Ferruccio Busoni

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Ferruccio Busoni, 1913

Ferruccio (Dante Michelangelo Benvenuto) Busoni (* 1. April 1866 in Empoli bei Florenz; † 27. Juli 1924 in Berlin) war ein italienischer Pianist, Komponist, Dirigent, Librettist, Essayist und Musikpädagoge.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel an Ferruccio Busonis letzter Wohnung in Berlin-Schöneberg Viktoria-Luise-Platz 11
Grabmal von Georg Kolbe für Ferruccio Busoni auf dem III. Städtischen Friedhof Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau

Ferruccio Busoni war das zweite Kind eines italienischen Klarinettenvirtuosen und einer deutschstämmigen Pianistin aus Triest. Er hatte, wie erst 2016 bekannt wurde, einen älteren Zwillingsbruder, Federico.[1] Ferruccio wuchs zweisprachig auf. Mit 10 Jahren gab er sein Debüt als Pianist, Komponist und Improvisator in Wien. 1881 wurde er im Alter von 15 Jahren Mitglied der Accademia Filarmonica in Bologna. Ab 1886 unterrichtete er am Leipziger Konservatorium, ab 1888 war er Klavierlehrer am Konservatorium in Helsinki, wo er zu einem Förderer und Freund von Jean Sibelius wurde. Nach Stationen in Moskau (1890 bis 1891) und Boston (1891 bis 1894) ließ er sich 1894 endgültig in Berlin nieder.

Noch in Moskau heiratete er Gerda Sjöstrand (1862–1956), die Tochter eines schwedischen Bildhauers. Aus der Ehe gingen die beiden Söhne Benvenuto und Rafaello hervor. Während des Ersten Weltkrieges lebte Ferruccio Busoni im Exil in Zürich.

Von 1920 bis zu seinem Tod unterrichtete er an der Berliner Akademie der Künste eine Meisterklasse in Komposition. Ab 1910 bis zu seinem Tod wohnte Busoni in Berlin-Schöneberg am Viktoria-Luise-Platz 11, wo eine Gedenktafel an ihn erinnert. Sein Ehrengrab, welches Georg Kolbe (1877–1947) gestaltete, befindet sich in der Abt. 6-56 auf dem Friedhof in der Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau. In Berlin-Karow wurde 1927 eine Straße nach ihm benannt, die auch heute noch diesen Namen trägt.

Ferruccio Busoni gab u. a. Klavierwerke von Johann Sebastian Bach und Franz Liszt heraus. Der Kritik an seinen zahlreichen Änderungen, Varianten und Erweiterungen erwiderte Busoni, dass er stets den schöpferischen Gedanken für vollkommen halte, nicht aber dessen musikalische oder satztechnische Umsetzung. Als Dirigent lag ihm zeitgenössische Musik am Herzen.

Sein erstmals 1907 erschienenes Buch Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst[2] enthält Überlegungen zu neuen Tonskalen, Sechsteltonsystemen und erste Ahnungen der Möglichkeiten elektrisch erzeugter Klänge. Die Veröffentlichung der überarbeiteten Fassung im Jahr 1916 in der Insel-Bücherei (IB 202) löste heftige Kontroversen aus. Von konservativer Seite antwortete Hans Pfitzner 1917 mit seiner Schrift Futuristengefahr.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Opern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umschlagillustration zur Orchestersuite für Turandot, 1906

Instrumentalmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Violinkonzert D-Dur op. 35a (UA: Berlin 1897)
  • Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 op. 36a
  • Preludes op. 37
  • Konzert für Klavier und Orchester mit Männerchor op. 39 (UA: Berlin 1904)
  • Fantasia Contrappuntistica (komponiert in Dayton 1910) über die Themen der Quadrupelfuge aus der Kunst der Fuge
  • Berceuse élégiaque op. 42 (UA: New York 1911)
  • Nocturne symphonique op. 43 (UA: Berlin 1914)
  • Indianische Fantasie für Klavier und Orchester op. 44 (UA: Berlin 1914)
  • Zwei Kontrapunktstudien nach Johann Sebastian Bach (UA: 1917)
  • Concertino für Klarinette und kleines Orchester op. 48 (UA: Zürich 1918)
  • Divertimento für Flöte und Orchester op. 52 (UA: Berlin 1921)

