Unternehmenskauf

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Der Unternehmenskauf (auch Akquisition) ist eine wirtschaftliche und rechtliche Transaktion, bei der ein Unternehmen als Ganzes oder teilweise durch einen Kaufvertrag vom Verkäufer auf einen Käufer gegen Kaufpreiszahlung übertragen wird. Der Begriff des Unternehmenskaufs wird i.d.R. nur auf Transaktionen angewendet, bei denen der Erwerber das Zielunternehmen vollständig oder zu großen Teilen übernimmt. Oftmals werden bei Unternehmenerwerben auch lediglich einzelne Sparten vom Verkäufer erworben.

Allgemeines[Bearbeiten]

Während unter dem Begriff „Unternehmenskauf“ die neutrale Beschreibung einer Mergers & Acquisitions-Transaktion verstanden wird, ist der synonym verwendete Begriff der „Unternehmensübernahme“ eher von den Machtinteressen des Übernehmers gekennzeichnet und reflektiert das Englische Pendant „takeover“. Das zu erwerbende Unternehmen („Target“ oder „Zielunternehmen“) wird von einem Erwerber („Investor“) gegen Kaufpreiszahlung als Ganzes oder in Teilen gekauft. Der Unternehmenskauf stellt aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine Investitionsentscheidung dar, so dass die für Investitionen entwickelten betriebswirtschaftlichen Grundsätze gelten. Rechtlich handelt es sich um ein komplexes Vertragswerk, das als Kaufgegenstand das Zielunternehmen beinhaltet und einen vom Käufer an den Verkäufer zu zahlenden Kaufpreis vorsieht.

Wirtschaftliche Aspekte[Bearbeiten]

Zu den wirtschaftlichen Aspekten eines Unternehmenskaufs gehören insbesondere die Kaufmotive, der Kaufpreis und dessen Finanzierung.

Motive[Bearbeiten]

Die im Idealfall realisierbaren Motive eines Unternehmenskaufs können strategischer, finanzieller und persönlicher Natur sein:[1]

  • Strategische Motive:
    • Marktmotive: der Unternehmenskauf ermöglicht einen verbesserten Zugang zu Beschaffungs- und Absatzmärkten und/oder schwächt oder beseitigt Konkurrenz. Es entsteht eine größere Verhandlungsmacht bei Lieferanten, Kunden und Banken.
    • Leistungsmotive: verbesserte Nutzung betrieblicher Funktionen in Beschaffung, Produktion, Absatz oder Marketing ist möglich.
    • Risikomotive: es tritt eine Risikoverbesserung durch Diversifikation oder Risikoausgleich durch Synergien ein (hier verstanden als die Kombination zweier oder mehrerer Unternehmen, die einen höheren Wert erbringt als die Summe der einzelnen Unternehmen: 1 + 1 > 2). Ermöglicht wird zudem eine Vergrößerung der Marktanteile und erhöhte Marktmacht. Zunehmende Betriebsgrößen minimieren außerdem das Risiko, dass der Investor selbst zum Übernahmekandidaten wird. Die Ausnutzung des Gesetzes der Massenproduktion durch Kostendegression oder geringere Markteintrittskosten kann eine Reduzierung der Gesamtkosten bewirken.
  • Finanzielle Motive:
  • Persönliche Motive basieren oft nicht auf betriebswirtschaftlichen Gründen, sondern resultieren aus persönlichen, irrationalen oder subjektiven Überlegungen.[2]
    • Hybris-Hypothese: Sie geht davon aus, dass Selbstüberschätzungen des Managements zu Unternehmenskäufen führen. Es wird angenommen, dass ein über dem Marktpreis liegender Kaufpreis gezahlt wird, weil das kaufwillige Unternehmen glaube, über eine bessere Markteinschätzung zu verfügen als der Markt.
    • Managerialismus-Hypothese: Gibt es beim kaufwilligen Unternehmen ineffiziente Anreiz- und Entlohnungssysteme, so können diese nur durch externes Wachstum relativiert werden.
    • Free Cashflow-Hypothese: Sie nimmt an, dass Unternehmenskäufe über eine Vergrößerung der Ressourcen für zusätzliche Beförderungs- und Anreizpotenziale beim Management sorgen.
    • Diversifikations-Hypothese: Sie geht davon aus, dass durch Unternehmenskäufe die Insolvenzwahrscheinlichkeit des kaufwilligen Unternehmens abnehme und damit das Einkommen der Manager künftig gesichert werde.

Kaufpreis[Bearbeiten]

Die Kaufpreisfindung ist einer der sensibelsten Teile der Transaktion. Grundlage wird meist ein neutrales Due Diligence-Gutachten sein, das unter anderem den Unternehmenswert durch Unternehmensbewertung ermittelt. In der Bewertungslehre besteht seit langem ein Konsens dahingehend, dass bei Unternehmenserwerben der Transaktionspreis mittels eines investitionstheoretischen Barwertkalküls ermittelt werden muss, da es sich, wie weiter oben dargelegt, um eine Investitionsentscheidung handelt. In Frage kommen hier das Ertragswertverfahren oder Discounted Cash-Flow-Verfahren. Andere Verfahren, wie bspw. die Multiplikatormethode oder andere Vergleichswertverfahren, können zur Plausibilisierung der ermittelten Werte eingesetzt werden. Die Wertfindung hängt von sehr vielen Parametern ab. Die wichtigsten sind die innerhalb des Bewertungshorizonts voraussichtlich anfallenden Nettorückflüsse und der Kalkulationszinsfuß. Da die Ausprägungen dieser Parameter sich nicht völlig objektiv bestimmen lassen, kann im Rahmen der Unternehmensbewertung ein Korridor von möglichen Wertansätzen bestimmt werden. Die abschließende Kaufpreisfindung hängt dann auch von der Verhandlungsposition der beteiligten Parteien ab.

Kaufpreisfinanzierung[Bearbeiten]

Die Kaufpreisfinanzierung erfolgt aus Eigenkapital, Fremdkapital, Aktientausch („share-for-share-exchange“) oder einer Mischung hieraus. Je betragsmäßig größer die Transaktion ist, umso wahrscheinlicher wird ihre Fremdfinanzierung. Banken verlangen bei kreditfinanzierten Unternehmenskäufen in der Regel einen Eigenkapitalanteil von mindestens 20 %, um ihr Kreditrisiko zu minimieren. Da banktechnisch der Unternehmenskauf wie eine Projektfinanzierung zu klassifizieren ist, erwartet die finanzierende Bank, dass der Cashflow des Targets eine dauerhafte Kapitaldienstfähigkeit ermöglicht. Die aus der Kreditfinanzierung resultierenden Zinsen und Tilgungen (also der Kapitaldienst) müssen im Regelfall aus dem Cashflow des Targets bestritten werden. Liegt der Fremdmittelanteil über 80 %, sinkt die Kapitaldienstfähigkeit bei steigendem Kreditrisiko. Bei einem Fremdmittelfinanzierungsanteil von 50 % des Kaufpreises beginnt die Schwelle des Leveraged Buy-outs, dessen Extremfall die 100 %ige Fremdmittelfinanzierung des Unternehmenskaufpreises darstellt. Finanzierungswillige Banken gehen bei hohem Fremdfinanzierungsanteil ein deutlich höheres Kreditrisiko als bei klassischen Kreditfinanzierungen ein, das sie durch Kreditsicherheiten an Vermögensgegenständen (Verpfändung des Aktienpaketes) zu minimieren versuchen. Durch einen geringen Einsatz von Eigenmitteln lässt sich eine hohe – für den Investor attraktive – Eigenkapitalrentabilität erzielen, solange die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als die Fremdkapitalzinsen. Voraussetzung ist, dass das Zielunternehmen einen ausreichend hohen freien Cash-Flow erwirtschaftet, mit dem die Verbindlichkeiten getilgt werden.

Form und Arten[Bearbeiten]

"Freundliche" und "feindliche" Übernahme[Bearbeiten]

Man unterscheidet international zwischen der freundlichen („friendly“) und feindlichen Übernahme („unfriendly takeover“ oder „hostile takeover“). Während bei der freundlichen Übernahme Einvernehmen zwischen dem Investor und dem Management der Zielgesellschaft hergestellt wird, will bei der feindlichen Übernahme der Investor die Transaktion ohne Konsens mit dem Management des Targets abschließen. Dies ist möglich, wenn – wie bei börsengängigen Kapitalgesellschaften üblich – deren Management nicht gleichzeitig auch Hauptgesellschafter ist. Dem Investor genügt deshalb bei der feindlichen Übernahme das Einvernehmen mit dem Gesellschafter. Ist hierdurch die einfache Mehrheit in der Hauptversammlung des Targets erreicht, kann bei Bedarf durch entsprechenden Hauptversammlungsbeschluss der unwillige Aufsichtsrat neu besetzt werden, welcher wiederum den Vorstand bestellt. In Deutschland eröffnet eine Mehrheit von 3/4 des bei der Beschlussfassung vertretenen Kapitals die Möglichkeit des Abschlusses eines Beherrschungsvertrages, mit dem die Aktiengesellschaft einem anderen Unternehmen weisungsgebunden unterstellt wird.

Asset Deal und Share Deal[Bearbeiten]

Je nachdem, ob bei der Transaktion die Anteile am Zielunternehmen oder nur dessen Wirtschaftsgüter übernommen werden, wird zwischen Share Deal und Asset Deal unterschieden.[3]

Finanzierungsbezogene Übernahmetechniken[Bearbeiten]

Eine spezielle Form des Unternehmenserwerbs ist der Leveraged Buy-out. Bei diesem erfolgt die Kaufpreisfinanzierung zu einem großen Teil oder im Extremfall vollständig durch Fremdkapital, welches nach der Übernahme dem Zielunternehmen aufgebürdet wird.

Personenbezogene Übernahmetechniken[Bearbeiten]

Nach der Person des Käufers lassen sich, in Abgrenzung zu "normalen" Unternehmenserwerben, folgende spezielle Übernahmetechniken unterscheiden

Beim Employee Buy-out handelt es sich darum, dass eine Mehrheit der Anteile von der Belegschaft des betroffenen Unternehmens selbst erworben wird. Hierbei geht es oftmals vorrangig um den Erhalt von Arbeitsplätzen.

  • Owner Buy-out

Beim Owner Buyout wird im Falle eines Familienunternehmens eine Erbengemeinschaft durch einen einzelnen Erben ausgezahlt, um eine Zersplitterung des Anteilsbesitzes zu vermeiden und das Unternehmen weiterhin mit einer stabilen Mehrheit im Hintergrund führen zu können. Der Owner Buy-out spielt damit vor allem im Zusammenhang mit Nachfolgeregelungen eine Rolle.

Ablauf[Bearbeiten]

Insbesondere bei professionellen Investoren wie Private-Equity-Gesellschaften beginnt der Unternehmenskauf mit der Suche nach geeigneten Beteiligungsobjekten (deal search). Es schließt sich die Evaluation potenzieller Beteiligungsobjekte (due diligence) an, gefolgt von Verhandlungen mit den Gesellschaftern und/oder dem Management des Targets (deal negotiation), die in einem Term Sheet festgehalten werden. Ein Letter of Intent kann die Absicht der beiden Parteien bekräftigen, diese Transaktion erfolgreich durchführen zu wollen. Die beidseitige Vertragsgestaltung (deal documentation) wird von Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfern, Unternehmensberatern oder Investmentbanken begleitet. Nach Kaufabwicklung sorgt beim Investor das Beteiligungscontrolling (deal monitoring) für eine permanente Überwachung der Entwicklung des Targets, das gegebenenfalls später wieder verkauft wird (exit).

