Wilhelm von Longchamp

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Wilhelm von Longchamp (franz: Guillaume de Longchamps, eng: William Longchamp; † 31. Januar 1197[1] in Poitiers) war Lordkanzler von England und Bischof von Ely.

Herkunft[Bearbeiten]

Er entstammte einer niederen normannischen Adelsfamilie, die ihre Ursprünge in der Gemeinde Longchamps (Dép: Eure) hatte. Seine Eltern waren der Ritter Hugues de Longchamps und dessen Frau Eva, die vermutlich aus der Lacy-Familie stammte. Einer seiner Brüder war der Ritter Étienne de Longchamps († 1214).

Ausbildung und Aufstieg unter den Plantagenets[Bearbeiten]

Longchamp studierte Rechtswissenschaften, vermutlich an der Universität von Bologna. Um 1185 verfasste er sein Werk Practica Legum et decretorum, eine Abhandlung über die Anwendung des römischen und des kanonischen Rechts im angevinischen Reich. Gegen Ende der Regierungszeit von Heinrich II. diente er als Beamter von Geoffrey, dem Sohn des Königs, der ihn nicht mochte und ihn 'den Sohn von zwei Verrätern' nannte. Daraufhin wechselte Wilhelm zu Geoffreys Bruder Richard), der ihn zum Kanzler von Aquitanien machte. 1189 war Longchamp Richards Gesandter in Paris und verhinderte mit den Versuch von Heinrich II., mit dem französischen König Philipp II. Frieden zu schließen.

Justiciar von England[Bearbeiten]

Als Richard im selben Jahr nach dem Tod seines Vaters König von England wurde, ernannte er Longchamp zum Kanzler des Königreiches und zum Bischof von Ely. Am 31. Dezember 1189 wurde er zum Bischof geweiht und am 6. Januar 1190 inthronisiert. Als kurz vor Richards Aufbruch zum Dritten Kreuzzug der königliche Justiciar William de Mandeville starb, ernannte der König Longchamp zusammen mit Hugh de Puiset, dem Bischof von Durham, zu Mandevilles Nachfolger. Nachdem Richard um Dezember 1189 England verlassen hatte, kam es zwischen Longchamp und Hugh de Puiset zum Streit. Longchamp gelang es, bis April 1190 Hugh komplett aus dem Amt zu verdrängen. Als er durch Richards Vermittlung im Juni 1190 anstelle von Erbischof Balduin von Exeter, der an Richards Kreuzzug teilnahm, von Papst Clemens III. zum päpstlichen Legaten für England ernannt wurde, war er somit weltlicher und geistlicher Regent von England.

Konflikt mit Johann Ohneland und Walter de Coutances[Bearbeiten]

Wie zuvor als Kanzler von Aquitanien war Longchamp ein fähiger Beamter und diente dem König sehr loyal, doch begünstigte er seine Familie, indem sein Bruder Henry Sheriff von Herefordshire und sein anderer Bruder Osbert Sheriff von Yorkshire, dazu später noch Norfolk und Suffolk wurde.[2] Neben diesem Nepotismus umgab er sich mit einem großen, prächtigen Gefolge, dazu soll er der englischen Sprache nicht mächtig gewesen sein und die Engländer und auch die Barone arrogant behandelt haben.[3] Als Ausländer aus der damals bereits als Ausland empfundenen Normandie und wegen seiner Funktion als rücksichtsloser Geldeintreiber für König Richard war Longchamp selbst bei den anderen Bischöfen unbeliebt. Als Richards Bruder Johann Ohneland 1191 entgegen dem Verbot seines Bruders während dessen Abwesenheit nach England kam, nutzte er die Gelegenheit und erklärte sich zum voraussichtlichen Thronfolger seines bislang kinderlos gebliebenen Bruders. Daraufhin belagerte Longchamp Lincoln Castle, dessen Sheriff Gerald Camville Johann unterstützt hatte. Im Juli trafen sich die beiden Kontrahenten zu Verhandlungen in Winchester, doch der drohende Bürgerkrieg konnte erst durch Walter of Coutances, den Erzbischof von Rouen, abgewendet werden, den Richard angesichts der Lage in England von Sizilien aus nach England zurückgeschickt hatte. Longchamps Amt als päpstlicher Legat war mit dem Tod des Papstes erloschen, und angesichts der Feindseligkeit der Barone und Bischöfe fügte sich Longchamp zunächst der Autorität von Coutances.

Vertreibung aus England[Bearbeiten]

Als Gefolgsleute von Longchamp im September 1191 in Dover den Halbbruder Richards und Johanns, Geoffrey, der inzwischen Erzbischof von York geworden war, verhafteten, weil er ebenfalls entgegen Richards Verbot nach England gereist war, zog Johann mit seinen Anhängern gegen Longchamp, der in Windsor Castle weilte. Longchamp flüchtete in den Tower of London, worauf es in London zu einem allgemeinen Aufstand gegen Longchamp kam. Daraufhin berief Coutances für Oktober 1191 eine Ratsversammlung der Barone und Bischöfe ein, auf der Longchamp seines Amtes als Justiciar enthoben wurde. Nachdem nun Coutances verkündete, dass der König ihn ermächtigt hatte, im Falle der Absetzung von Longchamp neuer Justiciar zu werden, musste Longchamp am 29. Oktober England verlassen. Von Flandern ging er zunächst nach Paris, um von dort in die Normandie zurückzukehren. Coutances als Erzbischof von Rouen ließ daraufhin verkünden, dass Longchamp exkommuniziert sei. Longchamp wandte sich nun im November 1191 an den neuen Papst Coelestin III., der im Dezember Longchamp als seinen Legaten für England bestätigte. Longchamp wandte sich in einem Brief an Bischof Hugo von Lincoln, in dem er seine Wiederanerkennung als Legat und die Exkommunikation seiner Gegner forderte, was jedoch von Coutances und den Bischöfen ignoriert wurde.[4] Longchamp blieb zwar nominell Bischof von Ely, doch das Bistum wurde als vakant betrachtet, so dass die Einkünfte des Bistums an die Krone flossen. Im März 1192 landete er in Dover, wo ihm seine Schwester als Gattin des Kastellans von Dover Castle Zuflucht gewährte. Er verlangte ein faires Gericht über seine Absetzung als Justiciar, doch Johann brachte eine Ratsversammlung zustande, auf der seine Ansprüche abgewiesen wurden und er am 3. April England wieder verlassen musste.[5]

Diplomat im Dienst von Richard Löwenherz[Bearbeiten]

Als Richard Löwenherz auf der Rückreise vom Kreuzzug im Dezember 1192 in Deutschland in Gefangenschaft geriet, unterstützte ihn Longchamp bei den Verhandlungen zu seiner Freilassung. Im April 1193 überbrachte er den ersten Brief des Königs nach dessen Gefangennahme nach England. Nachdem ihn die Mönche von Bury St Edmunds zunächst abgewiesen hatten, überbrachte er die Botschaft in St Albans an Richards Mutter Eleonore und verließ England sofort wieder. Er kehrte zu Richard zurück, der ihn zusammen mit William Bruyere zu Philipp II. von Frankreich schickte, um einen Frieden mit ihm auszuhandeln. In Frankreich erfuhren sie vom geplanten Verrat Johanns an seinen Bruder Richard, der sich mit Philipp II. verbünden wollte. Sie berichteten Richard vom Verrat seines Bruders und versuchten zu vermitteln, doch Johann schloss sich dennoch dem französischen König an.[6]

Nach Richards Freilassung im Februar 1194 diente Longchamp ihn in der Normandie, jedoch nicht mehr in England. Ende 1196 sandte er ihn nach Rom, um mit dem Papst über Aufhebung des Interdikts zu verhandeln, das Walter de Coutances über die Normandie verhängt hatte, nachdem Richard für den Bau von Château Gaillard Grundbesitz der Kirche beschlagnahmt hatte. Auf dem Weg nach Rom erkrankte Longchamp in Poitiers und starb.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Powicke & Fryde: Handbook of British Chronology. Second Edition, London, 1961, S. 223
  2. Wilfred L. Warren: King John. University of California Press, Berkeley, 1978. ISBN 0-520-03610-7, S. 41
  3. John T. Appleby: Johann "Ohneland". König von England. Riederer, Stuttgart 1965, S. 47
  4. John T. Appleby: Johann "Ohneland". König von England. Riederer, Stuttgart 1965, S. 57
  5. Wilfred L. Warren: King John. University of California Press, Berkeley, 1978. ISBN 0-520-03610-7, S. 43
  6. John T. Appleby: Johann "Ohneland". König von England. Riederer, Stuttgart 1965, S. 65
  7. John T. Appleby: Johann "Ohneland". König von England. Riederer, Stuttgart 1965, S. 72

Literatur[Bearbeiten]

  • David Balfour: Origins of the Longchamp Family, In: Medieval Prosopography 18 (1997)


Vorgänger Amt Nachfolger
Geoffrey Ridel Bischof von Ely
1189–1197
Eustace
Geoffrey von York Lordkanzler von England
1189–1197
Eustace