Thematisch-chronologisch geordnet wurden die Werke Ferruccio Busonis von Jürgen Kindermann. Er fasste sie im sogenannten Kindermannverzeichnis (KiV) bzw. Busoni-Verzeichnis (BV) zusammen.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst. (1907, 2. erw. Aufl. 1916) pdf bei Commons, Volltext bei Wikisource.
  • Von der Einheit der Musik. Verstreute Aufzeichnungen. Erstausgabe: Berlin, Max Hesse 1922. Internet Archive.
    • Martina Weindel (Hrsg.): Kritische und kommentierte Neuausgabe. Wilhelmshaven 2006, ISBN 3-7959-0871-X.
  • Friedrich Schnapp (Hrsg.): Briefe an seine Frau. Zürich 1935. (englisch Letters to his Wife. London 1938, New York 1975).
  • Martina Weindel (Hrsg.): Briefe an Henri, Katharina und Egon Petri. Wilhelmshaven 1999, ISBN 3-7959-0755-1.
  • Martina Weindel (Hrsg.): Briefwechsel mit Gottfried Galston. Wilhelmshaven 1999, ISBN 3-7959-0754-3.
  • Christiane Wassermann-Beirao (Hrsg.): Briefwechsel mit José Vianna da Motta 1898–1921. Wilhelmshaven 2004, ISBN 3-7959-0833-7.
  • Martina Weindel (Hrsg.): Lettere ai genitori. [Briefe an die Eltern], Rom 2006, ISBN 88-89675-01-2.
  • Briefe von Ferruccio Busoni befinden sich im Bestand des Leipziger Musikverlages C. F. Peters im Staatsarchiv Leipzig.

Schüler von Ferruccio Busoni[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferruccio Busoni

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

chronologisch:

  • Hugo Leichtentritt: Ferruccio Busoni. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1916. Internet Archive.
  • Gisella Selden-Goth: Ferruccio Busoni – der Versuch eines Porträts. Tal, Leipzig 1922.
  • Ferdinand Pfohl: Busoni – persönliche Erinnerungen an den Menschen, den Künstler und Freund. Die Musikwelt, 1925, S. 156 ff.
  • Edward J. Dent: Ferruccio Busoni: A Biography. Oxford University Press, Oxford 1933.
  • Helmut Wirth: Busoni, Ferruccio Benvenuto. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 70 f. (Digitalisat).
  • Gerda Busoni: Erinnerungen an Ferruccio Busoni Afas-Musik-Verlag, Berlin 1958.
  • Ernst Hilmar: Eine stilkritische Untersuchung der Werke Ferruccio Busonis aus den Jahren 1880–1890. Diss. Universität Graz 1962.
  • Hans Heinz Stuckenschmidt: Ferruccio Busoni. Zeittafel eines Europäers. Atlantis, Zürich 1967.
  • Jürgen Kindermann: Thematisch-chronologisches Verzeichnis der musikalischen Werke von Ferruccio B. Busoni (= Studien zur Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts. Bd. 19), Gustav Bosse, Regensburg 1980, ISBN 3-7649-2033-5.
  • Antony Beaumont: Busoni the Composer. Indiana University Press, Bloomington 1985, ISBN 0-253-31270-1.
  • Larry Sitsky: Busoni and the Piano: The Works, the Writings, and the Recordings. Greenwood Press, New York/ Westport, Conn./ London 1986, ISBN 0-313-23671-2.
  • Albrecht Riethmüller: Ferruccio Busonis Poetik (= Neue Studien zur Musikwissenschaft. Bd. 4), Mainz 1988, ISBN 379571723X.
  • Marc-André Roberge: Ferruccio Busoni: A Bio-Bibliography. Greenwood Press, New York/ Westport, Conn./ London 1991, ISBN 0-313-25587-3.
  • Martina Weindel: Ferruccio Busonis Ästhetik in seinen Briefen und Schriften (= Veröffentlichungen zur Musikforschung. Bd. 18), Wilhelmshaven 1996, ISBN 3-7959-0692-X.
  • Martina Weindel (Hrsg.), Gottfried Galston: Kalendernotizen über Ferruccio Busoni. Wilhelmshaven 2000, ISBN 3-7959-0792-6.
  • Uwe Harten: Busoni, Ferruccio. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2002, ISBN 3-7001-3043-0.
  • Gottfried Galston: Busoni. Gli ultimi mesi di vita. Diario di Gottfried Galston. a cura di Martina Weindel, Roma 2004, ISBN 88-900999-2-5.
  • Albrecht Riethmüller, Hyesu Shin (Hrsg.): Busoni in Berlin. Facetten eines kosmopolitischen Komponisten. Wiesbaden 2004, ISBN 351508603X.
  • Eva Hanau (Hrsg.): Ferruccio Busoni im Briefwechsel mit seinem Verlag Breitkopf & Härtel. 2 Bde., Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-7651-0318-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bericht im Deutschlandfunk über eine Busoni gewidmete Tagung in Empoli im März 2016. Sendung: Kultur heute am 1. April 2016 17:47 Uhr. Titel des Beitrages: Der verschollene Zwillingsbruder.
  2. Volltext bei Wikisource

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Ferruccio Busoni – Quellen und Volltexte
 Commons: Ferruccio Busoni – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien