Unteroffizieranwärter

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Unteroffizieranwärter (dt. militärfachsprachlich), in der deutschen Standardsprache[1] zumeist und im Schweizer Hochdeutsch amtlich mit Fugen-s Unteroffiziersanwärter, ist ein Anwärter auf einen für Unteroffiziere vorgesehenen Dienstgrad.

Schreibweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie häufig im militärischen Sprachgebrauch der Bundeswehr (wie überhaupt häufig im Amtsdeutsch) wird der Fugenlaut („Genitiv-s“ oder „Fugen-s“) formal nicht verwendet.[2][3] In der Schweizer Armee lautet die amtliche Schreibweise dagegen „Unteroffiziersanwärter“ (mit „Genitiv-s“). In der zivilen Umgangssprache im gesamten deutschen Sprachraum, informell auch in den deutschen Streitkräften, ist die Nutzung des Fugen-s mittlerweile ebenso üblich wie dessen Nichtgebrauch.[A 1] Laut Duden sind beide Formen zulässig.[1]

Bundeswehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Obergefreiter (UA) der Heeresfliegertruppe

Unteroffizieranwärter der Bundeswehr sind Soldaten auf Zeit, die einen in der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten definierten Dienstgrad der Mannschaften führen[4] und gemäß Soldatenlaufbahnverordnung in Verbindung mit der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 20/7 einer der Laufbahnen der Fachunteroffiziere angehören.[2][5][3][A 2] Entsprechende Marineuniformträger werden gewöhnlich als Maatanwärter[6][7] bezeichnet.[A 3] Reservisten in den entsprechenden Dienstgraden und Laufbahnen der Reserve werden als Reserveunteroffizier-Anwärter bezeichnet;[2][3] entsprechende Marineuniformträger häufig als Reservemaat-Anwärter.[A 3]

Je nach Kontext umfasst die Bezeichnung Unteroffizieranwärter auch entsprechende Marineuniformträger und Reservisten; entsprechend umfasst die Bezeichnung Maatanwärter häufig auch die Reserve-Maatanwärter.

Es handelt sich um eine laufbahnrechtliche Einstufung der Soldaten. Hinsichtlich Besoldung, Befehlsgewalt im Sinne der Vorgesetztenverordnung, der zulässigen und üblichen Dienststellungen usw. sind Unteroffizieranwärter den entsprechenden Mannschaftsdienstgraden (der entsprechenden Wehrdienstverhältnisse) gleichgestellt.

Ausbildung und Dienstgradabfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unteroffizieranwärter müssen vor Ernennung in einer der Dienstgrade der Unteroffiziere ohne Portepee eine Unteroffizierprüfung ablegen, die sich aus einem allgemeinmilitärischen und einem militärfachlichen Teil zusammensetzt (Fachunteroffizierprüfung). Die mehrmonatige militärfachliche Ausbildung muss in Form von Lehrgängen durchgeführt werden. Der militärfachliche Teil der Fachunteroffizierprüfung kann durch einen verwertbaren Berufsabschluss ersetzt werden.[2][3]

Während ihrer Ausbildung durchlaufen die Unteroffizieranwärter nacheinander die Mannschaftsdienstgrade in den für alle Mannschaften üblichen Fristen und regelmäßig in der in der Soldatenlaufbahnverordnung vorgesehenen Dienstgradreihenfolge niedrigster Dienstgrad-Gefreiter-Obergefreiter.[A 4] Die Beförderung zum Unteroffizier oder Maat erfolgt dann in der Regel nach der Fachunteroffizierprüfung und einer Dienstzeit von zwölf Monaten.[A 5][2][3]

Ausbildung im Heer

Die Ausbildung der Unteroffizier- und Feldwebelanwärter wird nach Vorbild der zentralisierten Ausbildung der Offizieranwärter seit Januar 2014[8] in drei Feldwebelanwärter-/Unteroffizieranwärterbataillonen durchgeführt:

Im Vordergrund steht dort das Erlernen grundlegender militärischer Fertigkeiten und die truppengattungsunabhängige Ausbildung zum Vorgesetzten, Gruppenführer und Ausbilder. Daneben findet meist in der künftigen Stammeinheit der Unteroffizieranwärter, teils auch in weiteren Lehrgängen in Ausbildungseinheiten oder Truppenschulen, die truppengattungsspezifische Fachausbildung statt, wie sie auch andere Mannschaften erhalten, um einen Dienstposten der Truppengattung (vgl. Dienststellungen für Mannschaften) ausfüllen zu können.

Dienstgradbezeichnungen und Zusätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unteroffizieranwärter tragen die gewöhnlichen Mannschaftsdienstgrade. Im Schriftverkehr führen sie hinter ihrer Dienstgradbezeichnung die Zusätze „(Unteroffizieranwärterin)“, „(Unteroffizieranwärter)“ oder kurz „(UA)“ bzw. „(Reserveunteroffizier-Anwärterin)“, „(Reserveunteroffizier-Anwärter)“ oder kurz „(RUA)“.[2][3] Entsprechend sind für Marineuniformträger folgende Zusätze üblich: „(Maatanwärterin)“, „(Maatanwärter)“ oder kurz „(MA)“[9] bzw. „(Reservemaat-Anwärterin)“, „(Reservemaat-Anwärter)“ oder kurz „(RMA)“.[A 3]

Abweichend von den Bestimmungen der Soldatenlaufbahnverordnung werden bei den Kurzbezeichnungen in der Praxis die Klammern häufig weggelassen.

Dienstgradabzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unteroffizieranwärter tragen im Grunde dieselben Dienstgradabzeichen wie alle anderen Mannschaften. Ein waagerechter Balken auf allen Schulterklappen, Aufschiebeschlaufen und bei allen Ärmelabzeichen in derselben Farbe und Ausführung wie die Dienstgradabzeichen kennzeichnet ihre Laufbahnzugehörigkeit. Soldaten im niedrigsten Dienstgrad tragen entsprechende Querbalken gegebenenfalls auf sonst leeren Schulterklappen, Aufschiebeschlaufen oder Ärmeln.[10]

Unteroffizieranwärter mit bestandenen Lehrgang tragen auf allen Schulterklappen und Aufschiebeschlaufen für Luftwaffen- und Heeresuniformträger Schlaufen aus 8  mm breiter hellaltgoldener Metallgespinsttresse. Die Schlaufe entspricht in Farbe und Form der Tresse zur Umrandung der Schulterklappen des Dienstanzugs der Unteroffiziere in Luftwaffen- und Heeresuniform.[10]

