Misteln

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Misteln
Weißbeerige Mistel (Viscum album)

Weißbeerige Mistel (Viscum album)

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Sandelholzartige (Santalales)
Familie: Sandelholzgewächse (Santalaceae)
Gattung: Misteln
Wissenschaftlicher Name
Viscum
L.
Weißbeerige Misteln in der gemäßigten Zone
2-jährige Weißbeerige Mistel (grün) und die Gewöhnliche Gelbflechte
Weißbeerige Mistel im Frühling
Früchte der Weißbeerigen Mistel

Die Misteln der Gattung Viscum sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Sandelholzgewächse (Santalaceae). Üblich ist allerdings, den mehr als drei Dutzend Viscum-Arten und den ihnen nahestehenden Gattungen wie z. B. Arceuthobium und Korthalsella den Rang einer eigenen Familie der Eigentlichen Mistelgewächse (Viscaceae) zuzubilligen. Daneben gibt es noch, vor allem in den Tropen und Subtropen, die noch wesentlich artenreichere Familie der Riemenblumengewächse (Loranthaceae), deren Mitglieder ebenfalls den gehölzparasitischen Lebensformtyp „Mistel“ aufweisen.

Etymologie[Bearbeiten]

Der lateinische Gattungsname Viscum ist identisch mit dem lateinischen Wort viscum für „Leim“. Von den Römern wurde aus den klebrigen Beeren Vogelleim hergestellt, der dem Vogelfang diente. Der Begriff Viskosität (Maß für Zähflüssigkeit) geht auf spätlateinisch viscosus „klebrig“ zurück und damit ebenfalls auf viscum, den klebrigen Schleim der Mistelbeeren (Mistelleim).[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

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Misteln sind entweder immergrüne oder sommergrüne (zum Beispiel Loranthus) ein- oder zweihäusige Halbschmarotzer, die auf Bäumen oder Sträuchern wachsen. Ihre Äste verzweigen sich oft gabelig. Blätter erscheinen paarig oder in Wirteln. Bei einigen Arten, die zusätzlich zum Wasser auch ihre Nährstoffe vorwiegend von ihren Wirten beziehen, sind die grünen, zur Photosynthese fähigen Teile (Blätter, grüne Äste) sehr klein. Arten, die auf sukkulenten Wirten wachsen und so mit ihren Wirten saisonalen Wassermangel ertragen müssen, sind selbst sukkulent. Im Extremfall (bei Viscum minimum) befindet sich mit Ausnahme der Blüten die gesamte Pflanze innerhalb des Wirtes. Diese ist also ein Vollparasit.

Die männlichen oder weiblichen Blüten der Viscum-Arten sind unscheinbar, 1 bis 3 Millimeter im Durchmesser und grünlich gelb. Nach der Bestäubung durch Insekten und anschließend erfolgter Befruchtung entstehen weiße, gelbe oder rote Beerenfrüchte. In ihnen sind je einzelne Samen.

Eine Besonderheit der Mistel-Früchte und Samen liegt darin, dass keine Samenschale ausgebildet wird. Stattdessen bildet das Mesokarp eine klebrige Schicht aus einer Substanz, die als Viscin bezeichnet wird. Das Viscin hat bei der Samenausbreitung zwei Funktionen: Eine Komponente ist glitschig, so dass die schleimumhüllten Samen schnell den Verdauungstrakt der Vögel passieren. Zweitens ist das Viscin sehr klebrig und klebt die Samen an den Ästen der Wirtsbäume fest. Vögel breiten diese Samen aus, indem sie entweder nur das Fruchtfleisch fressen und die klebrigen Samen an benachbarten Zweigen abstreifen oder die ganzen Früchte fressen und die unverdauten Samen andernorts wieder ausscheiden.

Bei der Keimung entsteht unter den winzigen Keimblättern ein „Schlauch“ mit endständiger Scheibe, aus der sich bei Kontakt mit einem geeigneten Wirt auf noch glatter Rinde ein Haustorium entwickelt, durch das der Keimling zu den Leitbahnen der Wirtspflanze vordringen kann.

Verbreitung[Bearbeiten]

Misteln sind weltweit in den tropischen, subtropischen und gemäßigten Zonen verbreitet. Die Anzahl ihrer anerkannten Arten ist umstritten und beträgt je nach Familienabgrenzung zwischen rund 400 und über 1400.

