Uetersener Eisenbahn

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Uetersener Eisenbahn Tornesch–Uetersen
Betrieb in Tornesch im Jahr 1997 –die MaK-Lok von 1954 ist im Einsatz
Betrieb in Tornesch im Jahr 1997 –
die MaK-Lok von 1954 ist im Einsatz
Streckennummer (DB): 9129
Streckenlänge: 4 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenverlauf
Strecke – geradeaus
von Hamburg-Altona
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0,0 Tornesch
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(ehem. Haltestelle am Bahnhofsvorplatz)
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nach Elmshorn
Bahnübergang
Ortsdurchfahrt Tornesch
   
2,5 Batzhorn zeitweise Basshorn
Bahnübergang
Ortsdurchfahrt Uetersen
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3,2 Uetersen Ost Werkstatt
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4,4 Uetersen-Stadt
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Uetersen Hafen

Die Uetersener Eisenbahn (UeE) war eine Eisenbahngesellschaft und bis 1993 außerdem ein Busverkehrsunternehmen im Kreis Pinneberg im südwestlichen Schleswig-Holstein. Letzteres wird seit dem 1. Januar 1994 als Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg mbH (KViP) fortgeführt. Seit 2014 ist die Uetersener Eisenbahn als Immobiliengesellschaft ein 100%iges Tochterunternehmen der KViP. Die Bahnstrecke, die heute durch die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH (neg) betrieben wird, verbindet die Städte Tornesch und Uetersen und hat eine Länge von etwa 4½ Kilometern.

Streckenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zunächst eingleisige normalspurige Strecke überquert den Tornescher Bahnhofsvorplatz im Straßenplanum und folgt der Straße nach Uetersen. Hier war zwischenzeitlich ein zweites Gleis verlegt mit der betrieblichen Besonderheit, dass das eine Gleis ausschließlich für Personen-, das andere für Güterverkehr genutzt wurde[1]. Das zweite Gleis wurde nach 1965 entfernt.

Die Betriebsleitung und ein Lokschuppen befinden sich am Bahnhof Uetersen Ost. Die Strecke verlief ursprünglich im Straßenplanum weiter in das Stadtzentrum, was der UeE in diesem Bereich auch den Charakter einer Straßenbahn verlieh. Später wurde die Trasse in das Industriegebiet am südlichen Stadtrand verschwenkt. Dort führen Anschlussgleise zu mehreren Industriebetrieben und zum Hafen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zweistöckige Pferdebahn
an der Uetersener Haltestelle Rondell um 1900
Im Hintergrund Röpckes Mühle
Archiv Mosler
Aktie der Uetersener Eisenbahn-Gesellschaft von 1876

Bei der Planung der Altona-Kieler Eisenbahn in den 1840er Jahren hatten sich Fuhrleute aus Uetersen gegen eine Anbindung ihres Ortes ausgesprochen, woraufhin die Trasse durch das nordöstlich gelegene, aber kleinere Tornesch geführt und dort ein Bahnhof errichtet wurde. Nachdem Tornesch von der Eisenbahn sehr profitierte, gründete die Stadt Uetersen zusammen mit örtlichen Wirtschaftsunternehmen 1873 die Uetersener Eisenbahn AG. Wohlhabende Uetersener Bürger kauften die ersten Aktien im Nennwert von 100 Talern. Im selben Jahr wurde eine Pferdeeisenbahn in Betrieb genommen, die von Tornesch zum Buttermarkt in Uetersen führte. 1908 stellte die Uetersener Eisenbahn auf Dampfbetrieb um. In Berlin wurden vier Dampftriebwagen gekauft, zwei neue und zwei gebrauchte. Den Güterverkehr besorgten Trambahn-Dampfloks in Kastenform. Die Fahrzeit von Tornesch zum Buttermarkt in Uetersen verringerte sich von 32 auf 16 Minuten.

In den 1920er Jahren übernahmen Dieseltriebwagen den Verkehr. Man verlegte die Gleise aus der Hauptstraße in den Randbereich der Stadt. Die Strecke wurde verkürzt und hatte jetzt den neu gebauten Stadtbahnhof bei Röpckes Mühle als Endstation.

1936 nahm die Uetersener Eisenbahn ihre erste Omnibuslinie in Betrieb, die die Stadt mit dem neu gebauten Fliegerhorst und dem Ort Appen verband.

Brekina-Modell eines MAN-Schienenbusses in der Farbgebung der Uetersener Eisenbahn mit authentischen Werbeflächen aus den 1960er Jahren (VT 4 und VT 5)

Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichten die Fahrgastzahlen ihren Höhepunkt. Die Gesellschaft investierte in zwei MAN-Schienenbusse, 1957 und 1958 wurden diese in Dienst gestellt:

VT 4 (Fabriknummer 143403, Baujahr 1957)
VT 5 (Fabriknummer 143554, Baujahr 1958)

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtentwicklung Uetersens verlief im 20. Jahrhundert in nördlicher Richtung, also fort von den im Süden der Stadt liegenden Gleisanlagen der UeE. Da deren Beförderungsleistung insbesondere im Personenverkehr dadurch zurückging, richtete die Betreibergesellschaft mehrere Buslinien ein und beendete den Personenverkehr auf ihrer Bahnstrecke zum 29. Mai 1965. Die beiden MAN-Schienenbusse wurden im gleichen Jahr an die Württembergischen Nebenbahnen (WN) verkauft. Der Güterverkehr blieb erhalten.

