Trais-Horloff

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Trais-Horloff
Stadt Hungen
Koordinaten: 50° 26′ 50″ N, 8° 54′ 10″ O
Höhe: 135 (126–137) m ü. NHN
Fläche: 3,24 km²
Einwohner: 570 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 176 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35410
Vorwahl: 06402

Trais-Horloff ist ein Stadtteil von Hungen im Landkreis Gießen in Hessen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trais-Horloff liegt südlich von Hungen. Am westlichen Ortsrand verläuft die Bundesstraße 489. Der Ort liegt zwischen dem Trais-Horloffer See, umgangssprachlich auch Inheidener See genannt und dem Oberen Knappensee. In der Nähe fließt die Horloff. Es existiert ein Haltepunkt der Lahn-Kinzig-Bahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde zwischen 750 und 802 erstmals erwähnt.[2] 930 heißt es "in Treise."[3]

Am 31. Dezember 1970 erfolgte im Rahmen der Gebietsreform in Hessen die freiwillige Eingliederung in die nächstgelegene Kleinstadt Hungen.[4]

Im alten Bahnhof wurde 1989 eine Projektwerkstatt eingerichtet. Am 23. Januar 2005 wurde das Jugendzentrum „JUZ“, welches sich im Kellerbereich des örtlichen Kindergartens befindet, offiziell eröffnet und wird seitdem von den Jugendlichen aus Trais-Horloff verwaltet und gepflegt.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Evangelische Kirche in Trais-Horloff geht im Kern auf das 14. Jahrhundert zurück, der Turm entstand 1740. Die Reformation wurde nach 1544 eingeführt.

Solms-Laubach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trais-Horloff gehörte in der Grafschaft Solms-Laubach zum Unteramt Utphe. Das Unteramt Utphe wurde aus den „Rieddörfer“ Inheiden, Trais-Horloff und Utphe sowie Wohnbach und der Feldmark der Wüstung Feldheim gebildet.

Graf Philipp von Solms-Lich kaufte 1528 für 2.000 fl. von dem Kloster Haina dessen Hof in Utphe samt Zinsen zu Ober-Bessingen, Ettingshausen, Gonterskirchen, Laubach und Trais-Horloff.[5]

1825 war Trais-Horloff ein Dorf mit einer rückständigen Landwirtschaft. Wie in Inheiden gab es noch immer keine Stallfütterung und keine Viehmast. Von den 296 Einwohnern lebten die meisten von der Leineweberei.

Da die beiden „Salzbrunnen“ nur einen geringen Salzgehalt hatten, waren sie zuschüttet und die dortige Saline abgerissen worden.[6]

Bodenschätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torfstich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1837 wurde die Gewinnung von Torf durch den Grafen von Solms-Laubach freigegeben.

Mineralbrunnen und Moffeten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1854 gab es in der Gemarkung einen Mineralbrunnen und "mehrere Mofetten oder Erdlöcher, aus denen tödliches Gas strömt."[7]

Die Braunkohle und ihre industrielle Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gründerboom der Gründerzeit bewirkte, dass rasch die Wetterauer Braunkohlenvorkommen im Tiefbau erschlossen wurden. 1875 eröffnete man die Grube Friedrich bei Trais-Horloff. Eine Brikettfabrik wurde 1883 und eine Schwelerei 1898 in Betrieb genommen, aber schon 1903 schloss man wieder die Schwelerei.[8]

1879 wurde auf der Grube Friedrich eine Krankenkasse gegründet, die von 1880 bis 1888 als Kasse des Hessisch-Rheinischen Bergbauvereins firmierte. Anschließend hieß sie Kasse der Braunkohlengruben und Brikettfabrik Friedrich und bevor sie in der Reichsknappschaft aufging, Gewerkschaft Friedrich zu Hungen.[9]

Im Presshaus der Brikettierfabrik entstand am 17. Juni 1902 gegen 20 Uhr eine gewaltige Kohlenstaubexplosion. Das Gebäude und die Kohlenvorräte brannten nieder.[10] Die sieben Arbeiter, die dort beschäftigt waren, wurden alle schwer verletzt, vier starben an den Verletzungen, darunter zwei Männer aus Berstadt. Das Feuer der brennenden Briketts konnte man wochenlang beobachten.[11] Ein neues Verfahren zur Produktion der Formklötze, die Nasspresstechnik, wurde im neuen Werk für Nasspresssteine in Wölfersheim 1904 angewendet, die Brikettfabrik in Trais-Horloff geschlossen.[12]

Der erste Tagebau in der Wetterau wurde 1912 in Trais-Horloff von der Stadt Frankfurt am Main eröffnet, 1920 von den Gaswerken Frankfurt übernommen. Im Sommer 1924 wurden Kohleförderung und Brikettfabrikation eingestellt.[13]

Im Mai 1927 schloss sich der Volksstaat Hessen mit der Stadt Frankfurt in dem Unternehmen „Braunkohlen-Schwelkraftwerk Hessen-Frankfurt“ (HEFRAG) zusammen, um das Kraftwerk Wölfersheim gemeinsam zu führen. Gleichzeitig plante die Stadt Frankfurt am Main den Bau eines eigenen Schwelkraftwerks in Trais-Horloff. In Wölfersheim wurde im März 1929 ein Schwelkraftwerk eröffnet. Die unterschiedlichen Interessen führten zum Ende der HEFRAG am 31. Dezember 1929, die am 1. Januar 1930 von der Preußischen Elektrizitäts AG (PREAG) übernommen wurde. Der Bergbau und das Schwelkraftwerk in Trais-Horloff wurden stillgelegt, aber die komplette Belegschaft von der Preußischen Elektrizitätsgesellschaft übernommen.

Die Autarkiepolitik des Dritten Reichs führte zur Wiederaufnahme des Kohlenabbaus in Trais-Horloff im Sommer 1938, dieses Mal im Tagebau. Der Abraum erfolgte mit einem Eimerkettenbagger. Die Braunkohle wurde mit einer Grubenbahn durch die Gemarkung Berstadt über den Römerschacht nach Wölfersheim gefahren. Die Grubenbahn hatte eine Spurweite von 900 mm.[14]

In der Phase des Neubeginns nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kohle für das Elektrizitätskraftwerk Wölfersheim aus dem Tagebau Trais-Horloff, sowie den Gruben Römerschacht, Heuchelheim und Weckesheim gewonnen. 47 % der Produktion stammten aus dem Tagebau Trais-Horloff. Bis zum Jahre 1950 wurden 2,21 Millionen Tonnen Braunkohle in Trais-Horloff abgebaut.[15]

Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Jahre 1950 wurde Braunkohle in der Grube Friedrich abgebaut. Aus den verbliebenen Tagebaurestlöchern entstanden der Inheidener/Trais-Horloffer See mit einer Wasserfläche von 35 Hektar und der Untere Knappensee, mit 31 Hektar Wasserfläche sowie Obere Knappensee mit 37 Hektar Wasserfläche, beides Restlöcher des Tagebaus IV.

Die Renaturierungsmaßnahmen erfolgten am Trais-Horloffer See und der Abraumhalde Trais-Horloff, Anlegen einer Feldholzinsel, nach 1950, für den Unteren Knappensee 1982/85, für den Oberen Knappensee 1984/86.[16]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Trais-Horloff unterstand im Überblick:[17][18]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fläche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1854: Gemarkungsgröße 778 Morgen, davon 502 Äcker, 239 Wiesen.[21]
  • 1961: (Hektar): 324, davon 6 Wald[17]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[17]

  • 1631: 32 Untertanen, 4 Witwen
  • 1834: 288 Einwohner
  • 1885: 282 Einwohner
  • 1925: 460 Einwohner
  • 1939: 430 Einwohner
  • 1950: 724 Einwohner
  • 1961: 649 (494 evangelische, 140 römischkath. Einwohner) Einwohner. Erwerbspersonen: 50 Land- u. Forstwirtschaft, 163 Prod. Gewerbe, 30 Handel, Verkehr u. Nachrichtenübermittlung, 44 Dienstleistun und Sonstiges.
Trais-Horloff: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
288
1840
  
299
1846
  
273
1852
  
289
1858
  
253
1864
  
264
1871
  
259
1875
  
252
1885
  
282
1895
  
339
1905
  
512
1910
  
533
1925
  
460
1939
  
430
1946
  
695
1950
  
724
1956
  
663
1961
  
649
1967
  
586
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Ludwig Ernst Mosebach, genannt "Jäger-Philipp", (* 15. August 1770 in Trais-Horloff), ältester Sohn des dortigen Pfarrers Philipp Wilhelm Mosebach

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hanno Müller, Familienbuch Trais-Horloff, Inheiden, Utphe, Kreis Gießen. = Schriften der Hessischen familiengeschichtliche Vereinigung Nr. 23, 1997

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen im Internetauftritt der Stadt Hungen, abgerufen im Juli 2016.
  2. Meyer zu Ermgassen, Codex Eberhardi 1 II S. 203.
  3. Ernst Friedrich Johann Dronke, Codex diplomaticus Fuldensis, Neudr. Aalen 1962, S. 313–314 Nr. 677.
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 299.
  5. Friedrich Battenberg, Solmser Urkunden. Regesten zu den Urkundenbeständen und Kopiaren der Grafen und Fürsten von Solms im Staatsarchiv Darmstadt (Abteilungen B 9 und F 24 B), im gräflichen Archiv zu Laubach und im fürstlichen Archiv zu Lich. 1131–1913. Bd. 1–5, Darmstadt 1981–1986. Solmser Urkunden 3, Nr. 2654, 2680.
  6. Johann Andreas Demian, Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthums Hessen. 2 Bände, Mainz 1824–1825. Bd. 2: Topographie, S. 404 f.
  7. Philipp Alexander Ferdinand Walther, Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. Darmstadt 1854, S. 457.
  8. Eugen Rieß, Willy Roth, Berstadt. Bd. 2: Neue Zeiten. Rockenberg 2005. ISBN 3-923907-08-7, S. 251 f.
  9. C. Köbrich, Entstehung des Hessischen Knappschaftswesens. In: Die Fundgrube. Mitteilungen für und über den Hessischen Bergbau. Februar 1933.
  10. Helmut Lingemann, Wilhelm Heck, Die Wetterauer Braunkohle und ihre Verwertung, 1992, S. 52.
  11. Eugen Rieß, Willy Roth, Berstadt. Bd. 2, S. 252.
  12. Helmut Lingemann, Wilhelm Heck, Die Wetterauer Braunkohle, S. 53 f.
  13. Eugen Rieß, Willy Roth, Berstadt. Bd. 2, S. 256.
  14. Eugen Rieß, Willy Roth, Berstadt. Bd. 2, S. 254 f.
  15. Helmut Lingemann, Wilhelm Heck, Wetterauer Braunkohle, S. 55
  16. Angaben nach Helmut Lingemann, Wilhelm Heck, Wetterauer Braunkohle, S. 57.
  17. a b c Trais-Horloff, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 8. Juli 2015)
  18. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  19. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 439 (online bei Google Books).
  20. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 425 (online bei Google Books).
  21. Philipp Alexander F. Walther, Das Großherzogthum Hessen, S. 457.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trais-Horloff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien