Tonali

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Tonali (Eigenschreibweise: TONALi) ist ein Kulturprojekt mit Sitz in Hamburg, das sich die musikalische Nachwuchsförderung zum Ziel gesetzt hat. Gegründet wurde Tonali 2009 von den beiden diplomierten Cellisten Amadeus Templeton und Boris Matchin, zunächst als Instrumentalwettbewerb. Inzwischen ist Tonali ein ganzjähriges und über Hamburg hinaus wirkendes Projekt, das mit namhaften Konzerthäusern, Festivals, Hochschulen und Universitäten kooperiert. Ehrenpräsident ist Christoph Eschenbach. Die Schirmherrschaft hat Monika Grütters inne.

Instrumentalwettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Instrumentalwettbewerb ist seit 2010 Kern des Projekts. Der mit 22.000 Euro dotierte Klassikpreis unter der Ehrenpräsidentschaft Christoph Eschenbachs wird jährlich alternierend für Cello, Geige und Klavier ausgeschrieben. Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass die jungen Musiker in Deutschland studieren und zwischen 16 und 21 Jahren alt sind. An die Gewinner gehen Preisgelder in Höhe von insgesamt 28.000 Euro. Die Hauptpreise wurden seit 2010 jährlich von der Oscar-und-Vera-Ritter-Stiftung bereitgestellt. Der erste Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, der zweite mit 5.000 und der dritte mit 3.000 Euro. Hinzu kommt der mit 1.000 Euro dotierte Mieczysław-Weinberg-Preis, gestiftet von Peermusic Classical, sowie der mit 3.000 Euro dotierte Publikumspreis, über den per SMS-Voting im Finale abgestimmt wird. Während des Austragungszeitraums müssen die Musiker eine dreigliedrige Vorrunde bestehen. Die Kategorien sind Solospiel (Vorrunde A), Experimnetalkonzert (Vorrunde B) sowie eine vorgegebene Musikgattung (Vorrunde C). Begleitend zum Instrumentalwettbewerb findet seit 2015 das Tonali-Fest statt. Die Konzerte, die nach den Wettbewerbsrunden abends an außergewöhnlichen Orten in Hamburg statt finden, werden künstlerisch durch ehemalige und aktuelle Tonali-Teilnehmer gestaltet.

Publikumsakademie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teilprojekt Besonderheit von Tonali ist die Publikumsakademie. Sie bringt Jugendliche dazu, Grundlagen des Musik-Management zu erlernen. 500 von der Akademie ausgebildete „SchülermanagerInnen“ organisieren in 50 Schulen jährlich rund 100 Klassik-Konzerte für 40.000 Mitschüler sowie deren Eltern, Bekannte und Freunde. Die Konzerte der Tonali-Akademie finden im schulischen wie außerschulischen Kontext statt. Ziel der Publikumsakademie ist die Teilhabe einer jungen Generation am Zustandekommen von klassischer Musik, die gleichaltrige, hochbegabte Musiker spielen und vermitteln. Alle Aktivitäten der Akademien gipfeln in dem urbanen Tonali-Festival „Klassik in deinem Kiez“, das seit 2014 jedes Jahr im November an zwölf außergewöhnlichen Spielstätten wie Clubs, Theatern und Kulturhäusern in Hamburg stattfindet.

Teil der Publikumsakademie ist der Tutticontest. In diesem promoten die Schülermanager das Finalkonzert des jeweiligen Wettbewerbs. Die Schule, die die meisten Plätze besetzt, gewinnt einen Kulturpreis.

Kompositionswettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich vergibt Tonali einen Kompositionspreis. Teilnehmende Komponisten müssen ihren Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz haben und nicht älter als 40 Jahre alt sein. Eingereicht werden Solostücke für das jeweilige Wettbewerbsinstrument. Eine internationale Fachjury ermittelt nach Prüfung aller eingereichten Unterlagen zu Anfang des TONALi-Jahres den Gewinner des Tonali Kompositionspreises.

Neben der zweifachen Aufführung der Gewinnerkomposition im Rahmen des Tonali-Festes und -Wettbewerbes erhält der Gewinner als Preis die Herausgabe seiner Komposition in den Hans Sikorski Musikverlagen. Der mit 4.000 Euro dotierte Kompositionspreis wird von der Oscar und Vera Ritter-Stiftung gestiftet: Das Erreichen des Finales (3 Komponisten) wird jeweils mit 1.000 Euro honoriert, die Siegerkomposition wird mit einem zusätzlichen Geldpreis von 1.000 Euro honoriert.

