Unwort des Jahres (Schweiz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.
Es fehlt bei den meisten "Begründungen der Jury" eine Quelle - die findet sich in den Medienmitteilungen; aus denen wurde teilweise nicht wörtlich zitiert.

In der Schweiz wird ein Unwort des Jahres seit 2003 durch eine private Jury bestimmt. 2015 bestand die Jury aus dem Schriftsteller Peter Stamm, dem Rapper Manilio, der Kolumnistin Yonni Meyer aka Pony M., dem Kolumnisten Bänz Friedli sowie dem Autor Daniel Quaderer. Mit jährlich etwa 2000 Wortvorschlägen beteiligt sich die Bevölkerung an dieser Aktion.

Jahr Unwort des Jahres Aus der Begründung der Jury
2016 Inländervorrang light "Diese typisch schweizerische Wortschöpfung spiegelt die Mühen der Politik, einen Volksentscheid umzusetzen und dabei möglichst allen entgegenzukommen: Abstimmungssiegern wie -verlierern, der EU, den heimischen Stellensuchenden.[...]"[1]
2015 Asylchaos Die sogenannte Flüchtlingswelle im Sommer und Herbst 2015 ist weitgehend an der Schweiz vorbeigegangen. Dennoch sei im Wahlkampf damit gezielt Angst geschürt worden.[2]
2014 Dichtestress Ursprünglich der Ornithologie entlehnt, wurde das Wort «Dichtestress» gemäss der Jury über Gebühr vor allem von bürgerlichen Politikern im Zusammenhang mit den Masseneinwanderungs- und der Ecopop-Initiative eingesetzt.
2013 systemrelevant Das Wort «systemrelevant» sei ein Hohn. Tanze ein Geldinstitut dem Rechtssystem lange genug auf der Nase herum, werde es für systemrelevant erklärt.[3]
2012 Bio „Inzwischen wird «Bio» inflationär verwendet und von Detailhändlern im Kampf um den Kunden missbraucht mit dem Ergebnis, dass die Bevölkerung des Begriffes «Bio» überdrüssig wird und dieser seine Wirkung verliert.“[4]
2011 Technologieverbot „Eine Wortschöpfung für reine Propagandazwecke. Das Wort ist schlicht eine Erfindung der Atomlobby, entstanden in der Diskussion um den Atomausstieg nach der Katastrophe in Fukushima. Damit verschleiert diese, dass ein Atomausstieg einen Technologieschub für alternative Energien verursacht.“
2010 FIFA-Ethikkommission „Aufgrund der wiederholten Korruptionsbeschuldigungen rund um die FIFA und ihrer Funktionäre, beabsichtigt der Weltfussballverband nun mit einer hausgemachten Kommission seine hausgemachten Probleme zu lösen. In diesem Zusammenhang den Begriff der Ethikkommission zu strapazieren, ist nach Ansicht der Jury ein glatter Widerspruch – ohne Wenn und Aber.“[5]
2009 Ventilklausel Die «Ventilklausel» umschreibt nüchtern-technologisch die Regulierung der Ein- und Rückwanderung von Personen aus dem EU-Raum in die Schweiz.[6]
2008 Europhorie «Europhorie» bezeichnet die angeblich in der Schweiz festzustellende Vorfreude auf die Fussball-Europameisterschaft 2008. Der laut Jury «sprachliche Missgriff» sei «Werbesprech in Reinkultur» und habe es trotz großer medialer Verbreitung nicht in die Umgangssprache geschafft. Die Schweiz lasse sich nicht «zwangseuphorisieren».[7]
2007 Klimakompensation „Zur vermeintlichen Begrenzung klimaschädigenden Verhaltens wurde die «Klimakompensation» erfunden. Wer beispielsweise eine Flugreise bucht, kann mit dem Entrichten eines zusätzlichen Geldbetrages ein umweltfreundliches Projekt unterstützen. Die «Klimakompensation» präsentiert sich als Win-win-Situation und suggeriert einen Lösungsansatz, der in Wahrheit eine Mogelpackung ist. Der Konsument muss sein Verhalten nicht ändern und hat sein Gewissen erleichtert, die Wirtschaft erfährt zumindest keine Einbußen und die Politik erweckt nicht den Eindruck der Untätigkeit.“[8]
2006 erweiterter Selbstmord «Erweiterter Selbstmord» ist laut Jury ein klarer sprachlicher Missgriff. Es verschleiere und verharmlose den Begriff des Mordes und sei ein Widerspruch in sich, da ein Selbstmord per Definition nur eine Person treffen könne.
2005 erlebnisorientierter Fan «Erlebnisorientierte Fans» seien laut einem Sprecher der Zürcher Polizei gewaltbereit oder gewalttätig, sie seien Chaoten, suchten die Konfrontation mit der Polizei, seien aber keine Hooligans, denn die gingen gegenseitig aufeinander los.
2004 Ökoterror Formulierung des Zürcher Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber zum Rekurs des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) gegen das Einkaufszentrum im neuen Zürcher Stadion.
2003 Scheininvalide Formulierung des Schweizer Bundesrats Christoph Blocher, die eine pauschale Diffamierung von allen Menschen mit einer Behinderung darstelle.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. SRF, 7. Dezember 2016
  2. SRF, 2. Dezember 2015
  3. Neue Luzerner Zeitung, online, 5. Dezember 2013
  4. Vgl. Wort des Jahres-Archiv bei www.chwort.ch
  5. Zitiert nach http://www.chwort.ch/Downloads/Ubersicht_WdJ.pdf
  6. Zitiert nach http://www.chwort.ch/Downloads/WdJ_CH_2009.pdf
  7. Zitiert nacht http://www.chwort.ch/Downloads/WdJ_CH_2008.pdf
  8. Medieninformation vom 5. Dezember 2007 der Jury

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]