Torzym

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Torzym
POL Torzym COA.svg
Torzym (Polen)
Torzym
Torzym
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Sulęcin
Gmina: Torzym
Fläche: 9,11 km²
Geographische Lage: 52° 18′ N, 15° 5′ O52.315.083333333333Koordinaten: 52° 18′ 0″ N, 15° 5′ 0″ O
Höhe: 54 m n.p.m
Einwohner: 2583
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 66-235
Telefonvorwahl: (+48) 68
Kfz-Kennzeichen: FSU
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 2/A 2: BerlinWarschau
Schienenweg: PKP-Linie 3: BerlinWarschau
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 24 Ortschaften
21 Schulzenämter
Fläche: 374,87 km²
Einwohner: 6959
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 19 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0807053
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Ryszard Stanulewicz
Adresse: ul. Wojska Polskiego 32
66-235 Torzym
Webpräsenz: www.torzym.pl



Torzym [ˈtɔʒɨm] (deutsch: Sternberg in der Neumark/Sternberg (Nm.)) ist eine Stadt im Powiat Sulęciński der polnischen Woiwodschaft Lebus in der Neumark mit knapp 2500 Einwohnern. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt in der Neumark, 36 km östlich von Frankfurt (Oder) am Eilangsee (Jezioro Torzymskie) und der ihn durchfließenden Eilang (Ilanka) auf 91 m ü. N.N.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Mark Brandenburg im Spätmittelalter mit dem Gebiet und der Stadt Sternberg südlich der Neumark, östlich der Oder und südlich der Warthe.
Sternberg südlich der Stadt Landsberg an der Warthe auf einer Landkarte von 1905
Sternberg um 1900
Zentraler Platz in Sternberg
Stadtkirche

Bei der Besiedlung des Lebuser Landes durch das Erzbistum Magdeburg in der Mitte des 13. Jahrhunderts entstand an der Kreuzung der Straßen von Crossen nach Zantoch und von Lebus über Frankfurt nach Polen eine Burg, deren Namensgeber der damalige Erzbischof von Magdeburg, Konrad II. von Sternberg gewesen sein wird. Im Jahre 1287 wurde die Gegend an die Markgrafen von Brandenburg verpfändet. Die erste schriftliche Erwähnung Sternbergs stammt jedoch erst von 1300. Seit 1313 wurde der Name der Burg auf das ganze Brandenburger Land östlich der Oder übernommen. Schon im 15. Jahrhundert gibt es keine Nachrichten mehr über die Burg Sternberg. Ihre Lage ist nicht eindeutig feststellbar; wahrscheinlich lag sie an der Eilang, etwa drei Kilometer nordwestlich der Stadt, wo der Flurname Altes Haus an eine frühere Bebauung erinnert.

Im Jahre 1375 erhielt die am Ufer des Eilangsees entstandene Siedlung Sternberg Stadtrecht. Die Markgrafen belehnten im Jahre 1450 die Herren von Winning mit Sternberg, in deren Besitz die Stadt bis 1724 verblieb. Im Ort bestanden mehrere Rittergüter, zu denen fünf Vorwerke und drei Mühlen an der Eilang gehörten. Da sich der Boden für Ackerbau nicht besonders eignete, spielte in Sternberg die Viehzucht eine größere Rolle. Insbesondere war es aber der Viehhandel, der die Stadt bekannt machte, in Sternberg wurden jährlich drei Viehmärkte abgehalten. Die günstige Verkehrslage an der Verbindungsstraße von Frankfurt nach Posen ließ in der Stadt eine Brauerei und eine Schnapsbrennerei entstehen.

Bereits im Jahre 1800 besaß Sternberg keinerlei Stadtbefestigungsanlagen mehr und war nur umzäunt. 1834 entstand ein Kirchenneubau im Stile von Schinkel. Mit der Einweihung der Eisenbahnverbindung zwischen Frankfurt und Posen erhielt Sternberg 1869 einen Bahnanschluss.

Von 1818 bis 1873 gehörte die Stadt dem Kreis Sternberg an, war aber zu keiner Zeit Kreissitz. Seit der Teilung des Kreises 1873 war Sternberg dem bis 1945 bestehenden Landkreis Oststernberg zugeordnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Sternberg zu einem Naherholungszentrum.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt 1945 zu 85 % zerstört. Nach Kriegsende wurde sie unter polnische Verwaltung gestellt. Die einheimische Bevölkerung wurde in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und der Ort mit Polen besiedelt. Er erhielt den Namen Torzym; im gleichen Jahr verlor er seine Stadtrechte.

Seit 1994 ist Torzym wieder eine Stadt. Neben der Land- und Forstwirtschaft spielt in Torzym die Naherholung wieder eine große Rolle. In der Stadt sind ein Industriebetrieb der Elektrotechnik und ein Baustoffwerk ansässig. Weiterhin gibt es eine Klinik zur Heilung von Tbc-Erkrankungen.

Gemeindegliederung bis 1945[Bearbeiten]

Folgende Ortsteile wies die Gemeinde bis 1945 auf: Antonienhof (Łaszewo), Blankenburg (Zagórzyn), Fuchsvorwerk, Mittelmühle (Średni Młyn), Neidenburg (Nidno), Paulinenhof, Schöneberg, Seggekavel, Silberberg, Springwald (Golesznica), Vordermühle (Górny Młyn), Wasserhof und Zillmannshof.[2]

Wildenhagen (Lubin)[Bearbeiten]

Im früheren Ortsteil Wildenhagen kam am 31. Januar 1945 angesichts der vorrückenden Roten Armee zu einem Massenselbstmord, mehr als ein Viertel der etwa 300 Bewohner des Ortes ging in den Tod. Darüber wird als Die Nacht von Wildenhagen berichtet.[3][4]

Jährliche Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

  • 1801: 754
  • 1885: 1568
  • 1900: 1636
  • 1925: 2112
  • 1933: 1.935[5]
  • 1939: 2.155[5]

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Torzym umfasst ein Gebiet von 375 km² mit 7080 Einwohnern.

Zur Gmina Torzym gehören folgende Orte mit Schulzenamt:

Bargów (Bergen), Bielice (Beelitz), Bobrówko (Biberteich), Boczów (Bottschow), Dębrznica (Döbbernitz), Drzewce (Leichholz), Drzewce Kolonia (Bärschlauch), Garbicz (Görbitsch) mit den Vorwerken Szarlatka (Charlottenfeld) und Augustynów (Augustenhof), Grabów (Grabow), Gądków Mały (Klein Gandern), Gądków Wielki (Groß Gandern), Koryta (Koritten), Kownaty (Kemnath), Lubin (Wildenhagen), Lubów (Laubow), Mierczany (Hildesheim), Pniów (Pinnow), Prześlice (Schönwalde), Tarnawa Rzepińska (Tornow), Torzym (Sternberg), Walewice (Wallwitz) und Wystok (Klauswalde).

Weitere Ortschaften sind Jelenie Pole, Rojek und Rożnówka.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Margrafenthum Nieder-Lausitz. Berlin 1861, S. 494–495.
  • Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855 (E-Kopie).
  • Karl Kletke: Regestae Historiae Neomarchicae. Die Urkunden zur Geschichte der Neumark und des Landes Sternberg.
    • Teil 1. In: Märkische Forschungen. Band 10, Berlin 1867, (E-Kopie).
    • Teil 2. In: Märkische Forschungen, Band 12, Berlin 1868 (E-Kopie)

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 8. Dezember 2014.
  2. Vgl. http://gov.genealogy.net/index.jsp
  3. Die Nacht von Wildenhagen. Dokumentation, Deutschland 2005, WDR, 16:9, 52 Min. Regie: Carmen Eckhardt online-Rezension
  4. Wlodzimierz Nowak: Die Nacht von Wildenhagen - Zwölf deutsch-polnische Schicksale. Aus dem Polnischen von Joanna Manc, Eichborn, 2009, ISBN 978-3-8218-5829-6. (online-Rezension).
  5. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/oststernberg.html