Videospielen in China

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Spielhalle in Hongkong mit Warnschild

Videospielen in China ist eine Freizeitbeschäftigung. China ist seit 2015 der weltweit am stärksten wachsende und umsatzstärkste Markt für Videospiele.[1] Hauptsächlich sind dafür das durchschnittliche Einkommen der chinesischen Bürger, willkürliche Urheberrechtsverletzungen sowie Kontrollmaßnahmen der Regierung bezüglich des Inhalts und der Spielzeiten von Videospielen verantwortlich. 2011 erreichte der Sektor der Computerspiele einen Wert von sechs Milliarden Dollar und war somit der Größte der Welt.[2] Arcade-Spiele bilden ebenfalls einen erfolgreichen Industriesektor in China. Im Jahr 2000 gab es ein Verbot von Konsolenspielen, das jedoch im Juli 2015 wieder aufgehoben wurde.[3]

Im E-Sport ist China mit einigen der weltbesten Talenten für Videospiele das erfolgreichste Land bei Wettkämpfen.[4]

Hongkong und Macau haben besondere rechtliche und kulturelle Verhältnisse, weshalb nachfolgende Informationen für diese beiden Städte nicht gelten.

China ist, mit dem größten Markt und einigen der weltgrößten Videospiele-Unternehmen, als „Welthauptstadt der Spieleindustrie“ bekannt.[5]

Im Inland produzierte Spiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In China werden zahlreiche Spiele produziert, darunter Genesis of the Century trilogy (The World of Legend, The Age und Magical Land), Westward Journey, The Incorruptible Warrior und Crazy Mouse. Es gibt zahlreiche Massively Multiplayer Online Role-Playing Games (Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiele), die in China produziert werden, wobei im Ausland einige davon unbekannt sind.[6][7][8]

Internetcafés[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl Chinas wachsende Wirtschaft die Chancen vieler Chinesen auf bessere finanzielle Verhältnisse in den letzten Jahrzehnten ansteigen ließ, ist ein Computer, eine Spielkonsole oder eine Internetverbindung für viele immer noch unbezahlbar, aufgrund dessen Internetcafés immer populärer wurden. Um sich nun keine eigenen Geräte und eigene Software zulegen zu müssen, nutzen Chinesen gegen Gebühren (meistens pro Stunde) einen Computer im Internetcafé, auf dem es meistens bereits eine Auswahl an Spielen gibt. Dabei legen chinesische Internetcafés oft selbst Altersbeschränkungen fest, um jüngere Nutzer vor Inhalten zu schützen, die nicht jugendfrei sind.

Spiele auf sozialen Netzwerken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das chinesische Spiel Happy Farm (2008) wurde von Wired als 14. auf der Liste der „15 einflussreichsten Spiele des Jahrzehnts“ platziert; hauptsächlich aufgrund seines Einflusses auf Soziale-Netzwerk-Spiele. Happy Farm inspirierte ein Dutzend Facebook-Klone, von denen Zyngas Farm Ville als das größte gilt.[9] Seitdem haben zahlreiche andere Spiele ähnliche Spielmechanismen genutzt, darunter Sunshine Farm, Happy Farmer, Happy Fishpond, Happy Pig Farm,[10][11] Farm Town, Country Story, Barn Buddy, Sunshine Ranch und Happy Harvest sowie Parodien, wie beispielsweise Jungle Extreme und Farm Villain.[12][13]

Spielhallen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielhallen sind ein erfolgreicher und weitverbreiteter Wirtschaftsfaktor in China. Infolge des Verbots von Konsolenspielen im Jahr 2002 ist deren Beliebtheit mit der von Computerspielen in Internetcafés vergleichbar. Daher besuchen chinesische Spieler häufig Spielhallen, um Action-Spiele zu spielen, insbesondere Kampfspiele. Gelegentlich werden in Spielhallen auch unlizenzierte Portierungen bekannter Computer- bzw. Handyspiele genützt, wie beispielsweise Angry Birds oder Pflanzen gegen Zombies. In China arbeiten Spielhallen in ähnlicher Weise wie Internetcafés.[14]

Zensur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie fast alle Massenmedien des Landes unterliegen auch Videospiele der Zensur in China.

  • Verstöße gegen Grundsätze der Verfassung der Volksrepublik China
  • Bedrohung der Nationalen Einheit, Souveränität oder territorialen Integrität
  • Preisgabe von Staatsgeheimnissen
  • Bedrohung der Staatssicherheit
  • Zerstörung der Staatssouveränität
  • Störung der sozialen Ordnung
  • Verletzung der Rechte anderer

Veränderungen des Verbots von Videospielen in China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2015 wurde das Verbot von Videospielen aufgehoben. Laut einer Aussage des Kulturministeriums ist es Firmen wie Sony, Nintendo und Microsoft sowie anderen erlaubt, Spielkonsolen im ganzen Land herzustellen und zu verkaufen.

