Valentine Strasser

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Valentine Esegragbo Melvine Strasser (* 26. April 1967 in Freetown) war von 1992 bis 1996 Staatschef von Sierra Leone.

Staatschef[Bearbeiten]

Am 29. April 1992 setzte Hauptmann Strasser mit einer Gruppe junger Offiziere Yahya Kanu ab, der nur einen Tag zuvor angeblich für den Putsch gegen den gewählten Präsidenten Joseph Saidu Momoh verantwortlich war. Ursprünglicher Anlass des Putsches war die ausbleibende Bezahlung der Soldaten der Armee. Die Gruppe gründete den National Provisional Ruling Council (NPRC), dem Strasser am 1. Mai 1992 vorstand. Damit wurde er zum jüngsten Staatsoberhaupt der Welt. Ein Putschversuch durch Anhänger Momohs gegen ihn scheiterte Ende 1992 und führte zur Hinrichtung von 26 darin verwickelten Personen.

Während seiner Amtszeit ging der Bürgerkrieg gegen die Revolutionary United Front (RUF) unter Foday Sankoh weiter. Um die Lage in den Griff zu bekommen, engagierte Strasser die Söldnerfirma Executive Outcomes. Den Söldnern gelang es (zeitweise), die RUF zurückzuschlagen. Am Ende von Strassers Amtszeit kontrollierten die Rebellen etwa die Hälfte des Landes und konnten sich durch die Diamantenvorkommen in ihrem Machtbereich finanzieren. Auf internationalen Druck hin versprach er im Oktober 1993 Wahlen für das Jahr 1995, später wurden sie für den 26. Februar 1996 angesetzt. Einen weiteren Putschversuch überstand er am 2. Oktober 1995. Anfang 1996 erklärte Strasser, bei den geplanten Wahlen nicht kandidieren zu wollen.

Exil[Bearbeiten]

Am 16. Januar 1996 wurde er durch einen Putsch seines Stellvertreters Julius Maada Bio entmachtet und ins Exil gebracht. Damit wurde er das jüngste ehemalige Staatsoberhaupt der Welt. Zunächst flog man ihn nach Conakry im benachbarten Guinea, wo bereits sein Vorgänger Momoh seit 1992 lebte.

Er wurde von den Vereinten Nationen eingeladen, Rechtswissenschaft an der University of Warwick in Coventry zu studieren, aber bereits nach einem Jahr auf Betreiben der Studentenschaft wieder relegiert. Anschließend war er arbeitslos. Als sein Aufenthalt in Großbritannien bekannt wurde, forderte Amnesty International im Mai 2000 von der britischen Regierung, Strasser wegen der Vorkommnisse während seiner Herrschaft zur Rechenschaft zu ziehen. Er musste Großbritannien verlassen und wurde Ende 2000 auch aus Gambia ausgewiesen.

Rückkehr[Bearbeiten]

Er kehrte nach Sierra Leone zurück und lebt dort arbeitslos bei seiner Mutter. Die Regierung von Sierra Leone bat die Bevölkerung in einer Erklärung, den zurückgekehrten Strasser nicht zu belästigen, nachdem er mehrfach auf der Straße mit Steinen beworfen wurde.

Im Mai 2005 erklärte Strasser in einer Pressekonferenz, er habe die People's Redemption Party gegründet und wolle bei den nächsten Präsidentschaftswahlen kandidieren.

Weblinks[Bearbeiten]