Weg des Buches

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Der Weg des Buches ist ein evangelischer Pilgerweg, der der Bibelschmugglerroute während des Geheimprotestantismus im Herzogtum Österreich der Habsburgerzeit folgt. Er führt bislang von Ortenburg in Niederbayern bis Agoritschach in Kärnten, soll aber nach Süden bis Triest in Italien und nach Norden bis Zwickau in Sachsen verlängert werden.[1] Eröffnet wurde der Weg am 4. Oktober 2008 in Ramsau am Dachstein.[2] Maßgeblich beteiligt an der Verwirklichung der Idee von Religionslehrerinnen war der evangelische Bischof von Österreich Michael Bünker.[3] Die Projektleitung zur Umsetzung des Bücherprojektes hatte der Verein respect – Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung inne.

Geschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Gegenreformation wurde der Protestantismus knapp zweihundert Jahre in den Untergrund gedrängt, bis das erste der Toleranzpatente Josephs II. wieder eine eingeschränkte Betätigung erlaubte. In dieser Zeit konnte die Reformation sich in Österreich nur in besonders abgelegenen Gegenden halten.[4] Da vor diesem Hintergrund auch Lutherbibeln, evangelische Gesangbücher und dergleichen verboten waren und mit damaligen Mitteln geheim schwer hergestellt werden konnten, entwickelte sich ein Schmuggelwesen, das dergleichen aus protestantischen Landen in die Hauptrückzugsgebiete führte. Die Uracher Bibelanstalt druckte von 1561 bis 1565 mehr als 30.000 Exemplare. Alle gelangten auf geheimen Wegen zu ihren Lesern.[5] Der historische Weg führte von Agoritschach weiter in die Krain, bisher ausgebaut ist nur der Teil im heutigen Österreich. Im katholischen Slowenien ist der evangelische Bibelübersetzer und Bibelschmuggler Primus Truber auf der Rückseite der 1-Euro-Münze geprägt und der Reformationstag ein Nationalfeiertag.

Primož Trubar auf der Rückseite der slowenischen 1-Euro-Münze

Einbezug in die Europäische Kulturroute der Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Konzipierung der Europäischen Kulturroute der Reformation, eines Kulturwegs des Europarats, wird seit 2016 daran gearbeitet, den „Weg des Buchs“ als Beitrag Österreichs zu der Route einzubeziehen. Die Verlängerung des Wegs von Arnoldstein bis Triest ist bereits auf einer Landkarte berücksichtigt, die auf der Homepage „wegdesbuches.eu“ veröffentlicht ist.[6]

Route[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weg führte vor seiner Verlängerung bis Triest und Zwickau über 529 km und 29 Tagesetappen, wenn von Schärding bis Ebensee das Fahrrad genommen und danach gewandert wird.[7]

Diözesanmuseum Fresach, ein ehemaliges Toleranzbethaus

Stationen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Charlotte Matthias: Projekt „Weg des Buchs“ – Von Kärnten nach Triest. evangelisch-sein.at
  2. Arbeitskreis Tourismuspastoral der Katholischen Kirche Österreichs. Netzwerk „Pilgern in Österreich“: Der Weg des Buches - als die Bibel heiße Ware war, abgerufen am 5. August 2020.
  3. Evangelische Kirche A.B. in Österreich: MitarbeiterInnen am Weg des Buches
  4. Geheimprotestantismus in Oberösterreich, abgerufen am 8. November 2021.
  5. Bibelschmuggler
  6. Evangelische Kirche A.B. in Österreich: Karte
  7. Historische Route: 529 Kilometer auf den Spuren der Bibelschmuggler. Die Presse. 6. Oktober 2008

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Bünker und Margit Leuthold (Hg.): Der Weg des Buches; Edition Tandem 2009²; ISBN 978-3-902606-08-2
  • Rudolf Leeb, Astrid Schweighofer, Dietmar Weikl (Hg.): Das Buch zum Weg; Edition Tandem 2009²; ISBN 978-3-902606-09-9
  • Werner Bartl: Österreich: „Weg des Buches“, Conrad Stein Verlag, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-86686-299-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]