Kulturgeschichte und Populärkultur[Bearbeiten]

Das Küssen unter in Wohnungen aufgehängten Mistelzweigen gehört zu den Weihnachtsbräuchen in den USA und England. Der Ursprung des Brauchs ist nicht bekannt.[2]

Ebenso findet der Mistelzweig eine symbolische Bedeutung in der germanischen Mythologie. Der Gott Loki tötet Balder, den Sohn Odins und Friggs, indem er dem blinden Hödr einen Mistelzweig auf den Bogen spannt und auf ihn zielen lässt. Misteln sind Balders „Achillesferse“, da alle anderen Elemente der Erde geschworen haben, dem schönen, jungen Gott nichts zu Leide zu tun.

Misteln sind in den Asterix-Comics ein Bestandteil des vom Druiden Miraculix gebrauten Zaubertranks. Erst die Misteln verleihen dem Trank und letztendlich den Galliern unglaubliche Kräfte zur Verteidigung des letzten von den Römern noch nicht eingenommenen Dorfes. Die Autoren sind wahrscheinlich inspiriert von dem Bericht des Römers Plinius, dass die Priester der Gallier, die Druiden, Misteln und die Bäume, auf denen sie wuchsen, als heilig verehrten, besonders wenn die Mistel auf einer Eiche wuchs. Plinius beschreibt, dass die Misteln in einer besonderen Zeremonie von einem weiß gekleideten Druiden mit einer goldenen Sichel geschnitten wurden und dann in einen Trank gegeben wurden, der unfruchtbare Tiere fruchtbar machen und Vergiftungen heilen sollte.

Volkstümliche Bezeichnungen der Mistel sind Donnerbesen, Druidenfuß, Hexenbesen, Hexenkraut, Wintergrün, Bocksbutter, Albranken, Vogelkraut oder Kreuzholz.

In der alternativen Medizin wird Misteln eine antikarzinogene Wirkung nachgesagt, obwohl dies nach der derzeitigen Studienlage fraglich erscheint.[3]

Arten (Auswahl)[Bearbeiten]

Zwergmistel (Viscum minimum)
Viscum rotundifolium aus Südafrika mit roten Beeren
  • Weißbeerige Mistel (Viscum album L.): eine in Europa, Nordafrika und Asien einheimische Pflanze.
  • Viscum articulatum Burm. f.: kommt in Süd- und Südostasien, in China und Australien vor; wächst auch parasitisch auf dem Parasiten Dendrophthoe.
  • Viscum capitellatum Sm.: wächst parasitisch auf den Parasiten Loranthus sowie auf anderen Viscum-Arten.
  • Viscum coloratum (Kom.) Nakai: früher als Unterart der Weißbeerigen Mistel angesehene Art in Ostasien (China, Korea, Japan und Ostrussland).
  • Viscum crassulae Eckl. & Zeyh.: sukkulente Art, die auf sukkulenten Crassula-Arten wächst.
  • Rotfrüchtige Mistel (Viscum cruciatum Sieber ex Boiss.): im südlichen Spanien sowie, disjunkt, in Palästina endemisch.
  • Viscum cuneifolium Baker: auf Madagaskar endemische Art.
  • Viscum loranthi Elmer: kommt in Indien, Nepal, Indonesien, auf den Philippinen und in China (Yunnan) vor und wächst parasitisch auf dem Parasiten Scurrula.
  • Zwergmistel (Viscum minimum Harv.): sukkulent, fast vollständig parasitisch und ist die kleinste Mistelart.
  • Viscum monoicum Roxb. ex DC.: kommt in Indien, Bangladesch, Bhutan, Sikkim, Myanmar, Sri Lanka, Thailand, Vietnam und China (Guangxi, Yunnan) vor und wird häufig von den eigenen Sämlingen parasitisch befallen.
  • Viscum orientale Willd.: in Asien verbreitete Art.
  • Viscum ovalifolium DC.: kommt in Indien, Bhutan, Indonesien, Malaysia, Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam, in China und auf den Philippinen vor; recht groß werdende Art
  • Viscum rotundifolium L. f.: kommt in Südafrika vor.
  • Viscum triflorum DC.: afrikanische Art, die auf vielen unterschiedlichen Wirten wächst.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Christian Weber: Parasitismus von Blütenpflanzen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993
  • H. S. Heide-Jorgensen: Parasitic Flowering Plants. Brill Academic Publishers, 2008, ISBN 978-90-04-16750-6.
  • Huaxing Qiu, Michael G. Gilbert: Viscaceae Batsch. Flora of China. Vol. 5, S. 240–245, 2004

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. viskos bei Duden online
  2. Vgl. Bettina Meister: Küsse unter dem Mistelzweig in: zauberspiegel-online.de, 7. Dezember 2007.
  3. G. S. Kienle, H. Kiene: Influence of Viscum album L. (European Mistletoe) Extracts on Quality of Life in Cancer Patient: A Systematic Review of Controlled Clinical Studies. Integrative Cancer Therapies 2010; 9(2): 142–157

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Misteln (Viscum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien