Walther Tecklenborg

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Pater Walther Tecklenborg OFM

Walther Tecklenborg OFM, auch Walter Tecklenborg (* 1. Februar 1876 in Wiedenbrück als Franz Carl Ignatz Tecklenborg; † 15. Dezember 1965 in Rietberg), war ein deutscher Franziskanerpater, Maler, Restaurator, Genealoge, Heimatforscher und Autor zahlreicher Schriften.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz Carl Ignatz Tecklenborg wurde 1876 als Sohn des Textilkaufmanns Franz Carl Viktorin Tecklenborg[1] und der Maria Theresia Elisabeth Tecklenborg, geb. Gröne,[1] in Wiedenbrück geboren. Er hatte sechs Geschwister. Seine Familie war eine traditionsreiche katholische Kaufmannsfamilie aus Wiedenbrück, mehrere Verwandte waren Priester oder Ordensleute, eine seiner Schwestern trat in den Klarissenorden ein.[2] Kurz nach seiner Firmung im Herbst 1892 ging er im Alter von 16 Jahren ins Kloster der Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) nach Harreveld (Niederlande). Dort erhielt er im Rahmen seiner Einkleidung als Novize den Ordensnamen Walther. In den Klöstern von Dorsten, Warendorf und Düsseldorf absolvierte er von 1893 bis 1896 die Humaniora, hauptsächlich Unterricht in Latein, Griechisch und Deutsch, während moderne Fremdsprachen und Naturwissenschaften eine untergeordnete Rolle spielten.[3] Daran schlossen sich von 1896 bis 1902 die ordensinternen Studien der Philosophie und Theologie in den Klöstern von Düsseldorf, Aachen und Paderborn an. 1901 empfing er in Paderborn durch Bischof Wilhelm Schneider das Sakrament der Priesterweihe. Von da an war er an verschiedenen Orten als Seelsorger tätig, so in Paderborn, auf dem Apollinarisberg in Remagen, in Düsseldorf, Rietberg, Delbrück und deren Umgebung. Über viele Jahre hinweg betreute er die Gemeinden von Schöning und Westerwiehe von Rietberg aus.

Frauenporträt, 1909

Mit Unterstützung seiner Oberen in der Saxonia begann Walther Tecklenborg 1904 eine zweijährige Ausbildung als Maler bei dem niederländischen Historien- und Porträtmaler Heinrich Johann Sinkel in Düsseldorf.[4] Von 1906 bis 1912 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf Malerei. Dort war er der Schüler von bekannten Malern wie Adolf Maennchen, Heinrich Lauenstein und Willy Spatz. Die letzten beiden Jahre war er Schüler von Eduard von Gebhardt.

Landschaftsaquarell, Castel Sant’Elia, Italien, 1929

1910 unternahm Pater Walther Tecklenborg mit Zustimmung seiner Oberen eine Studienreise, die ihn nach Holland und Belgien führte. Zwischen 1929 und 1930 machte er eine sechsmonatige Studienreise nach Italien. Er besuchte Kunstmuseen und Kirchen, um von alten Künstlern zu lernen und um sich von ihnen inspirieren zu lassen. Auch während seiner künstlerischen Betätigung war er ständig als Seelsorger tätig. Im Franziskanerkloster in Düsseldorf teilte er sich mit dem Franziskanerbruder und Bildhauer Firminus Wickenhäuser ein Atelier.[5] Auch ab 1912, als er auf dem Kreuzberg in Bonn lebte, stand ihm ein Atelier im Kloster zur Verfügung. 1918 wechselte er ins Franziskanerkloster nach Rietberg, wo die ehemalige klostereigene Brauerei zum Atelier umfunktioniert wurde.[6]

1904 wurde sein Interesse für die Genealogie geweckt. In Folge dessen wirkte Tecklenborg an der Stammtafel der Familien Tecklenborg und Tecklenburg mit.[7] Im Gründungsjahr der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e. V. (WGfF), 1913, trat Tecklenborg in diese genealogische Vereinigung ein.[8]

Ernst von Oidtman, ein bedeutendes Mitglied der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V., bewog Pater Walther Tecklenborg zur Mitarbeit an dem Mitteilungsblatt der Vereinigung.[9] In den darauffolgenden Jahren veröffentlichte Pater Walther Tecklenborg einige Artikel und Stammbäume in diesem Mitteilungsblatt.

Tecklenborg hatte gute Kontakte zu den Adelshäusern der Umgebung und war als Experte für Heimatkunde, Genealogie, Kunst und Seelsorge gefragt. Er recherchierte und erstellte sehr viele Familien-Stammbäume, die insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus stark gefragt waren. Zu mehreren Stammbäumen befinden sich heute die Unterlagen im Stadtarchiv von Rietberg.[10] Auch die Geschichte seiner eigenen Familie Tecklenborg aus Wiedenbrück verfolgte er bis ins 16. Jhd. zurück.[1] Einige Stammbäume wurden als Gemälde aufbereitet und schmücken noch heute Privathäuser in Nordrhein-Westfalen.

Mehrfach war Walther Tecklenborg auf Schloss Schwarzenraben[11] bei der Familie Wilderich Friedrich Freiherr von Ketteler, dem Sohn von Friedrich Clemens von Ketteler, zu Besuch. Am 17. Januar eines jeden Jahres wurde das sog. „Kapellenfestes“ zu Ehren des hl. Antonius des Einsiedlers auf Schloss Schwarzenraben gefeiert.[12] Seine Anwesenheit dokumentierte Pater Walther jeweils mit einer Tusche- oder Aquarellzeichnung im Gästebuch der Familie von Ketteler.[13] Ebenso besuchte er z. B. die Familie Heinrich Freiherr von Droste zu Hülshoff auf Schloss Eringerfeld.[14]

Pater Walther Tecklenborg war mit anderen Künstlern in Kontakt. Er entwarf z. B. sakrale Gegenstände, Türen und Tore für Kirchen, Bildstöcke und Wegkreuze, die dann von anderen Meistern des Handwerks hergestellt wurden. So war er u. a. befreundet mit Hermann Selhorst (1877–1931), einem Kunstschreiner aus Nordhagen und Vater der Missionsschwester und Künstlerin Pientia Selhorst.[15]

1921 zeichnete er das Notgeld für Rietberg.[16] Er war Gründungsmitglied des in den 1930er-Jahren gegründeten Heimatvereins von Rietberg. Auch wurde er hinzugezogen, wenn die Haussprüche der Fachwerkhäuser entziffert oder neugestaltet werden mussten.

Beim Brand des Rietberger Franziskanerklosters im Dezember 1935 rettete er wertvolle, alte Handschriften, die im Klosterarchiv lagerten.[6]

Im Jahre 1941 wurde er für fünf Wochen von der Gestapo im Gefängnis in Bielefeld wegen seiner möglichen Mitwirkung an der Vervielfältigung eines Briefes festgehalten.[6]

Walther Tecklenborg wurde 1962 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, wodurch sein Lebenswerk als Maler und sein Wirken als Heimatkundler, Genealoge und Heraldiker gewürdigt wurde.[17][18]

Von 1918 bis zu seinem Lebensende 1965 gehörte Pater Walther Tecklenborg dem Rietberger Konvent an.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßennamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rietberg: Pater-Walther-Tecklenborg
  • Delbrück: Pater-Walter-Tecklenborg im Stadtteil Schöning

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemälde und Zeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er malte viele Gemälde sowohl mit religiösen als auch weltlichen bzw. profanen Motiven. Er benutzte die verschiedensten Techniken: So erstellte er Bleistift-, Kohle- und Rötel- sowie Pastellzeichnungen, malte Aquarelle und Ölgemälde, darunter viele Porträts und Landschaften. Mehrere Kirchen malte er mit Fresken aus.

Einige der zahlreichen Werke von Pater Walther Tecklenborg sind auch heute noch an verschieden religiösen Orten zu finden, so z. B. im ehemaligen Rietberger Franziskanerkloster[19] bzw. der Klosterkirche St. Katharina sowie der St. Johannes Baptist Kirche von Rietberg oder im Heimathaus von Rietberg, im ehemaligen Franziskanerkloster von Wiedenbrück, in der Kreuzbergkirche in Bonn, in der St.-Meinolf-Gemeinde von Schöning, einem Ortsteil von Delbrück, sowie in diversen Privathäusern.

Eines seiner Altargemälde schuf er für die Herz-Jesu-Kathedrale (Jinan), Kathedrale des Erzbistums Jinan in Jinan in China.[20]

Porträt eines Mannes, 1905

Beispiele für Porträts:

Bei allen drei zuletzt genannten Gemälden handelt es sich um Ölgemälde, die sich heute im Besitz der Kath. Kirchengemeinde St. Johannes Baptist in Rietberg befinden.

2018 fand die Ausstellung „Sakrale Kunst in Rietberg“ statt, bei der auch einige Gemälde von Pater Walther Tecklenborg gezeigt wurden.[22]

Fresken (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In mehreren Kirchen hat Pater Walther Tecklenborg Fresken gemalt, so z. B. in St. Meinolf in Schöning, in der St.-Bartholomäus-Kirche in Ahlen oder dem Kolleg St. Ludwig in Vlodrop (Niederlande). Die Fresken in den Kirchen wurden im Zuge von Renovierungen übermalt.

Das Abendmahl, ein Freskogemälde von Pater Walther Tecklenborg aus dem Jahre 1930 (H:2,40m x B:6,20m), befindet sich noch heute im ehem. Refektorium des Franziskanerklosters von Rietberg, das mittlerweile zum Jugendwerk Rietberg gehört.[19]

Buchschmuck (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pater Walther Tecklenborg hat mehrere Bücher mit Zeichnungen versehen, so z. B. ein Buch von Bruder Jordan Mai.[23]

Im Sterberegister der Pfarrei St. Johannes Baptist in Rietberg, das 1914 beginnt, befindet sich am Anfang eine Zeichnung „Der Sensenmann“ signiert mit „P. Walther Tecklenborg O.F.M. 1919“.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Flaskamp: Dreissig Lebenswege aus westfälischer Sicht. Flöttmann Verlag, Gütersloh, 1966, S. 75–76.
  • P. Daniel Becker O.F.M.: Ordenspriester aus der Pfarrei Wiedenbrück. Wilhelm Hanhardt, Wiedenbrück, 1951, S. 89–92.
  • P. Ottokar Mund: Pater Walther Tecklenborg. In: Vita Seraphica, 1968, S. 105–106.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Walther Tecklenborg: Stammtafel der Familie Tecklenborg. Zusammengestellt nach Urkunden und Familien-Nachrichten. Rietberg, 1946.
  2. Gisela Fleckenstein: Die Franziskaner im Rheinland 1875–1918 (= Franziskanische Forschungen, Heft 38). Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1992, S. 90.
  3. Gisela Fleckenstein: Die Franziskaner im Rheinland 1875–1918 (= Franziskanische Forschungen, Heft 38). Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1992, S. 112.
  4. Ottokar Mund: Pater Walther Tecklenborg, Zeitschrift Vita Seraphica, 1968, S. 105–106.
  5. Gisela Fleckenstein: Die Franziskaner im Rheinland 1875–1918 (= Franziskanische Forschungen, Heft 38). Dietrich-Coelde-Verlag, Werl 1992, S. 288.
  6. a b c Alwin Hanschmidt: Aus der stillgelegten Brauerei entstand ein großes Atelier. Pater Walther Tecklenborg, Kunstmaler, Heimatforscher und Seelsorger, starb vor 40 Jahren. In: Rietberger Stadtanzeiger (RSA) Nr. 720 (21. Dezember 2005), S. 24–25.
  7. Wilhelm Tecklenburg: Stammtafel der Familien Tecklenborg (Wiedenbrück) und Tecklenburg (Lippstadt-Solm-Nassau-Hessen). Frankfurt, 1907.
  8. Mitgliederverzeichnis Stand vom 15. Oktober 1913. Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V., Band 1, 1913.
  9. Franz Flaskamp: Frisch, begabt und unermüdlich, Gedenken zu P. Walther Tecklenborg 85. Geburtstag. In: Die Glocke, Nr. 27, 1. Februar 1961.
  10. Stadtarchiv Rietberg
  11. Dirk Ruholl: Schloss Schwarzenraben im Spiegel der Zeit. Paderborn, 2015.
  12. Karl-Josef Freiherr von Ketteler: Hausgeistliche in Eringerfeld und Schwarzenraben und ihre Pflichten – 1. Fortsetzung und Schluss. In: Geseker Heimatblätter Nr. 510, Juli 2009, S. 209–214.
  13. Archiv Harkotten I (Ketteler), HarKe.Schw.Vwl - N 397.
  14. Hans Jürgen Rade: Ein Bild der Eringerfelder Schlosskapelle von 1924 von P. Walther Tecklenborg OFM. In: Geseker Heimatblätter Nr. 591 April 2017, S. 142–143.
  15. Maria Behre: Der Kunstschreiner Selhorst, marktowle.de
  16. Manfred Beine: Das Rietberger Notgeld von 1921. Ein Werk von Pater Walther Tecklenborg und Professor Georg Seppeler. In: Heimat-Jahrbuch Kreis Gütersloh 2021, Flöttmann-Verlag, Gütersloh, 2020, S. 116–125.
  17. Bundesverdienstkreuz ziert Franziskaner-Ordenskleid, Die Glocke, Nr. 66, 19. März 1962.
  18. Vorschlagsbegründung Bundesarchiv [BArch], B 122/38615.
  19. a b c d Sakrale Kunst in Rietberg., Ausstellungskatalog, Herausgegeben von der Stadt Rietberg und der Stiftung der Sparkasse Rietberg, Rietberg, 2018.
  20. Die katholischen Missionen in China – Motivreihe Westfälische Missionare aus der Zeit um 1910
  21. Heinrich Terhaar aus Liesborn
  22. Ausstellung Sakrale Kunst in Rietberg
  23. Bruder Jordan Mai: Ein Blühen in Einfalt. Coelde Verlag, Werl, 1951.
  24. matricula-online.eu Sterberegister Rietberg