Syców

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Syców
Wappen von Syców
Syców (Polen)
Syców
Syców
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Oleśnica
Fläche: 17,06 km²
Geographische Lage: 51° 19′ N, 17° 43′ OKoordinaten: 51° 19′ 0″ N, 17° 43′ 0″ O
Höhe: 153 m n.p.m
Einwohner: 10.378
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 56-500
Telefonvorwahl: (+48) 62
Kfz-Kennzeichen: DOL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E 67: Hradec KrálovéPiotrków Trybunalski
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 12 Schulzenämter
Fläche: 144,79 km²
Einwohner: 16.570
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 114 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0214073
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Sławomir Kapica[2]
Adresse: ul. Mickiewicza 1
56-500 Syców
Webpräsenz: www.sycow.pl



Syców ['sɨʦuf] (deutsch Groß Wartenberg, früher Polnisch Wartenberg) ist eine Stadt mit über 10.000 Einwohnern im Powiat Oleśnicki der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Syców liegt etwa 47 Kilometer nordöstlich von Breslau in der Woiwodschaft Niederschlesien. An der östlichen Stadtgrenze befindet sich bereits die polnische Woiwodschaft Wielkpolski. Syców liegt im Katzengebirge und wird von der Młyńska Woda, einem linken Nebenfluss des Barycz (dt. Bartsch), durchflossen. Südlich der Stadt verläuft die Autobahn A8.

Nördlich der Gemeinde Syców liegt die Kleinstadt Międzybórz, im Westen die Stadt Twardogóra, im Süden die Landgemeinde Dziadowa Kłoda und im Osten die Landgemeinde Perzów.

Stadtwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtwappen von Syców zeigt auf schwarzem Grund einen geharnischten, ins Horn stoßenden Reiter auf einem weißen Ross. Um die Reiterfigur schweben drei goldene Sterne. Ein älteres Wappen zeigte auch einen weißen Jagdhund, der neben dem Ross lief.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polnisch Wartenberg südöstlich der Stadt Posen, westlich der Stadt Kempen und südlich der Stadt Mittelwalde auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Unter den schlesischen Piasten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegel der Stadt aus dem Jahr 1377
Reste der Stadtbefestigung aus dem Mittelalter
Die klassizistische evangelische Pfarrkirche der Heiligen Apostel Johannes und Petrus entstand zwischen 1785 und 1789
Schloss Wartenberg um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Marktplatz in Syców

Ende des 12. Jahrhunderts wurden der Ort und die Gegend erstmals als districtus Syczow sive Wartinbergk in einer Urkunde des Bistums Breslau erwähnt. Ein Albert von Schmollen wurde 1276 als castellanus in Wrathenberc bezeichnet, was darauf hinweist, dass die Stadt schon vor diesem Datum ein wichtiger Ort an der Handelsstraße Breslau–KalischThorn war. Es bezeugt auch das Vorhandensein einer festen Burg, die außerhalb der Stadt lag. 1287 wurde die Stadtpfarrkirche erwähnt.

Durch Erbteilungen des Herzogtums Breslau fiel Wartenberg 1293 an das Herzogtum Glogau, 1320 kam die Stadt zum Herzogtum Oels. Für das Jahr 1369 ist für Wartenberg das Magdeburger Stadtrecht bezeugt und auch das erste Stadtsiegel. Um 1400 erbauten die Piasten die Stadtpfarrkirche zu den hl. Aposteln Peter und Paul.

Unter böhmischer Krone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tode des letzten piastischen Herzogs von Oels wurde die Herrschaft Wartenberg 1489 als erledigtes Lehen vom König Vladislav II. Jagellonicus eingezogen. Der König trennte Wartenberg vom Herzogtum Oels ab und schaffte eine Freie Standesherrschaft, die bis 1517 im Besitz der Herren von Haugwitz blieb. 1529–1571 war die Standesherrschaft dann Eigentum der Freiherren von Maltzan. Elisabeth von Maltzan verkaufte 1571 die Standesherrschaft für 133.000 Gulden an den Freiherrn Georg von Braun (Vorfahre des Wernher von Braun). Unter Braun kam die Stadt zur Blüte: Er förderte das Handwerk und schützte die Bauern auf seinen Gütern. 1591 verkaufte Georg Wilhelm von Braun die Standesherrschaft für 140.000 Taler an Abraham, Burggraf zu Dohna-Schlobitten. Dohna, glühender Katholik, gab sämtliche protestantisch gewordenen Kirchen in der Standesherrschaft an den katholischen Klerus zurück. Unweit der alten Burg begann Burggraf Dohna 1594 den Bau eines neuen Schlosses, die Arbeiten dauerten bis 1608.

Zur Unterscheidung von Deutsch-Wartenberg im Kreis Grünberg nannte man die Stadt ab 1610 Polnisch-Wartenberg. 1734 erwarb Reichsgraf Ernst Johann von Biron, späterer Herzog von Kurland, die Standesherrschaft, die bis 1945 bei seinen Nachkommen, dem Fürstenhaus Biron von Curland, blieb. Polnisch Wartenberg kam 1742 mit Schlesien zu Preußen und wurde zur Hauptstadt eines Kreises von zusammen 813,89 km².

Unter preußischer Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der preußischen Zeit wurde die Stadt zu einem wichtigen Zentrum der Leinweberei. 1805 wurde die Stadtmauer abgerissen. Im Jahr 1825 emigrierten viele Weber nach Kongresspolen in die Städte Kalisz und Zgierz. Das Schloss wurde 1853 vergrößert und im Tudorstil umgebaut. 1880 hatte die Stadt 214 Häuser und 2320 Einwohner, davon 1306 Evangelische, 887 Katholiken und 127 Juden. Die Bevölkerung ernährte sich von der Land- und Forstwirtschaft sowie dem Handwerk und Handel. Im Kreis Polnisch Wartenberg waren es etwa 57 Prozent der Einwohner, die sich zur polnischen Muttersprache bekannten. 1888 wurde die Stadt in Groß Wartenberg umbenannt.[3]

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mussten im Jahr 1920 aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 382,59 Quadratkilometer des Gebiets des Kreises Groß Wartenberg an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden; die Stadt Groß Wartenberg selbst verblieb jedoch beim Deutschen Reich.

1945 bis in die 2010er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 1945 fiel die Stadt völlig unversehrt in die Hände der Sowjetarmee, die hier bis zum Sommer 1945 blieb. Die Stadt (u.a. das Rathaus) und das Schloss wurden geplündert und angezündet. Nach Kriegsende wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. In der Folgezeit wurden die deutschen Bewohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und durch Polen ersetzt. Groß Wartenberg wurde in Syców umbenannt.

Jährliche Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1775: 2.319[4]
  • 1880: 2.269[4]
  • 1890: 2.385, davon 1.392 Evangelische, 893 Katholiken und 99 Juden[4]
  • 1925: 2.209[4]
  • 1933: 2.969[4]
  • 1939: 3.096[4]
  • 1946: 2.600
  • 1961: 4.277
  • 1970: 5.637

Die Freien Standesherren von Wartenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie trägt heute den Namen „Prinz von Biron-Curland“ und ist 2005 in München wohnhaft.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul
Das 1887 erbaute Postgebäude
  • Die katholische Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul. Ein gotischer Bau aus dem 15. Jahrhundert, der im 19. Jahrhundert neogotisch umgebaut wurde.
  • Die klassizistische evangelische Pfarrkirche der Heiligen Apostel Johannes und Petrus (ehemalige Schlosskirche) wurde 1785–1789 nach Plänen von Carl Gotthard Langhans erbaut
  • Gotischer Torturm der Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert
  • Der 1813 angelegte Stadtpark (früher Schlosspark) mit Skulpturen, die teilweise aus dem 1945 zerstörten Schloss stammen.
  • Postgebäude von 1887

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt sind etwa 15 größere Unternehmen unter anderem aus der Möbel-, Lebensmittel- und Landwirtschafts-Maschinenindustrie tätig. Die Arbeitslosigkeit betrug im Jahre 2004 25,9 %.

Syców hatte einen Bahnhof an den Bahnstrecken Herby–Oleśnica (weiterer Halt in Stradomia Wierzchnia) und Syców–Bukowa Śląska (weiterer Halt in Ślizów).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Syców gibt es eine Mittelschule (gimnazjum; 7.–9. Klasse), sechs Grundschulen (szkoła podstawowa), drei städtische Kindergärten (przedszkola) sowie einen privaten Kindergarten.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrheit der Einwohner ist römisch-katholisch, es gibt aber auch eine evangelische Gemeinde mit eigener Kirche.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Syców gliedert sich neben der Stadt Syców in folgende Ortsteile (deutsche Namen[5] bis 1945) mit Schulzenamt (sołectwo):

  • Biskupice (Bischdorf)
  • Drołtowice (Rudelsdorf)
  • Działosza (Ottendorf)
  • Gaszowice (Görnsdorf)
  • Komorów (Kammerau)
  • Nowy Dwór (Karolinsburg)
  • Stradomia Wierzchnia (Ober Stradam)
  • Szczodrów (Schollendorf)
  • Ślizów (Schleise)
  • Wielowieś (Langendorf)
  • Wioska (Mühlenort)
  • Zawada (Dyhrnfeld)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Gustav Gerhard Kurts: Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der Stadt und Standesherrschaft Wartenberg. Wartenberg 1846 (E-Kopie).
  • Jan Władysław Grabski: 200 miast wróciło do Polski, Poznań 1948
  • Traud Gravenhorst, Schlesien – Erlebnisse eines Landes, Breslau 1938
  • Groß Wartenberg Stadt und Kreis. Eine Beschreibung des niederschlesischen Kreises bis zum Jahre 1945. Zusammengestellt von Karl-Heinz Eisert, 1974 herausgegeben von der Heimatkreisorganisation Groß Wartenberg im Karl-Heinz Eisert Verlag Alfdorf/Württ.
  • Handbuch der historischen Stätten Schlesien. hg. von Hugo Weczerka, Stuttgart 1975, 2. Aufl. 2005, ISBN 3-520-31602-1
  • Kulak Teresa, Mrozowicz Wojciech – SYCÓW I OKOLICE, od czasów najdawniejszych po współczesność, Wrocław–Syców 2000
  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen Schlesien. München Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Syców – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  2. Website der Gemeinde, Burmistrz, abgerufen am 11. März 2015
  3. Vgl. http://territorial.de/ndschles/grwarten/landkrs.htm
  4. a b c d e f http://www.verwaltungsgeschichte.de/wartenberg.html
  5. Das Genealogische Orts-Verzeichnis