Stromgestehungskosten

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Stromgestehungskosten bezeichnen die Kosten, welche für die Energieumwandlung von einer anderen Energieform in elektrischen Strom notwendig sind. Sie werden in der Regel in Euro je Megawattstunde angegeben. Die Stromgestehungskosten ergeben sich aus den Kapitalkosten (inklusive den Finanzierungskosten von Fremdkapital), den fixen und den variablen Betriebskosten, den Brennstoffkosten sowie der angestrebten Kapitalverzinsung über den Betriebszeitraum.

Manchmal wird fälschlicherweise auch der Begriff Stromentstehungskosten verwendet. Da es sich bei der Stromerzeugung allerdings um einen Energieumwandlungsprozess handelt, wird dieser Begriff als ungenau angesehen. So kann elektrischer Strom zum Beispiel aus Wärmeenergie, Bewegungsenergie, Strahlungsenergie oder der Kernenergie (Kernspaltung/Kernfusion) erzeugt werden.

Stromgestehungskosten für neue Kraftwerke nach Kraftwerkstypen[Bearbeiten]

Europa[Bearbeiten]

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Es ist bei der folgenden Tabelle zu beachten, dass die Kosten für erneuerbare Energien, insbesondere Photovoltaik, sehr schnell sinken.[1][2] So sind die Investitionskosten für eine 10-kWp-Aufdachanlage laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW) von Anfang 2006 bis zum ersten Quartal 2014 von über 5.000 Euro/kWp auf 1640 Euro/kWp gesunken.[3] PV-Großkraftwerke sind ab 1000 Euro je Kilowatt möglich.[4] Gleichzeitig ist in der Stuttgarter Studie noch nicht berücksichtigt worden, dass der Neubau von Kernkraftwerken nach aktuellen Zahlen deutlich höhere Kosten verursacht, als ursprünglich veranschlagt. Das ISET bezifferte im Jahr 2005 die Stromgestehungskosten aus Windkraft für eine 2-MW-Windkraftanlage zwischen 4,5 und 8,5 ct/kWh.[5]

Weiters ist bei der folgenden Tabelle zu beachten, dass die wirklichen Kosten von Photovoltaikstrom und in geringerem Maße auch von Strom aus Wind- und Wasserkraft deutlich höher liegen, als aus diesen Berechnungen hervorgeht. Da es sich bei diesen Stromerzeugungsarten um wetter-, tages- und jahreszeitabhängige Stromerzeugung handelt, müssen für planbare wie unplanbare Stillstandszeiten alternative Stromerzeugungs- oder Stromspeicherkapazitäten vorgehalten werden, deren Kosten in diesen Berechnungen in der Regel nicht berücksichtigt werden, sich aber natürlich in den Gesamtstromkosten niederschlagen.

Stromgestehungskosten neuer Kraftwerke in Eurocent je Kilowattstunde
Energieträger Studie 2008[6] Publikation 2009[7] Publikation 2011[8] Studie 2012[9] Studie 2013[10] aktuelle Einzeldaten
Kernenergie 2,7-4,4[11] 5,0[12] 6–10 7,0–9,0;[13] 10,0;[14] 11,2[15]
Braunkohle 2,4-3,4[11] 4,6–6,5[16] 4,5–10[17] 3,8–5,3
Steinkohle 3,0-3,8[11] 4,9–6,8[16] 4,5–10[17] 6,3–8,0
Erdgas (GuD) 4,1-4,4[11] 5,7–6,7[16] 4–7,5 7,5–9,8
Wasser 10,2
Wind Onshore 9,6–14,4 9,3 5–13 6,5–8,1 4,5–10,7 6,35–11,1[18]
Wind Offshore 12,1–18,0 12–18 11,2–18,3 11,9–19,4
Biomasse 9,6 13,5–21,5
Photovoltaik Kleinanlage (DE) 52,0–62,0 13,7–20,3 9,8–14,2
Photovoltaik Großkraftwerk (DE) 52,0–62,0 32 10,7–16,7 7,9–11,6

