Veitel Heine Ephraim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Veitel Heine Ephraim (* 1703 in Berlin; † 16. Mai 1775 ebenda) war königlich preußischer Hoffaktor, Hofjuwelier, Bankier, Münzpächter, Fabrikant, sowie Inhaber mehrerer Gold-, und Silbermanufakturen, und Silberlieferant. Ephraim und Daniel Itzig finanzierten Preußens Kriegsführung im Siebenjährigen Krieges (1756–1763) durch Münzverschlechterung. Er lieferte außerdem Lebensmittel, Getreide und Material an die Armee; betrieb eine Seidewarenhandel, ließ Spitzen, Tressen und Litzen herstellen und eigene Schiffe bauen.[1] Nebenan war betätigt als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und gründete eine Lehranstalt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veitel Ephraim war das fünfte Kind des aus Altona stammenden Juwelenhändlers, Armenvorsteher und Ältester der Jüdischen Gemeinde Nathan Veitel Ephraim (1658-1748). (Heine ist kein Name, sondern ein jiddisch-mittelalterlicher Ausdruck für „Sohn des“; Heine oder Heiman ist also die Übersetzung des aramäische bar Chaim.)

Spandauer Straße, nach einer Aquarell-Skizze von 1690

1727 heiratete Ephraim Elke Fränkel; sie bekamen vier Söhne und zwei Töchter. Die Familie Ephraim lebte in die Spandauer Straße 30. 1744/1745 wurde er Hofjuwelier des preußischen Königs Friedrich II. Sie kannten sich schon seit 1738, wo sie sich auf Schloss Rheinsberg begegneten. Schon als Kronprinz war Friedrich bei Ephraim verschuldet. 1748 pachtete Ephraim eine Fabrik für Spitzen und ließ Waisenkinder in Potsdam in die Herstellung unterrichten.[2] 1750 wurde er vom König zum Oberältesten der Berliner Judenschaft ernannt.[3] Ab 1752 lieferte Ephraim Silber an die Preußsiche Münzhäuser.

Ephraim als Münzpachter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Nach Graumanns Sturz wurde Anfang 1755 Moses Fränkel ... und seinem Schwager Ephraim die Pacht der Königsberger und Breslauer Münzstätten zu übertragen. Ihr Erfolg in Königsberg war so groß, daß man ihnen unter ähnlichen Bedingungen auch die Pacht der Münzstätten von Aurich und Kleve überließ, trotzdem ihre Konkurrenten bei der Silberlieferung, Moses Hertz Gumperts, Daniel Itzig und Moses Isaak, sich leidenschaftlich bemühten, die Pacht für sich selbst zu gewinnen und die siegreiche Partei durch häßliche Intrigen um die Gunst des Königs und der Münzbeamten zu bringen.[4]

Jährlich bezahlten sie dem König 5 % Schlagschatz während ihnen selbst Zoll- und Akzisefreiheit für das durchpassierende Material, Freipässe und Räume für die Ausprägung gewährt wurden.[5] "Um den vom König gewünschten außerordentlich hohen Schlagschatz von 340.000 Talern im Jahre bezahlen zu können, waren die Unternehmer genötigt, bei dem großem Risiko, das sie eingingen, eine sehr hohe Anzahl von Scheidemünzen auszuprägen und zwar nach einem schlechteren als dem bisher üblichen Münzfuß von 14 Talern auf die feine Mark."[6] Die geprägte Münzen wurden in Preußen, Sachsen und Schlesien umgewechselt. Nach dem Tode des Gumperts söhnte er sich mit Moses Isaak und Daniel Itzig aus und tat sich mit ihnen zu einer neuen Sozietät zusammen.[7] Dieser Sozietät wurden nun alle sechs preußischen und die beiden sächsischen Münzstätten (die Münzstätte Leipzig und Dresden) verpachtet.

„In der Hauptsache nützten sie ihre umfangreichen geschäftlichen und verwandtschaftlichen Auslandsbeziehungen aus, um in Holland, besonders auf dem Amsterdamer Markt, in England und in Hamburg mittelst Hamburger und holländischer Wechsel das nötige Gold und Silber zu erwerben. Sichere Einkaufsgebiete waren auch ... Polen, Rußland und Ungarn, wo die sogenannten Aufkäufer der Unternehmer die dort kursierende besseren Münzen einhandelten und sie ihren Auftraggebern zuführten. Bis zum Jahre 1761 sollen de Münzpächter auf diese Weise, wie sie selbst erklärten, 50 Millionen an Gold aus den Oststaaten gezogen und es der königlichen Münze nutzbar gemacht haben. Eine andere Art der Geldbeschaffung bestand darin, die von England erhaltenen Goldsubsidien umzuschmelzen und sie durch Vermischung mit anderen Metallen zu verdoppeln und zu verdreifachen.[8]

Augustdor-1756+1758-av.jpg
Augustdor-1756+1758-rv.jpg


August d’or (1753–1756 Münzstätte Leipzig) und Neuer August d’or (1761–1763 Münzstätte Berlin mit gefälschtem Stempel)

