Bergues

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bergues (Begriffsklärung) aufgeführt.
Bergues
Wappen von Bergues
Bergues (Frankreich)
Bergues
Region Nord-Pas-de-Calais
Département Nord
Arrondissement Dunkerque
Kanton Bergues
Koordinaten 50° 58′ N, 2° 26′ OKoordinaten: 50° 58′ N, 2° 26′ O
Höhe 1–22 m
Fläche 1,32 km²
Einwohner 3.889 (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 2.946 Einw./km²
Postleitzahl 59380
INSEE-Code
Website http://www.bergues.fr/

Rathaus

Bergues (niederländisch Sint-Winoksbergen oder Bergen) ist eine französische Gemeinde im Département Nord in der Region Nord-Pas-de-Calais. Sie gehört zum Arrondissement Dunkerque und ist Hauptort (chef-lieu) des gleichnamigen Kantons. Sie gehört der Communauté de communes du canton de Bergues an.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinstadt mit 3889 Einwohnern (Stand 1. Januar 2013) liegt an der Nordwestflanke des namengebenden Hügels Groënberg (von ndl.: Groenberg /dt.: „Grünberg“) in der historischen Provinz Flandern in der Landschaft Blootland, die sich entlang der nordfranzösischen und belgischen Kanalküste erstreckt, und befindet sich etwa zehn Kilometer südlich von Dünkirchen und 15 Kilometer von der Grenze zu Belgien entfernt. Blootland ist flämisch und bedeutet leeres, bloßes Land, was die gehölzarme Küstenmarsch gut charakterisiert. Nachbargemeinden sind im Nordwesten Coudekerque-Village, im Osten Hoymille, im Südosten Quaëdypre, im Süden Socx und im Westen Bierne.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Normannen in de zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts ihre Einfälle in der Gegend von Bergues begannen, ließ Graf Balduin II. von Flandern den Ort von einer nicht sehr starken Stadtmauer umgeben. Er gründete hier auch um 900 eine Kirche, in die er die sterblichen Überreste des heiligen Winoc überführen ließ. In der Folge entwickelte sich diese Kirche zu einer Pilgerstätte, nämlich zur Abtei des heiligen Winoc. Im 11. Jahrhundert wurde die Stadt durch eine Überschwemmung zerstört, aber bald wieder aufgebaut. Im 12. und 13. Jahrhundert war sie ein regionales Zentrum der Wollindustrie und Hauptort einer bedeutenden Burggrafschaft. Diese erhielt 1240 durch eine Charta Privilegien verliehen, die später mehrmals bestätigt wurden. Im 13. Jahrhundert war Bergues auch Mitglied der Londoner Hanse.

1297 nahm Graf Robert II. von Artois Bergues für den französischen König Philipp IV. in Besitz, aber bereits 1301 wurden die Franzosen vertrieben und die Stadt kam an den Grafen von Flandern. Die Engländer besetzten sie in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Nach der Schlacht bei Roosebeke eroberten Truppen Karls VI. am 3. September 1383 die Stadt, plünderten sie und äscherten sie ein. Herzog Philipp der Kühne ließ Bergues wiedererrichten, doch eine Feuersbrunst zerstörte es 1494 erneut.

Der französische Marschall De Thermes erstürmte Bergues 1558; er ließ die Einwohner niedermachen und die Stadt niederbrennen. Durch den Frieden von Cateau-Cambrésis (1559) fiel die Stadt an König Philipp II. von Spanien, der sie wiedererbauen ließ. Im Zuge des Achtzigjährigen Krieges wurde Bergues 1583 von Alessandro Farnese belagert, der es eroberte und erneut zerstörte. Wiederum erlaubte Philipp II. seine Restaurierung, von welcher im Wesentlichen das heutige Stadtbild herrührt.

1658 nahmen Truppen Ludwigs XIV. Bergues ein, das indessen bereits im nächsten Jahr durch den Pyrenäenfrieden wieder an Spanien fiel. Im Devolutionskrieg (1667) belagerte Ludwig XIV. persönlich die Stadt. Sie wurde erobert und kam durch den Aachener Frieden 1668 definitiv zu Frankreich. Unmittelbar darauf erhielt Vauban den Auftrag, sie zu befestigen. Der Sonnenkönig ließ aber Dunkerque (deutsch Dünkirchen) zu einem großen Hafen ausbauen, wodurch Bergues an Bedeutung verlor.

Nach dem Ausbruch der Französischen Revolution wurde Bergues 1790 Hauptstadt eines Distrikts, aus dem sich später das Arrondissement Dunkerque entwickelte. Der Herzog von York belagerte Bergues 1793 gleichzeitig mit Dunkerque, musste aber nach der Schlacht bei Hondschoote erfolglos wieder abziehen. Der Niedergang der Stadt setzte sich indessen fort. Durch Bombardements wurde sie im Ersten Weltkrieg schwer in Mitleidenschaft gezogen, ebenso 1940 im Zweiten Weltkrieg während der Schlacht von Dünkirchen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1793 1851 1891 1911 1931 1946 1962 1975 1990 1999 2007 2011
Einwohner 6108 5968 5380 4856 3756 3237 4469 4485 4163 4209 3923 3898

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die teilweise aus dem Mittelalter stammende und teilweise von Vauban erweiterte Stadtmauer hat eine Länge von 5,3 km.
  • Der Belfried, begonnen im 14. und vollendet im 16. Jahrhundert, 1944 von deutschen Truppen zerstört und 1961 wiederaufgebaut, gehört seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe Belfriede in Frankreich.
  • Vom Kloster Saint-Winoc, das 1789 zum großen Teil zerstört wurde, ist der „quadratische Turm“ (franz. La Tour Carrée) aus dem 12. und 13. Jahrhundert erhalten geblieben. Neben diesem Turm steht der Tour Pointue, der 1812 wiedererrichtet wurde.
  • Fünf Stadttore stehen als Monuments historiques unter Denkmalschutz.
  • 1558 wurde die alte Kirche Saint-Martin gebrandschatzt, Ende des 16. Jahrhunderts aber mit einem Nordturm wiederaufgebaut. 1944 wurde sie stark beschädigt, nach dem Krieg aber vollständig renoviert.
  • Der Canal de Bergues führt nach Dünkirchen. Er wurde im 16. Jahrhundert als Verbindung zum Meer gebaut. Damit ist er einer der ältesten Kanäle Frankreichs.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist Haupthandlungsort der Filmkomödie Willkommen bei den Sch’tis des Regisseurs Dany Boon.

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bergues – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien