durch einen Überschuss an Fahrzeugen bei der Straßenbahn Mülhausen konnten 2008 fünf weitere Citadis-Straßenbahnen der Baureihe 302 geleast werden. Diese als C2-class eingeordneten Fahrzeuge verkehren ausschließlich auf der Linie 96. Die Fahrzeuge der C-class sind die ersten mit Niederflurtechnik in Melbourne.

D-class[Bearbeiten]

Von 2002 bis 2004 wurden Combinos aus deutscher Herstellung in Betrieb genommen. Dabei wurden sowohl 38 dreigliedrige als auch 21 fünfgliedrige Fahrzeuge bestellt, die als D1 bzw. D2 eingeordnet wurden. Sie werden universell auf den meisten Straßenbahnlinien eingesetzt. 2013 wurden Durchsagen der nächsten Haltestelle bzw. der dortigen Umsteigemöglichkeiten eingeführt.

E-class[Bearbeiten]

Seit 2013 werden die Straßenbahnen Flexity Swift von Bombardier in Deutschland gefertigt. Es handelt sich um weitere Niederflurfahrzeuge, die auf den Linien 11 und 96 eingesetzt werden. Von den 24 bereits gelieferten Fahrzeugen (Juli 2015) werden alle bis auf eine Straßenbahn zur Schulung des Fahrpersonals im Linienbetrieb eingesetzt. Zu besonderen Anlässen werden die Straßenbahnen auch auf anderen Linien eingesetzt. Es ist der Einsatz von 28 weiteren E-class-Straßenbahnen vorgesehen, von denen 20 Fahrzeuge bereits bestellt wurden.[4] Auch ein Einsatz auf der Linie 11 wird vorbereitet.[5]


Entwicklung und Planungen[Bearbeiten]

Verlängerungen in die Stadtentwicklungsgebiete[Bearbeiten]

Für die Stadtentwicklung spielt die Straßenbahn eine wichtige Rolle, da diese zur Anbindung von neuen Wohn- und Geschäftsvierteln an die Innenstadt als öffentliches Verkehrsmittel eingesetzt wird. So werden neue Büroviertel in den Docklands durch zwei Straßenbahnlinien angeschlossen. Auch für das projektierte städtebauliche Großprojekt Fishermans Bend wird die Straßenbahn den öffentlichen Personennahverkehr darstellen, so soll diese auf einer neuen Trasse das Stadtviertel durchqueren. Da eine Anbindung an die bestehende Linie 109 in Form einer Zweigstrecke aus betrieblicher Sicht nicht sinnvoll ist, da diese ohnehin bereits an der Kapazitätsgrenze befahren wird, wird nach anderen Lösungen gesucht. Als Möglichkeit wird eine Anbindung an die Linien 11 und 48 von den Victoria Harbour Docklands genannt, die dazu jedoch den Yarra River mit einer hohen Brücke überqueren müsste, um die Schifffahrt zum Jachthafen South Wharf nicht einzuschränken. Die gesamte Strecke soll auf der Allee Civic Boulevard als Rasengleis geführt werden.[6]

Ausbau der Haltestellen[Bearbeiten]

Derzeit wird der barrierefreie Ausbau des Straßenbahnnetzes vorangetrieben, sodass es zu zahlreichen Haltestellen-Neubauten kommt, die mit Hochborden ausgestattet sind und so den Zustieg in die Fahrzeuge erleichtern. Derzeit werden zwei neue Haltestellen auf der St. Kilda Road erneuert. Durch diese Gelegenheit werden außerdem die Schienen ertüchtigt.[7]

Eine weitere Baumaßnahme betrifft die Endhaltestelle der Linie 96 in East Brunswick. Da es an dieser wegen des dichten Takts der Straßenbahnen oft zu Kapazitätsengpässen kommt, wird die Station zweigleisig ausgebaut und dabei ebenfalls barrierefrei umgebaut. Die 33 Meter langen Bahnsteige sollen darüber hinaus einen besseren Zustieg zu den neuen E-Class-Straßenbahnen ermöglichen.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Als größtes Straßenbahnnetz der Welt wird häufig noch immer das Netz von Sankt Petersburg, (Russland) mit angeblich 285 Kilometern genannt. Durch etliche Streckenstilllegungen ist es allerdings inzwischen nur noch das viertgrößte.
  2. yarratrams.com.au (englisch)
  3. Geschichtliches zur Straßenbahn in Melbourne (englisch)
  4. a b Older trams make way for next generation. Yarra Trams, 18. Mai 2015, abgerufen am 16. Juli 2015 (englisch).
  5. E-Class trams on Route 11 & new passenger info displays - all part of improving Melbourne’s tram network. Yarra Trams, 18. Mai 2015, abgerufen am 22. Juni 2015 (englisch).
  6. Fishermans Bend development to feature boulevard, new tram line. www.heraldsun.com.au/, 27. Juli 2014, abgerufen am 28. Juni 2015 (englisch).
  7. Construction of new platform stops on St Kilda Rd - 11 June to early August 2015. Yarra Trams, 10. Juni 2015, abgerufen am 28. Juni 2015 (englisch).
  8. New East Brunswick tram terminus being built in second phase of Route 96 upgrade. Yarra Trams, 26. Juni 2015, abgerufen am 28. Juni 2015 (englisch).