Tempelherrenhaus (Weimar)

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Ruine des Tempelherrenhauses (2007)

Das Tempelherrenhaus war ein Veranstaltungsort in Weimar, der im 18. Jahrhundert aus einer Orangerie hervorgegangen ist. Nach einem Bombentreffer während des Zweiten Weltkriegs ist es heute nur noch eine Ruine.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Park an der Ilm in Weimar wurde 1786/87 im Zuge der Umgestaltung des Parks, wobei der vormalige Welsche Garten in den Park einbezogen wurde, ein altes Gewächshaus, das Alte Orangenhaus zu einem romantischen Salon im Park für den herzoglichen Hof umgebaut.[1] Der Umbau erfolgte nach einem Entwurf von Johann Friedrich Rudolf Steiner. Es befindet sich unweit des Römischen Hauses.

Hier fanden gesellige Veranstaltungen, kleine Empfänge, Ausstellungen und Konzerte statt. Die vier hölzernen lebensgroßen Skulpturen von dem Hofbildhauer Martin Gottlieb Klauer, die ab 1788 die oberen Dachecken des Salons schmückten, stellten Tempelherren dar, woraus sich der Name ableitet. Tatsächlich hatte wenige Jahre zuvor die sich auf diese berufende Loge ihre Arbeit eingestellt. 1818 wurden die hölzernen durch Figuren aus Sandstein von Johann Peter Kaufmann ersetzt. Eine der hölzernen Tempelherrenfiguren Klauers ist aber noch erhalten und befindet sich im Bestand des Goethe-Nationalmuseum (Weimar) mit der Inv.-Nr. KPl/00599.[2] Seit ca. 1820 hatte sich die Bezeichnung Tempelherrenhaus eingebürgert. Nach dem Umbau zu einem neugotischen Tempel unter dem Architekten Carl Friedrich Christian Steiner zwischen 1811 und 1823 und dem Anbau eines Turms 1816 diente es als Salon für die herzogliche Familie. Der Anbau des Turms kam auf Anraten Goethes zustande. [3]Mit diesem Umbauten wurde das Tempelherrenhaus zum jüngsten Architekturelement des Ilmparks in klassischer Zeit. Später wurde es als Konzertsaal unter anderem von Ferruccio Busoni und Franz Liszt sowie als Atelier des Bauhauses verwendet. Zu den Bauhausmeistern, denen es als Atelier diente, gehörte Johannes Itten. Es sind rauschende Feste des Bauhauses verbürgt.[4]

Im März 1945, zum Ende des Zweiten Weltkriegs, fiel das Haus einem Bombenangriff auf die Stadt zum Opfer. Übrig blieb nur der 1816 entstandene Turm nach einem Entwurf, der vermutlich von Goethe selbst stammte. Von den Figuren, die Kaufmann schuf, blieb nur ein einziger Torso an derselben Stelle erhalten. Die anderen drei befinden sich seit April 2012 im Kellergeschoss des Römischen Hauses in dem Bereich, der die Geschichte des Ilmparks zeigt. Ein Wiederaufbau nach dem Kriege unterblieb. Nur die Turmruine wurde 1998 restauriert. Allerdings gibt es Pläne für einen Wiederaufbau.[5]

Erwähnenswert ist an dem Turm ein sehr alter Efeu neben dem Spitzbogenfenster und einem Pfeiler, auf dessen oberer Plattform der erwähnte Torso steht. Auch auf dem gegenüberliegenden Pfeiler hat einst eine Figur gestanden.

Rezeption[Bearbeiten]

Der Musiker Moby war von dem Anblick offenbar so stark beeindruckt, dass er das Cover zur Single The right thing mit einer Aufnahme des Tempelherrenhauses versehen hatte. Das wurde auch in den Medien erwähnt.[6] Das Motiv fand bereits vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg Verwendung als Postkarte.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Wolfgang Huschke: Das Tempelherrenhaus im Weimarer Park. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunst. N. F. 34 (1940), S. 278-288.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rezension zu Orangerien – Von fürstlichem Vermögen und gärtnerischer Kunst auf der Homepage des Arbeitskreises Orangerien in Deutschland e.V.
  2. Susanne Müller-Wolff: Ein Landschaftsgarten im Ilmpark: Die Geschichte des herzoglichen Gartens in Weimar. Köln-Weimar-Wien 2007. ISBN 978-3-412-20057-2 Abb. 44
  3. Rolf Haage: Weimar. Ein Führer durch die Klassiker-Stadt, S. 60.
  4. http://www.klassik-stiftung.de/uploads/tx_lombkswmargcontent/Begleitheft_Museumsbox_Parkhoehle.pdf S. 9
  5. http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/kultur/detail/-/specific/Das-Tempelherrenhaus-in-Weimar-soll-wieder-aufgebaut-werden-2119954987
  6. Thorsten Büker: Weimarer Tempelherrenhaus ziert neue Moby-Doppel-Single. In: Thüringische Landeszeitung, 10. November 2011
  7. http://static0.akpool.de/images/cards/5/54266.jpg http://static2.akpool.de/images/cards/25/256204.jpg http://images.zeno.org/Ansichtskarten/I/big/AK09579a.jpg

50.97583333333311.332222222222Koordinaten: 50° 58′ 33″ N, 11° 19′ 56″ O