Für erneuerbare Energien können die Stromgestehungskosten näherungsweise in Höhe der mittleren gesetzlichen Einspeisevergütung abzüglich des kalkulatorischen Gewinns des Betreibers angenommen werden, da diese Vergütungssätze eine wirtschaftliche Umsetzung von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien und eine angemessene Gewinnerzielung ermöglichen. Für Offshore-Windkraftanlagen gilt dies nur mit Einschränkungen, weil hier die Anfangsvergütung mit bis zu 19 ct/kWh von der Grundvergütung von 3,5 ct/kWh abweicht.[19] Die hohe Anfangsvergütung besteht zur Deckung des Risikos der noch weitgehend unerprobten Technologie und als Anreiz für Investoren, dieses hohe Risiko einzugehen. Die tatsächlichen Stromgestehungskosten in deutschen Offshore-Windkraftanlagen sind noch unbekannt. Im Vereinigten Königreich wird für ein neu zu bauendes Kernkraftwerk (2013, Fertigstellung 2023Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren) eine Einspeisevergütung von 92,50 Pfund/MWh (umgerechnet 11 ct/kWh[20]) zuzüglich Inflationsausgleich mit einer Laufzeit von 35 Jahren sowie Übernahmen von Bürgschaften bei den Krediten berechnet. Auf eine Haftpflichtversicherung für das Kernkraftwerk wird verzichtet.[21] In einem Interview im März 2014 meinte der E.on-Chef Johannes Teyssen: "Ich gehe nicht davon aus, dass mit der konventionellen Stromerzeugung künftig noch nennenswert viel Geld verdient werden kann."[22] In einer wissenschaftlichen Studie wurde bereits im Jahr 2010 festgestellt, dass die Stromgestehungskosten für Solarstrom unterhalb der Stromgestehungskosten aus neuen Kernkraftwerken liegen.[23]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Geschätzte Stromgestehungskosten neu geplanter Kraftwerke mit Inbetriebnahme 2018 in US-Dollar/MWh (Stand 2013)[24]
Kraftwerkstyp Kapazitätsfaktor Gemittelte Kapitalkosten Instandhaltungskosten (fix) Instandhaltungskosten variabel (incl. Brennstoff) Netzkosten Stromgestehungskosten
Grundlastfähig
Konventionelles Kohlekraftwerk 85 65,7 4,1 29,2 1,2 100,1
Fortgeschrittenes Kohlekraftwerk 85 84,4 6,8 30,7 1,2 123
Fortgeschrittenes Kohlekraftwerk mit CCS 85 88,4 8,8 37,2 1,2 135,5
Konventionelles GuD-Kraftwerk 87,8 15,8 1,7 48,4 1,2 67,1
Fortgeschrittenes GuD-Kraftwerk 87 17,4 2,0 45,0 1,2 65,6
Fortgeschrittenes GuD-Kraftwerk mit CCS 87 34,0 4,1 54,1 1,2 93,4
Konventionelle Gasturbine 30 44,2 2,7 80,0 3,4 130,3
Fortgeschrittene Gasturbine 30 30,4 2,6 68,2 3,4 104,6
Fortgeschrittenes Kernkraftwerk 90 83,4 11,6 12,3 1,1 108,4
Geothermiekraftwerk 92 76,2 12,0 0,0 1,4 89,6
Biomassekraftwerk 83 53,2 14,3 42,3 1,2 111,0
Nicht grundlastfähig
Windenergie 34 70,3 13,1 0,0 3,2 86,6
Offshore-Windenergie 37 193,4 22,4 0,0 5,7 221,5
Photovoltaik 25 130,4 9,9 0,0 4,0 144,3
Sonnenwärmekraftwerk 20 214,2 41,4 0,0 5,9 261,5
Wasserkraft 52 78,1 4,1 6,1 2,0 90,3

Externe Kosten[Bearbeiten]

Bei der Stromerzeugung treten verschiedene externe Effekte auf, die externe Kosten verursachen. Diese externen Kosten sind nicht im Strompreis enthalten, sondern werden von der Allgemeinheit in unterschiedlichem Ausmaß getragen. Nach dem Verursacherprinzip müssten diese Kosten zusätzlich über den Strompreis erbracht werden, um eine Wettbewerbsverzerrung zwischen konventionellen und erneuerbaren Energieträgern im Bereich der Stromerzeugung zu vermindern.

