Technische Marineschule (Kiel)

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Wappen der TMS

Die Technische Marineschule war von 1911 bis 2002 eine Militärschule der deutschen Marine in Kiel. Zur Zeit der Bundesmarine entstand ein Ableger in Bremerhaven.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Aufrüstung und Technisierung der Kaiserlichen Marine waren die Ausbildungskapazitäten der Ingenieur- und Deckoffizierschule in Wilhelmshaven erschöpft. Das Reichsmarineamt entschied sich für den Bau einer zweiten Schule in Kiel-Wik. Der Rohbau mit Schul-, Wohn- und Wirtschaftsgebäude und Maschinenhaus wurde 1912 fertig. Ein Turm war als Plattform für Beobachtungen und Messungen der Steuermannschüler gedacht. Die übrigen Gebäude dienten der Ausbildung von 170 Deckoffizieren und 130 Ingenieurschülern.[1]

„Die Architektur ist in der heimischen Bauweise des schleswig-holsteinischen Backsteinbaues gehalten. ... Von besonders schöner Wirkung sind auch die durchbrochenen Dachkonstriktionen. Alles in allem ist eine Anlage geschaffen worden, die unserer Stadt zur Zierde gereicht.“

Kieler Zeitung, 20. September 1913

Erster Unterricht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ingenieur- und Deckoffizierschule

Am 6. Oktober 1913 begann der planmäßige Unterricht. Als der Erste Weltkrieg begann, wurden die Schüler auf Kriegsschiffe verteilt. In die Schule kam ein Reservelazarett. Da es allenthalben an technischem Personal fehlte, wurde der Schulbetrieb am 1. April 1915 wieder aufgenommen. Die Schule bildete nun auch die Ingenieur-Anwärter der Marinestation der Nordsee aus.

Nach der Novemberrevolution hatte der Arbeiter- und Soldatenrat über die Wiederaufnahme des Schulbetriebs zu entscheiden. Bei der ungewissen Zukunft der Marine galt es um die Schule zu erhalten und den noch vorhandenen Lehrgangsteilnehmern einen Abschluss ihrer technischen Ausbildung zu ermöglichen.

Reichsmarine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919 in Marineschule Kiel umbenannt, behielt die Schule diesen Namen bis 1945. Kommandeure waren nun Marine-Ingenieure und später Ingenieur-Offiziere. Alle Ingenieur-Anwärter, ab 1921 alle Ingenieur-Offizier-Anwärter wurden in mathematisch-naturwissenschaftlichen und marinetechnischen Fächern unterrichtet. Die zunehmende Bedeutung der Marineschule Kiel zeigt sich u. a. darin, dass 1931 die Stelle des Kommandeurs mit einem Konteradmiral (Ing.) besetzt wurde. Da der Friedensvertrag von Versailles den Umfang der Reichsmarine erheblich begrenzte, war die Schule 1933 mit nur 250 bis 300 Mann belegt; dafür war die Ausbildung wie in der ganzen Reichswehr sehr intensiv und gründlich.

Kriegsmarine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die seit der Einführung der Wehrpflicht ständig steigenden Schülerzahlen zwangen zur Vergrößerung der Marineschule Kiel. 1934 wurden das Schulgebäude (Gebäude A) und das Wohngebäude (Gebäude B) erweitert. 1937/38 kamen zwei neue Wohnblöcke (Block C und D) zur Aufnahme von drei Schülerkompanien und ein weiteres Wirtschaftsgebäude (Altes Wirtschaftsgebäude) hinzu. Nördlich dieses Wirtschaftsgebäudes entstand ein Sportplatz. In Voraussicht notwendiger Flugabwehr wurde der Turm 1939 aufgestockt.

Um die inzwischen 2000 Lehrgangsteilnehmer unterzubringen, wurden Baracken gebaut. Der Bau einer zweiten Maschinenhalle wurde begonnen. Als die Zahl der Soldaten auf über 3000 gestiegen war, dienten zwei HAPAG-Schiffe – die Milwaukee und die New York – im Tirpitzhafen als Wohnschiffe. Der Marineschule Kiel wurde 1941 das benachbarte Gebäude der Marinefachschule zugeteilt. Gleichzeitig wurden die Baracken zwischen Feldstraße und Wiker Straße (Scheerlager) übergeben. In Admiral Kaufmanns Amtszeit überstieg die Schülerzahl 4000. Die Maschinenhalle II ging am 1. April 1943 in Betrieb. Sie enthielt eine komplette Zerstörer-Antriebsanlage und Schnellbootmotoren, war aber bei Kriegsende nicht ganz fertiggestellt.

Anfang 1943 gab es drei Abteilungen:

  1. Oberfeldwebel- und Unteroffizier-Fachlehrgänge in 6 Kompanien
  2. Sonderlehrgänge für die U-Bootausbildung in 3 Kompanien
  3. Ausbildung von Ingenieuroffizieren und Ingenieuroffizier-Anwärter in 3 Kompanien

Die Luftangriffe auf Kiel zerstörten lediglich das Wirtschaftsgebäude mit dem Offizierheim.

Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maschinenhalle I (Kiel)

Als die Bundeswehr gegründet wurde und die Bundesmarine aufwuchs, lag der Bedarf an Schiffstechnikern auf der Hand. So befahl der Bundesminister für Verteidigung Theodor Blank am 23. Mai 1956 die Aufstellung der Technischen Marineschule zum 1. Juni 1956 in Kiel. Mit ihr beauftragt war Fregattenkapitän August Wilhelm Heye. Die Maschinenhallen I und II hatten äußerlich nur geringe Schäden; die Ausbildungsanlagen – Motoren, Pumpen, Labore, Maschinen und Geräte – waren aber nur teilweise erhalten geblieben. Noch vorhandenes Gerät in der Maschinenhalle I wurde in der Nachkriegszeit von der Ingenieurschule Kiel und dem Technischen Hilfswerk zur Ausbildung benutzt. Die Wohngebäude „C“ und „D“ sowie der westliche Teil des Wirtschaftsgebäudes waren bombenbeschädigt; nur das Dach war inzwischen instand gesetzt. Der Nordflügel des Unterrichtsgebäudes (Block A) war ebenfalls zerstört. Der Rest des Gebäudes war wegen des knappen Wohnraums in Kiel an zivile Nutzer vermietet. Andere Teile der Kasernenanlage wurden durch Schulen genutzt. In der Aula war ein Nachtlokal eingerichtet. Die Maschinenhalle II war von allem noch brauchbaren Inventar entblößt. Das Gebäude war in sehr schlechtem Zustand.

Aus diesen Verlegenheiten half vor allem der Seegrenzschutz. Er hatte die technische Ausbildung in Cuxhaven aufgegeben und ließ alle Gerätschaften nach Kiel verbringen. Dort hatte der Bundesgrenzschutz die TMS-Gebäude geräumt. Aus dem BGS kamen auch viele Offiziere und Oberfeldwebel als Lehrer an die TMS. Am 1. November 1956 begann der erste Maatenlehrgang. Die Erneuerung der Maschinenhalle I war im Januar 1958 abgeschlossen. Im Juli konnten 12 Hörsäle belegt werden. Stab und Truppenverwaltung bezogen im Dezember 1958 den Gebäudeflügel an der Arkonastraße. Im Mai 1960 wurden der Nordflügel und das Wirtschaftsgebäude fertig. Ab Sommer 1961 war die Truppenverpflegung aus eigener Küche möglich.

TMS I und II[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TMS II (Bremerhaven)

Zwar war zivilen Mietern gekündigt und Ersatzwohnraum beschafft worden; aber da manche Gebäude noch anderweitig genutzt wurden und der Platz für die Unterbringung der Lehrgangsteilnehmer nicht ausreichte, wurde die technische Grundausbildung für Mannschaften nach Bremerhaven verlegt. Dort standen noch die Gebäude der Marineschule Wesermünde von 1935. Aus dieser Zweigstelle der Technischen Marineschule, Bremerhaven wurde am 1. April 1959 die Technische Marineschule II. Ihr oblagen die Lehrgänge für Gasten und Maaten, technologische Grundlehrgänge für Offizieranwärter und Sonderlehrgänge. Kiel betrieb die Bootsmann- und Offizierausbildung.

MTS Lehrgruppe A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 1996 die Marinetechnikschule im vorpommerschen Parow entstanden war, wurde die TMS Kiel zu deren Lehrgruppe A. Sie umfasste vier Inspektionen:

  1. Lehrgangsteilnehmer, Hörsaalleiter und Hörsaalgruppenleiter der Offizierlehrgänge
  2. Bootsmannlehrgänge
  3. Maaten- und (ab Sommer 1997) Mannschaftslehrgänge für jeweils drei Monate
  4. zivilberufliche Aus- und Weiterbildung der Unteroffizieranwärter

Die 1. und die 2. Inspektion betrieben die Systemausbildung für Fregatten der Bremen-Klasse und der Brandenburg-Klasse, für Schnellboote der Albatros-Klasse und der Gepard-Klasse, für Minensucher der Frankenthal-Klasse und für Jagdboote der Hameln-Klasse.

Das Lehrgangsprogramm umfasste 30 verschiedene Lehrgangstypen von einwöchiger bis zwölfmonatiger Dauer. Ausgebildet wurden die Verwendungsreihen 42 (Antriebstechnik), 43 (Elektrotechnik) und 44 (Schiffsbetriebstechnik). Zu den Lehrgängen kamen auch Unteroffiziere und Feldwebel der Luftwaffe. Ab 1. April 2000 war die Inspektion Marinefliegerausbildung in Westerland der Marinetechnikschule Lehrgruppe A in Kiel unterstellt.

2002 wurde die TMS aufgelöst.

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Dienstgrad Name Antritt Ausscheiden
1 Kapitän zur See Karl Wedding Oktober 1913 August 1914
2 Fregattenkapitän Paul Wolfram April 1915 Juni 1915
3 Kapitän zur See Walter Michaelis Juli 1915 August 1916
4 Kapitän zur See Wilhelm Bruckmeyer August 1916 Juli 1917
5 Kapitän zur See Harry Graf Posadowsky-Wehner August 1917 April 1918
6 Kapitän zur See Otto Hillebrand April 1918 November 1918
7 Konteradmiral (Ing.) Werner Bettenhäuser Oktober 1931 November 1939
8 Konteradmiral (Ing.) Karl Thäter November 1939 August 1942
9 Konteradmiral (Ing.) Karl Kaufmann September 1942 März 1945
10 Kapitän zur See (Ing.) Walter Graser April 1945 Mai 1945
11 Kapitän zur See Walter Kretzschmar Oktober 1956 Februar 1959
12 Fregattenkapitän August Wilhelm Heye März 1959 Juni 1959
13 Kapitän zur See Hans Rudolf Gern Juli 1959 März 1965
14 Kapitän zur See Wilhelm Gördes April 1965 September 1967
15 Kapitän zur See Karl Fuest Oktober 1967 April 1972
16 Kapitän zur See Karl-Heinrich Kühler April 1972 August 1973
17 Kapitän zur See Hugo Renzmann August 1973 September 1980
18 Kapitän zur See Joachim Rybakowski Oktober 1980 September 1983
19 Kapitän zur See Jürgen Färber Oktober 1983 März 1987
20 Kapitän zur See Jürgen Rautmann April 1987 März 1989
21 Kapitän zur See Norbert Schütte April 1989 März 1992
22 Kapitän zur See Dieter Laabs Oktober 1992 März 1994
23 Kapitän zur See Gerd Clausen April 1994 September 1997
24 Kapitän zur See Horst-Dieter Kolletschke Oktober 1997 September 1999
25 Kapitän zur See Ernst August Petsch Oktober 1999 März 2001
26 Kapitän zur See Volkhart Meyer April 2001 Dezember 2002

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maritimes Viertel (Kiel)

Koordinaten: 54° 21′ 36″ N, 10° 8′ 6″ O