Trinitatiskirche (Neuendorf)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Trinitatiskirche

Die Trinitatiskirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche in Neuendorf b. Elmshorn. Der turmlose Backsteinbau ist auf einer alten Deichlinie errichtet worden. Er ragt mit seinem steilen Dach und dem Dachreiter über die Umgebung hinaus und ist von weitem in der flachen Marschlandschaft sichtbar.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um einen Backsteinbau mit Ursprüngen aus dem 16. Jahrhundert. Das nach Westen nachträglich verlängerte Kirchenschiff zeigt einen polygonalen Chorabschluss und ist gedeckt von einem hohen Ziegeldach mit Vollwalm an der Westseite. Die spitzbogigen, relativ großen Fenster des Schiffs sind alle gleichförmig. Eine Ziegelstütze teilt sie mittig. Das Hauptportal liegt an der Nordseite. Es ist spitzbogig und mit eingelegten Taustäben dreifach abgetreppt. Drei spitzbogige Blendnischen darüber zeigen ebenfalls Taustabrahmung. Etwas schlichter ausgeführt ist das abgetreppte Westportal.

Auf dem Dach sitzt ein sechsseitiger Dachreiter mit welscher Haube, vergoldeter Kugel und Wetterhahn. Schaft und Dachfläche sind schieferverkleidet. Im weiß gestrichenen Lukengeschoss befindet sich die Stundenglocke.

Inneres und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Innern wird der große Saalbau von einer Holztonne überwölbt, in einem schmalen westlichen Stück ist noch die einfache Balkendecke vorhanden. Zugbalken verbinden die Gewölbeansätze. Das Innere ist durch große Emporen und Logen weitgehend barock ausgestaltet.

  • Zwei Abendmahlsbänke aus Eiche sind mit Arkaden als Flachrelief verziert. Sie stammen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
  • Der Taufengel von 1787, schwebend mit ausgebreiteten Flügeln, trägt eine Schüssel aus Zinn auf einem Kreuz. Auf dem Deckel der Taufschüssel ist eine Taube dargestellt. Die Figur stammt von Hans Holtemeyer in Wewelsfleth, die Taufschüssel von einem Kannegießer aus Glückstadt.
  • Die Kanzel wurde im Jahr 1636 von Gutsverwalter Hans Horst gestiftet. Eine profilierte Stütze trägt den polygonalen Kanzelkorb. In dessen Feldern sind Reliefs von Geburt, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt zu sehen. Der Schalldeckel zeigt die vier Evangelisten.
  • Die Orgelempore auf der Nordseite ruht auf schlanken Eisenstützen. Beidseitig liegen die Emporenlogen, in der Mitte der fünfteilige Orgelprospekt über einer balkonartig vorschwingenden Balusterbrüstung. Die geschlossenen Emporenlogen sind mit Sprossenfenstern ausgestattet und durch Pilaster gegliedert. Sie tragen Rocailleaufsätze über dem profilierten Gesims. Die Brüstungsfelder zeigen Rokokomalerei mit alttestamentlichen Szenen.
Die Orgel wurde von Johann Matthias Schreiber aus Glückstadt 1756 angefertigt. Sie verfügt über 21 Register. Der Rokokoprospekt weist drei polygonale Pfeifentürme und zwei kleinere doppelgeschossige Flachfelder auf. Wegen ungünstiger Raumklimabedingungen traten technische Schäden auf, sodass eine umfassende Restaurierung notwendig wurde. Die von der niederländischen Firma Flentrup Orgelbau dazu durchgeführten Arbeiten wurden 2016 abgeschlossen.
  • Die Westempore von 1683 wird durch starke Holzsäulen gestützt. In den Brüstungsfeldern befinden sich 18 Emporenbilder. Dargestellt sind Evangelisten, Apostel, Luther und Melanchthon.
  • Das Kruzifix, das im Deckengewölbe aufgehängt ist, stammt von 1643 und wurde 1981 restauriert. Hinrich Magens spendete es der Kirche. Es ist 1,65 m hoch und zeigt im Dreipass Evangelistensymbole.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau, Zerstörung, Wiederaufbau und Umgestaltungen bis 1800[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Trinitatisfest im Jahr 1504 eingeweiht, erhielt die Neuendorfer Kirche zunächst den Namen „Die heylig Dreyfaltigkeits Kirche“. Das ursprüngliche Bauwerk war kleiner als die heutige Kirche und es erhielt 1571 einen Glockenturm.

1627 brannten kaiserliche Truppen im Dreißigjährigen Krieg Kirche und Turm nieder, als sie auf die Festung Glückstadt zustießen. Der Wiederaufbau erfolgte erst zwei Jahre später, als die nach Hamburg geflüchtete Bevölkerung nach Neuendorf zurückkehrte. Allerdings wurde der Turm nicht wieder errichtet, sondern durch einen Glockenstuhl ersetzt.

1722 entschloss man sich, die marode Westmauer abzureißen und das Gebäude nach Westen über den bisherigen Glockenstuhl hinweg zu erweitern. Die Glocke wurde danach im Kirchenboden aufgehängt.

Im Zusammenhang mit dem Einbau einer Schreiber-Orgel erfolgten Mitte des 18. Jahrhunderts weitere Umbauten: An der Nordseite wurde eine Mauer durchbrochen und ein Orgelaufgang und eine Orgelempore entstanden.

Die letzte bedeutende Umgestaltung war dann im Jahr 1765 der Bau des Dachreiters mit Uhr und Stundenglocke.

Restaurierungen in neuerer Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Gutachten aus dem Jahr 1988 führte zur umfassenden Restaurierung der Süd- Ost- und Nordfassade, eine Maßnahme, die erst 1997 abgeschlossen werden konnte. Das Mauerwerk musste zum großen Teil erneuert werden. Die dabei verwendeten klosterformatigen Backsteine und Formsteine stammten von den Ziegelwerken Blomesche Wildnis, kleinformatige Steine aus Abbrüchen von alten Häusern.

Weitere Restaurierungsarbeiten:

  • 1962 Versetzung der Kanzel, Erneuerung des Fußbodens, neue Farbgebung
  • 1980 Erneuerung des Westgiebels mit Steinen im Klosterformat
  • 1985 Restaurierung der gusseisernen Kirchenpforte
  • 1995 Restaurierung von Gemälden
  • 1999 Einbau einer neuen Hauptuhr und Reparatur der Glocke
  • 1999–2000 Restaurierung des Altars
  • 2001–2002 Sanierung des Dachstuhls und Neueindeckung des Dachs, Neuvergoldung von Kugel und Wetterhahn
  • 2016 (Abschluss) Restaurierung der Orgel

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. Bearbeitet im Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein und im Amt für Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck. Wachholtz, Neumünster 1982, ISBN 3-529-02627-1.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler - Hamburg, Schleswig-Holstein, bearbeitet von Johannes Habich, Deutscher Kunstverlag 1971.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trinitatiskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 44′ 13″ N, 9° 34′ 12″ O