Da externe Effekte diffus in ihrer Auswirkung sind, können externe Kosten nicht direkt monetär bewertet, sondern nur durch Schätzungen ermittelt werden. Ein Ansatz die externen Kosten der Umweltbelastung der Stromerzeugung herzuleiten, ist die Methodenkonvention des Umweltbundesamtes. Danach betragen die externen Kosten der Stromproduktion aus Braunkohle 10,75 ct/kWh, aus Steinkohle 8,94 ct/kWh, aus Erdgas 4,91 ct/kWh, aus Photovoltaik 1,18 ct/kWh, aus Wind 0,26 ct/kWh und aus Wasser 0,18 ct/kWh.[25] Für Atomenergie gibt das Umweltbundesamt keinen Wert an, da unterschiedliche Studien zu Ergebnissen kommen, die um den Faktor 1.000 schwanken. Es empfiehlt die Atomenergie angesichts der großen Unsicherheit, mit den Kosten des nächstschlechteren Energieträgers zu bewerten.[26] Aufbauend auf dieser Empfehlung des Umweltbundesamtes und mit eigenen Ansätzen unterlegt, gibt das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft die externen Kosten der Umweltbelastung für Atomenergie mit 10,7 bis 34 ct/kWh an.[27]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Photovoltaik Preise: PVX Spotmarkt Preisindex auf dem Solarserver. In: SolarServer - Das Internetportal zur Sonnenenergie. Heindl Server GmbH, 13. Februar 2014, abgerufen am 3. März 2014.
  2. Regine Krüger: Anlagenpreise auf Tiefststand seit 2008. Windenergie. In: Erneuerbare Energien - Das Magazin. SunMedia Verlagsgesellschaft mbH, 2. April 2012, abgerufen am 3. März 2014.
  3. Preisindex Photovoltaik. Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW), abgerufen am 3. März 2014.
  4. Oliver Ristau und Mirco Sieg: Großanlagen bauen ohne Einspeisevergütung. Photovoltaik Märkte und Technologie » Nachrichten. In: pv magazine Deutschland. Solarpraxis AG, 5. April 2012, abgerufen am 3. März 2014 (Die Investitionskosten für 250 mWp liegen bei 250 Millionen Euro (250.000.000 € / 250.000 kWp (entspricht 250 mWp) = 1.000 €/kWp).).
  5. Stromgestehungskosten im Vergleich. Wirtschaftlichkeit. In: windmonitor. Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES), 2006, abgerufen am 3. März 2014.
  6. S. Wissel, S. Rath-Nagel, M. Blesl, U. Fahl und A. Voß: Stromerzeugungskosten im Vergleich. Universität Stuttgart - Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER), 2008, abgerufen am 3. März 2014 (PDF; 282 kB).
  7. Panos Konstantin, Praxishandbuch Energiewirtschaft. Energieumwandlung, -transport und -beschaffung im liberalisierten Markt. Berlin - Heidelberg 2009, S. 294, 302, 322, 340.
  8. David Millborrow, Wind edges forward in cost-per-watt battle. In: Wind Power Monthly, Jan. 2011, zit nach: Alois Schaffarczyk Technische Rahmenbedingungen. In: Jörg v. Böttcher (Hrsg.), Handbuch Windenergie. Onshore-Projekte: Realisierung, Finanzierung, Recht und Technik, München 2012, S. 166.
  9. Fraunhofer ISE: Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien Mai 2012 (PDF; 6,9 MB)
  10. Fraunhofer ISE: Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien November 2013 (PDF; 5,2 MB)
  11. a b c d Bei Zinssätzen von 5 bis 10 %.
  12. Bei Anschaffungspreis von 4,2 Mrd. Euro.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDie Franzosen zweifeln an der Atomkraft. 6. Dezember 2012, abgerufen am 12. Dezember 2012.
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatE.ON und RWE kippen AKW-Pläne in Großbritannien. 29. März 2012, abgerufen am 30. März 2012.
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEin AKW um jeden Preis. 15. Mai 2013, abgerufen am 19. Juli 2013.
  16. a b c Mit bzw. ohne kostenloser Zuteilung von Emissionszertifikaten.
  17. a b In der Quelle wird nicht zwischen Braunkohle und Steinkohle unterschieden.
  18. Kostensituation der Windenergie an Land in Deutschland (PDF; 3,8 MB). Studie der Deutschen Windguard. Abgerufen am 13. November 2013.
  19. EEG 2012 Änderungen (S. 7): http://www.tilia-umwelt.com/files/eeg_novelle_2012.pdf
  20. Umrechnung mit Wechselkurs vom 10. April 2014.
  21. Carsten Volkery: Kooperation mit China: Großbritannien baut erstes Atomkraftwerk seit Jahrzehnten, In: Spiegel Online vom 21. Oktober 2013.
  22. E.on-Chef: Teyssen hält Atom- und Kohlestrom für kaum profitabel, Zitat:" SPIEGEL ONLINE: Ist das klassische Kraftwerksgeschäft tot?, Teyssen: Ich gehe nicht davon aus, dass mit der konventionellen Stromerzeugung künftig noch nennenswert viel Geld verdient werden kann." In: Spiegel Online vom 18. März 2014.
  23. Nuclear Energy Loses Cost Advantage, “Solar photovoltaics have joined the ranks of lower-cost alternatives to new nuclear plants,” John O. Blackburn, a professor of economics at Duke University, in North Carolina, and Sam Cunningham, a graduate student, wrote in the paper, “Solar and Nuclear Costs — The Historic Crossover.” In: New York Times vom 26. Juli 2010.
  24. Levelized Cost of New Generation Resources in the Annual Energy Outlook 2013 (PDF; 169 kB). U.S. Energy Information Administration (Januar 2013). Abgerufen am 17. September 2013.
  25. Methodenkonvention 2.0 zur Schätzung von Umweltkosten B, Anhang B: Best-Practice-Kostensätze für Luftschadstoffe, Verkehr, Strom -und Wärmeerzeugung (PDF; 886 kB). Studie des Umweltbundesamtes (2012). Abgerufen am 23. Oktober 2013.
  26. Ökonomische Bewertung von Umweltschäden METHODENKONVENTION 2.0 ZUR SCHÄTZUNG VON UMWELTKOSTEN (PDF; 799 kB), S. 27-29. Studie des Umweltbundesamtes (2012). Abgerufen am 23. Oktober 2013.
  27. Externe Kosten der Atomenergie und Reformvorschläge zum Atomhaftungsrecht (PDF; 862 kB), 9/2012. Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. im Auftrag von Greenpeace Energy eG und dem Bundesverband Windenergie e.V. Abgerufen am 23. Oktober 2013.