Tischtennisweltmeisterschaft 1959

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die 25. Tischtennis-Weltmeisterschaft fand vom 27. März bis zum 5. April 1959 in Dortmund (Deutschland) statt. Es war die erste WM in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Übersicht[Bearbeiten]

Spielort war die Westfalenhalle, gespielt wurde an 16 Tischen auf einem neu verlegten Bodenbelag. Etwa 40.000 Zuschauer verfolgten die Spiele, bei denen 39 Herren- und 27 Damenmannschaften aus 40 Nationen antraten; insgesamt starteten 372 Spieler (264 Herren, 109 Damen). Erstmals nahm auch die DDR mit eigenen Mannschaften teil. Der DTTB konnte sich im Vorfeld nicht mit dem deutschen Fernsehen einigen; deshalb wurden im Fernsehen keine Übertragungen der WM gesendet.

Von den sieben Goldmedaillen gewann Japan sechs. Lediglich der Titel im Herreneinzel ging erstmals an China. Es war die erste WM, bei der Japan nicht den Einzeltitel gewann, wenn es vertreten war. Europa siegte in keinem Wettbewerb. Die Mannschaftstitel der Damen und Herren gingen an Japan. Einzelweltmeister wurde der Chinese Jung Kuo-Tuan, bei den Damen gewann Kimiyo Matsuzaki das rein japanische Endspiel. Auch im Damendoppel und im Mixed standen nur japanische Sportler im Finale. Von den Europäern war Ungarn am erfolgreichsten. Es holte Silber im Herrenteam sowie im Herreneinzel durch Ferenc Sidó. Die Tschechoslowakei erreichte im Herrendoppel das Endspiel.

Als Veranstalter durfte Deutschland für die Individualwettbewerbe viele Aktive aufbieten. Die Nominierung erfolgte durch die Landesverbände.

Spielsystem der Mannschaftswettbewerbe[Bearbeiten]

Die Herrenteams wurden in vier Gruppen gelost. Jede Mannschaft bestand aus drei Spielern. Ein Mannschaftskampf wurde nach dem Swaythling-Cup System durchgeführt.

Die Gruppensieger gelangten ins Halbfinale. Hier gewann Ungarn mit 5:3 gegen China und Japan mit 5:3 gegen Vietnam. Im Endspiel setzte sich Japan mit 5:1 gegen Ungarn durch.

Die Damenteams wurden in drei Gruppen gelost. Jede Mannschaft bestand aus zwei Spielerinnen. Ein Mannschaftskampf wurde nach dem Corbillon-Cup System durchgeführt.

Die drei Gruppensieger Japan, China und Korea spielten im System Jeder gegen Jeden um die Medaillenränge. Japan besiegte China mit 3:0 und Korea mit 3:2 und sicherte sich somit Gold. Korea holte sich durch ein 3:0 gegen China Silber.

Abschneiden der Deutschen[Bearbeiten]

Nationalmannschaft der DDR
Herren von rechts nach links: Günter Matthias, Heinz Schneider (verdeckt), Helmut Hanschmann, Hans Täger und möglicherweise der Trainer.
Damen von links nach rechts: Christa Bannach, Doris Kalweit, Ute Mittelstädt, Sigrun Kunz, Isolde Woschee.

Herrenmannschaft Deutschland[Bearbeiten]

In den Gruppenspielen der Gruppe B gewann Deutschland gegen Ägypten, Portugal und Belgien (jeweils 5:1) sowie gegen Australien, Irland und Jamaica (jeweils 5:0). Gegen China siegte Conny Freundorfer über den späteren Einzelweltmeister Jung Kuo-Tuan und Dieter Köhler über Wang Chuan-Yao, insgesamt ging der Kampf aber mit 2:5 verloren. Auch gegen Schweden verlor die Mannschaft mit 1:5, den einzigen Sieg erzielte wieder Dieter Köhler über Bjorne Mellström. Damit hatte das Team die Endrunde verpasst, in die nur der Gruppenerste China gelangte.

Herrenmannschaft DDR[Bearbeiten]

Die DDR erreichte in Gruppe C den fünften Platz. Sie verlor gegen die ersten vier Teams Japan (0:5), Jugoslawien (1:5), Indien (1:5) und Österreich (4:5) und verzeichnete Siege über die Niederlande (5:4), Dänemark (5:1), Italien (5:4), Kanada (5:0) und Luxemburg (5:1). Die meisten Spiele gewann Heinz Schneider.

Damenmannschaft Deutschland[Bearbeiten]

Auch die Damen konnten sich nicht für die Endrunde qualifizieren. Den Siegen in Gruppe C gegen Neuseeland, Italien, Österreich, Kanada (jeweils 3:0) und Belgien (3:1) standen Niederlagen gegen Japan, Ungarn (jeweils 0:3) und Frankreich (2:3) gegenüber. Damit erreichte Deutschland den vierten Platz.

