Wetterauer Seenplatte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Wölfersheimer See, der größte See der Wetterauer Seenplatte

Die Wetterauer Seenplatte ist eine Seenplatte, also eine Gruppe von Seen und Teichen, in der Horloffsenke (Naturraum 234.0), einem Teil der Wetterau in Hessen.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seen der Wetterauer Seenplatte sind nicht natürlichen Ursprungs. Es handelt sich um Tagebaurestseen, die bei der Rekultivierung von Tagebauen des Wetterauer Braunkohlerevieres entstanden sind.[1] Einige kleinere Teiche sind Absinkweiher aus der Zeit des untertägigen Braunkohlebergbaus, das heißt mit Wasser vollgelaufene Tagesbrüche von eingestürzten unterirdischen Hohlräumen.

Regionalparkprojekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seenplatte soll als eigenständiges Projekt im Regionalpark Rhein-Main des Planungsverbandes Rhein-Main entwickelt werden. Hierfür gründeten die Kommunen Wölfersheim, Reichelsheim, Echzell und Hungen Anfang 2008 eine formale Arbeitsgemeinschaft.[2]

In den Bereichen Naherholung, Sport, Landschaftskunst, Erhalt des Kulturerbes und Naturschutz wollen die Städte kooperieren, um die Lebensqualität, den Wohn- und Freizeitwert der Region zu verbessern, diese für den Tourismus attraktiver zu machen und somit auch wirtschaftlich zu fördern. Für Besucher der Region sollen hierfür unter anderem verschiedene Natur- und Erlebnispfade angelegt, Museen und ein Informationszentrum entstehen. Weiterhin ist eine Anbindung an überregionale Rad- und Wanderwege wie den Niddaradweg oder den Vulkanradweg sowie Themenstraßen wie die Deutsche Limes-Straße geplant.[2]

Natur- und Vogelschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tallandschaft der Horloff mit ihren Auen ist insbesondere für den Vogelschutz als Brut- und Rastgebiet besonders wertvoll.

Das Regionalparkprojekt soll eng mit dem Auenverbund Wetterau verzahnt werden. In dieses 1989 ausgewiesene, etwa 7.400 Hektar große Landschaftsschutzgebiet sind mehr als 30 kleinere und größere Naturschutzgebiete mit einer Fläche von rund 1.400 ha eingebettet. Hierzu zählen auch mehrere der Wetterauer Seen (siehe Tabelle unten).[3] Das Projekt Auenverbund wurde 1988 mit dem Europäischen Umweltpreis ausgezeichnet, gehört zum Natura 2000-Programm und ist als Europäisches Vogelschutzgebiet registriert.[4]

Radfahren und Wandern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich der Landesgartenschau in Bad Nauheim veröffentlichten die vier Kommunen eine Radfahrkarte mit zwei Tourenvorschlägen. Die Karte ist kostenlos in den Rathäusern der Gemeinden erhältlich.[5]

Seen und Teiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

See Größe Lage Koordinate Tagebau Tagebaubetrieb Nutzung heute
Trais-Horloffer See
(auch Inheidener See)
35,1 ha zwischen Inheiden und Trais-Horloff 50° 27′ 7″ N, 8° 54′ 18″ O Tagebau Inheiden 1918-38
1938-50[6]
Badebetrieb und Wassersport
Sachsensee
(auch Barbarasee)
ca. 35 ha südöstlich von Bellersheim 50° 26′ 48″ N, 8° 51′ 24″ O Tagebau I 1961-75 Naherholung, Angelteich
Oberer Knappensee 36,3 ha nordöstlich von Utphe 50° 26′ 30″ N, 8° 53′ 39″ O Tagebau IV
(Tagebau Utphe)
1974-84[7][8]
Unterer Knappensee ca. 32 ha südöstlich von Utphe 50° 25′ 51″ N, 8° 53′ 30″ O Naturschutzgebiet
("Mittlere Horloffaue")[9]
Wölfersheimer See 38 ha östlich von Wölfersheim 50° 23′ 49″ N, 8° 50′ 14″ O Tagebau Wölfersheim 1927-43 Naherholung, Angeln
Heldtteich ca. 1 ha nordöstlich von Wölfersheim 50° 24′ 18″ N, 8° 50′ 33″ O
- < 1 ha südöstlich von Wölfersheim 50° 22′ 53″ N, 8° 50′ 25″ O Naturschutzgebiet
("Im Grenzstock von Gettenau")[3]
Herrschaftlicher Teich
(auch Schwelteich)[3]
< 1 ha östlich von Wölfersheim,
nordwestlich von Echzell
50° 23′ 53″ N, 8° 51′ 20″ O kein Tagebaurestsee - Naturschutzgebiet
("Schwelteich von Echzell")[3]
Teufelsee je ca. 25 ha nördlich von Weckesheim,
nordwestlich von Heuchelheim
50° 22′ 36″ N, 8° 50′ 59″ O Tagebau II/III
(Tagebau Heuchelheim)
1962-89 Naturschutzgebiet
("Pfaffensee und Teufelsee")[10][11]
Pfaffensee 50° 22′ 30″ N, 8° 51′ 41″ O
Gettenauer Teich(e) ca. 1,2 ha westlich von Gettenau 50° 23′ 10″ N, 8° 52′ 36″ O Angeln, Biotop
Heuchelheimer Teiche < 1 ha Westlicher Ortsrand von Heuchelheim 50° 22′ 1″ N, 8° 51′ 46″ O Klärteiche für Abwasser der Betriebsanlage Tgb. II/III
Reichelsheimer Teich(e) ca. 1 ha Südwestlicher Ortsrand von Reichelsheim 50° 21′ 21″ N, 8° 51′ 59″ O Tagebau VI / Absinkteich 1983-89[12]
(Reichelsheimer) Bergwerkssee ca. 30 ha nördlich von Dorn-Assenheim 50° 21′ 0″ N, 8° 50′ 40″ O Tagebau VII 1988-91[13] Konzept in Planung
Weckesheimer Teich
(auch Leonhard-Teich)
ca. 1 ha Südöstlicher Ortsrand von Weckesheim 50° 21′ 29″ N, 8° 50′ 46″ O Naherholung, Angeln

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. PreussenElektra: Übersichtskarte der Tagebaubetriebe, online auf www.alexanderhitz.de
  2. a b Bürgermeister bringen „Wetterauer Seenplatte“ auf den Weg - Pressemitteilung auf www.woelfersheim.de (PDF)
  3. a b c d Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz: Die Naturschutzgebiete in Echzell und Reichelsheim (Karte), online auf www.norbert-kuehnberger.de
  4. Thomas Brandt, Christoph Moning und Christian Wagner: Die Horloffaue zwischen Hungen und Reichelsheim in Hessen - Wasservögel in der Wetterau nordöstlich von Frankfurt. In: Der Falke - Journal für Vogelbeobachter, 2/2009, online auf www.schattenblick.de
  5. http://wetterauer-seenplatte.de/index.php/freizeit/radfahren
  6. Der Inheidener See: Reste der Gewerkschaft Friedrich auf www.alexanderhitz.de
  7. Die Utpher Seenplatte: Oberer und unterer Knappensee auf www.alexanderhitz.de
  8. NSG Mittlere Horloffaue - Oberer und Unterer Knappensee auf www.norbert-kuehnberger.de
  9. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.hgon.deHessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz: Der „Untere Knappensee“ im Naturschutzgebiet „Mittlere Horloffaue“ auf www.hgon.de (PDF)
  10. Pfaffensee und Teufelsee auf www.nabu-bingenheim.de
  11. NSG Pfaffensee und Teufelsee auf www.norbert-kuehnberger.de
  12. Pflug, W.: Das Wetterauer Braunkohlerevier. in: Braunkohletagebau und Rekultivierung, Springer, Berlin u.a., 1998. Zitiert in: Brigitte Nixdorf et al.: Braunkohletagebauseen in Deutschland (PDF; 14,0 MB), BTU Cottbus
  13. Der Berkwerksee auf www.alexanderhitz.de