Schweizer Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweizer Armee ist der Unteroffiziersanwärter ein Laufbahnabschnitt für Grade der Mannschaften. In der Regel können Obergefreite (Abkürzung: Obgfr; französisch: appointé-chef, italienisch: appuntato capo) als Gruppenführerstellvertreter oder Unteroffiziersanwärter während des Praktikums eingesetzt werden.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. dazu (Unteroffizieranwärter)-(Unteroffiziersanwärter). In: Google books Ngram Viewer. Google, abgerufen am 14. November 2014 (englisch, Die geringste Verbreitung des Fugen-s ergibt sich in deutschsprachigen Büchern seit 1900 demnach um 1957. Seit etwa der 1980er Jahre ist die Nichtnutzung des Fugen-s im Wort Unteroffizier(s)anwärter in etwa ebenso häufig wie dessen Nutzung.).
  2. ZDv 20/7 auf Grundlage § 44 der Soldatenlaufbahnverordnung (Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten (Soldatenlaufbahnverordnung – SLV). 19. März 2002, § 44 (HTML [abgerufen am 25. März 2014] Neugefasst durch Bek. v. 19. August 2011 I 1813. Zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 5 G v. 8. April 2013 I 730).)
  3. a b c Die Bezeichnungen Maatanwärter und Reserve-Maatanwärter werden in der Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) nicht explizit genannt, haben ihre Grundlage jedoch in § 1 Satz 2 SLV, wonach für die Marine entsprechende Zusätze zu den in der SLV genannten Dienstgradzusätzen für Heeres- und Luftwaffenuniformträger mitumfasst sind.
  4. Gemäß Soldatenlaufbahnverordnung muss der Dienstgrad Obergefreiter nicht durchlaufen werden. In der Praxis wird er jedoch meist auch von Unteroffizieranwärtern bekleidet. Die Dienstgrade Hauptgefreiter, Stabsgefreiter und Oberstabsgefreiter können ebenfalls von Unteroffizieranwärtern geführt werden. In der Praxis ist dies jedoch eher die Ausnahme. Meist handelt es sich dabei um Soldaten, die erst später aus einer Laufbahn der Laufbahngruppe der Mannschaften in eine der Laufbahnen der Fachunteroffiziere gewechselt sind.
  5. An die Dienstzeit für Reserve-Unteroffizieranwärter werden geringere Voraussetzungen gestellt. Sie sind aber soweit aktiven Soldaten gleichgestellt, als dass Beförderungen erst nach Ablauf einer Zeit zulässig sind, die im Dienstverhältnis Zeitsoldat als Mindestdienstzeit vorausgesetzt wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b vgl. Unteroffizieranwärter, der. In: Duden. Bibliographisches Institut GmbH, 2013, abgerufen am 9. November 2014. und Unteroffiziersanwärter, der. In: Duden. Bibliographisches Institut GmbH, 2013, abgerufen am 9. November 2014.
  2. a b c d e f Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten (Soldatenlaufbahnverordnung - SLV). 19. März 2002 (HTML [abgerufen am 25. März 2014] Neugefasst durch Bek. v. 19. August 2011 I 1813. Zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 5 G v. 8. April 2013 I 730).
  3. a b c d e f Der Bundesminister der Verteidigung; Abteilung Personal-, Sozial- und Zentralangelegenheiten (Hrsg.): ZDv 20/7. Bestimmungen für die Beförderung und für die Einstellung, Übernahme und Zulassung von Soldatinnen und Soldaten. Bonn 27. März 2002, Art. 635 (PDF (Memento vom 26. Oktober 2014 im Internet Archive) [abgerufen am 26. März 2014] DSK AP210100187, Neudruck Januar 2008).
  4. vgl. Art. 1, Der Bundespräsident (Hrsg.): Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten. BPräsUnifAnO. 14. Juli 1978 (PDF – Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten vom 14. Juli 1978 (BGBl. I S. 1067), die zuletzt durch Artikel 1 der Anordnung vom 31. Mai 1996 (BGBl. I S. 746) geändert worden ist).
  5. Beachte auch: Anlage (zu § 3). Zuordnung der Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten zu den Laufbahngruppen der Mannschaften, der Unteroffiziere und der Offiziere
  6. Sascha Lawrenz, Stephan Nakszynski: Dienstgrade in der Bundeswehr. Bundesministerium der Verteidigung, Leiter des Presse- und Informationsstabes, 3. Dezember 2013, abgerufen am 16. März 2014.
  7. vgl. beispielsweise Dienstgrade der Marine. Bundesministerium der Verteidigung, Presse- und Informationsstab des Bundesministeriums der Verteidigung – Leiter des Presse- und Informationsstabes, abgerufen am 25. März 2014 (Unterseiten beachten).
  8. Das Einrücken hat begonnen. In: Kyffhäuser Nachrichten. Peter-Stefan Greiner, 2. Januar 2014, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  9. Presse- und Informationszentrum Streitkräftebasis: Abkürzungen für Dienstgrade. Bundesministerium der Verteidigung, der Leiter des Presse- und Informationsstabes, 25. November 2013, abgerufen am 26. März 2014.
  10. a b Zusendung der ZDv 37/10 mit Anlagen. In: FragDenStaat.de. Open Knowledge Foundation Deutschland e.V., 13. April 2014, abgerufen am 4. August 2014 (Anfrage gem. IFG/UIG/VIG. Antwort des BMVg enthält u. a. ZDv 37/10 mit Stand vom 27. Januar 2014 und Ergänzungen 01/- und 02/2014). Im Einzelnen:
    1. Hartmut Bagger, Führungsstab der Streitkräfte I 3 , Bundesministerium der Verteidigung, SKA DvZentraleBw (Hrsg.): ZDv 37/10. Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr. Juli 1996. Neudruck von Oktober 2008. DSK F110100003. Bonn, Euskirchen 27. Januar 2014, S. 293 (Digitalisat (PDF; 3,1 MB) [abgerufen am 4. August 2014] Neudruck Oktober 2008 ersetzt Erstausgabe von Juli 1996; zuletzt geändert am 27. Januar 2014 (Änderung Nr. 7) durch SKA DvZentraleBw).
    2. Zentrum Innere Führung. Dezernat Recht und Soldatische Ordnung (Hrsg.): Ergänzung/Änderung 01/2014 zur ZDv 37/10. Koblenz 28. Januar 2014, S. 16 (Digitalisat (PDF; 3,1 MB) [abgerufen am 4. August 2014]).
    3. Zentrum Innere Führung. Dezernat Recht und Soldatische Ordnung (Hrsg.): Ergänzung/Änderung 02/2014 zur ZDv 37/10. Koblenz 28. April 2014, S. 30 (Digitalisat (PDF; 3,1 MB) [abgerufen am 4. August 2014]).