Damenmannschaft DDR[Bearbeiten]

Die DDR-Damen wurden in Gruppe A ebenfalls Vierter. Sie verloren gegen die vor ihnen platzierten Teams aus China, England und Schweden jeweils mit 0:3. Dazu kam eine 1:3-Niederlage gegen die Schweiz. Vier Siege sorgten für ein ausgeglichenes Punktverhältnis: Dänemark (3:2), Niederlande (3:0), Spanien (3:1) und die USA (3:0).

Herreneinzel Deutschland und DDR[Bearbeiten]

Nach der vierten Runde - der Runde der letzten 32 - waren alle deutschen Herren ausgeschieden. Am weitesten kamen

Niederlagen in Runde 1

Außerdem schieden Anton Breumair, Dieter Czichowski, Ernst Gomolla, Dieter Knappe, Josef Seiz, Otmar Stock und Klemens Tietmeyer in der ersten Runde aus. Horst Funk war bereits in der Qualifikationsrunde gescheitert.

Niederlagen in Runde 2
Niederlagen in Runde 3
  • Hans-Jürgen Fromm: Erste Runde kampflos, Sieg über Laurie Landry (England), Niederlage gegen Yang Jui-Hua (China)
  • Hans Wilhelm Gäb: Sieg über Luciano Trevisiol (Italien), Edmond Beytkhoda (Persien), Niederlage gegen Tony Larsson (Schweden)
  • Herbert Gomolla: Sieg über Hans Täger (DDR), George Jackson (USA), Niederlage gegen Ludvík Vyhnanovský (ČSR)
  • Alfred Großmann: Sieg über Roger Desormeux (Kanada), Harry O'Prey (Irland), Niederlage gegen Heinz Reimann
  • Heinz Harst: Sieg über André Demeure (Belgien), George Murany (England), Niederlage gegen Chuang Chia-Fu (China)
  • Rolf Rätsch[1]: Sieg in der Qualifikation über Wim Augustinus (Niederlande), Herbert Köhncke (Deutschland), dann Sieg über Shonie Aki (USA), Claude Duvernay (Schweiz), Niederlage gegen Li Jen-Su (China)

Dameneinzel Deutschland und DDR[Bearbeiten]

Am weitesten kam Sigrun Kunz (DDR), die erst im Achtelfinale gegen Gizella Lantos (Ungarn) verlor. Bereits vorher waren Jutta Kruse gegen Sárolta Máthé (Ungarn), Rosemarie Gomolla gegen Kathleen Best (England) sowie Ursel Matthias-Fiedler gegen Taeko Namba (Japan) ausgeschieden.

Niederlagen in Runde 1
Niederlagen in Runde 2
Niederlagen in Runde 3
  • Edit Buchholz: kampflos, Sieg über Stefanie Weber (Australien), Niederlage gegen Danuta Szmidt (Polen)
  • Karin Gier: Sieg über Moscha Efremidou (Griechenland), Marianne Bessinger (USA), Niederlage gegen Sigrun Kunz
  • Rosemarie Gomolla: Sieg über Barbara Chaimson (USA), Chong Hi Lee (Korea), Niederlage gegen Kathleen Best (England)
  • Jutta Kruse: Sieg über Muriel Whait (Kanada), Andree Schaan (Belgien), Niederlage gegen Sárolta Máthé (Ungarn)
  • Ursel Matthias: Sieg über Lynn Withams (England), Sharon Acton (USA), Niederlage gegen Taeko Namba (Japan)
Niederlagen in Runde 4

Herrendoppel Deutschland und DDR[Bearbeiten]

Bis ins Achtelfinale kamen Heinz Harst / Dieter Köhler, wo sie gegen Ferenc Sidó (Ungarn) / Jung Kuo-Tuan (China) verloren.

Niederlagen in Runde 1

Freundorfer/Seiz schieden wegen einer Verletzung von Seiz kampflos aus.

Niederlagen in Runde 2
Niederlagen in Runde 3
  • Ernst Gomolla/Herbert Gomolla: Sieg über Arden Robinson/William Hodge (Australien), Dimitrios Fotiadis/Hariton Haraopulos (Griechenland), Niederlage gegen Chuan-Yao Wang/Jui-HuaYang (China)
  • Tietmeyer/Czichowski: Sieg über Frans Schoofs/Bert Onnes (Niederlande), Boutros Moubarak/Georges Bafit (Libanon), Niederlage gegen Alsér/Ake Rakell (Schweden)
  • Arndt/Norbert Van der Walle (D/USA): Sieg über Raimund Kofler/Hans Jell (Österreich), Luciano Trevisiol/Paolo Sambo (Italien), Niederlage gegen Köhler/Harst
Niederlagen in Runde 4

Damendoppel Deutschland und DDR[Bearbeiten]

Durch Freilose erreichten Oda Mielenhausen / Rosemarie Gomolla das Achtelfinale, hier waren aber Libuse Grafkova / Eva Kroupkova (ČSR) zu stark.

