Wald-Gelbstern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wald-Gelbstern
Wald-Gelbstern (Gagea lutea)

Wald-Gelbstern (Gagea lutea)

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Lilienartige (Liliales)
Familie: Liliengewächse (Liliaceae)
Unterfamilie: Lilioideae
Gattung: Gelbsterne (Gagea)
Art: Wald-Gelbstern
Wissenschaftlicher Name
Gagea lutea
(L.) Ker Gawl.

Der Wald-Gelbstern (Gagea lutea), auch Gewöhnlicher Gelbstern oder Wald-Goldstern genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Gelbsterne (Gagea).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Habitus
Die Grundblätter des Wald-Gelbsterns haben eine kapuzenförmige Spitze
Pollenkorn (400x)
Die Stängelblätter sind spinnwebig bewimpert.
Illustration

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wald-Gelbstern ist eine zierliche, ausdauernde krautige Pflanze. Dieser Geophyt bildet als Überdauerungsorgane unterirdische Zwiebeln aus, die sich durch fleischige Schuppen auszeichnen und aus einer Verdickung der Blattscheiden entstehen. Er erreicht Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern, was in etwa der Höhe seiner Blütenstände entspricht.

Der Wald-Gelbstern bildet ein grundständiges Laubblatt, das bei einer Breite von bis zu 10 Millimetern linealisch ist und schwache Kiele zeigt. An der Spitze läuft das Laubblatt kapuzenartig aus. Unter dem Blütenstand werden zwei blattartige, bewimperte Hochblätter ausgebildet, welche erkennbar kürzer als das Grundblatt sind. Ansonsten ist der Stängel kahl.

Meist wenig Blüten stehen an einem kahlen Blütenstiel in scheindoldigen Blütenständen zusammen. Die zwittrigen Blüten sind dreizählig. Die sechs goldgelben Blütenhüllblätter sind 12 bis 15 Millimeter lang und laufen meist stumpf aus.

Die fachspaltige Kapselfrucht enthält viele Samen.

Der Wald-Gelbstern ist hexaploid mit einer Chromosomenzahl von 2n = 72.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wald-Gelbstern ist ein Zwiebel-Geophyt und Frühjahrsgrün, denn er zieht früh ein und ist im Sommer nicht mehr sichtbar. Die fleischigen Zwiebelschuppen sind durch Verdickung des Blattgrunds entstanden.[1] Die zu Ende der letzten Vegetationsperiode in die Zwiebel geleiteten und dort gespeicherten Assimilationsüberschüsse bilden das Reservoir für den zeitigen Austrieb und den Aufbau des Sprosssystems.[1] Die Zwiebel sichert auch die ungeschlechtliche Vermehrung. Vegetative Vermehrung erfolgt selten durch Brutzwiebeln, sogenannte Bulbillen im Blütenbereich. Es liegt dann eine Pseudoviviparie vor.[1]

Der Wald-Gelbstern zählt zu den Frühblühern. Seine Blüten sind vormännliche, geruchlose, „Nektar führende Scheibenblumen“. Der Nektar wird in Septalnektarien, d. h. zwischen den Fruchtknotenfächern, gebildet. Bestäuber sind kleine Fliegen, Käfer und Bienen. Bei feuchtem Wetter und vor dem Abblühen ist Selbstbestäubung möglich. Blütezeit ist zwischen März und Mai.[1]

Die Samen werden über den Wind und durch Ameisen ausgebreitet (für die ein Elaiosom ausgebildet ist). Die Fruchtreife ist von Mai bis Juni.[1]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wald-Gelbstern besitzt ein disjunktes europäisch-ostasiatisches Verbreitungsgebiet. In Europa liegt der Verbreitungsschwerpunkt von Ostfrankreich bis zum Ural, von Süd-Norwegen und Süd-Schweden im Norden bis Norditalien und dem Balkangebirge im Süden. In Ostasien reicht das Gebiet von Kamtschatka über Sachalin bis zu den Japanischen Inseln. In den Allgäuer Alpen steigt er in Bayern nahe der Koblachhütte nördlich von Warth (Vorarlberg) in eine Höhenlage von bis zu 1920 Meter auf.[2]

Der Wald-Gelbstern kommt in Edellaubwäldern, Auwäldern, Gebüschen, an Bachrändern und in Wiesen vor. Er wächst auf feuchten, nährstoffreichen Mullböden der collinen bis montanen Höhenstufe, besonders über Kalk.

Der Wald-Gelbstern gedeiht meist an schattigen Standorten. Er wächst häufig in Gemeinschaft mit dem Bärlauch. Auch kann man ihn in Gemeinschaft mit dem Gelben Windröschen antreffen. Er ist in Mitteleuropa eine Verbandscharakterart des Alno-Ulmion.[3]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Neukombination zu Gagea lutea (L.) Ker Gawl. wurde durch John Bellenden Ker Gawler veröffentlicht. Synonyme für Gagea lutea (L.) Ker Gawl. sind beispielsweise: Gagea erubescens Besser, Gagea burnatii A.Terracc., Gagea silvatica (Pers.) Loudon, Gagea reverchonii Degen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 7., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1994, ISBN 3-8252-1828-7.
  • Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 13. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen. Volk und Wissen, Berlin 1987, ISBN 3-06-012539-2.
  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  2. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001, ISBN 3-930167-50-6.
  3. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wald-Gelbstern (Gagea lutea) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien