Tobias J. Knoblich

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Tobias J. Knoblich (* 21. September 1971 in Zwickau)[1] ist ein deutscher Kulturwissenschaftler, Kulturmanager und parteiloser Kulturpolitiker. Von Januar 2011 bis Januar 2019 war er Kulturdirektor der Landeshauptstadt Erfurt. Seit November 2018 ist er Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft e. V. (Bonn). Am 28. November 2018 wurde er vom Erfurter Stadtrat zum Dezernenten gewählt. Er trat dieses Amt am 1. Februar 2019 an und verantwortet als Beigeordneter des Oberbürgermeisters die Geschäftsbereiche Kultur und Stadtentwicklung. Am 14. Juli 2018 war er bereits zum Berufsmäßigen Stadtrat für Kultur und Tourismus der Stadt Bayreuth gewählt worden[2], hatte sich jedoch für die sich später eröffnende Option in Erfurt entschieden.[veraltet]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tobias J. Knoblich erlernte von 1988 bis 1990 zunächst den Beruf des Verkehrskaufmanns und absolvierte nach dem Ende der DDR 1990 bis 1991 eine Anpassungsschulung zum Kaufmann im Eisenbahn- und Straßenverkehr (IHK) bei der Deutschen Reichsbahn. Parallel zur Ausbildung legte er an der Volkshochschule das Abitur ab.

Von 1980 bis 1989 widmete er sich einer Fagottausbildung am Robert-Schumann-Konservatorium Zwickau, die er mit dem Oberstufenabschluss beendete.

An der Humboldt-Universität zu Berlin studierte Tobias J. Knoblich von 1991 bis 1996 Kulturwissenschaft, Kulturelle Arbeit/Kulturpolitik und Europäische Ethnologie. Er absolvierte das Studium mit dem Abschluss als Magister Artium. Danach arbeitete Knoblich zunächst freiberuflich als Kulturberater, Publizist und Lehrbeauftragter in Berlin, später als freier Mitarbeiter, dann Referent im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst in Dresden.

Von Oktober 2001 bis Dezember 2010 war er Geschäftsführer des Landesverbandes Soziokultur Sachsen e. V. in Dresden. Außerdem unterrichtete er im Studiengang Kulturmanagement an der Sächsischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie und gehörte dort dem Prüfungsausschuss Kulturwissenschaften an. Von 2008 bis 2011 war er zudem Vorstandsvorsitzender der Sächsischen Jugendstiftung.

2011 wurde er Kulturdirektor der Landeshauptstadt Erfurt.[3] In dieser Funktion gehörte er u. a. dem Präsidium der Deutschen Kindermedienstiftung Goldner Spatz an. Seit Februar 2019 ist er kommunaler Wahlbeamter und wirkt als Beigeordneter für Kultur und Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Erfurt. Ferner ist er Lehrbeauftragter für Kulturpolitik und Kulturverwaltung im Masterstudiengang Kulturmanagement und Kulturtourismus an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder. Die Universität Leipzig hat ihn für das Wintersemester 2019/20 zum Gastprofessor für Kulturmanagement an das Institut für Kulturwissenschaften berufen.[4]

Im Juni 2016 wurde er an der Universität Hildesheim im Fach Kulturwissenschaft zum Dr. phil. promoviert. Seine Dissertation widmet sich der kulturellen Demokratisierung und der Soziokultur (Programmformeln und Praxisformen von Soziokultur: Kulturpolitik als kulturelle Demokratie).

Knoblich ist verheiratet und lebt in Erfurt.

Ehrenämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von November 2001 bis November 2005 war Knoblich Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e. V. Im Jahr 2006 wurde er in den Sächsischen Kultursenat kooptiert. Ebenfalls 2006 wurde er Vizepräsident der Kulturpolitischen Gesellschaft e. V. (Bonn), deren Mitglied er seit 2001 ist. Für die Kulturpolitische Gesellschaft engagiert er sich auch publizistisch, u. a. als Autor in der Fachzeitschrift Kulturpolitische Mitteilungen und als Mitherausgeber des Jahrbuchs für Kulturpolitik.[5]

Von 2007 bis 2010 war er stellvertretender Sprecher des Rats für Soziokultur und kulturelle Bildung im Deutschen Kulturrat e. V.; von 2016 bis 2019 übte er diese Funktion erneut aus.

Er wurde ferner in den Fachausschuss Kultur der Deutschen UNESCO-Kommission und in das Kuratorium des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland berufen, denen er heute ebenso angehört wie dem Kuratorium der Sparkassenstiftung Erfurt.

Als Aufsichtsrat unterstützt er die in Gründung befindliche KulturQuartier Schauspielhaus eG, die erste Kulturgenossenschaft Thüringens.

Von 2009 bis April 2016 war Knoblich Vorsitzender der Wilhelm und Lotte Neufeld Stiftung in Offenbach/Main, die sich der Förderung junger Buchkünstler/innen zuwendet.

