Wilfried Täubner

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Wilfried Täubner bei der Arbeit (Kleinafrika auf Sylt) - Ausschnitt aus KUBUS 306-310

Wilfried Täubner (* 9. Dezember 1940 in Glauchau; † 1. April 1994 in Kürten bei Köln) war ein deutscher Architektur-Fotograf, Bildjournalist, Foto-Künstler und Galerist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilfried Täubner wuchs in Glauchau (Sachsen) auf, wo er auch seine Gesellenprüfung in Fotografie absolvierte. 1960 floh er kurz vor dem Mauerbau von Freiberg zuerst nach West-Berlin und dann nach Aachen. Von 1960 bis 1965 studierte er an der Staatlichen Höheren Fachschule für Fotografie in Köln (seit 1971 integriert in der Technischen Hochschule). Nach Diplom-Abschluss und Meisterprüfung Tätigkeit als freiberuflicher Fotograf im Rheinland.

„Impression“ (1968)
KUBUS 93 (1975)
Aus der Serie „Ein Fotograf, ein Modell, ein Jahr“ (1971)
KUBUS 774 (1987)

Von 1967 bis 1978 erhielt er einen Lehrauftrag an der Fachoberschule für Gestaltung in Köln. Von 1975 bis 1977 studierte er neben seinen Lehrtätigkeiten und beruflichen Aktivitäten Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Köln. 1976 zog er ins Bergische Land um und verlegte sein Atelier vom Ebertplatz in Köln nach Kürten.

1978 gründete er in einer alten Dorfschule die Galerie T. Neben seinem eigenen künstlerischen Werk „Fotografische Bilder mit dem Kubus“, an dem er von 1971 bis kurz vor seinem Tod 1994 arbeitete, präsentierte er auch Werke von Fotografenkollegen wie Hermann Claasen[1], Barbara Klemm[2], Kurt Julius und Henning Christoph.

1981 entschloss sich die Kunstkommission des Deutschen Bundestages zum Erwerb des Bildes „Kubus 172“.[3] Er führte zahlreiche Architekturaufträge für die Bundesbaudirektion aus, u. a. Bau-Dokumentationen vom Haus der Geschichte und vom Kunstmuseum Bonn. Darüber hinaus arbeitete er für bekannte Architekten wie Schürmann, Böhm, Schneider-Wesseling, von Gerkan, Marg & Partner, Planungsgruppe Stieldorf, sowie für die Papierindustrie und wurde mit der Gesamtkonzeption von Geschäftsberichten beauftragt.

Im Bereich der Modellsimulation konnte er mittels eines Endoskops Eindrücke aus der Fußgängerperspektive simulieren, was für die nachhaltige Stadtentwicklung von großer Bedeutung war.[4]

Täubner war an der Erstellung von Konzeptionen für zahlreiche Architektur-Publikationen beteiligt. Er war berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh, seit 1970), des Bundes Freischaffender Foto-Designer (BFF, 1973–90), der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (GDL, später Deutsche Fotografische Akademie, seit 1981).

Täubner starb am 1. April 1994 in Kürten. Über Täubners letzte Werkserie „Das latente Quadrat“ Blatt Nr. 42 aus der Werkserie DAS LATENTE QUADRAT - Letzte Arbeiten von Wilfried Täubner berichtete die Gesellschaft Deutscher Lichtbildner postum in ihrem Bulletin 12/1996 auf Seite 24–25.

Haus der Geschichte, 1993 von Wilfried Täubner fotografiert

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Seit 1971 beschäftigt sich Wilfried Täubner kontinuierlich mit dem Kubus, der elementarsten Form des dreidimensionalen Raumes. […] Das unvermittelte Aufeinandertreffen von abstrakter Raum-Figur und Natur-Raum erzeugt eine Reibung, die die letztlich doch unerklärlich bleibende Faszination der fotografischen Arbeiten Täubners ausmacht. […] Es geht Täubner darum, die zeitliche Dimension von Raum wie auch die räumliche Dimension von Zeit anschaulich zu machen. Mit diesen Fragen an den Kubus im allumfassenden Raum werden letztlich uralte metaphysische Probleme der Philosophie angesprochen.“

Wolfgang Vomm: Wilfried Täubner: Fotografische Bilder mit dem Kubus[5]

„Der Galerist Täubner interessiert sich für die Arbeiten seiner Kollegen, die ähnlich wie er die Kamera zur Dokumentation von Zuständen, Entwicklungen, von Geschichte und Experimenten benutzen. Günter Hildenhagens Bilder von Behinderten schickte er 1981 durch 13 Städte. Den in Vergessenheit geratenen Kölner Fotografen Hermann Claasen half er, neu zu entdecken. Barbara Klemms Fotografien für die Zeitung setzte er 1985 in ein künstlerisches Licht.“