Im Jahr 1989 betrieb die UeE sechs Buslinien:[2]

1 0Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Ossenpad – Tornesch Bf
2 0Uetersen, E-Werk – Wulfstraße – Tornesch Bf (nur Einzelfahrt mo–fr, morgens hin, abends zurück)
3 0Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Moorrege-Oberglinde – Marseille-Kaserne – Appen – (Appen-Etz) – Pinneberg Bf
4 0Ringlinie Stadtverkehr Uetersen: Wassermühlenstr. – Lohe – Seminarstr. – Buttermarkt – Wassermühlenstr. – Kleiner Sand – Ossenpad – Am Eichholz – Uetersen Ost – Wassermühlenstr. (nur mo–fr tagsüber)
5 0Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Moorrege – Heist – Haselau – Hohenhorst / Kamperrege – Haseldorf (nur Einzelfahrten)
6 0(Uetersen, Hafenstraße –) Buttermarkt – Neuendeich (nur Einzelfahrten an Schultagen)

1991 wurde der Verkehr der fünf Busverkehrsunternehmen des ÖPNV im Kreis Pinneberg (Uetersener Eisenbahn AG, Fa. Johannes Meißner in Elmshorn, Fa. Otto Strunk in Bokholt-Hanredder, Pinneberger Verkehrsgesellschaft (PVG) in Schenefeld sowie die Autokraft mit ihren Linien im Kreisgebiet) durch eine Arbeitsgemeinschaft überplant. Ab 29. September 1991 wurde der Busverkehr von der Verkehrsgemeinschaft in Pinneberg (ViP) mit einem Gemeinschaftstarif und gemeinsamer Öffentlichkeitsarbeit angeboten. Die UeE-Linien 1–6 erhielten zur besseren Unterscheidung die Liniennummern 61–66, außerdem gab es nun drei weitere Linien der UeE:[3]

67 0Uetersen Ost – Buttermarkt – Heidgraben – Tornesch Bf (– Tornesch, Realschule) (nur werktags, kein Spätverkehr)
68 0Uetersen, Buttermarkt – Uetersen Ost – Tornesch Bf – (Realschule) – Ellerhoop (nur werktags, kein Abendverkehr)
69 0Ringlinie Tornesch: Tornesch Bf – Moorreger Weg – Pastorendamm – Tornesch Bf (4 Fahrten mo–fr)

Die Geschäftsstelle der ViP befand sich zunächst am Standort der PVG in Schenefeld. Das Verkehrsgebiet der ViP deckte den Teil des Kreisgebietes ab, der nicht vom Hamburger Verkehrsverbund (HVV) abgedeckt wurde. Inzwischen ist dieser durch Erweiterung des HVV-Verbundgebietes darin aufgegangen.

Am 1. Januar 1994 übernahm die neu gebildete Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg mbH (KViP) den Busbetrieb der UeE mit dem Betriebshof, den Fahrzeugen und dem Personal. Die bisherigen UeE-Buslinien wurden weiter betrieben, zunächst innerhalb der ViP, die nun den Sitz ihrer Geschäftsstelle nach Uetersen zum (ehemaligen) UeE-Betriebshofs-Gebäude in der Bahnstraße 15 verlegte, seit dem 14. Dezember 2002 innerhalb des HVV.

Folgebetrieb in Uetersen im Jahr 2008:
Die Lok MaK G 1100 BB der CFL cargo Deutschland GmbH zieht einen Kesselwagen

Weiterer Eisenbahnbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1998 endete die Geschichte der Uetersener Eisenbahn als Verkehrsbetrieb. Das bewegliche Inventar sowie der 4,4 km lange Schienenstrang ging über an die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll (neg) − teils durch Verkauf, teils durch Verpachtung.

2001 wurde die neg ein Tochterunternehmen der Luxemburger CFL. Aus der Güterverkehrssparte der neg ging die CFL cargo Deutschland GmbH hervor.

Die Uetersener Eisenbahn besteht weiter als Immobiliengesellschaft, der das Betriebsgelände gehört. Der Vertrag mit der neg war wegen des defizitären Betriebs der Bahn notwendig geworden. Die neg setzt den Güterverkehr auf der Strecke bis heute fort.

Im Juni 2016 wurden Pläne der neg bekannt, die Strecke für den Personenverkehr zu reaktivieren. Die Betriebskosten werden auf eine bis zweieinhalb Millionen Euro im Jahr geschätzt. [4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst-Günter Lichte: Die Uetersener Eisenbahn, 2. Auflage, Hamburg 2002, ISBN 3-88255-440-1
  • Lothar Mosler: Mit der Eisenbahn durch Uetersen, C.D.C. Heydorns Verlag, 1996
  • Uwe Barghaan: Uetersen und Moorrege (CD-ROM, 1998)
  • Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 13: Schleswig-Holstein 2 (westlicher Teil). EK-Verlag, Freiburg 2012, ISBN 978-3-88255-672-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Uetersener Eisenbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Jürgen Credé: Anmerkungen zur sozioökonomischen Bedeutung der Kleinbahnen, in: Die Museumseisenbahn 4/1989, S. 35..43, S. 37, (Web) (PDF; 3,2 MB)
  2. Taschenfahrplan Uetersener Eisenbahn, gültig 28. Mai 1989 bis 23. Sept. 1989
  3. ViP Winterfahrplan 1991/92
  4. Fahren bald Personenzüge von Uetersen nach Pinneberg? In: www.nahverkehrhamburg.de. Abgerufen am 14. Juni 2016.