Klassik in deinem Kiez[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2014 gibt es das urbane Tonali-Festival „Klassik in deinem Kiez“, das im November in Kooperation mit 12 Veranstaltern in Hamburg stattfindet. Die 12 experimentellen und teils interdisziplinären Konzerte finden in Kulturhäusern, Clubs und Theatern in Hamburger Stadtteilen statt, wie etwa 2017 in der „Ritze“ auf der Reeperbahn.[1] Für jede der zwölf Orte entwickeln rund 100 Hamburger Schülermanager einen organisatorischen Rahmen sowie Marketingideen und Werbekampagnen für die Konzerte. Es gilt das Festival-Prinzip: Jung organisiert, spielt, hört. Der Schwerpunkt der Programme des Festivals liegt jeweils auf dem Instrument, das in dem Jahr Wettbewerbsinstrument war, also alternierend Klavier, Violine und Violoncello.

Künstleragentur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 wurde die gemeinnützige Künstleragentur TONALiSTEN gemeinsam von Tonali, en:Harrison Parrott (Sabine Frank) und Hanni Liang gegründet. Ihre Besonderheit besteht darin, dass durch ein Kreislaufprinzip kulturelle Bildung dreifach gefördert wird: Mäzene und Kulturaktionäre fördern die Agentur, die Agentur fördert junge Musiker, die Musiker bauen ein junges Klassikpublikum auf. All das geschieht ohne kommerziellen Gewinn. Bis Ende 2016 wurden 35 Tonalisten in die Agentur aufgenommen, die bei Kooperationspartnern wie den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, der Tonhalle Zürich, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, Podium Festival Esslingen, dem Kopenhagen Summer Festival, den Capetown Philharmonics, im St. Petersburger Mariinsky-Theater oder bei Ferrara Musica auftreten. 2017 wird die Tonalisten Agentur ein Kulturaktionärsmodell aufsetzen, im Rahmen dessen Stiftungen, Mäzene und Festivals als Rendite „kulturelle Bildung“ erwerben.

„Tonali Tour“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Tonali Tour“ wurde als innovatives Educationprojekt entwickelt, um die Jugend auch außerhalb Hamburgs nach dem Tonali-Prinzip für Klassik zu interessieren. Dabei spielen Tonalisten aus der Künstleragentur Kammerkonzerte weltweit. Schülermanager vor Ort werden durch Tonali und/oder den Veranstalter darin ausgebildet, das Künstlermanagement, die Werbung, die Konzertdurchführung zu übernehmen. Partner bisher in Deutschland, Niederlande, Schweiz, Italien, Griechenland, Dänemark, Russland, USA, China: 19 Musikinstitutionen wie Festivals, Konzertreihen und Konzerthäuser, 59 Schulen; 496 Schülermanager; 75 Schulkonzerte, fast 25.000 Zuhörer und 33.000 erreichte Kinder und Jugendliche. Die PwC-Stiftung fördert die Tonali-Tour bundesweit, die Nordmetall-Stiftung die norddeutschen Projekte.

Künstlerbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Künstlerbeirat sind bedeutende Künstler wie Lisa Batiashvili, Martin Grubinger, Janine Jansen, Paavo Järvi, Igor Levit und Kirill Petrenko vertreten. Der Künstlerbeirat hat für Tonali eine repräsentative Funktion: Programm-Aspekte für die Wettbewerbsausschreibungen werden ebenso beraten, wie ausgewählte Tonali-Musiker, die sich persönlich vorstellen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2009 Sonderpreis der Oscar und Vera Ritter-Stiftung (4.000 Euro)
  • 2011 Sonderpreis für erfolgreiche interdisziplinäre Netzwerkarbeit und Förderung junger Künstler der Prof. Wolfgang und Isolde Stabenow-Stiftung (5.000 Euro)
  • 2013 Ritter-Preis (15.000 Euro)
  • 2014 Kulturpreis der Gunter und Juliane Ribke-Stiftung (25.000 Euro)
  • 2015 Hamburger Preis für Kultur-Kommunikation (3.000 Euro)
  • 2017 ECHO Klassik (Auszeichnung für Nachwuchsförderung)

Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tonali10 | Violine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eröffnung des ersten Tonali-Wettbewerbs fand am 27. August 2010 in der Alfred-Schnittke-Akademie statt, das Finale am 29. August in der Laeiszhalle.[2]

Instrumentalwettbewerb
Kompositionspreis
Tutticontest
  • Gewinner-Schule: Gesamtschule Bergedorf

Tonali12 | Violoncello[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tonali12 startete am 20. August 2012 mit einem Eröffnungskonzert in der Kirche St. Johannis-Harvestehude.[3] Das Finale fand am 25. August in der Laeiszhalle statt.[4]

Instrumentalwettbewerb
Kompositionspreis
  • Gewinner: Gerald Resch
  • Juryvorsitz: Ruta Paidere (Komponistin, Lettland)
Tutticontest
  • Gewinner-Schule: Johannes-Brahms-Schule Pinneberg

Tonali13 | Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tonali13 wurde am 26. August 2013 mit einem Konzert in der St.-Johannis-Kirche eröffnet.[5] Das Finale fand am 1. September in der Laeiszhalle statt.[6]

Instrumentalwettbewerb
Kompositionspreis
  • Gewinner: Daniel Smutny
  • Juryvorsitz: Ruta Paidere (Komponistin, Lettland)
Tutticontest

Tonali14 | Violine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tonali14 wurde am 1. September 2014 in der St.-Johannis-Kirche eröffnet.[7] Das Abschlusskonzert mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen fand am 6. September in der Laeiszhalle statt.[8]

Instrumentalwettbewerb
Kompositionspreis
  • Gewinner: Martin Sadowski
  • Juryvorsitz: Ruta Paidere (Komponistin, Lettland)
Tutticontest
  • Gewinner-Schule: Johannes-Brahms-Schule Pinneberg

Tonali15 | Violoncello[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tonali15 wurde am 14. September 2015 in der St.-Johannis-Kirche eröffnet und endete am 19. Juli in der Laeiszhalle.[9]

Instrumentalwettbewerb
  1. Preis: Anastasia Kobekina (Russland)
  2. Preis: Maciej Kulakowski (Polen)
  3. Preis: Friedrich Thiele (Deutschland)
Kompositionspreis
Tutticontest
  • Gewinner-Schule: Johannes-Brahms-Schule Pinneberg

Tonali16 | Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tonali16 wurde am 11. Juli 2016 in der St.-Johannis-Kirche eröffnet und endete am 16. Juli in der Laeiszhalle.[10]

Instrumentalwettbewerb
  1. Preis: Till Hoffmann (Deutschland)
  2. Preis: Viktor Soos (Deutschland)
  3. Preis: Daniel Golod (Israel)
Kompositionspreis
Tutticontest

Tonali17 | Violine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tonali17 wurde am 3. Juli 2017 in der St.-Johannis-Kirche mit einem Konzert unter dem Titel „Bleib auf dem Teppich“ eröffnet.[11] Das Finale am 8. Juli fand unter der Leitung von Daniel Blendulf erstmals im großen Saal der Elbphilharmonie statt und wurde gemeinsam mit dem Projekt „Junge Norddeutsche Philharmonie“ ausgerichtet.[12][13]

Instrumentalwettbewerb
  1. Preis: Lara Boschkor (Deutschland)
  2. Preis: Anne Maria Wehrmeyer (Deutschland)
  3. Preis: Elene Meipariani (Deutschland)
Kompositionspreis

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verena Fischer-Zernin: Klassik im Boxring – ein Kontrastprogramm in der „Ritze“. In: abendblatt.de. 6. Juli 2017, abgerufen am 29. Juli 2017.
  2. Tom R. Schulz: Nachwuchsförderung: Den Genies auf der Spur. In: abendblatt.de. 19. August 2010, abgerufen am 29. Juli 2017.
  3. Tom R. Schulz: Tonali: Begnadet Cello spielen reicht nicht mehr. In: abendblatt.de. 20. August 2012, abgerufen am 29. Juli 2017.
  4. Der TONALi12 Grand Prix in Hamburg startet in die finale Phase. In: crescendo.de. 2012, abgerufen am 29. Juli 2017.
  5. Eröffnungskonzert TONALi13 Grand Prix. In: st-johannis-hh.de. 2013, abgerufen am 30. Juli 2017.
  6. Tom R. Schulz: Neue Sterne am Pianistenhimmel. In: abendblatt.de. 2. September 2013, abgerufen am 30. Juli 2017.
  7. Tom R. Schulz: Ein Leben für die Musik. In: welt.de. 1. September 2014, abgerufen am 10. August 2017.
  8. Antonia Bruns: Klassik macht Schule. In: concerti.de. 27. August 2014, abgerufen am 10. August 2017.
  9. Tom R. Schulz: Tonali15: Damit aus Rivalen Freunde werden. In: abendblatt.de. 14. September 2015, abgerufen am 10. August 2017.
  10. Verena Fischer-Zernin: Zwölf Freunde sollt ihr sein. In: abendblatt.de. 7. Juli 2016, abgerufen am 10. August 2017.
  11. Musik, TONALi17 Eröffnungskonzert, Kulturkirche Altona, 20 Uhr. In: szene-hamburg.com. 2017, abgerufen am 10. August 2017.
  12. Anna Novák: TONALi17 in der Elbphilharmonie. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, 10. Juli 2017, abgerufen am 17. Juli 2017.
  13. Verena Fischer-Zernin: Junge Geiger in einem charmanten Wettbewerb. In: abendblatt.de. 5. Juli 2017, abgerufen am 10. August 2017.