Spielkonsolen wurden das erste Mal im Jahr 2000 verboten. Anlass war die Befürchtung, dass die Geräte sowie die dadurch entstandenen 3D-Welten einen negativen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern haben könnten. 2015 wurden die Beschränkungen gelockert, und Spielkonsolenhersteller bekamen die Erlaubnis, in einer experimentellen 28-Quadratkilometer-Zone um Shanghai, bekannt als die Freie Handelszone, zu arbeiten.

Die staatliche Administration für Presse und Veröffentlichungen sowie die Abteilungen für Anti-Pornografie und Büros für illegale Publikationen spielten ebenso eine Rolle bei der Kontrolle der Spiele.[15]

Beispiele für verbotene Spiele:

  • Hearts of Iron (wegen „Verzerrung der Geschichte, Zerstörung der Souveränität und der territorialen Integrität Chinas“)[16]
  • I.G.I.-2: Covert Strike (wegen „absichtlicher Beschmutzung von Chinas Ansehen und dessen Armee“)[17]
  • Command & Conquer: Generals - Zero Hour (wegen „Beschmutzung von Chinas Ansehen und dessen Armee“)[16]
  • Battlefield 4 (wegen „Beschmutzung von Chinas Ansehen und Gefährdung der nationalen Sicherheit“)[18]

Neben dem völligen Verbot von Spielen wurden manche auf deren Inhalt überprüft, um bestimmte abstoßende oder widrige Darstellungen zu entfernen. Übliche Beispiele sind Skelette oder Totenköpfe, die überarbeitet oder komplett entfernt wurden. Beispiele dafür, die in bekannten chinesischen Versionen von Videospielen gesehen werden können, sind Dota 2 und World of Warcraft.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Global Games Market Reaches $99.6 Billion in 2016, Mobile Generating 37% In: newzoo.com, 21. April 2016, abgerufen am 9. Juni 2017.
  2. PC Game Sales Top $18.6 Billion In 2011 In: Cinema Blend, abgerufen am 9. Juni 2017.
  3. Sophia Yan: China eliminates all restrictions on gaming consoles In: CNN, 27. Juli 2015, abgerufen am 9. Juni 2017.
  4. China's eSports Industry Revenue Reached $7B Last Year In: China Money Network, 25. April 2017, abgerufen am 9. Juni 2017.
  5. Nate Lanxon: China Just Became the Games Industry Capital of the World In: Bloomberg L.P.,1. Juni 2017, abgerufen am 30. Juni 2017.
  6. C. Custer: Chinese Video Games in America (Memento des Originals vom 20. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.chinageeks.org In: ChinaGeeks, 24 Januar, abgerufen am 27. Juni 2017.
  7. China’s Tencent scores with world’s top-earning mobile game In: Financial Times, abgerufen am 30. Juni 2017.
  8. Zhang Ye: China becomes gaming goliath In: Global Times, 1. Juni 2017, abgerufen am 30. Juni 2017.
  9. Chris Kohler: The 15 Most Influential Games of the Decade In: Wired, 24. Dezember 2009, abgerufen am 27. Juni 2017.
  10. China's growing addiction: online farming games (Memento des Originals vom 2. November 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.techgearx.com In: Techgearx.com, 29. Oktober 2009, abgerufen am 27. Juni 2017.
  11. Elliott Ng: China’s growing addiction: online farming games In: VentureBeat, 29. Oktober 2009, abgerufen am 27. Juni 2017.
  12. Chris Kohler: Farm Wars: How Facebook Games Harvest Big Bucks In: Wired, 19. Mai 2010, abgerufen am 27. Juni 2017.
  13. Facebook》到開心農場歡呼收 In: China Times, 1. September 2009, abgerufen am 27. Juni 2017.
  14. Eric Jou: The Wonderful and Seedy World of Chinese Arcades In: Internet Archive, 19. März 2012, abgerufen am 27. Juni 2017.
  15. 50 illegale elektronische Spiele verboten In: Xinhua, 26. Januar 2006, abgerufen am 30. Juni 2017.
  16. a b Swedish video game banned for harming China's sovereignty In: China Daily, 29. Mai 2004, abgerufen am 30. Juni 2017.
  17. Computer game cracked down on for discrediting China's image In: Xinhua, 19. März 2004, abgerufen am 30. Juni 2017.
  18. Kevin Parrish: Battlefield 4 Now Banned in China In: Tom‘s Hardware, 27. Dezember 2013, abgerufen am 30. Juni 2017.