Auf der 18. Ordentlichen Mitgliederversammlung in Bonn wurde Knoblich am 24. November 2018 zum neuen Präsidenten der Kulturpolitischen Gesellschaft gewählt (in der Nachfolge von Oliver Scheytt).[6]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Forschungsfragen und -befunde zur Publikumsentwicklung im Bereich Soziokultur, in: Patrick S. Föhl/Patrick Glogner-Pilz (Hrsg.), Handbuch Kulturpublikum. Forschungsfragen und -befunde, Wiesbaden 2016, S. 367–390
  • Kulturförderung zwischen Anspruch und Wirklichkeit, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“, 66. Jg., 20–22/2016, Bonn 2016, S. 7–14[7]
  • Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels für die Kulturpolitik, in: Dokumentation des Kongresses „Kann Spuren von Kunst enthalten!“, Hannover 2016, S. 59–65
  • Kulturpolitik ist Gesellschaftspolitik ist Demokratiepolitik, in: Kerstin Gralher (Hrsg.), Zwischen Leitkultur und Laissez-faire. Der Beitrag der Kulturpolitik zur Demokratie angesichts weltweiter Migration, Schwerte-Villigst 2016, S. 61–70
  • Kulturpolitik nach der »Wende« – Verständnis und Missverständnisse, in: Jahrbuch für Kulturpolitik 2015/16, Bielefeld 2016, S. 107–113
  • Wozu eine »Rote Liste bedrohter Kultureinrichtungen«?, in: Kulturpolitische Mitteilungen, Nr. 155, IV/2016, S. 18–19[8]
  • Soziokultur. Ihre Programmformeln zwischen Aufbruch und gegenwärtiger Kulturpolitik, in: Handbuch Kulturmanagement (Nr. 55/2017), S. 31–56
  • Reformationsfeierlichkeiten in Zeiten des abnehmenden Lichts. Gedanken zum Ende der Lutherdekade, in: Kulturpolitische Mitteilungen, Nr. 158, III/2017, S. 16–18
  • Die »Alternative für Deutschland« und ihre Reset-Kulturpolitik, in: Kulturpolitische Mitteilungen, Nr. 159, IV/2017, S. 55–57
  • Programmformeln und Praxisformen von Soziokultur. Kulturpolitik als kulturelle Demokratie, Springer VS, Wiesbaden 2018
  • Möglichkeiten und Grenzen kulturpolitischer Transformation am aktuellen Beispiel Thüringen, in: Zeitschrift für Kulturmanagement/Journal of Cultural Management, Jg. 4, Heft 1: Kultur im Umbruch, Bielefeld 2018, S. 87–102
  • Glaube und Kulturgeschichte – eine anspruchsvolle Synthese. Die Reformationsdekade aus kulturpolitischer Sicht, in: Annette Seemann, Thomas A. Seidel, Thomas Wurzel (Hrsg.): Die Reformationsdekade "Luther 2017" in Thüringen. Dokumentation, Reflexion, Perspektive, Weimar 2018, S. 282–285
  • Gibt es ein transformatorisches Kulturmanagement? Zur Annäherung von Kulturpolitik und Kulturmanagement, in: Handbuch Kulturmanagement (Nr. 63/2018), S. 15–37
  • Kulturpolitik in der Krise des Allgemeinen, in: Kulturpolitische Mitteilungen, Nr. 163, IV/2018, S. 69–71[9]
  • In bester Verfassung? Deutsche Einheit und Verfassungskultur, in: Politik & Kultur, Zeitung des Deutschen Kulturrates, Nr. 4/19, April 2019, S. 17[10]
  • Zur Evolution der Heimat – Heimaten als kulturpolitische Herausforderung, in: Kulturpolitische Mitteilungen, Nr. 166, III/2019, S. 27–29
  • Kulturpolitik und Kulturbetriebe im Zeitalter der Digitalität (zus. mit Annette Jagla), in: Christian Holst (Hrsg.): Kultur in Interaktion. Co-Creation im Kultursektor, Heidelberg 2019, S. 1–22

Als Herausgeber verantwortet er zusammen mit Michael Grisko seit 2017 die Reihe „Aktuelle Beiträge zur Kulturpolitik“, die im Leipziger Universitätsverlag erscheint. Band 1 trägt den Titel »Pro Kultur: Gesetzgebung und Lobbyarbeit«, Band 2 (2019) »Innovation und Kultur. Politik – Technik – Markt«.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kulturpolitische Gesellschaft e. V. In: kupoge.de. Kulturpolitische Gesellschaft e. V., abgerufen am 27. Dezember 2016.
  2. STADTRAT WÄHLT DR. TOBIAS J. KNOBLICH ZUM KULTURREFERENTEN. Stadt Bayreuth, 16. Juli 2017, abgerufen am 3. September 2018.
  3. Kulturdirektion Landeshauptstadt Erfurt. In: erfurt.de. Landeshauptstadt Erfurt, abgerufen am 27. Dezember 2016.
  4. Universität Leipzig: Erfurter Kulturdezernent wird neuer Gastprofessor an Universität Leipzig. 16. Oktober 2019, abgerufen am 17. Oktober 2019.
  5. Jahrbuch für Kulturpolitik. In: kupoge.de. Kulturpolitische Gesellschaft e. V., abgerufen am 27. Dezember 2016.
  6. Kulturpolitische Gesellschaft Pressemitteilung: Kulturpolitische Gesellschaft wählt neuen Vorstand, abgerufen am 27. November 2018
  7. Tobias J. Knoblich: Kulturförderung zwischen Anspruch und Wirklichkeit. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale für Politische Bildung, abgerufen am 27. Dezember 2016.
  8. Tobias J. Knoblich: Wozu eine »Rote Liste bedrohter Kultureinrichtungen«. In: Kulturpolitische Mitteilungen 155. Kulturpolitische Gesellschaft e. V., 2016, abgerufen am 27. Dezember 2016.
  9. Tobias J. Knoblich: Kulturpolitik in der Krise des Allgemeinen. In: Kulturpolitische Mitteilungen 163. Kulturpolitische Gesellschaft e. V., 2018, abgerufen am 26. Dezember 2018.
  10. Tobias J. Knoblich: In bester Verfassung? Deutsche Einheit und Verfassungskultur. In: Politik & Kultur, Nr. 4/2019. Deutscher Kulturrat, abgerufen am 31. März 2019.