Hierbei bedienten sie sich im königlichen Auftrag (mittels Von Tauenzien) dubioser Methoden: eines niedrigen Münzfußes. Ephraim stellte für die preußische Regierung mit Hilfe erbeuteter und nachgeschnittener Stempel polnische Tympfe (Ephraimiten) her. Für das besetzte Sachsen ließ Friedrich der Große minderwertige Geldstücke mit Bildnis und Wappen seines verhassten Feindes Friedrich August II. prägen. Doch die Fälschungen wurden erkannt und die Bevölkerung reimte: „Von außen schön, von innen schlimm. Von außen Friedrich, von innen Ephraim.“[9] Die Bürger wollten Ephraim wegen dieser Fälschungen verklagen, scheiterten aber am Widerstand des Königs. Während des ganzen Krieges wurde Kriegsgeld in Magdeburg, Breslau und Königsberg hergestellt; die Münzstätten in Kleve, und Aurich fielen 1757 aus. Als im selben Jahr die Armee in Böhmen stand, prägte Ephraim auch österreichische Münzen. 1758 wurde eine Fiktive Briefsammlung "Der gerechtfertigte Ephraim. Oder, Historische und beurtheilende Nachrichten über den vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Zustand des Sächsischen Finanz-Wesens : Nebst einer Vergleichung der Preußischen und Sächsischen Oeconomie ... durch den Juden Ephraim zu Berlin an seinen Vetter Manasses in Amsterdam" von Jean-Henri Maubert de Gouvest publiziert.[10]

Ab 1760 war er auch als Eintreiber von Sächsischen Kriegskontributionen tätig. "Einen weiteren Vorteil erreichten Ephraim & Söhne durch die Lieferung des Silbers, das sie infolge ihrer vielen ausländische Beziehungen billiger einkaufen konnten als in den Verträgen vorgesehen war."[11]

Als Belohnung erhielten Ephraim und Itzig 1761 die Rechte christlicher Kaufleute. 1762 kaufte Ephraim sich als erster Jude ein Grundstück in Berlin. Insgesamt soll sein Grundbesitz in Berlin den Wert von 400.000 Talern gehabt haben. 1764 begann er mit dem Betrieb einer Schmelzhütte unweit seinem Hof am Schiffbauerdamm, wo falsches Geld eingeschmolzen wurde um Silber zu erwerben.

Ephraim als Armenvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das prächtige Stadthaus, das Ephraimpalais, wurde im Jahr 1766 fertiggestellt. Die den Balkon tragenden Monolithen hatte der König sein Günstling von dem gräflich Brühlschen Schlosse geschenkt, das während des Siebenjährigen Krieges zerstört wurden.[12] Das mit reichem Säulen- und Puttenschmuck versehene Palais, wurde 1935 wegen Verbreiterung des Mühlendamms abgetragen und erst zwischen 1985 und 1987 an fast derselben Stelle, aber dennoch neuem Standort an der Poststraße 16 (Nikolaiviertel) in Berlin-Mitte, wieder aufgebaut. Seit 1987 dient das Rokoko-Palais dem Märkischen Museum für Ausstellungszwecke.

Zusammen mit Daniel Itzig, versuchte er 1761 eine Armenkinderschule zu gründen, was damals nicht gelang. Doch in seinem Testament von 1774 verfügte er die Gründung einer jüdischen Lehranstalt (Klaus) für Talmud und jüdische Wissenschaft in Berlin, die 1783 unter dem Namen Veitel Heine Ephraimsche Lehranstalt eröffnet wurde und bis zum Beginn des nationalsozialistischen Regimes bestand. Erst im Oktober 2005 wurden 83 historisch besonders wertvolle Bände aus der 1945 verschollenen Bibliothek dieser Lehranstalt der Universität Potsdam übereignet,[13] die aus dem Nachlass des Rabbiners Yehuda Aschkenasy in Hilversum (Niederlande) stammten.

Ephraim wurde auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Mitte begraben. Sein Sohn Benjamin Veitel Ephraim (1742–1811) brachte von allen Söhnen am weitesten. Er machte aber 1809 Konkurs, setzte auf die Toleranzpolitik Napoleons, bekam Probleme mit der preußischen Regierung, wurde 1810 als Spion eingekerkert und starb als armer und gescheiterter Mann.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. S. Stern, S. 160-161, 206
  2. S. Stern, S. 208
  3. Harry B. van der Linden (2013) Veitel Heine Ephraim. Hofjude Friedrichs II.
  4. Selma Stern, Der preußische Staat und die Juden, S. p. 233–234. Mohr, Tübingen 1962]
  5. S. Stern, p. 237
  6. S. Stern, p. 238-239
  7. Anton Balthasar König (1790) Annalen der Juden in den preußischen Staaten besonders in der Mark Brandenburg, S. 290.
  8. S. Stern, p. 243
  9. Helmut Caspar: Possierliche Tresorscheine. In: Berlinische Monatsschrift 9/1999 beim Luisenstädtischen Bildungsverein
  10. Der gerechtfertigte Ephraim, oder, Historische und beurtheilende Nachrichten ...
  11. S. Stern, p. 250
  12. Rachel & Wallich (1967) Berliner Großkaufleute und Kapitalisten. Bd. 2, S. 312
  13. Nathanael Riemer: Die Judaica- und Hebraica-Bestände der Universitätsbibliothek Potsdam. Postprint Universitätsverlag Potsdam
  14. Gerhard Steiner: Drei preußische Könige und ein Jude. Erkundungen über Benjamin Veitel Ephraim und seine Welt, S. 221. Edition Hentrich, 1994