Ingeborg Flagge: Wilfried Täubner[6]

Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1968 Bakke’s Night of Fame – Bühnenbild-Rückprojektion für die deutsche Erstaufführung John McGrath: Ende der Vorstellung 24 Uhr, Theater der Stadt Bonn
  • 1971 Ein Fotograf, ein Modell, ein Jahr, Bund Deutscher Architekten (BDA), Bonn
  • 1978 Die Taktiker – Gegenüberstellung von 17 Bundesliga-Trainern mit dem 18., Hennes Weisweiler, dem Trainer von Borussia Mönchengladbach, Galerie T, Kürten
  • 1979 Fotografische Bilder mit dem Kubus, Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig, Rantum/Sylt
  • 1980 Fotografische Bilder mit dem Kubus (Bericht mit Interview in der Sendung „Mosaik“ im WDR 3), Galerie T, Kürten
  • 1981 Wilfried Täubner – Fotografische Bilder mit dem Kubus (Bericht in der ZDF-Sendung „aspekte“), Städtische Galerie Villa Zanders, Bergisch Gladbach
  • 1983 Fotografische Bilder mit dem Kubus, Bund Deutscher Architekten, Bonn
  • 1986 Fotografische Bilder mit dem Kubus, Galerie T, Kürten
  • 1987 Foto-Performance: Ein Jahr nach Tschernobyl, Gesellschaft Deutscher Lichtbildner (Deutsche Fotografische Akademie), Stuttgart-Leinfelden
  • 1992 Wilfried Täubner – Fotografische Bilder mit dem Kubus, Doppelausstellung: Augustinermuseum (Ausstellungshalle Marienbad) in Zusammenarbeit mit dem Projekt E-Werk-Hallen für Kunst, Freiburg i. Br.
  • 1994 Wilfried Täubner – Fotografische Bilder mit dem Kubus, Städtisches Museum Gelsenkirchen

Gruppenausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1968 „photokina“, Köln
  • 1973 Museum für Angewandte Kunst, Wien
  • 1976 Zwei Aktionen zum Adenauer-Jahr, Kölnischer Kunstverein, Köln
  • 1978 Nikon-Galerie, Zürich
  • 1980–84 Foto-Design – Anspruch und Beweis, BFF, Nürnberg, Singapore, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart
  • 1984 Bildräume – Acht Fotografen sehen Landschaft, Gesellschaft Deutscher Lichtbildner, Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen
  • 1987 Vom Landschaftsbild zur Spurensicherung, Kunstverein, Göttingen
  • 1987 Museum Ludwig, Köln

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kodak-Fotobuch-Preis 1993[7]
  • Erwerb des Bildes „Kubus 172“ durch die Kunstkommission des Deutschen Bundestages 1987[8]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien/Bildbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Planungsgruppe Stieldorf – Bauten und Projekte, Königswinter 1974, 1978.
  • Architektur 1966–78 von Gerkan, Marg und Partner, Stuttgart 1978.
  • Architektur in der Demokratie – Kunstsammlung NRW, Bonn-Düsseldorf 1986.
  • Ingeborg Flagge und Wilfried Täubner: Kunstmuseum Bonn, Bonn – Stuttgart – Ostfildern, 1992.
  • Wilfried Täubner (mit Texten von Klaus Flemming und Friedrich Riehl): Fotografische Bilder mit dem Kubus, Kürten/Köln-Bergamo, 1993.
  • Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, (Hrsg.) Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Bonn-Bad Godesberg 1993 (Fotos von Wilfried Täubner und Stiftung Haus der Geschichte)

Ausstellungskataloge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilfried Täubner: Fotografische Bilder mit dem Kubus, Auszug aus der Ausstellung Galerie T, Schule Forsten, Kürten/Köln, Oktober 1978 u. ADS-Freizeitzentrum, Rantum/Sylt, September 1979.
  • Foto-Design – Anspruch und Beweis, Nürnberg 1980.
  • Wilfried Täubner: Fotografische Bilder mit dem Kubus, Bergisch Gladbach 1981.

Wichtige Texte bzw. Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhold Mißelbeck: Fotografische Bilder mit dem Kubus – Wilfried Täubner, in: Internationale Photoszene, Köln 1986.
  • Bundestag erwarb Fotoarbeit von Wilfried Täubner, in: Kunst Köln 4/87, S. 98.
  • Reinhold Mißelbeck: Wilfried Täubner, in: foto-scene – Zeitschrift für Fotografie, Videografie und visuelle Kommunikation, 11. Jahrgang, Nr. 3, Juni 1988, S. 54–57.
  • Hans Scheurer, Architekturfotografie mit dem Endoskop – Wilfried Täubner fotografiert Architektur-Modelle aus der Fussgängerperspektive, in: Wilfried Täubner, Kürten 1988, S. 4–7.
  • Christian Bartenbach, Tageslicht im Museum – ein neues Lichtkonzept, in: Jahrbuch für Licht und Architektur 1995, hrsg. von Ingeborg Flagge, S. 173–188 (Fotobeiträge von Wilfried Täubner)
  • Charles Compère, Nachruf auf den 53-jährigen Wilfried Täubner, der am 1. April 1994 aus dem Leben trat, in: Bulletin – Deutsche Fotografische Akademie, 11/1995, S. 51.
  • Wilfried Täubner: Aus dem Notizbuch – Letzte Arbeiten, in: Bulletin – Deutsche Fotografische Akademie, 12/1996, S. 24–25.
  • Cao Kai: Chonggou shijue kongjian de „mofang“ – Guanyu Wei’erfuleide Taobona de shixiang yishu shiyan (Rekonstruktion des visuellen Raumes durch den „Zauberwürfel“ – Über die experimentelle Kunstfotografie von Wilfried Täubner), in: Shijie Meishu (World Art), 3/1999, S. 26–27.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolf Strache, Otto Steinert (Hrsg.): Das deutsche Lichtbild. Jahresschau 1974.
  • Wilfried Täubner: Planungsgruppe Stieldorf. Bauten und Projekte, Köln 1978
  • Wilfried Täubner: Fotografische Bilder mit dem Kubus, Ausst.-Kat. Städt. Galerie Villa Zanders, Bergisch Gladbach 1981
  • Kartei der Kreishandwerkerschaft Köln, Recherche vom 13.–14. Juni 1983
  • DGPh Intern 18.1994.2
  • Zeitgenössische Fotografie aus der Gernsheim-Sammlung (Contemporary photography from the Gernsheim Collection), hrsg. von Manfred Boetzkes, Römer-Museum, Hildesheim, S. 94–95 (Kubus 172, 1979 u. Kubus 724, 1985)
  • Chongxian de mofang – Wei'erfuleide Taobona (Die Entmumifizierung des Zauberwürfels – Wilfried Täubner), hrsg. von Jinying Dangdai Yishu Kongjian (Nanjing Golden Eagle Contemporary Art Center, GART), Nanjing (VR China), Juni 2015

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prof. Dr. Rolf Sachsse, HBK Saar

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Claasen (1889–1987): Kölner Fotograf, der die Zerstörungen Kölns im Zweiten Weltkrieg fotografisch dokumentiert hat.
  2. Barbara Klemm (geb. 1939) Bildjounalistin, die für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) arbeitete und vom Bundespräsidenten a. D. Christian Wulff mit dem Orden Pour Le Mérite ausgezeichnet worden ist.
  3. Bundestag erwarb Fotoarbeit von Wilfried Täubner, in: Kunst Köln 4/87, S. 98.
  4. Hans Scheurer: Architektur-Fotografie mit dem Endoskop. Wilfried Täubner fotografiert Architektur-Modelle aus der Fussgängerperspektive, in: Nikon-News, 2/1985, S. 42–45.
  5. Wilfried Täubner: Fotografische Bilder mit dem Kubus, Bergisch Gladbach 1981 (Vorwort).
  6. Ingeborg Flagge: Versuch einer Annäherung, in: Wilfried Täubner, Kürten 1988, S. 1–3 (Vorwort). Prof. Dr. Ingeborg Flagge (geb. 1942) ist eine dt. Architekturkritikerin und -publizistin. Von 1978 bis 1983 war sie die Bundesgeschäftsführerin des BDA, von 2000 bis 2005 Direktorin des Deutschen Architekturmuseums (DAM).
  7. Auf der Urkunde von 1993 steht: „Die Kodak Aktiengesellschaft Stuttgart vergibt aufgrund der Entscheidung der Unabhängigen Fachjury den Kodak-Fotobuchpreis 1993 an Wilfried Täubner, Fotografische Bilder mit dem Kubus, Fotografie und Gestaltung Wilfried Täubner, Text von Klaus Flemming und Friedrich Riehl, Wilfried Täubner Eigenverlag, Kürten 1993, Vertrieb Lindemanns Verlag Stuttgart. Mit diesem Preis wird die beispielhafte fotografische Qualität des ausgezeichneten Werkes gewürdigt. Unterschrieben vom Vorsitzenden des Verbandes der Verlage und Buchhandlungen in Baden-Württemberg e. V. sowie Karl Steinorth, dem Vorsitzenden der Fachjury, Stuttgart, im November 1993.“
  8. Bundestag erwarb Fotoarbeit von Wilfried Täubner, in: Kunst Köln 4/87, S. 98.