Unter Linken

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Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde ist ein vom Spiegel-Journalisten Jan Fleischhauer 2009 im deutschen Rowohlt Verlag veröffentlichtes autobiografisches Sachbuch. Ein Jahr später erschien beim Spiegel TV Magazin auch der Film Unter Linken. Der Film zum Buch.

Form und Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch hat autobiographische Züge. Der Autor zeichnet den eigenen Werdegang bis heute nach, mit vielfältigen Bezügen zu seinen Eltern[1] und deren Generation.[2] Fleischhauer beschreibt dabei den Autoritätenwechsel in der Bundesrepublik Deutschland nach 1968 von einer christlich-konservativen hin zu einer teilweise radikalen linken Prägung der Gesellschaft. Es stellt das Bildungssystem, die Medien (taz und Die Zeit) und die Sozialarbeit als Bereiche vor, in denen die Linke in den letzten Jahren die Oberhand gewonnen habe.

Er berichtet über das politisch linke Milieu, in dem er aufwuchs. Er erzählt beispielsweise von der Abneigung der Eltern gegenüber dem aus den USA kommenden Fast Food, der ständigen Erinnerung an die Befreiung vom Nationalsozialismus durch die Alliierten und den abonnierten politischen Zeitschriften wie Emma. Das Buch spricht eine angemaßte „Opferrolle“ der Linken an. Ebenso zeigt es die Loslösung Fleischhauers aus ebendiesem Milieu[3] und positioniert Fleischhauer im konservativen Umfeld.[4]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fleischhauers Positionswechsel wurde unter anderem als opportunistisch verurteilt wie auch mit der Polemik Vorsicht, gute Menschen von links und den vielfältigen Wandlungen Rudolf Krämer-Badonis verglichen.[5] Was Fleischhauer als links etikettiert, ist Eva Menasse zufolge oft selbst konservativ und bildungsbürgerlich geprägt.[6] Die Frage, ob sich Fleischhauer damit eher staatsfern oder staatsnah generiert, war bei Rezensenten umstritten.[6][7][4] Das Buch gilt als vergleichsweise unterhaltsame, eher angelsächsisch als treudeutsch geprägte Lektüre, was manche auch als seicht und etwas langweilig empfinden.[8][2] Die in dem Zusammenhang mit dem Buch konstatierte Wiederentdeckung des Konservativen wird gelegentlich angezweifelt.[9] Was als Tabubruch daherkomme, sei längst intellektueller Mainstream.[10]

Resonanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch stand im Jahr 2009 mehrere Monate unter den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste für Sachbücher.[11]

2010 wurde Jan Fleischhauer für sein Buch mit dem Karl-Hermann-Flach-Preis der Karl-Hermann-Flach-Stiftung geehrt.[12]

Ausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan Fleischhauer: Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2009, ISBN 978-3-498-02125-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denis Scheck: Auf eine Nase Koks mit Kohl. In: Der Tagesspiegel. 9. Juli 2009.
  2. a b Hartmut Kühne: „Unter Linken“. Eine Abrechnung mit dem angeblichen Zeitgeist. In: Süddeutsche Zeitung. 6. Juli 2009.
  3. Julia Encke: Der Mann, den sie die rote Ratte nannten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. Mai 2009.
  4. a b Thomas Meyer: Jan Fleischhauer: Eine Danksagung. In: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Band 56, Juli/August 2009 (PDF).
  5. Henryk M. Broder: Vorsicht, gute Menschen von links. In: Die Weltwoche. 13. Mai 2009.
  6. a b Tobias Rüther: Was ist links? Ich bin ein Liebhaber von gebratenen Pfifferlingen. In: FAZ. 29. Juni 2009.
  7. Rudolf Stumberger: Villenviertel-Jan und Gutmenschen-Kai. In: Telepolis. 12. Juni 2009.
  8. Georg Gafron: Abschied vom Selbstbetrug. In: Focus. 30. Mai 2009.
  9. Alexander Gauland: Bloß weg vom geistigen Toskana-Schick. In: Die Zeit. 20. Mai 2009.
  10. Alexander Gauland: Bloß weg vom geistigen Toskana-Schick. In: Die Zeit. 20. Mai 2009, zit. nach Tobias Rüther: Was ist links? Ich bin ein Liebhaber von gebratenen Pfifferlingen. In: FAZ. 29. Juni 2009.
  11. Stephenie Meyer weiter an der Spitze. Bestsellerlisten vom 13. 07. 2009. In: Die Berliner Literaturkritik. 13. Juli 2009.
  12. Henryk M. Broder: Demokratie ist keine Boutique. In: Die Welt. 16. September 2010.