Vogelleim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Vogelfänger mit Leimrute (15. Jhd.)

Vogelleim ist eine sehr zähe und klebrige Masse, die beim Vogelfang zur Herstellung von Leimruten dient.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name stammt aus der Römerzeit, als Vogelfänger Ruten mit einer aus den reifen Beeren der Misteln (Viscum spp.) gewonnenen grünlichgelben klebrigen Flüssigkeit einstrichen. Um den Leim noch klebriger zu machen und gegen Austrocknung zu schützen, wurden auch eingedickter Birnen- und Pflaumensaft sowie Honig zugesetzt. Man strich dabei den Leim auf Birkenästchen, die man auf einen in den Boden geschlagenen Stock steckte. Neben diesen Stock wurde ein Käfig mit einem Lockvogel aufgestellt. So wurden bevorzugt Fichtenkreuzschnäbel und andere Finkenvögel gefangen, um im Winter eine Unterhaltung zu haben, da diese Vögel schön singen. Im Winter wurde mit Leimruten, die auf Büschen platziert wurden, Drosseln zum Verzehr nachgestellt. Dies wurde bis ins 19. Jahrhundert in ganz Europa praktiziert.

Heute ist der Vogelfang in der EU nach einer EU-Vogelschutzrichtlinie im Prinzip seit 1979 verboten; Leimruten (inzwischen oft mit synthetischem Leim) wurden dennoch entgegen den Vorschriften der EU, teilweise unter Ausnahmegenehmigungen für traditionelle Jagdweisen oder offizieller Tolerierung, als Vogelfallen in Südfrankreich, Norditalien, auf Zypern und in Katalonien weiterhin verwendet – in Frankreich (seit August 2020), Italien und auf Zypern ist der Einsatz von Leimruten inzwischen illegal.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs wurden britische Panzerabwehrhandgranaten vom Typ HGR No. 74, so genannte sticky bombs, vor dem Einsatz mit Vogelleim beschichtet, damit sie, aus der Entfernung auf den Panzer geworfen, dort kleben bleiben und nicht herunterrollen.