Niederlagen in Runde 1
Niederlagen in Runde 2
Niederlage in Runde 3
  • Mielenhausen/Gomolla: zweimal kampflos, Niederlage gegen Libuse Grafkova/Eva Kroupkova (ČSR)

Mixed[Bearbeiten]

Bis unter die letzten 32 gelangten drei Paare. Hier unterlagen Dieter Köhler / Hannelore Schlaf gegen Ichiro Ogimura / Fujie Eguchi (Japan) sowie Lothar Pleuse / Ute Mittelstädt gegen Nobuya Hoshino / Taeko Namba (Japan). Auch Michael Wilcox/Trapp (Österreich/Deutschland) erreichten die Runde der letzten 32.

Politik[Bearbeiten]

  • Südafrika war nicht vertreten. Die Regierung von Südafrika verweigerte die Ausreisegenehmigung, weil Farbige in der Mannschaft eingesetzt werden sollten.
  • Die DDR wurde bei der Eröffnungsveranstaltung offiziell als "D.D.R." (mit Punkten) bezeichnet.

Wissenswertes[Bearbeiten]

  • Der englische ITTF-Präsident Ivor Montagu hält die Eröffnungsrede in deutscher Sprache.[3]
  • Agnes Simon startet diesmal – nach ihrer Emigration aus Ungarn – für die Niederlande. Allerdings wird sie nicht in der Mannschaft eingesetzt, sie nimmt nur an den Individualwettbewerben teil.
  • Jung Kuo-Tuan gewinnt als erster Sportler aus China einen Weltmeistertitel.[4]
  • Der persische Spieler Husseyn Amir Ehteshamzadeh wird vom persischen TT-Verband wegen unerlaubter Wetten disqualifiziert.
  • Mit 13 Jahren ist der Brasilianer R.Biriba Da Costa (korrekt: Ubiraci Rodrignes Da Costa) der jüngste Teilnehmer.
  • Den höchsten Sieg landet die Koreanerin Kyung Cha Cho gegen Louise Parent (Kanada) mit 21:2, 21:1, 21:2.
  • Die Schiedsrichter müssen ihre Anfahrtskosten nach Dortmund aus eigener Tasche bezahlen.
  • Zu den deutschen Schiedsrichtern gehörten u.a. Eugen Bach aus Neustadt an der Weinstraße[5] und Gerhard Wernicke aus Berlin.[6]
  • Der in Essen lebende frühere japanische Olympiasieger im Dreisprung Naoto Tajima betreut die japanischen Tischtennisspieler als Dolmetscher[7].
  • Im Vorfeld mussten 20.000 Plakate wegen einer falschen chinesischen Flagge neu gedruckt werden[7].
  • Die Volksrepublik China gibt im August 1959 zwei Briefmarken mit Tischtennismotiven (Michel-Katalog Nr. 451 und 452) und einen Ersttagsbrief mit Sonderstempel heraus. Die Deutsche Bundespost bietet einen Gedenkumschlag mit Sonderstempel von Dortmund an.
  • Es werden 8.000 Tischtennisbälle verbraucht.[8]

ITTF-Kongress[Bearbeiten]

Der ITTF-Kongress legt fest, welche Schlägerbeläge benutzt werden dürfen, nämlich Noppengummi, Schwamm innen und Schwamm außen. Damit wird ein seit Jahren andauernder Streit um dieses Thema vorerst beendet. Da der DTTB in Deutschland diese Schlägerbeläge erst später – in der Saison 1959/60 – zulassen wird, benutzen die deutschen Teilnehmer Noppengummibeläge.

