Wikingerburg

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Trelleborg bei Slagelse in Dänemark

Wikingerburg ist eine Sammelbezeichnung für kreisförmige Anlagen aus der Regierungszeit Harald Blauzahns oder Sven Gabelbarts in Dänemark und Schonen. Sie wurden teilweise mit Hilfe der Dendrochronologie datiert.

Die Burgen vom Trelleborg-Typ wurden nach der zuerst gefundenen Anlage, der Trelleborg nahe Slagelse benannt, die zwischen 1936 und 1941 ausgegraben wurde. Die sogenannten Trelleborge werden wegen ihres geometrischen Aufbaus nicht ganz zutreffend als Ringburgen bezeichnet. Sie unterscheiden sich jedoch von anderen nordischen Anlagen (Fornborgar), die oft radiale Einbauten haben. Technisch gesehen gehören die "Ringburgen" der Wikinger zu den Wallburgen, von denen sie sich durch ihre exakte Geometrie abgrenzen. Der Aufbau des "Walles" wird bei Trelleborg erläutert, da er sich hier bei der Ausgrabung deutlich erschließen ließ.

Wikingerzeitliche Ringburgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der wikingerzeitlichen Ringburgen, noch ohne Borrering.

Ähnliche Burgen, die aber nicht zum Trelleborg-Typ gerechnet werden, sind:

Rekonstruierte Wikingerburg Trelleborg in Schweden

Borgeby und Trelleborg in Schonen werden von der Wissenschaft nicht als echte Ringburgen angesehen. Borgeby wird im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde nicht einmal erwähnt. Bei der Trelleborg in Schonen fehlt jede innere Bebauung, der Wall war einfach und der Graben war nicht V-förmig, sondern trogförmig (Lit.: Roesdahl). Die Burgen Borgeby, Trelleborg in Schonen und Trelleborg auf Sjælland sind in mehreren Phasen gebaut worden, dagegen wurden Aggersborg und Nonnebakken sofort in ihrer endgültigen Form nach einem fertigen Grundkonzept gebaut. Wer die Vorläuferburgen der in mehreren Phasen gebauten Ringanlagen gebaut hat, ist ungewiss.[1]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Namen "Trelleborg" gibt es zwei verschiedene Deutungen:

  1. Traditionell wurde der Name Trelleborg als eine von Sklaven erbaute Befestigung erklärt (das dänische Wort für Sklave ist træl).
  2. Andererseits könnte der Namen von der Bauart herführen. Die gespaltenen Balken, die zur Verkleidung der Innen- und Außenwände der kreisförmigen, in Stabbautechnik gebauten Wallanlage wurden früher als "treller" bezeichnet.[2] Damit würde der Name etwa "Balkenburg" lauten.

Vergleich der einzelnen Ringburgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Innerer Durchmesser Wallbreite Anzahl der Häuser Länge der Häuser Datierung
Aggersborg (DK) 240 m 11 m 48 32,0 m
Fyrkat (DK) 120 m 13 m 16 28,5 m um 980(d)
Borrering (DK) 122 m ca. 11 m
Nonnebakken in Odense (DK) 120 m
Trelleborg nahe Slagelse (DK) 136 m 19 m 16 29,4 m um 980(d)
Lyby (N) 140 m 12–13 m 10. Jahrhundert
Borgeby (S) 150 m 15 m
Trelleborg in Trelleborg (S) 125 m um 980(c14)

Direkte Vorbilder für diese Ringburgen hat man in Europa nicht gefunden. An der Nordseeküste von Nordfrankreich über Belgien bis in die südlichen Niederlande hat man ähnliche Anlagen gefunden. Bisher glaubt man, diese "Ringwallburgen" in Frankreich in Saint Omer, Brokburg, Bergues (Sint-Winoksbergen), in Belgien in Veurne, Oudenburg, Brügge und in der niederländischen Provinz Zeeland in Oostburg, Oost-Souburg, Middelburg, Domburg und Burgh nachweisen zu können.

Die Anlage von Oost-Souburg auf der Insel (heute Halbinsel) Walcheren an der Scheldemündung hat zwar eine ähnliche Größe, ist im Inneren aber anders, vor allem nicht so regelmäßig angelegt. Sie ist heute teilweise rekonstruiert worden und kann besichtigt werden.

Man ist sich darüber einig, dass die Anlagen vom König errichtet worden sind. Den ältesten bekannten Königsburgen war nur eine kurze Zeit beschieden. Aus dem 11. Jahrhundert sind in Dänemark weder Königs- noch Adelsburgen bekannt. Die strenge geometrische Figur wurde unter dem Eindruck der Jómsvikinga Saga aus der Zeit um 1200 mit militärischer Disziplin in Verbindung gebracht. Die dem entgegenstehende vielschichtige und auch zivile Nutzung der Häuser kann durchaus einer Zeit entstammen, als der militärische Zweck bereits aufgegeben war.

Deutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Zeit wurden vier Deutungsrichtungen mit wissenschaftlichem Anspruch entwickelt, die auch in Varianten vertreten wurden.

  1. Kasernen und Winterlager in Verbindung mit der Eroberung Englands 1013 und 1016. Hintergrund für diese Auffassung war, dass man die Königsmacht und die Gesellschaft der Wikingerzeit für primitiv hielt. Das Danegeld sollte die Errichtung der Anlagen finanziert haben. Der Zweck sei die Eroberung und Plünderung Englands gewesen. Sie wird heute schon aus chronologischen Gründen nicht mehr vertreten.
  2. Verteidigungsanlagen gegen äußere Feinde, insbesondere aus dem Norden und aus dem Süden. Diese Theorie stützt sich auf die Lage der Burgen im Norden und Osten Dänemarks und zwar dort, wo es keine anderen Befestigungsanlagen gab. Außerdem gebe es Parallelen in anderen Ländern, die diesen Zweck nahelegten. Die militärischen Konfrontationen mit Norwegern, Schweden, Deutschen und Slawen gäben Grund genug.
  3. Burgen im Zuge der Reichseinigung. Diese Theorie entstand ebenfalls vor der dendrochronologischen Datierung. Sie stützte sich auf die Aussage Harald Blauzahns auf einem Jellingstein, dass er ganz Dänemark erobert habe. Dazu passte ihre Lage weit weg vom Meer, aber nahe bei wichtigen Straßenverbindungen. Als Variante wird noch vermutet, es handele sich um Prestige-Anlagen Haralds und um politische Machtzentren.
  4. Zwingburgen, deren Hauptzweck die Bekämpfung der Unruhen, die im Aufstand Sven Gabelbarts gegen seinen Vater ihren Höhepunkt erreichten. Den Hintergrund dieser Theorien bildet die präzisere dendrochronologische Datierung in die späte Regierungszeit Harald Blauzahns.
  5. Eine neue Deutung bietet sich an, seit in Jelling ein Komplex mit Langhausbauten des Trelleborgtyps entdeckt wurde, der als Herrschaftssitz Harald Blauzahns angesehen wird. Dies führt zu der Überlegung, ob es sich bei den anderen Wikingerburgen möglicherweise auch um Königspfalzen handelt.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Deutungen:

  • K. Christensen: Træningslejr eller tvangsborg. 1970.
  • T. E. Christiansen: The Age of Trelleborg. Archaeological Dating. In: Aarbøger for nordisk Oldkyndighed og Historie. 1982, S. 100–109.
  • N. Bonde, K. Christensen: The Age of Trelleborg. Dendrochronological Dating. In: Aarbøger for nordisk Oldkyndighed og Historie. 1982, S. 139–152.
  • Olaf Olsen, Holger Schmidt: Borgen og bebyggelsen. I Kommission Hos Herm. H.J. Lynge og Son, Kopenhagen 1977, ISBN 87-87483-10-6 (Fyrkat. En jysk vikingeborg, Bd. 1).
  • Olaf Olsen: Die geometrischen dänischen Wikingerburgen. In: Maria-Letizia Heyer-Boscardin (Hrsg.) Burgen aus Holz und Stein. Burgenkundliches Kolloquium Basel 1977, 50 Jahre Schweizerischer Burgenverein. Walter, Olten 1979, ISBN 3-530-12790-6 (Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Svanberg S. 86.
  2. Prospekt über die Trelleborger Trelleborg, trelleborg.se, abgerufen am 25. August 2010
  3. http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/harald-blauzahns-koenigshof-gefunden-11437/ Diese neue Erkenntnis bedeutet auch, dass wir möglicherweise die Ringforts allgemein in einem anderen Licht betrachten müssen, erklärte Jessen [...] Wenn die Befestigung in Jelling aber als eine Pfalz anzusehen ist, könnte es sich auch bei den anderen Befestigungen um königliche Anwesen und zeitweilige Herrschaftssitze handeln, die der König bei seinen Reisen durch das Land nutzte

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]