Ute Erb

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Ute Erb auf der WikiCon 2013 in Karlsruhe, wo sie das Thema Stand und Zukunft der Rechtschreibarbeiten in der deutschsprachigen Wikipedia erörterte.

Ute Erb (* 25. Dezember 1940 in Scherbach, jetzt Rheinbach, Voreifel) ist eine deutsche Schriftstellerin, Lyrikerin und Übersetzerin.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ute Erb ist eine von drei Töchtern – darunter Elke Erb – des Literaturwissenschaftlers Ewald Erb (1903–1978), der 1949 seine Familie aus dem Rheinland (Bundesrepublik Deutschland) nach Halle (DDR) holte. Die Töchter kamen zunächst in die Franckeschen Stiftungen. 1955 trat Ute Erb der FDJ bei. 1957 verließ sie die DDR ohne Wissen der Eltern und zog zu Freunden nach Köln.

Ihre Beweggründe für die Flucht aus der DDR schildert sie in dem autobiografischen Roman Die Kette an deinem Hals, den sie auf die Anregung von Joseph Scholmer zu schreiben begann. Das Buch erschien 1960, während sie im Kibbuz Gal’ed (einer Siedlung ehemaliger Mitglieder der Berliner Gewerkschaftsjugend) arbeitete, und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Sie zog nach West-Berlin und heiratete 1962 den Arbeiter, Dolmetscher und Sänger Michael Pampuch (Scheidung 1966), mit dem zusammen sie ein Buch übersetzte. 1961 und 1963 kam jeweils ein Sohn zur Welt.

1967 wurde ihre Mitgliedschaft in der SPD nach vier Monaten widerrufen, da sie im Rahmen des Kampfs gegen den Vietnam-Krieg maßgeblich an der Störung einer US-Truppenparade in Berlin-Neukölln beteiligt war. In mehreren Gerichtsverfahren waren Horst Mahler und später Hans-Christian Ströbele ihre Anwälte.

Das Abitur machte Erb im Mai 1968 auf dem zweiten Bildungsweg. Sie verkehrte in der Kommune 1,[1] war Mitbegründerin, Namensgeberin und Hauptmieterin der Kommune 99 und aktiv in der Kinderladen-Bewegung. Sie war auch Stipendiatin der Pädagogischen Hochschule Berlin, gab aber als Alleinerziehende aus finanziellen Gründen das Studium auf. 1970 trat sie an der PH der SEW bei.

In zweiter Ehe war Ute Erb ein Jahr lang mit dem österreichischen Dichter Hermann Schürrer verheiratet und wurde so auch Österreicherin (Ute Schürrer).[2]

1976 und 1979 erschienen zwei Lyrikbände von ihr. 1976 organisierte sie federführend den II. Berliner Autorentag „Schreib das auf, Frau“ und die Sektion Literatur in der Vereinigung demokratischer und sozialistischer Künstler (VDSK). Sie arbeitete im Verband deutscher Schriftsteller (VS), im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, im Ständigen Komitee Kulturtage, Progressive Kunst West-Berlin e. V. und in der Libanon-Hilfe mit. Sie ist ein Mitglied bei der Grazer Autorinnen Autorenversammlung (GAV) mit Sitz in Wien.

Von 1974 an arbeitete sie als Composersetzerin, zum Beispiel ab 1978 für den „Forschungsschwerpunkt Theorie und Geschichte von Bau, Raum und Alltagskultur in Berlin an der Hochschule der Künste in Westberlin“[3][4][5] und Korrektorin, gründete 1982 die „Schriftstellerei Ute Erb & Kollektiv“ und heiratete erneut; diese Ehe wurde 1986 geschieden. Als Verlegerin stellte sie einige Rara her (wie den Landwehrkanal) und brachte ein Buch von Sigrun Casper auf den Markt. 1996 zog sie sich wegen chronischer Quecksilbervergiftung zurück.

Ute Erb lebt seit 2001 in Berlin-Charlottenburg.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kreuz- und Querfahrten. Biographie einer Deutschen. In Zs. Kürbiskern 4, 1974: Kultur & Nation, 25 Jahre BRD
  • BStU 000310. MfS Zentralarchiv, Allg. S, Band 101/77.
  • Susan L. Cocalis (Hrsg. und Übersetzung ins Englische): The Defiant Muse: German Feminist Poems from the Middle Ages to the Present, Feminist Press, New York 1986, S. 121–122.
  • Walther Killy (Hrsg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Bertelsmann Lexikon, Gütersloh 1989
  • Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Schmidt-Römhild, Lübeck 2002
  • Ute Erb: Die Kette an deinem Hals. In: Der Spiegel. Nr. 52, 1960 (online).
  • Vereinigt Euch. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1969 (online).
  • Rolf Michaelis: Wir Angsthasen. In: Die Zeit, Nr. 19/1977

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horst Rieck: Auch im Osten bekannt – Fritz Teufels Händel mit den Vopos. In: Zeit online. 15. Dezember 1967, abgerufen am 24. März 2016.
  2. Eintrag „Erb, Ute (verh. Ute Pampuch, Ute Schürrer)“. In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2012/2013. Walter De Gruyter, Berlin, S. 239.
  3. Johann Friedrich Geist und Klaus Kürvers: Das Berliner Mietshaus 1740–1862. Prestel-Verlag, München 1980, ISBN 3-7913-0524-7, S. 8.
  4. Johann Friedrich Geist und Klaus Kürvers: Das Berliner Mietshaus 1862–1945. Prestel-Verlag, München 1984, ISBN 3-7913-0696-0, Klappentext vorne.
  5. Johann Friedrich Geist und Klaus Kürvers: Das Berliner Mietshaus 1945–1989. Prestel-Verlag, München 1989, ISBN 3-7913-0707-X, S. 8.