Waddewarden

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Waddewarden
Gemeinde Wangerland
Wappen von Waddewarden
Koordinaten: 53° 36′ 33″ N, 7° 57′ 19″ O
Höhe: 2 m ü. NN
Einwohner: 1000 (31. Dez. 2001)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 26434
Vorwahl: 04461
Waddewarden (Niedersachsen)
Waddewarden

Lage von Waddewarden in Niedersachsen

St.-Johannes-Kirche in Waddewarden von Nordwesten
St.-Johannes-Kirche in Waddewarden von Nordwesten

Waddewarden ist ein Ortsteil der Gemeinde Wangerland im Landkreis Friesland in Niedersachsen. Der Ort liegt zwischen Jever und Hooksiel und hat rund 1.000 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname ist auf den Sippennamen Wadda zurückzuführen. Das erste Mal erwähnt wurde der Ort 1350 als Wadverden.

Am 1. Juli 1972 wurde Waddewarden in die am 1. Februar 1971 neu gebildete Gemeinde Wangerland eingegliedert.[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Wahrzeichen gilt die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts[2] auf einer Warft erbaute St.-Johannes-Kirche, eine Granitquaderkirche von 40 Metern Länge. Der frei stehende Glockenturm entstand Ende des 15. Jahrhunderts und trägt drei Stahlglocken, die 1955 als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg abgelieferten Bronzeglocken angeschafft wurden.[3]

Gebäude Hotel To`n Schlagboom in Waddewarden mit historischem Eingangsportal
Waddewarder Hof gegenüber der Ev. Kirche.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche befindet sich ein historisches Gebäude To`n Schlagboom, welches gegenwärtig als Hotel genutzt wird. Das Gebäude wurde erstmals 1772 als Schankwirtschaft erwähnt und war zudem Quartier für Durchreisende. Über dem Eingangsportal ist die Jahreszahl 1770 zu lesen. Vor 1900 befand sich vor dem Haus ein Schlagbaum (daher auch der Name), der vom Wirt erst nach Zahlung eines Wegegeldes geöffnet wurde. Das Gebäude wurde zuletzt 2012 umfassend renoviert.[4]

Etwas jünger ist das dritte wichtige Gebäude im Ensemble von Kirche und den beiden Gasthöfen. Der Waddewarder Hof, der sich direkt gegenüber dem Gebäude To`n Schlagboom befindet, wurde im Jahr 1850 errichtet. Gegenwärtig wird es als Restaurant genutzt.[5]

Von einer weiteren Sehenswürdigkeit sind heute nur noch Reste zu sehen. 1963 wurde die Waddewarder Mühle bei einem Unwetter durch Blitzeinschlag und den sich anschließenden Brand bis auf den Korpus vernichtet. Die Reste sind heute in ein Wohnhaus integriert.[6]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Kirchspiel Waddewarden gehören landwirtschaftliche Höfe, wie der Hof Canarienhausen (der auffällige Name leitet sich vom Namen Knorring = Konring ab), wo der Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler Johann Heinrich von Thünen 1783 geboren wurde. Auf seinem Gut Tellow in Mecklenburg erarbeitete er volkswirtschaftliche Theorien, die weltweit bekannt wurden (siehe auch: Thünensche Ringe).

Sein jüngerer Bruder Friedrich von Thünen (1785–1865) übernahm den Hof Canarienhausen und veröffentlichte Schriften über neue Anbaumethoden, beteiligte sich am Entwurf der Deichordnung von 1846, betätigte sich nach 1830 in der Petitionsbewegung und war von 1848 bis 1851 Mitglied des Vorparlaments und des Landtags im Großherzogtum Oldenburg, ab 1849 Mitglied der Generalsynode.

Aus Waddewarden stammte auch der Wissenschaftler Johann Ludwig Tiarks (1789–1837), der zeitweise in der englisch-amerikanischen Grenzkommission nach dem Frieden zu Gent 1814 und als Berater des holländischen Königs bei Grenzstreitigkeiten zwischen England und Amerika tätig war. 1832 wurde er als Fellow in die Royal Society aufgenommen. Weitere Mitglieder der Familie Tjarks wurden im 19. Jahrhundert in England als bedeutende Bankiers (Schroders) naturalisiert und gentryfiziert.

Die frühe Regionalliteratur hat Magister Braunsdorf, Prediger in Waddewarden, mit einem Werk, das im Wesentlichen auf 1797 datiert wird, bereichert.[7]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorfgemeinschaft Waddewarden e.V.
  • Freiwillige Feuerwehr Waddewarden
  • Handel-, Handwerk- und Gewerbeverein Waddewarden e.V.
  • Klootschießer- und Boßelverein 'Hier mot he her' Waddewarden e.V.
  • Landvolkverein Waddewarden-Westrum-Haddien
  • Männergesangverein Eintracht Waddewarden e.V.
  • Speelkoppel Waddewarden (Plattdeutsches Theater)
  • Turn- und Sportverein 'TuS Waddewarden' e.V.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichtswerkstatt Wangerland e.V.: Chronik Die ehemalige Landgemeinde Waddewarden mit Haddien. 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waddewarden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 275.
  2. Albrecht Eckhardt: Oldenburgisches Ortslexikon, Band 2. Isensee, Oldenburg 2011, ISBN 978-3-89995-757-0, S. 1057.
  3. Schäfer, Rolf: Wegweiser durch die Kirchen von Waddewarden und Westrum. 1999.
  4. Turf Connect (Hrsg.): To`nschlagbbom, Gästeführer 2015, S. 121
  5. Heiko Demker, Geschichte des Waddewarnder Hof's, aufgerufen am 2. September 2015
  6. Dietmar Reck: 10. August 1963 - Ende eines stolzen Wahrzeichens, in: NWZ, Ausgabe 10. August 1913
  7. Magister Braunsdorfs, Predigers zu Waddewarden, Gesammelte Nachrichten zur geographischen Beschreibung der Herrschaft Jever. Abgerufen am 3. März 2014.