Ergebnisse[Bearbeiten]

Es gibt widersprüchliche Angaben darüber, welche Deutsche nur an den Individualwettbewerben teilnahmen:

Wettbewerb Rang Sieger
Mannschaft Herren 1. Japan (Ichiro Ogimura, Seiji Narita, Nobuya Hoshino, Teruo Murakami)
2. Ungarn (László Földy, Ferenc Sidó, László Pigniczki, Zoltán Bubonyi, Zoltán Berczik)
3. China (Chiang Yung-Ning, Xu Yinsheng, Wang Chuan-Yao, Jung Kuo-Tuan, Yang Jui-Hua)
3. Vietnam (Mai Van Hoa, Le Van Tiet, Tran Canh Duoc, Tran Van Lieu)
9. Deutschland (Erich Arndt, Conny Freundorfer, Hans Wilhelm Gäb, Ernst Gomolla, Dieter Köhler)
17. DDR (Helmut Hanschmann, Lothar Pleuse, Heinz Reimann, Heinz Schneider, Hans Täger)
13. Österreich (Viktor Hirsch, Anton Hold, Wolfgang Stoiber, Karl Wegrath, Hans Zankl)
21. Schweiz (Lajos Antal, Paul Birchmeier, Claude Duvernay, Mario Mariotti, Marcel Meyer de Stadelhofen)
Mannschaft Damen 1. Japan (Fujie Eguchi, Kimiyo Matsuzaki, Taeko Namba, Kazuko Yamaizumi)
2. Korea (Yool Ja Hwang, Kyong Ja Choi, Chong Hi Lee, Kyong Cha Cho)
3. China (Sun Mei-Ying, Qiu Zhonghui, Hu Ke-Ming)
10. Deutschland (Jutta Kruse, Ursel Matthias-Fiedler, Oda Mielenhausen, Hannelore Schlaf)
10. DDR (Christa Bannach, Sigrun Kunz, Ute Mittelstädt, Isolde Woschee)
19. Österreich (Brigitte Hausleitner, Hildegard Hintner, Margit Wanek)
22. Schweiz (Franziska Hassler, Monique Jaquet, Vera Kaszdorf)
Herren Einzel 1. Jung Kuo-Tuan – CHN
2. Ferenc Sidó – HUN
3. Ichiro Ogimura – JPN
3. Dick Miles – USA
Damen Einzel 1. Kimiyo Matsuzaki – JPN
2. Fujie Eguchi – JPN
3. Éva Kóczián – HUN
3. Qiu Zhonghui – CHN
Herren Doppel 1. Teruo Murakami/Ichiro Ogimura – JPN
2. Ludvík Vyhnanovský/Ladislav Štípek – TCH
3. Hans Alser/Ake Rakell – SWE
3. László Földy/Zoltán Berczik – HUN
Damen Doppel 1. Taeko Namba/Kazuko Yamaizumi – JPN
2. Fujie Eguchi/Kimiyo Matsuzaki – JPN
3. Qiu Zhonghui /Wang Chien – CHN
3. Ann Haydon/Diane Rowe – ENG
Mixed 1. Ichiro Ogimura/Fujie Eguchi – JPN
2. Teruo Murakami/Kimiyo Matsuzaki – JPN
3. Zoltán Berczik/Gizella Lantos – HUN
3. Wang Chuan-Yao/Sun Mei-Ying – CHN

Literatur[Bearbeiten]

  • Vorschau, Gruppeneinteilung, Teilnehmerliste - Zeitschrift DTS, Ausgabe West 1959/5 Seite 1-2 + 1959/6 Seite 1-4
  • Ausführlicher Bericht: Zeitschrift DTS, Ausgabe West 1959/8 + 1959/9
  • Winfried Stöckmann: Von Dortmund bis Dortmund 1959–1989, Zeitschrift DTS, 1985/12 Seite 16-17
  • Winfried Stöckmann: 47 Nationen 1959 in Dortmund, Zeitschrift DTS, 1987/1 Seite 34-35 + 1987/2 Seite 14-15 + 1987/6 Seite 26-27
  • Erich Bachmann: Aus dem Tischtennis-Archiv von E.Bachmann, Tischtennis Magazin 2007/6 Seite 18-19 (Offizielles Organ des TT-Verbandes Niedersachsen)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d In der ITTF-Datenbank ist Rolf Rätsch fälschlicherweise als "Theo Raetsch" aufgeführt.
  2. a b c In der ITTF-Datenbank ist Waltraud Trapp fälschlicherweise als "Ingrid Trapp" aufgeführt.
  3. Zeitschrift tischtennis, 2008/10 regional Nord Seite 2
  4. The Table Tennis Collector, 2008, Ausgabe 50, Seite 25 (PDF)
  5. Zeitschrift DTS, 1976/7 Seite 67
  6. Berliner Verband trauert um Ehrenmitglied Gerhard Wernicke, Meldung vom 9. Juli 2013 auf tischtennis.de (abgerufen am 9. Juli 2013)
  7. a b Zeitschrift DTS, 1987/1 Seite 34-35
  8. Zeitschrift DTS, 1959/14 Ausgabe West Seite 2
  9. über einen "Lothar Stegmann" gibt es in den DTS-Ausgaben im 1959 keine Hinweise. Es handelt sich definitiv auch nicht um "Elmar Stegmann"
  10. fehlt in der ITTF-Teilnehmerliste