Misteln

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Misteln
Weißbeerige Mistel (Viscum album)

Weißbeerige Mistel (Viscum album)

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Sandelholzartige (Santalales)
Familie: Sandelholzgewächse (Santalaceae)
Gattung: Misteln
Wissenschaftlicher Name
Viscum
L.
Weißbeerige Misteln auf winterkahlen Laubbäumen in der gemäßigten Zone
2-jährige Weißbeerige Mistel (grün) und die Gewöhnliche Gelbflechte
Weißbeerige Mistel im Frühling auf Ästen einer Ahorn-Art

Misteln sind ausdauernde Gewächse, die ektoparasitisch auf den oberirdischen Teilen (Stämmen, Ästen und Zweigen) von Gehölzen, in sehr wenigen Fällen endoparasitisch in Sukkulenten oder als Wurzelparasiten leben. In Mitteleuropa werden mit „Misteln“ insbesondere Pflanzen der Gattung Viscum aus der Familie der Sandelholzgewächse (Santalaceae) gemeint. Früher wurden die mehr als drei Dutzend Viscum-Arten und die ihnen nahestehenden Gattungen wie z. B. Arceuthobium und Korthalsella in eine eigene Familie Viscaceae gestellt. Misteln sind halbparasitische, epiphytische Sträucher. Vor allem in den Tropen und Subtropen kommt diese Lebensform auch in anderen Pflanzenfamilien vor, z. B. in den entfernt verwandten, artenreichen Riemenblumengewächsen (Loranthaceae).

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Mistel (mhd. mistel, ahd. mistil) ist mit Mist (ahd. mist) verwandt. Mistelsamen werden von Vögeln, insbesondere von der Misteldrossel[1] gefressen und gelangen mit deren Ausscheidungen („Vogelmist“) wieder auf die Bäume.[2] Zugrunde liegt eine urgermanische Wurzel „mihst“ (‚Mist; Harn, Kot, Dünger‘), deutbar auch als ‚(klebrige) Ausschwitzung bzw. krankhafter Auswuchs‘ (‚Saft, Pflanzenschleim, Sekretionsstoff‘) auf der Wirtspflanze.[3][4]

Der lateinische Gattungsname Viscum ist identisch mit dem lateinischen Wort viscum für „Leim“. Von den Römern wurde aus den klebrigen Beeren Vogelleim hergestellt, der dem Vogelfang diente. Der Begriff Viskosität (Maß für Zähflüssigkeit) geht auf spätlateinisch viscosus „klebrig“ zurück und damit ebenfalls auf viscum, den klebrigen Schleim der Mistelbeeren (Mistelleim).[5]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Misteln sind überwiegend immergrüne ein- oder zweihäusige Halbschmarotzer, die auf Bäumen oder Sträuchern wachsen. Ihre Äste verzweigen sich oft gabelig. Blätter erscheinen paarig oder in Wirteln. Bei einigen Arten, die zusätzlich zum Wasser auch ihre Nährstoffe vorwiegend von ihren Wirten beziehen, sind die grünen, zur Photosynthese fähigen Teile (Blätter, grüne Äste) sehr klein. Arten, die auf sukkulenten Wirten wachsen und so mit ihren Wirten saisonalen Wassermangel ertragen müssen, sind selbst sukkulent. Im Extremfall (bei Viscum minimum) befindet sich mit Ausnahme der Blüten und Früchte die gesamte Pflanze innerhalb des Wirtes. Diese ist also ein Vollparasit.

Die männlichen oder weiblichen Blüten der Viscum-Arten sind unscheinbar, 1 bis 3 Millimeter im Durchmesser und grünlich gelb. Nach der Bestäubung durch Insekten und anschließend erfolgter Befruchtung entstehen weiße, gelbe oder rote Beerenfrüchte. In ihnen sind je einzelne Samen. Diese enthalten oft mehr als einen Embryo und werden dann als mehrembryonige Samenkerne bezeichnet.

Eine Besonderheit der Mistel-Früchte und Samen liegt darin, dass keine Samenschale ausgebildet wird. Stattdessen bildet das Mesokarp eine klebrige Schicht aus Cellulose, Hemicellulosen und Pektinen, die als Viscin bezeichnet wird.[6] Die Samen werden von Vögeln verbreitet, die die Früchte oder wenigstens die Beerenhäute mit ihrer etwas nahrhaften Schleimauskleidung fressen. Die klebrigen Samen können dabei z. B. mit dem Schnabel gezielt an Zweigen abgestreift werden. Oder die Beeren ohne die unverdaulichen Häute passieren den Darm und werden über den After ausgeschieden, während die schleimentleerten Beerenhäute als Speiballen ausgewürgt werden.[7][8][9] Das Viscin wird nicht vollständig verdaut und sorgt dafür, dass die Samen auch nach der Passage durch den Vogeldarm an Zweigen haften. Für die Keimung der Samen ist das Verschlucken, also die Darmpassage ohne Bedeutung.[10]

Bei der Keimung entsteht unter den winzigen Keimblättern ein „Schlauch“ mit endständiger Scheibe, aus der sich bei Kontakt mit einem geeigneten Wirt auf noch glatter Rinde ein Haustorium entwickelt, durch das der Keimling zu den Leitbahnen der Wirtspflanze vordringen kann.

Gehölzarten, die von Misteln nicht befallen werden können oder die jedenfalls gegenüber einer im Gebiet vorkommenden oder vorherrschenden Mistelart immun sind, werden als mistelfest bezeichnet. So gelten in Mitteleuropa z. B. Platanen, Rot-Buchen, Echte Walnuss, Sauerkirsche und Süß-Kirschen, Ulmen und Götterbaum als mistelfest. Der Ginkgo und die Sumpfzypresse – beides Lebende Fossile – sowie der Mammutbaum scheinen grundsätzlich mistelfest zu sein. Der in Amerika heimische Schwarznuss-Baum und die Amerikanische Ulme sind dagegen nicht mistelfest. Ähnliche Verhältnisse scheinen für die baumförmigen Arten der Erlen einerseits in Europa (Schwarz- und Grau-Erlen) und andererseits in Nordamerika (z. B. Rot-Erle) zu gelten. Schließlich gab es in Nordamerika vor der fahrlässigen Einschleppung europäischer Misteln nach Kalifornien keinerlei Viscum-Misteln, gegen welche die dortigen Gehölze eine Resistenz hätten entwickeln können.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Misteln sind weltweit in den tropischen, subtropischen und gemäßigten Zonen verbreitet. Die Anzahl ihrer anerkannten Arten ist umstritten –, sie beträgt je nach Familienabgrenzung zwischen rund 400 und über 1400 Arten.

Kulturgeschichte und Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mistelzweig hat in der germanischen Mythologie symbolische Bedeutung. Loki tötet Balder, den Sohn Odins und Friggs, indem er dem blinden Hödr einen Mistelzweig auf den Bogen spannt und auf Balder zielen lässt. Misteln sind Balders „Achillesferse“, da alle Elemente und Lebewesen der Erde, ausgenommen die Mistel, geschworen haben, dem schönen, jungen Gott nichts zu Leide zu tun.

Das Küssen unter in Wohnungen aufgehängten Mistelzweigen gehört zu den Weihnachtsbräuchen in den USA und England. Der Ursprung des Brauchs ist nicht bekannt.[11]

Misteln sind in den Asterix-Comics ein Bestandteil des vom Druiden Miraculix gebrauten Zaubertranks. Erst die Misteln im Trank verleihen den Bewohnern unglaubliche Kräfte zur Verteidigung des letzten von den Römern noch nicht eingenommenen gallischen Dorfes. Die Autoren sind wahrscheinlich inspiriert von dem Bericht des Römers Plinius, dass die Priester der Gallier, die Druiden, Misteln und die Bäume, auf denen sie wuchsen, als heilig verehrten, besonders wenn es sich um Eichen handelte. Die mittel- und westeuropäischen Eichenarten sind allerdings mistelfest; also wird man auf keiner Eiche hier eine Viscum-Mistel finden können. Plinius beschreibt, wie die Misteln in einer besonderen Zeremonie von einem weiß gekleideten Druiden "mit einer goldenen Sichel geschnitten" und dann in einen Trank gegeben wurden, der unfruchtbare Tiere fruchtbar machen und Vergiftungen heilen solle.

Volkstümliche Bezeichnungen der Mistel sind: Donnerbesen, Druidenfuß, Hexenbesen, Hexenkraut, Wintergrün, Bocksbutter, Albranken, Vogelkraut, Kreuzholz.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Pflanzenteile enthalten giftige Thionine und Lektine. In der alternativen Medizin wird Misteln eine antikarzinogene Wirkung nachgesagt, obwohl dies nach derzeitigem Erkenntnisstand fraglich erscheint.[12]

Arten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwergmistel (Viscum minimum), weibliche Blüten nach der Bestäubung
Viscum rotundifolium aus Südafrika mit roten Beeren
  • Weißbeerige Mistel (Viscum album L.): eine in Europa, Nordafrika und Asien einheimische Pflanze.
  • Viscum articulatum Burm. f.: kommt in Süd- und Südostasien, in China und Australien vor; wächst auch epiparasitisch auf dem Parasiten Dendrophthoe.
  • Viscum capitellatum Sm.: wächst parasitisch auf den Parasiten Loranthus sowie auf anderen Viscum-Arten.
  • Viscum coloratum (Kom.) Nakai: früher als Unterart der Weißbeerigen Mistel angesehene Art in Ostasien (China, Korea, Japan und Ostrussland).
  • Viscum crassulae Eckl. & Zeyh.: sukkulente Art, die auf sukkulenten Crassula-Arten wächst.
  • Rotbeerige Mistel (Viscum cruciatum Sieber ex Boiss.): im südlichen Spanien und nordwestlichsten Afrika sowie, disjunkt, in Palästina endemisch.
  • Viscum cuneifolium Baker: auf Madagaskar endemische Art.
  • Viscum loranthi Elmer: kommt in Indien, Nepal, Indonesien, auf den Philippinen und in China (Yunnan) vor und wächst epiparasitisch auf dem Parasiten Scurrula.
  • Zwergmistel (Viscum minimum Harv.): kleinste Viscaceenmistel-Art, einhäusig; bis auf Blüten und Früchte vollkommen endoparasitisch verborgen in sukkulenten Euphorbia-Arten Südafrikas.
  • Viscum monoicum Roxb. ex DC.: kommt in Indien, Bangladesch, Bhutan, Sikkim, Myanmar, Sri Lanka, Thailand, Vietnam und China (Guangxi, Yunnan) vor und wird häufig – autoparasitisch – von den eigenen Sämlingen befallen.
  • Viscum orientale Willd.: in Asien verbreitete Art.
  • Viscum ovalifolium DC.: kommt in Indien, Bhutan, Indonesien, Malaysia, Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam, in China und auf den Philippinen vor; recht groß werdende Art
  • Viscum rotundifolium L. f.: kommt in Südafrika vor.
  • Viscum triflorum DC.: afrikanische Art, die auf vielen unterschiedlichen Wirten wächst.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen (für Viscum album und für Loranthus europaeus)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Abbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Stopp: Unsere Misteln. Ziemsen, Wittenberg 1961. Nachdruck: VerlagsKG Wolf, Magdeburg 2002, ISBN 978-3-89432-714-9.
  • Hans-Heinrich Vogt: Die Mistel – ein Halbschmarotzer. In: Hans-Heinrich Vogt: Seltsames von Tieren und Pflanzen. Ernst Reinhardt, München 1960
  • Hans Christian Weber: Parasitismus von Blütenpflanzen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993
  • H. S. Heide-Jorgensen: Parasitic Flowering Plants. Brill Academic Publishers, 2008, ISBN 978-90-04-16750-6.
  • Huaxing Qiu, Michael G. Gilbert: Viscaceae Batsch. Flora of China. Vol. 5, S. 240–245, 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Misteln (Viscum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Duden: Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Mannheim 2007, Lemma Mistel.
  2. Duden online: Mistel
  3. Lars Hermodssin: Der Name der Mistel. In: Studia neophilologica 43, 1971, S. 173–179.
  4. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (1967), S. 481 f. (Mist und Mistel).
  5. Vgl. Duden online: viskos
  6. Jun-ichi Azuma, Nam-Hun Kim, Laurent Heux, Roger Vuong, Henri Chanzy: The cellulose system in viscin from mistletoe berries. In: Cellulose. 7, S. 3–19, doi:10.1023/A:1009223730317.
  7. Nierhaus-Wunderwald, Dagmar, Lawrenz, Peter: Zur Biologie der Mistel. In: Merkblatt für die Praxis 28, 1997, S. 1–8. ISSN 1422-2876 Herausgeber: Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Birmensdorf
  8. Tony Hall, Steve Davis: Viscum album (mistletoe). (Nicht mehr online verfügbar.) Royal Botanic Garden Kew, archiviert vom Original am 21. Mai 2015; abgerufen am 7. Juni 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kew.org
  9. Kahle-Zuber, Doris: Biology and evolution of the European mistletoe (Viscum album) Doktorarbeit, ETH Zürich, Zürich 2008
  10. Ana Mellado, Regino Zamora: Generalist birds govern the seed dispersal of a parasitic plant with strong recruitment constraints. In: Oecologia. 176, 2014, S. 139–147, doi:10.1007/s00442-014-3013-8.
  11. Vgl. Bettina Meister: Küsse unter dem Mistelzweig in: zauberspiegel-online.de, 7. Dezember 2007.
  12. G. S. Kienle, H. Kiene: Influence of Viscum album L. (European Mistletoe) Extracts on Quality of Life in Cancer Patient: A Systematic Review of Controlled Clinical Studies. In: Integrative Cancer Therapies 2010; 9(2): 142–157
  13. Pedanios Dioskurides. 1. Jh. De Medicinali Materia libri quinque. Übersetzung. Julius Berendes. Des Pedanius Dioskurides Arzneimittellehre in 5 Büchern. Enke, Stuttgart 1902, S. 325 (Buch III, Kapitel 93): Ixos (Digitalisat)
  14. Plinius der Ältere, 1. Jh. Naturalis historia Buch XVI, Kapitel xciii – xciv (§ 245–248): Viscum (Digitalisat); Übersetzung Külb 1855 (Digitalisat). – Buch XXIV, Kapitel vi (§ 11): Viscum (Digitalisat); Übersetzung Külb 1855 (Digitalisat)
  15. Galen, 2. Jh. De simplicium medicamentorum temperamentis ac facultatibus, Buch VI, Kapitel IX/2 (nach der Ausgabe Kühn 1826, Band XI, S. 888: Viscum (Digitalisat))
  16. Avicenna, 11. Jh., Kanon der Medizin. Übersetzung und Bearbeitung durch Gerhard von Cremona, Arnaldus de Villanova und Andrea Alpago (1450–1521). Basel 1556, Band II, Kapitel 728: Viscus (Digitalisat)
  17. Pseudo-Serapion 13. Jh., Druck. Venedig 1497, Blatt 120v (No CLXVII): Viscus (Digitalisat)
  18. Abu Muhammad ibn al-Baitar, 13. Jh., Kitāb al-jāmiʿ li-mufradāt al-adwiya wa al-aghdhiya. Übersetzung. Joseph Sontheimer unter dem Titel Große Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel. Hallberger, Stuttgart Band I 1840, S. 410: Viscum (Digitalisat)
  19. Charles Victor Daremberg und Friedrich Anton Reuß (1810–1868). S. Hildegardis Abbatissae Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum Libri Novem. Physica, Buch III, Kapitel 2: Birbaumes mistel. Migne, Paris 1855. Sp. 1218 (Digitalisat) – Übersetzung: Herbert Reier: Hildegard von Bingen Physica. Nach der Textausgabe von J. P. Migne, Paris 1882 ins Deutsche übersetzt. Kiel 1980, S. 107: Birbaum ... Seine Wurzeln, Blätter und sein Saft taugen wegen ihrer Härte nicht zu einem Medikament, wohl aber seine Mistel. Wenn jemand in Brust oder Lunge Schmerzen hat, d.i. dumphet, nehme er Birbaumes Mistel, pulverisiere sie und füge dem Pulver etwas Süßholz hinzu. Er esse das nüchtern und nach dem Frühstück oft und wird es in Brust und Lungen besser haben. Wer an der Gicht leidet, lege die Birnen-Mistel, die einen süßen Geschmack hat, klein geschnitten drei Tage und Nächte in Olivenöl und löse dann zweimal so viel Hirschtalg wie Öl im Feuer, lege spicam nardi gut nutzbar und zerkleinert diesem Fett drei Tage und Nächte bei und zerstoße das Öl mit der ihm zugesetzten Mistel tüchtig, seihe den Saft durch ein Tuch und löse auch den Hirschtalg mit der spica vorsichtig von neuem im Feuer auf. Ist eine Paralyse in dem Menschen, soll er ihn salben, und sie wird weichen, wenn sie nicht der Grund für seinen Tod ist. ...
  20. Cod. S 386, niederalemannisch [Weingarten oder Ravensburg], 1463–1466, Blatt 64r (Digitalisat). Transkription: Vjscus piri das haisset birboum mistell vnd hatt vil tugent . wer sin puluer ze trinckent git dem der den vallenden siechtagen hat mit wasser nûnn tag nüchterlingen dem wirt des gebresten nit me . wer das fig hab dem gib man sin puluer mit öll vnd mit schwinim smalcz nûnn tag ze trincken so wirt im sin bůs . wer den trophen hab der trinck sin puluer nûnn tag mit wasser nüchterlingen . wer den ritten hab der trinck es mit wasser nûnn tag . wer das parlis hab der trinck es nûnn tag mit essich im wirt bas
  21. Cpg 226, Elsaß 1459–1469, Blatt 161r–v (Digitalisat). Transkription: Von der krafft vnd tugent des eychen mystels. Ypocras der meyster. beschribet die krafft des Eichen mystels. Die erst tugent / wer die rinde nympt / vnd die puluert / vnd das nüczet in gebrantem win das vertribt den teglichen den andern vnd den dritteglichen ritten / Die ander tugent / eß vertribet auch die gilbe vnd das swindeln in dem [haubt] Es vertribt auch die süchte die man nennet . ethicam das ist das abenemen dauon die lute swindent vnd dorrent / Vnd ist auch vor das gesucht das den luten gat in den glidern //: Item Constantinus der meister spricht das der eichen mystel die krafft habe / welche frawe die mistel by jr treyt vnd sie nuczet in win in der czÿt so sie eins kindes genesen sol so geniset sie sin on allen schaden / vnd gewinnet das kint nimmer die fallenden sucht // Item konig david da der hüte der schaff vnd des fihes sins vaters vnd jme gehorsam was / da sach er ein wip sturczen der fallenden sücht Da bat er den schoppfer aller creaturen das er jme künt det was dauor gut were / Da sprach sprach ein Engel zu jme / wer den eichen mystel dreyt an der rechten hant in eym fingerlin also das der mistel die blose hute berure / den berure die fallende sucht nimmer mee. Man findet auch geschriben von adriano dem konig / wer da förcht vßseczig zu werden / oder das es an jme ußbrech der sol eichen mistel essen so geniset er Vnd wem das blat in der kelen wechßet der sol der bleter von dem eichen mistel eßen / hat er der bletter nit so sol er der rinden dauon essen so wirt er gesunt Item dem die leber wil fülen der sol den mistel stossen vnd in mischen mit win vnd sol das trincken nüchtern so wirt er gesunt Item der das blat hat / der sol den mistel sieden mit win vnd sol nemen den totter von eim eye / vnd sol den zu triben in dem win / vnd sol den win trincken / so wirt er gesunt / Vnd wer die wurme hat der esse die bletter von dem eichen mistel oder der rinden so sterbent die würde zu hant /. Item wer den sode hat oder das stechen der trinck ab dem mistel er genyset / welichs mensch ist vnder sinen sieben jaren yßet es des eichen mystels / der fallende siechtag berürt es auch nimmer meeCpg 545, Nürnberg (?) 1474, Blatt 155r (Digitalisat). Transkription: Die tugent des eychen mistel fur den teglichen ritten Item die tugent des eichen mistel wer die rintten puluert vnd mischt es mit gebranttem wein vnd das nuchtern trinckt vertreibt den teglichen ritten vnd es vertreibt auch die andern fiber fur gelsucht Vnd eichen mistel die rint vnd pletter gepuluert jn guttem wein morgens vnd abentz getruncken vertreibt die gelsucht darm gicht Vnd vertreibt die darm gicht vnd den grim ym leib Vnd vertreibt die sucht etica do von die lewt swinden vnd dorn vnd des puluers zu morgens genossen vertreibt denn swindel ym haubt fur das plat Vnd wem das plat jn die kel wechst der esse des puluers der pletter von eichen mistel nuchtern so verget es ÿm zu der lebern Wem die lebern fault oder wee thut der esse des eÿchen mistel puluer mit guttem wein er wirt gesunt fur die rotten rure Item wer das plut hat der nem eychen mistel rint vnd holcz gestossen vnd sied den yn guttem wein als reynal oder welisch wein nuchtern auff das wermist fur wurm Vnd wer wurm ym leib hab der esse des puluers nuchtern vnd see es auff sein essen so sterben sie yn ÿm gar fur den stechen Auch fur den stechen trinck des puluers yn wein nuchtern So verget er dir den frawen zu irrer gepurt Ein fraw die zu der gepurt arbeit der sol mans des puluers ein gebenn yn eim loffel mit wein jn den namen des crewcz xpi [Christi] der ein holcz alle welt erledigt der erledigt die fraw sie kumpt des senfter nÿder zu der gepurt Vnd woe mans einer frawen geit die ein tot kint bei ir hat Si wirt erledigt kinden fur den frayß Vnd wan man des puluers eÿnem kindt ein gibt es seÿ yn gespun [Muttermilch] oder muß das hilft es fur die fraÿß vnd behut das kint vor dem hohen sichtag ist versucht probatum fur den hohen sichtag Item welchen kint des puluers nuchtern geit yn wein oder wasser nuchtern dreÿ morgen weil sie vntter siben iarn sein sie berurt der hoch sichtag nÿmer vnd sein sicher da vor probatum fur den hohen sichtag Vnd wer eichen mistel beÿ ym treit an der rechten hant das er das flaisch berurt vnd nuczt des puluers dreÿ morgen jn sich das vertreibt den vall vnden sichtag vnd pist sicher die weil dich die mistel berurt fur die kaltten wasser sucht Vnd eichen mistel gepuluert vnd yn pidenel [Pimoinella] kraut wasser gesotten ist gut fur die kalt wassersucht fur drit teglich vnd virtteglich febres Vnd ist gut fur die vberflussigkeit des plutz das von kelt kumpt Vnd ist auch also getruncken gut fur terciana vnd quartana zu dem milcz vnd magenn Item das puluer ist gut zu dem miltz vnd fur das wullen vnd fur alle wetag ym magenn zu dem haubt vnd herczen Vnd ist auch dem haubt gesunt vnd kreftigt auch das hercz So man sein yn wein nucz des morgens des leib plodigkeit Vnd ist fur vil plodigkeit des leibs es bringt ÿm nucze vnd kein schadenn wer es des morgens nücztCpg 666, Südwestdeutschland, 1478, Blatt 129r–130r (Digitalisat). Transkription: Von dem eÿchen mystel sein tuget Item wer dÿ rinden puluert vnd nüczt sy jn geprantem wein daz vertrybt aller handel rytten ader seuffczen wÿ sy genant sein Item er ist auch gut fur den fallenden sichtagenn Er sol den mystel tragen an der rechten hende daz er berür daz ploz fleisch so berurt er jn nymmer Item fur den auß sacz jsse eýchin mÿstell Item er vertreybt auch dy gelsucht vnd Swindel jm haupt Item vertreibt auch den sichtagen den man heysset ethica do von dÿ lewt swinden vnd dorren Item er ist auch gut wider daz gegicht ader gesucht daz den leüten get jn dy gelyder Item es ist auch gut fur daz parley daz do kumpt von Zorn ader sunst Item welche frawe jn beý ir tregt vnd jn nücztt jn der zeytt so sy eins kinds genesen sal so genÿst sy des kinds an allen schaden So gewint daz kint den fallenden sichtagen nymmer Item wem daz plat wechst jn der kelen der sal dy pletter nüchtern essen vnd hat er der pletter nit so esse aber dÿ rinden Item wem dÿ leber fault der sal den mÿstel zu stoßen vnd den nÿssen mit wein vnd daz nüchtern trincken so genÿst er Item der daz plut hat der sal den mystel sýden mit wein vnd sal nemen ein dottern von einem herten eye vnd sal jn zu reyben jn dem wein vnd sal es trincken so genist er Item wer jn ploz alzeytt tragt an dem leibe den berürt daz parley vnd der tropff daz ist morbus Caducus genant den hinfallend sichtag nymer Item wer dÿ wurm hat dem sol man dÿ pletter ader dy rinden geben zu essen so sterben sy von stunden Item wer dy seuffczen hat den man heyst den stachen der sol trincken von dem mýstel Item welchs kint vnder siben jaren ist vnd jsse den eychen mÿstel den berurt den hinfallenden sichtagen nymer mere Item welche frawe jr kranckheytt nit gehaben mag dye neme eÿchen mÿstel vnd stoz jn clein vnd trinck daz puluer jn mette Item welche frawe jr kranckheytt zu vil hat daz trinck daz puluer jn wein so genyst sÿeCpg 558, Nordbayern um 1470–1485, S. 197r–v (Digitalisat). Transkription: Item de visco quercino Von dem aichen mistel Item vom fiscus querci spricht maister ÿpocras nÿm si vnd puluer si mit gepranten uein vnd gemischet vnd also genuczt das vertreibt den teglichen ritten vnd den andern vnd den dritten Es vertreibt auch die gelsucht vnd das seusen in dem haupbt Es vertreibt auch den stachen oder den stechen vnd uenn dy leut dorren vnd ist gut fur das gesucht die in den gelideren scheust Ein maister spricht das der viscus querci dÿ grosten krafft hab Welch ueip ÿn peÿ ir tregt vnd in nüczt so sie quelt mit ainem kindlein . die gepiret on schaden oder an misselinge vnd geuinnet das kindt den vallenden seuchen nÿmmer mere etc. Dauid der spricht . do er des vischß hut seines vatters . do sach er ein ueip vallen von der seuchen uegen / do bat er den schoppfer den Orator das er es jm kunt thet uie der frawen zu helffen were Do sprach ein engel uer den fiscus querci nun hat in der rechten hant in ainem vingerlein also das der viscus an dÿe plossen haut rure den beruret der vallen seuch nÿmer mere :- Adam der ein konig uas der vorcht den Malasch zu werden oder das es an ÿm auß prech / der aß viscus querci vnd uart gesunt : Wer das plat hat oder jm in der kele uext der sol der pletter nüchttaren essen oder der rinden Wem die leber fault der sol den viscus sieden in uein vnd nem ainen hertten totern auß ainem hertten aÿe vnd sol den zu treiben in dem uein vnd sol das trincken. Wer die uurm in dem pauch hat der sol die pletteren von dem aichen mistel oder die rinden essen er uirt gesunt vnd sterben die uurm do von :- Wer den soden oder stech oder stach hat der sol von viscus trincken :- Welcher mensch vntter siben jaren den viscus ÿsset der geuinnet vallenden seuchen nÿmmer mere :-
  22. Herbarius Moguntinus, Mainz 1484, Teil II, Kapitel 27: Viscus … in arbore glandium (Digitalisat)
  23. Gart der Gesundheit. Mainz 1485, Kapitel 33: Arbor glandis … Item eychen mispel … (Digitalisat)
  24. Hortus sanitatis 1491, Mainz 1491, Teil , Kapitel 496: Viscus (Digitalisat)
  25. Hieronymus Brunschwig. Kleines Destillierbuch, Straßburg 1500, Blatt 16: Wild affolter mystel (Digitalisat)
  26. Otto Brunfels. Ander Teyl des Teütschen Contrafayten Kreüterbůchs. Johann Schott, Straßburg 1537, S. 168: Mystel / Affolter (Digitalisat)
  27. Leonhart Fuchs. New Kreütterbuch … Michael Isingrin, Basel 1543, Kapitel 124: Mystel (Digitalisat)
  28. Hieronymus Bock. New Kreütter Bůch. Wendel Rihel, Straßburg 1546, Teil III, Kapitel 3: Mistel (Digitalisat)
  29. Pietro Andrea Mattioli. Commentarii, in libros sex Pedacii Dioscoridis Anazarbei, de medica materia. Übersetzung durch Georg Handsch, bearbeitet durch Joachim Camerarius den Jüngeren, Johan Feyerabend, Franckfurt am Mayn 1586, Blatt 277v–278v: Misteln (Digitalisat)
  30. Nicolas Lémery. Dictionnaire universel des drogues simples.,Paris 1699, S. 815–816: Viscum (Digitalisat); Übersetzung. Vollständiges Materialien-Lexicon. Zu erst in Frantzösischer Sprache entworffen, nunmehro aber nach der dritten, um ein grosses vermehreten Edition [...] ins Hochteutsche übersetzt / Von Christoph Friedrich Richtern, [...]. Leipzig: Johann Friedrich Braun, 1721, Sp. 1190–1192: Viscum (Digitalisat)
  31. Albrecht von Haller (Herausgeber). Onomatologia medica completa oder Medicinisches Lexicon das alle Benennungen und Kunstwörter welche der Arzneywissenschaft und Apoteckerkunst eigen sind deutlich und vollständig erkläret [...]. Gaumische Handlung, Ulm/ Frankfurt am Main/ Leipzig 1755, Sp. 1328–1329: Viscum, Viscus quercinus (Digitalisat)
  32. William Cullen A treatise of the materia medica. Charles Elliot, Edinburgh 1789. Band II, S. 47: Viscus (Digitalisat). Deutsch. Samuel Hahnemann. Schwickert, Leipzig 1790. Band II, S. 57: Mistel (Digitalisat)
  33. August Friedrich Hecker’s practische Arzneimittellehre. Revidiert und mit neuesten Entdeckungen bereichert von einem practischen Arzte. Camesius, Wien, Band I 1814, S. 516–518: Lignum Visci, Mistelholz (Digitalisat)
  34. August Husemann / Theodor Husemann: Die Pflanzenstoffe in chemischer, physiologischer, pharmakologischer und toxikologischer Hinsicht. Für Aerzte, Apotheker, Chemiker und Pharmakologen. Springer, Berlin 1871, S. 1135: Viscin und Viskautschin (Digitalisat)