Wenn es zum Abschluss des Unternehmenskaufvertrages (signing) kommt und alle darin aufgeführten Bedingungen erfüllt sind, werden die Gesellschaftsanteile an dem zu übertragenden Unternehmen im Rahmen des closing auf den Käufer übertragen,[4] der dann den Kaufpreis zu zahlen hat. Unternehmen werden häufig auch unter der Federführung von Investmentbanken im Rahmen von Auktionsverfahren (controlled auction) veräußert.[5] Dabei werden nur bestimmte Investoren (Bieter) als Kaufinteressenten zugelassen.[6] Mit jedem Bieter werden getrennte und jeweils vertrauliche Verhandlungen geführt.[7] Das Unternehmen wird schließlich an den Investor verkauft, der (aus der Sicht des Verkäufers) die günstigsten Vertragsbedingungen und den höchsten Kaufpreis bietet.[8]

Rechtsfragen[Bearbeiten]

Der Unternehmenskauf ist Gegenstand eines Unternehmenskaufvertrags, der zu den international komplexesten Verträgen gehört.

Deutschland[Bearbeiten]

Beim Unternehmenskaufvertrag wird rechtlich nicht das Unternehmen als Ganzes übertragen, sondern im Rahmen der Singularsukzession seine einzelnen Bestandteile wie Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Forderungen oder Schulden. Mit dem Kauf werden also nicht nur das Vermögen des Zielunternehmens, sondern auch dessen Schulden übernommen.

Nach § 453 Abs. 1 BGB finden die Vorschriften über den Sachkauf nicht nur auf den Kauf von Rechten, sondern auch auf den Kauf von „sonstigen Gegenständen“ entsprechende Anwendung; hierunter fallen auch Unternehmen. „Das Unternehmen“ als solches kann nach deutschem Recht nicht Gegenstand eines einzigen dinglichen Erfüllungsgeschäfts sein. Nach dem das Sachenrecht beherrschenden „Spezialitätsprinzip“ ist vielmehr eine Einzelübertragung aller zum Unternehmen gehörenden Gegenstände („assets“) nach den hierfür geltenden Regeln erforderlich. Das kann die Übereignung beweglicher oder unbeweglicher Sachen, aber auch die Abtretung von Forderungen und anderen Rechten beinhalten und schließt zudem auch Schuldübernahmen oder bloße Realakte wie etwa die Übertragung des Kundenstamms oder die Offenlegung von Betriebsgeheimnissen ein. Der so genannte „asset-deal“ ist damit rechtlich nichts anderes als entweder ein Kauf von Einzelgegenständen oder eine Vollzugsform des Unternehmenskaufs. Ein Unternehmenskaufvertrag an sich ist in Deutschland zwar nicht an eine besondere Form gebunden, allerdings gibt es Regelungen, aus denen sich im Einzelfall die Notwendigkeit einer notariellen Beurkundung des Unternehmenskaufvertrages ergibt. So ist der Erwerb von Geschäftsanteilen an einer GmbH regelmäßig notariell zu beurkunden (§ 15 Abs. 4 GmbHG). Das gilt auch dann, wenn ein Grundstück zum Vermögen des Unternehmens gehört (§ 311b Abs. 1 BGB). Ein Unternehmenskaufvertrag muss gemäß § 311b Abs. 3 BGB auch dann im Sinne des § 128 BGB in Verbindung mit §§ 1 ff. BeurkG notariell beurkundet werden, wenn er pauschal das gegenwärtige Vermögen eines zu erwerbenden Unternehmens zum Inhalt hat.[9] Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts und des Bundesgerichtshofs kann die notarielle Beurkundung vermieden werden, wenn im Unternehmenskaufvertrag die einzelnen Vermögensbestandteile konkret benannt und komplett aufgelistet werden.[10] Allerdings bedarf es hierzu einer lückenlosen Vertragsgestaltung, um das Risiko fehlender notarieller Beurkundung und Nichtigkeit auszuschließen.[11] Das OLG Hamm hat in der zitierten Entscheidung vom 26. März 2010 den Kaufvertrag im konkreten Fall mangels notarieller Form für nichtig erklärt. Die Parteien hatten in den Unternehmenskaufvertrag zwar eine Aufzählung von Inventar und Inventurgegenständen sowie verschiedene, genau bezeichnete Forderungen aufgenommen, daneben jedoch auch die Übernahme „aller Aktiva" vereinbart und Markenrechte und verschiedene Einrichtungsgegenstände aus dem Vermögen der GmbH nicht im Unternehmenskaufvertrag ausdrücklich aufgenommen. Anders als bei Grundstückskaufverträgen und Abtretungen der Gesellschafteranteile nach § 15 Abs. 4 GmbHG konnte in diesem Fall die fehlende notarielle Form nicht durch den Vollzug des Kaufvertrages geheilt werden. Fehlt es an diesen vertraglichen Voraussetzungen, ist der Unternehmenskaufvertrag wegen Formmangels nach § 125 BGB nichtig.

Zudem sind regelmäßig kartellrechtliche Fragen zu prüfen, insbesondere ob der Unternehmenskauf einer Anmelde- und Anzeigepflicht beim Bundeskartellamt oder der europäischen Kartellbehörde unterliegt (Fusionskontrolle).

Übernahme einer börsennotierten Aktiengesellschaft[Bearbeiten]

Die Übernahme börsennotierter Gesellschaften ist in der Übernahmerichtlinie der Europäischen Union geregelt, die in Deutschland durch das Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG), in Österreich durch das Übernahmegesetz umgesetzt wurde. In der Schweiz gilt das Börsengesetz (BEHG).

Das WpÜG beinhaltet bei Unternehmenskäufen insbesondere folgende Kernpunkte:

Stimmrechtsquote[Bearbeiten]

Damit eine Übernahme vorliegt, müssen die mit der Beteiligung verbundenen Rechte ausreichen, um sich gegebenenfalls gegen die anderen Miteigentümer durchsetzen zu können. In der Literatur werden als Kontrollquoten etwa die hundertprozentige Beteiligung, die Eingliederungsbeteiligung (95 % in Deutschland, 90 % in Österreich für die Möglichkeit des Ausschlusses von Minderheitsaktionären), die Dreiviertelmehrheit (75 %), die Mehrheitsbeteiligung (mehr als 50 %) oder die Sperrminorität (25 %) genannt. Nach § 133 Abs. 1 AktG kommt es auf die einfache Mehrheit der „abgegebenen“ Stimmen in der Hauptversammlung an, so dass die tatsächliche Präsenz eine Rolle spielt. Wenn davon ausgegangen wird, dass die Präsenz in den Hauptversammlungen deutscher Aktiengesellschaften mit mehrheitlichem Streubesitz sich zwischen 35 % und 75 % bewegt, wäre faktisch bereits eine Beteiligung am Target zwischen 17,5 % und 37,5 % für die Ausübung der Kontrolle erforderlich.[12]

Das WpÜG definiert Kontrolle als das Halten von 30 % am Grundkapital (§ 29 Abs. 2 WpÜG) und Übernahmeangebote als auf den Erwerb der Kontrolle ausgerichtet (§ 29 Abs. 1 WpÜG). Begründet wird dies unter anderem damit, dass bei dieser Beteiligungsquote unter Berücksichtigung der üblichen Hauptversammlungspräsenzen börsennotierter deutscher Unternehmen in den meisten Fällen eine Hauptversammlungsmehrheit bestehe. Als ausschlaggebende Kontrollintensität wird also offenbar für alle denkbaren Fälle diejenige angesehen, die durch eine Hauptversammlungsmehrheit vermittelt wird, und auch die Umsetzung der Kontrollintensität in eine Quote am Grundkapital erfolgt durch eine Pauschalbetrachtung. Auch das österreichische Übernahmegesetz definiert eine Beteiligung mit über 30 % der Stimmrechte als kontrollierend.

Technik des Beteiligungserwerbs[Bearbeiten]

Hinsichtlich der Technik des Beteiligungserwerbs an einer börsennotierten Aktiengesellschaft kann zunächst danach unterschieden werden, ob die Aktien an der Börse oder außerbörslich erworben werden. Für den Fall des außerbörslichen Erwerbs wird zwischen individuell ausgehandelten Käufen und öffentlichen (Übernahme-)Angeboten unterschieden.

  • Der Beteiligungserwerb im Rahmen des Börsenhandels setzt ein entsprechendes Angebot von Aktien an den Wertpapierbörsen voraus. Da die im üblichen Verkehr börsentäglich umgesetzten Aktien nur einen geringen Bruchteil des gesamten Aktienbestandes ausmachen, wird man davon ausgehen können, dass der Aufbau einer größeren Beteiligung nur über einen längeren Zeitraum möglich ist. So wird in der möglichen Geheimhaltung der Erwerbsabsicht bei gleichzeitigem sukzessivem Erwerb häufig ein Mittel zur Bewältigung von möglichen Widerständen gegen die geplante Übernahme gesehen („creeping takeover“). Es ist jedoch zu beachten, dass beim Überschreiten gewisser Meldeschwellen eine Stimmrechtsmitteilung nach § 21 WpÜG abgegeben werden muss, wobei der Investor auch seine Absichten offenzulegen hat.
  • Ein zweiter Weg für den Beteiligungserwerb besteht in Individualvereinbarungen mit den derzeitigen Aktionären. Wegen der damit verbundenen Informations- und wTransaktionskosten erscheint dieser Weg nur dann sinnvoll, wenn hierdurch größere Beteiligungen von einzelnen Großaktionären oder Aktionärsgruppen erworben werden können (Paketkauf). Dabei sind mitunter deutlich über dem aktuellen Börsenwert liegende Preise zu zahlen (Paketzuschlag).
  • Als dritte elementare Möglichkeit des Beteiligungserwerbs ist ein öffentliches Angebot zu sehen. Hierunter soll die öffentliche Offerte eines Bieters an die Aktionäre des zu übernehmenden Unternehmens verstanden werden, deren Aktien zu festgelegten Konditionen außerhalb des Börsenhandels innerhalb einer gewissen Frist zu erwerben. Als öffentlich ist das Angebot anzusehen, wenn es sich an eine Vielzahl von potenziellen Verkäufern wendet. Wenn die angestrebte Beteiligung zum Kontrollerwerb ausreicht, liegt ein Übernahmeangebot vor (§ 29 Abs. 1 WpÜG).

Die drei beschriebenen Formen des Aktienerwerbs können auch miteinander kombiniert werden. So ist etwa denkbar, dass ein Übernehmer zunächst anonym Käufe an der Börse tätigt und erst nach Erreichen einer kleineren Beteiligung oder wenn die Übernahmeabsicht aufgedeckt wird, ein öffentliches Übernahmeangebot macht. In jedem Fall ist bei Überschreiten gewisser Anteilsschwellen ein öffentliches Pflichtangebot abzugeben (in Deutschland bei 30 %; § 35 Abs. 2 WpÜG).

Internationale Regelungen[Bearbeiten]

Nach dem angelsächsischen Rechtsgrundsatz Caveat emptor trägt der Käufer das Risiko, dass der Kaufgegenstand frei von offenen Sach- und Rechtsmängeln ist. „Möge der Käufer aufpassen“ ist ein im angelsächsischen „Common Law“ insbesondere bei Unternehmenskäufen angewandter Rechtsgrundsatz. Danach ist es Risiko des Käufers, alle eine Kaufsache betreffenden Umstände zu erfassen und etwaige Mängel zu erkennen.[13] Das Risiko liegt damit zunächst allein beim Käufer, der keinen Rechtsschutz genießt.[14] Deshalb ist es international üblich, durch Due Diligence das Käuferrisiko zu minimieren oder gar auszuschließen. Dabei darf der Verkäufer die ihm bekannten Umstände – wie im deutschen Recht – jedoch nicht verschweigen. Selbst in Deutschland finden Unternehmenskäufe meist nicht mehr ohne vorherige Due Diligence statt. Nach herrschender Meinung und Rechtsprechung gehört die Due Diligence deshalb jedoch nicht zur Verkehrssitte. Sie soll hier auch nicht nur das vermeintliche Käuferrisiko ausschalten, sondern dient primär der Kaufpreisfindung.

Das russische Recht enthält in Art. 559 Abs. 1 ZGB (Zivilgesetzbuch der Russischen Föderation vom 21. Oktober 1994) sogar eine Legaldefinition, wonach sich der Verkäufer durch einen Unternehmenskaufvertrag verpflichtet, ein Unternehmen im Ganzen als Vermögensgesamtheit in das Eigentum des Käufers zu übertragen mit Ausnahme derjenigen Rechte und Verbindlichkeiten, welche der Verkäufer auf andere Personen zu übertragen nicht berechtigt ist.[15]

Bilanzierung von Unternehmenserwerben[Bearbeiten]

Deutsches Bilanzrecht[Bearbeiten]

Bei nach deutschem Bilanzrecht zu bilanzierenden Unternehmenserwerben sind zunächst die Aktiva und Passiva des Zielunternehmens einer Neubewertung zu unterziehen. Die Bewertung erfolgt mit Zeitwerten, wobei ggf. stille Reserven aufgelöst werden. Darüber hinaus sind ggf. immaterielle Vermögensgegenstände, die beim Zielunternehmen nicht bilanzierungsfähig waren, zu aktivieren. Das nach der Neubewertung vorhandene Reinvermögen ist sodann mit dem gezahlten Kaufpreis zu vergleichen. Ist dieser höher, so ist der Unterschiedsbetrag als Goodwill in der Bilanz des Erwerbers zu aktivieren. Dieser ist in den folgenden Perioden planmäßig abzuschreiben. Ein negativer Unterschiedsbetrag ("Badwill") ist als Rückstellung beim Erwerber zu passivieren („Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung“), mindert also unter sonst gleichbleibenden Bedingungen das Reinvermögen des Investors. Diese Rückstellung darf nur aufgelöst werden, wenn entweder die erwartete ungünstige Ertragsentwicklung eingetreten ist oder am Bilanzstichtag feststeht, dass der Badwill einem realisierten Gewinn entspricht (§ 309 Abs. 2 HGB, IAS 22.61 ff.).

Im Rahmen der Konzernrechnungslegung erfolgt eine Konsolidierung des Zielunternehmens.

IFRS[Bearbeiten]

Die Abbildung von Unternehmenserwerben in IFRS-Abschlüssen unterscheidet sich nicht grundlegend von der in HGB-Abschlüssen. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass der Goodwill nach IFRS nicht planmäßig abzuschreiben ist. Bei Wertminderungen sind allerdings außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian Wilplinger, Unternehmenskauf und –verkauf steueroptimal gestalten, 2007, S. 6 f.
  2. Bernd W. Wirtz, Mergers & Acquisitions, 2003, S. 69 ff.
  3. Christian Wilplinger, a.a.O., S. 22
  4. Gerhard Picot, in: Picot (Hrsg.), Unternehmenskauf und Restrukturierung 3. Aufl. 2004, S. 23 ff. (mit Ablaufplan)
  5. Vgl. hierzu und zum Folgenden Wolfgang Hölters, in: Hölters (Hrsg.), Handbuch des Unternehmens- und Beteiligungskauf, 6. Aufl. 2005, Teil I
  6. Michael Rozijn, NZG 2001, 494 ff. (insbesondere Fußnoten 43 f.)
  7. Michael Rozijn, aaO.
  8. Gerhard Picot, in: Picot, Unternehmenskauf und Restrukturierung, 2. Aufl., 1998, Teil I Rdn. 11 ff.
  9. OLG Hamm, Urteil vom 26. März 2010, Az.: I-19 U 145/09
  10. RG vom 12. November 1908 in RGZ 69, 416, 420 f; BGH vom 30. Oktober 1990, Az: IX ZR 9/90
  11. Ralf Bergjan, Die Auswirkungen der Schuldrechtsreform auf den Unternehmenskauf, 2002, S. 96 ff.
  12. Michael Schuster, Feindliche Übernahmen deutscher Aktiengesellschaften, 2003, S. 14
  13. Shirin Maria Massumi, Quo Vadis Unternehmenskaufverträge, 2008, S. 105
  14. Shirin Maria Massumi, a.a.O., S. 185
  15. Stefan Kettler, Eigentumsvorbehalt und Sicherungsübereignung an beweglichen Sachen im Recht der Russischen Föderation, 2009, S. 144
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