Wirtschaft Guineas

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Die Wirtschaft Guineas ist noch heute durch die Misswirtschaft von Sékou Touré geschädigt, die bis in die 1980er Jahre andauerte. Sie führte zum völligen Erliegen der Infrastruktur, außerdem waren die meisten Betriebe in Staatsbesitz. 1984 wurde damit begonnen ein marktorientiertes Wechselkurssystem zu errichten und sämtliche Staatsbetriebe entweder zu privatisieren oder aufzulösen. Folge war ein starkes Wachstum im Bauwesen und eine zunehmende Aktivität von Kleingewerbetreibenden. Ab 2000 jedoch begann die Regierung weitere Reformen zu unterbinden, was vor allem einen Anstieg der Korruption zur Folge hatte (Transparency International 2010: Rang 164 von 178). Entsprechend schlecht ist das Investitionsklima (Nummer 179 von 183 Ländern nach einer Weltbank-Studie). Das Wirtschaftswachstum lag 2005 bei 3,3 % und sank auf 1,5 % im Jahr 2007, stieg jedoch bis 2011 wieder an. Im gleichen Zeitraum konnte die Inflation von über 30 (2006) auf ca. 16 % (2011) gesenkt werden. Das Bruttoinlandsprodukt belief sich im Jahr 2007 auf 4,564 Milliarden USD. Die Angaben darüber schwanken jedoch sehr stark, je nachdem ob es nach realer Kaufkraft oder offiziellem Wechselkurs berechnet wird.

Basisdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Kennziffern der Wirtschaft Guineas:

  • Anteil der Wirtschaftssektoren an der Gesamtwirtschaft (2011):
    • Landwirtschaft: 17 %, obwohl dort 76 % der aktiven Bevölkerung beschäftigt waren
    • Industrie einschließlich Bergbau: 53 %
    • Dienstleistungen: 30 %
  • Bruttosozialprodukt pro Kopf: 1.100 US-Dollar (2011)
  • Durchschnittl. Jahreseinkommen je Einwohner: 190 Euro pro Jahr
  • Inflation: 34,7 % im Jahr 2006 (IWF), 16 % 2011
  • Exporte: 1,78 Mrd. US-Dollar (2007)
  • Importe: 1,77 Mrd. US-Dollar (2007)
  • Auslandsverschuldung: 3,3 Mrd. US-Dollar (2007)
  • Das Wachstum der Wirtschaft lag 2006 bei 2,2 % (IWF), 2011 bei 4 %. In den Jahren 1992–2002 waren es durchschnittlich 4,3 % pro Jahr.[1][2]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bananen aus Guinea.

Trotz guter natürlicher Bedingungen ist die Landwirtschaft wenig produktiv: Meist kleinbäuerliche Familienbetriebe arbeiten mit traditionellen Bewirtschaftungsmethoden. Auch die Brandrodung ist noch weit verbreitet. Weniger als 5 % des Bodens werden bebaut. Die Nahrungsmittelerzeugung reicht nicht einmal für den Eigenbedarf aus.

Hauptnahrungsmittel ist Reis. Obwohl innerhalb von zehn Jahren bis 2004 die Reisproduktion verdoppelt werden konnte, müssen große Mengen von Reis importiert werden. Weitere wichtige Grundnahrungsmittel sind Maniok, Foniohirse, Süßkartoffel, Erdnüsse und Mais.

Wichtige landwirtschaftliche Erzeugnisse, die in den Export gehen, sind Kaffee, Palmöl, Bananen, Ananas, Kakao und Baumwolle. Der Export von Nahrungsmitteln macht nur etwa 2 % der Exporte Guineas aus.

Auch die Fleischproduktion reicht für den Eigenbedarf nicht aus. Der Fischfang hingegen gewinnt immer größere Bedeutung und erreicht inzwischen Mengen bis zu 100.000 Tonnen pro Jahr.

Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur wenige afrikanische Länder haben so viele Bodenschätze wie Guinea. Sie erbringen etwa 85 % (2004) der Exporterlöse des Landes.

  • Bauxit: Die Bauxitvorräte Guineas werden auf etwa 10 Milliarden Tonnen geschätzt. Das ist fast die Hälfte der Weltvorräte. Auch der größte Bauxittagebau der Welt befindet sich in Boké. Das Bauxit wird zum größten Teil exportiert.
  • Diamanten: Die Diamantvorkommen werden auf 25 Millionen Karat geschätzt, sie liegen vor allem in Waldguinea und werden sowohl von kleinen Unternehmen als auch von großen Industrieunternehmen wie De Beers abgebaut.
  • Eisenerz: Guinea verfügt über große Eisenerzvorkommen. In den Simandoubergen im Westen des Landes befindet sich die größte Eisenerzlagerstätte der Welt. Die guineische Regierung verkaufte die Abbaurechte nacheinander an verschiedene ausländische Investoren, unter der Bedingung, dass diese eine 650 km langen Eisenbahnstrecke zur Erschließung und einen Tiefwasserhafen zur Verladung des Eisenerzes bauen. Aufgrund von Korruption und Misswirtschaft kam es bisher nicht zur Verwirklichung des Projektes. Mit Stand 2018 werden die Abbaurechte von einer chinesischen Firma gehalten.[3][4][5][6]
  • Gold: Gold aus Guinea wurde bereits im 17. Jahrhundert in London geschätzt und Münzen daraus geprägt. Diese wurden als „Guineas“ bezeichnet. Zwischen 1929 und 1958 bezog die Kolonialmacht Frankreich aus Guinea offiziell 1 Million Unzen Gold.
  • Uran: Im August 2008 gab die Regierung bedeutende Uranvorkommen in der Nähe von Firawa im Süden des Landes bekannt.[7]

Industrie und Energiewirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die industrielle Produktion wächst jährlich um 7-8 %. Die Elektrizitätsproduktion deckt mit ca. 840 Mio. kWh etwa den Eigenbedarf.

Außenhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtigste Export-Partner waren 2011: Chile 24,6 %, Spanien 9,2 %, Russland 7,5 %, Indien 5,2 %, Deutschland 5,2 %, Irland 5,1 %, USA 5,0 % sowie die Ukraine mit 4,4 %. Wichtigste Exportprodukte sind Bauxit, Aluminium, Gold, Diamanten, Kaffee, Fisch und landwirtschaftliche Produkte. 2011 wurden Waren im Wert von 1,433 Milliarden US-Dollar exportiert.

Wichtigste Import-Partner waren 2011: China 13,2 %, Niederlande 8,1 % und die USA mit 5,4 %. Wichtigste Importwaren sind Erdölprodukte, Metalle, Maschinen, Transportmittel, Textilien, Getreide und anderen Lebensmitteln. 2011 wurden Waren im Wert von 2,106 Milliarden US-Dollar importiert.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archivlink (Memento des Originals vom 7. November 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.guinee.gov.gn
  2. http://www.ipicture.de/daten/wirtschaft_guinea.html Zugriff 22. Oktober 2012
  3. Christoph Jehle: Simandou - ein Musterbeispiel für Misswirtschaft in Afrika. www.heise.de, 22. April 2018, abgerufen am 22. April 2018.
  4. Bate Felix: Rio says reaches accord with Guinea over Simandou. www.reuters.com, 22. April 2011, abgerufen am 22. April 2018 (englisch).
  5. Simandou Iron Ore Project - Mining Technology. www.mining-technology.com, abgerufen am 22. April 2018 (englisch).
  6. Jon Yeomans: Inside Simandou: The mining project that has cursed all who come near it. www.telegraph.co.uk, 5. Juni 2017, abgerufen am 22. April 2018 (englisch).
  7. BBC NEWS. news.bbc.co.uk, 10. August 2008, abgerufen am 22. April 2018 (englisch).
  8. CIA World Factbook: Guinea