Wilken F. Dincklage

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Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles[1]
Tarzan ist wieder da (als Willem)
  DE 5 28.02.1977 (18 Wo.)
Wat? (als Willem)
  DE 19 18.04.1983 (8 Wo.)

Wilken Fritz Dincklage, auch Willem Dincklage, (* 21. August 1942 in Hamburg, geboren Müller; † 18. Oktober 1994 ebenda) war ein deutscher Musiker, Radiomoderator, Musikproduzent, Schauspieler und Unternehmer. Bekannt war er unter dem Künstlernamen Willem oder auch Der dicke Willem.

Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen zweiten Vornamen Fritz[2] verkürzte er im Schriftverkehr auf F., so war er ab 1967 in Hamburg als Wilken F. Müller, Kaufmann, im Telefonbuch eingetragen.[3]

Für seine erste Single 1973 Grüß mir den Herbert, Hein und Jan und mach kein’ Scheiß mit Fred (...ach Erika) nannte er sich Willem.[4] Als Moderator wurde er anfangs mit seinem bürgerlichen Namen Wilken F. Dincklage vorgestellt,[4] später hieß er auch im Radio nur Willem.

Ab 1973 führte er den Nachnamen Dincklage, den Mädchennamen seiner Mutter, da der Name Müller ein häufiger ist.[5]

Als Texter, Komponist und Produzent verwendete er verschiedene Pseudonyme. So nannte er sich auf den ersten Alben der Rentnerband gemeinsam mit Ewald Lütge als Produzent Lob & Hudel[4] (von Lobhudelei). Dabei ist Lob das Pseudonym von Ewald Lütge und Lex Hudel sein eigenes Pseudonym.[6]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dincklage war gelernter Teekoster.[7] Später arbeitete der Kaufmann u. a. in Hamburg als Ostblock-Experte eines Industriekonzerns.[4]

Er war mit Elke Dincklage verheiratet.[5] Von seinem Kollegen Hans Herbert Böhrs wurde er als „Machertyp“ beschrieben.[7] Dincklage konnte sich in acht Sprachen fließend unterhalten.[7]

Am 18. Oktober 1994 starb Wilken F. Dincklage im Alter von 52 Jahren an einer Lungenembolie.[5] Nach Angaben von Hans Herbert Böhrs wog er am Schluss über 5 Zentner.[7]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut eigenen Angaben war seine Oma eine Opernsängerin.[4]

Als 15-Jähriger kaufte sich Dincklage ein Banjo[4] und spielte bis Anfang der 1960er abends in einigen Jazzclubs in Hamburg.[4] Dann spielte er Gitarre, welche er nach eigenen Angaben auf dem Rücken spielen konnte.[4]

Als Amateurmusiker spielte er Swing bei den Bismarcks und den Underbergs.[4]

1972 mietete er zusammen mit Conny Plank in Hamburg-Winterhude eine alte Villa[5] und gründete mit ihm dort die Aamok-Musikproduktionsgesellschaft[8] (HRB 14619)[9] und den Kraut Musikverlag (HRB 16216)[10].[5] Aamok stellte zwischen 1972 bis 1974 verschiedene Promotion-Platten, teilweise in Zusammenarbeit mit Intercord, her.[11] 1973 wurde die experimentelle Single Deutsches Weihnachts-Potpourri / Silence in the Night bei Linda veröffentlicht.[12]

Die Villa wurde zu einer Künstler-WG, der Villa Kunterbunt. Er war der Hauptmieter und lebte dort unter anderem mit den damals unbekannten Künstlern Otto Waalkes, Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen zusammen.[13]

1973 erschien seine erste Single Grüß mir den Herbert, Hein und Jan und mach kein’ Scheiß mit Fred (...ach Erika) bei Intercord.[14]

Weiter produzierte er die Old Merrytale Jazzband.[4] Außerdem verhalfen Plank und Dincklage dem Bassisten Peter Trunk zu einem Album.[4]

Er gründete mit mehreren Musikern aus der Hamburger Szene die Rentnerband. Bei den ersten beiden Alben 1974 und 1975 war als Produzent Lob & Hudel angegeben. Auch waren Lob und Hudel als Autor an mehreren Stücken beteiligt.

1975 erschien sein erstes Solo-Album Schwer in Form bei WEA.[4]

Im Jahr 1977 verließ Dincklage schließlich die Rentnerband, um als Solokünstler Willem weiter zu arbeiten.

Seine größten kommerziellen Erfolge erzielte er vor allem mit Coverversionen, wobei er die jeweilige Originalversion verulkte; beispielsweise enthält Tarzan ist wieder da ein Zitat aus Disco Duck von Rick Dees.[15][16][17] Im Frühjahr 1977 konnte Tarzan ist wieder da Platz fünf der deutschen Singlehitparade erreichen. Im Jahr 1983 gelang ihm eine weitere Chartplatzierung auf Platz 19 mit Wat?, einer deutschen Fassung von Captain Sensibles Wot, mit dem er es zudem in die ZDF-Hitparade schaffte.[18] Darauf parodierte er den Film E.T. – Der Außerirdische. Für die am 4. Januar 1985[19] in der ARD ausgestrahlten Fernsehsendung Hallo Elvis nahm Willem 1984 für das gleichnamige Album[20] den Song Bist Du einsam heut Nacht, eine Coverversion von Are You Lonesome Tonight?, im Duett mit Helga Feddersen auf. Sein letzter kommerzieller Hit war im Jahr 1986 eine Coverversion von Geil, deren Original von Bruce & Bongo gesungen wurde.

1994 wurde das 20-jährige Jubiläum der Rentnerband geplant.[7]

Radio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Jugendfunk des Norddeutschen Rundfunks war er 1972 bekannt.[5] Dort wurden 1972 Beiträge von ihm vorproduziert.[5]

Frank Rainer Huck vom Saarländischen Rundfunk wurde auf ihn aufmerksam und am 27. April 1972 wurde ein Porträt von Neu! als Dincklages erster Beitrag für Pop Corner auf Studiowelle Saar gesendet.[5] Anschließend war er regelmäßiger freier Autor für den Saarländischen Rundfunk, wo er vor allem Musik aus Hamburg vorstellte.[5] Am 29. Juni 1972 gab es zum Beispiel einen Beitrag von Willem über die LP Lindenberg von Udo Lindenberg.[5][21]

Außerdem war er freier Mitarbeiter bei Radio Bremen und Südfunk Stuttgart.[4]

Ab dem 1. Oktober 1973 war er ständiger Moderator des neuen Jugendmagazins Drugstore 1421.[5] Nun pendelte er fast jede Woche zwischen Saarbrücken und Hamburg.[5]

Ab April 1976 moderierte er zusätzlich die Sendungen Pop non Stopp (Donnerstag) und die Hitparade Europa-Elf (Freitag).[5]

1977 bewarb er sich beim Saarländischen Rundfunk für den Posten des Intendanten.[5]

Ende 1978 beendete Willem seine Tätigkeit beim Saarländischen Rundfunk.[5]

Dincklage war bei der Gründung der NDR 1 Welle Nord 1981 dabei.[22]

Später war er auf NDR2 zu hören.

Regelmäßige Sendungen waren von ihm beispielsweise

  • Die Norddeutschen Top Fofftein (plattdeutsch für Die Norddeutschen Top 15), NDR1 Welle Nord, vormittags am Samstag, Januar 1981[22] bis September 1985[23]
  • In der Reihe Pop nach Acht: Die Norddeutschen Top Fofftein – Die Single- und LP-Klopfer der Woche, NDR2, abends am Donnerstag[24]
  • In der Reihe Espresso: Willem's Spielshow, NDR2, nachmittags am Freitag[24]
  • Hits mit Willem, NDR2, nachmittags am Sonntag[25]

Nach der Wende brachte Dincklage seine Medienerfahrung zum Deutschlandsender in Ostberlin.[7]

1991 bewarb sich Dincklage mit seiner Firma Nord Report, der Hamburger Medienakademie e.V. sowie Stadtteilkulturgruppen um die freigewordene Hörfunkfrequenz 97,1 von Radio Korah.[26]

Bei Antenne MV, dem ersten Privatsender Mecklenburg-Vorpommerns, moderierte er ab 1993 die Sendung Willem – Bei Antenne MV ist der Bär los – Norddeutsche Top Twinnich[27][28] (plattdeutsch für Norddeutsche Top 20).

„Willem hatte zu jener Zeit bereits Visionen zum Laufen gebracht, deren Wert und Bandbreite man in der damaligen Radiowelt erst nach und nach erkennen konnte, die ihn aber unheimlich erfolgreich machten.“

Diego Ludwig[29]

Schauspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilken F. Dincklage war auch als Schauspieler tätig und spielte kleinere Nebenrollen in den Filmen:

Abgesehen von seiner schauspielerischen Tätigkeit war er Sprecher in einigen Hörspielen; beispielsweise lieh Dincklage seine Stimme der fiktiven Figur Der Schrat aus den Mecki-Hörspielen. Er sprach auch die Rolle des Erzählers in der deutschen Fassung der Rock-Version von Sergei Prokofjews musikalischem Märchen Peter und der Wolf.[31][32]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dincklage besaß zusammen mit anderen Eigentümern (u. a. Hans-Otto Mertens, dem Manager von Otto Waalkes) ab 1983 die 1929 gebaute Barkasse Hafendockter.[33]
  • Dincklage war Inhaber und Chef der Firma Nord Report (NORD-REPORT Funk- und Fernsehproduktion GmbH) in Hamburg.[29] (wie Aamok: HRB 14619)[34]
  • 1993 zog eine seiner Firmen (HRB 38731) von Hamburg nach Wismar und nannte sich dann CSF Creative Funk Studios GmbH.[2]
  • Dincklage war Initiator des seit 1994 in Schwerin durchgeführten Werner-Crosslauf (Namensgeber: Rötger Feldmann).[35]
  • Dincklage war 1994 der Mitinitiator des Werner-Club „Elde-Jugend“ in Grabow.[36]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1975: Schwer in Form[4]
  • 1979: ...der mit dem Hut
  • 1980: Klau mich! (Wirst schon seh’n, was Du davon hast) – Willem III[6]

Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1978: Das Beste von der Rentnerband & Willem
  • 1983: Wat? Willem – Seine stärksten Songs

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1973: Grüß mir den Herbert, Hein und Jan und mach kein’ Scheiß mit Fred (...ach Erika) / Batterflei (Originalversion: Butterfly von Danyel Gérard)
  • 1974: Ach du Schreck, der Kohoutek / Mas Palomas, ach nee
  • 1975: Wir woll’n es schön ham / Schwer in Form
  • 1975: Lass’ die Morgensonne (endlich untergeh’n) / Balkan Lied (Cottonfields) (Interpret: Daddy's Group)[37]
  • 1977: Tarzan ist wieder da / Nächste Woche habe ich Geburtstag
  • 1977: Laß die Morgensonne / Dort bin ich zu Haus
  • 1977: Du, Du, Du (She’s a Good Woman) (Interpret: Rentnerband & Willem) / Tanzband auf der Titanic
  • 1977: Fröhliche Weihnachten / Gut’ Nacht, Kinder
  • 1978: Onkel Fuzzy (Interpret: Rentnerband & Willem) / Gestatten, Schmidt
  • 1978: Die Polizei / Trimm Dich fix
  • 1978: Sie (ist, wie Mädchen wohl sind) / Willems Bio
  • 1979: Herein in den Beknacktenclub (Interpret: Willem, Günter und all’ die Anderen) / Mit Zampel un Kaffetäng
  • 1979: Nie wieder Alkohol / Nur vom Allerfeinsten
  • 1980: Oma’s Märchenstunde / Kurti’s Delight
  • 1980: Der Eiertoller der Rock’n Roller / Freitag Nachmittag im Urwald (Umbaumbarassa)
  • 1983: Armer Bär / Armer Bär (Instrumental)
  • 1983: Wat? / Mein Aufbaupräparat
  • 1985: Kasse machen (Originalversion: Doin’ the Ali Shuffle von Alvin Cash) / Latte Si
  • 1986: Geil / Willems B-B-Boogie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Charts DE
  2. a b Handelsregisterbekanntmachung von 15.12.1993 für CSF Creative Funk Studios GmbH (HRB 38 731) bei companyhouse.de
  3. Amtliches Fernsprechbuch 2 für die Bereiche Hamburg, Nordniedersachsen, Elmshorn, Kaltenkirchen und Schwarzenbek 1967/68 – Personen- und Firmenverzeichnis: Hamburg – Alphabetteil, Seite 995 bei der SUB Hamburg
  4. a b c d e f g h i j k l m n Schwer in Form bei Discogs, siehe Cover-Rückseite
  5. a b c d e f g h i j k l m n o Frank Rainer Huck: „Willem“: Der große Schwarze mit dem kleinen roten Mofa beim Saarländischem Rundfunk
  6. a b Klau mich! bei Discogs
  7. a b c d e f Willem ist tot im Hamburger Abendblatt Nr. 245, Seite 13 vom 20. Oktober 1994
  8. Aamok Sampler bei Discogs
  9. Hamburger Adressbuch. Wirtschafts- u. Firmenhandbuch. Hamburg und Schleswig-Holstein, Ausgabe Grossraum Hamburg. 1974/1975 – Personen- und Firmenverzeichnis: Hamburg – Alphabetteil, Seite 33 bei der SUB Hamburg
  10. Hamburger Adressbuch. Wirtschafts- u. Firmenhandbuch. Hamburg und Schleswig-Holstein, Ausgabe Grossraum Hamburg. 1974/1975 – Personen- und Firmenverzeichnis: Hamburg – Alphabetteil, Seite 245 bei der SUB Hamburg
  11. Aamok bei Discogs
  12. AAMOK, Deutsches Weihnachts-Potpourri, 1973 bei Andreas Michalke
  13. Günther Fink: Otto – der wandelnde Ostfriesenwitz wird Sechzig. In: Welt online, 12. Juli 2008
  14. Grüß Mir Den Herbert, Hein Und Jan Und Mach Kein' Scheiß Mit Fred (... Ach Erika) bei Discogs
  15. Tarzan ist wieder da bei cover.info
  16. Tarzan ist wieder da bei Discogs
  17. Tarzan ist wieder da bei offiziellecharts.de
  18. Willem - Wat? (ZDF Hitparade 30.05.1983) bei YouTube
  19. Elvis 50 – „Hallo Elvis“ Show von Helmut Radermacher bei elvis.de
  20. Hallo Elvis – Die deutschen Popstars feiern eine Legende bei Discogs
  21. Interview mit Udo Lindenberg beim Saarländischen Rundfunk
  22. a b Ernst Christ, NDR 1 Welle Nord: Von Willem bis Jan Bastick beim Norddeutschen Rundfunk
  23. Gottlieb Wendehals übernimmt „Top Fofftein“ im Hamburger Abendblatt Nr. 75 vom 1. April 1986, Seite 8
  24. a b Jörg Lotze: Erinnerungen – In memoriam: WILLEM (Wilken F. Dincklage) auf joerg-lotze.de
  25. Hörfunk – Sonntag im Hamburger Abendblatt Nr. 130 vom 7. Juni 1986, Seite 16
  26. Seite 12 des Hamburger Abendblatt Nr. 111 vom 15. Mai 1991
  27. Die Antenne verlässt das Dorf von Horst Müller bei ingeseibel.de
  28. Antenne MV – Unsere Zeitung, Ausgabe Nr. 1/1993, Seiten 3 und 4 bei ingeseibel.de
  29. a b Auf einen Kaffee mit: Diego Ludwig in Der Weekender, Ausgabe 29 vom 27. Oktober 2018 bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestmecklenburg mbH
  30. Helga und die Nordlichter bei IMDb
  31. Peter and the wolf : deutsch gesprochene Version = Peter und der Wolf bei der Deutsche Nationalbibliothek
  32. Peter And The Wolf (Peter Und Der Wolf) bei Discogs
  33. Hamburger Abendblatt Nr. 276, Seite 11 vom 25. November 2000
  34. NORD-REPORT Funk- und Fernsehproduktion GmbH bei companyhouse.de
  35. Kalender 2014/2015 zum Schweriner Fünf-Seen-Lauf, Seite 14
  36. Dénise Schulze: Die Werners auf der Elde auf svz.de
  37. Daddy's Group – Lass' Die Morgensonne (Endlich Untergeh'n) bei Discogs