Wschowa

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Wschowa
Wappen von Wschowa
Wschowa (Polen)
Wschowa
Wschowa
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Wschowa
Fläche: 8,38 km²
Geographische Lage: 51° 48′ N, 16° 18′ OKoordinaten: 51° 48′ 0″ N, 16° 18′ 0″ O
Höhe: 93 m n.p.m.
Einwohner: 14.123
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 67-400
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: FWS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: GłogówLeszno
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 23 Ortschaften
Fläche: 198,30 km²
Einwohner: 21.496
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 108 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0812033
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Danuta Patalas
Adresse: Rynek 1
67-400 Wschowa
Webpräsenz: www.wschowa.pl



Wschowa (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i deutsch Fraustadt) ist die Kreisstadt des Powiat Wschowski in der polnischen Woiwodschaft Lebus.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wschowa liegt im Südosten der Woiwodschaft Lebus entlang der Landesstraße Droga krajowa 12. Die Woiwodschaftshauptstadt Zielona Góra liegt ca. 80 Kilometer westlich. Weitere größere Ortschaften sind im Osten Leszno und im Südwesten Głogów.

Wschowa liegt an der Bahnstrecke Łódź–Forst (Lausitz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalterliche Stadtbefestigung mit der St. Stanislaus Kirche
Barocke Bürgerhäuser am Schlossplatz

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt wurde um 1250 nach Magdeburger Recht in einem zwischen Schlesien und Großpolen (Wielkopolska) umstrittenen Gebiet von deutschen Kolonisten gegründet. Ursprung war vermutlich eine Grenzburg, aus der eine Siedlung entstand.

Die erste nachweisliche Nennung der Stadt als „Veschow“ datiert auf das Jahr 1248. Die erste Nennung als „Frowenstat Civitas“ stammt aus dem Jahre 1290.

Bis 1343 wechselte der Besitz häufig, dann wurde das Fraustädter Land von König Kasimir dem Großen (Kazimierz III. Wielki) endgültig für Polen erobert und Fraustadt als unmittelbar dem König unterstellte Immediatstadt privilegiert. Das Fraustädter Land wurde ein eigenständiges Verwaltungsgebiet (Ziemia). Dennoch kam es zu wiederholten Versuchen der von Deutschen bewohnten Stadt, wieder mit dem benachbarten schlesischen Herzogtum Glogau vereint zu werden.[2] König Władysław II. Jagiełło gewährte 1426, dass gegen Fraustadt "kein polnisches Recht gelten" sollte.[2]

Frühe Neuzeit und Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert gehörte Fraustadt durch seine weitgehend deutsche Bürgerschaft zu den Hochburgen des Protestantismus in Polen. 1555 war nach der Erklärung des Kaisers Ferdinand I. die erste deutsche Messe gefeiert worden. Seit 1552 war die Stelle des deutschen Predigers einem Protestanten übertragen worden.[3] Die wichtigsten Vertreter des Protestantismus in Fraustadt waren die Pastoren Valerius Herberger (1562–1627) und Samuel Friedrich Lauterbach (1662–1728) und der Schriftsteller und Schulleiter Christian Gryphius (1649–1706). Als königliche Stadt unterstand sie einem königlich polnischen Starosten. Nach der lutherischen Familie von Gorka wurden nur noch Katholiken Starosten, die Stadtpfarrkirche musste auf königlichen Befehl 1604 wieder an die katholische Kirche zurückgegeben werden, mit der Erlaubnis für die Lutheraner eine eigene Kirche zu erbauen. Davon machte Pastor Valerius Herberger Gebrauch und ließ als neue Kirche das „Kripplein Christi“ errichten.[4]

Trotz der Gegenreformation blieb Polen tolerant und nahm protestantische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien auf. Der Starost Hieronimus Radomicki stiftete 1633 wegen des großen Andrangs die Neustadt nach Magdeburger Recht. Damit bestand Fraustadt aus der Altstadt mit zwei Vorstädten (Glogauer und Polnische), der Neustadt und zwei Kämmereidörfern, Nieder- und Oberpritschen. Im Großen Nordischen Krieg trafen in der Schlacht bei Fraustadt am 2. Februarjul./ 13. Februar 1706greg. die schwedische und die sächsisch-russische Armee aufeinander. Die Schlacht endete mit einem Sieg der Schweden. Während der Herrschaft des sächsischen Hauses Wettin in Polen fanden in Fraustadt Sitzungen des Senates der Republik statt (die erste 1699), zweimal (1755, 1773) wurde hier eine türkische Gesandtschaft empfangen.

Mehrmals wurde Fraustadt Opfer Schauplatz der Pest: 1568 fielen ihr 1.100 Menschen zum Opfer, 1613 sogar 2.125 Menschen.[5]

Preußische Herrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frauenstädter Rathaus

Mit der Zweiten Teilung Polens von 1795 kam Fraustadt an Preußen und wurde 1816 Kreisstadt für den Landkreis Fraustadt an der südwestlichen Grenze der Provinz Posen. Ab 1826 gab es eine lutherische, eine katholische und eine israelitische Elementarschule, um allen Bedürfnissen zu entsprechen. Unterrichtssprache war in allen drei Deutsch.[6] Eine polnische Schule gab es mangels polnischer Bevölkerung nicht. 1840 zählte die Stadt 5.303 Einwohner, von denen 568 Juden waren. Obwohl es für sie ein Niederlassungsverbot gab, das zuletzt 1768 von König Stanislaus II. August bekräftigt wurde, konnten sich einige Familien im Ort festsetzen. Mit der Angliederung an Preußen fielen alle Niederlassungsbeschränkungen für Juden, was zu einem raschen Zuzug führte. Die Zahl fluktuierte jedoch stark.[7]

Während der polnischen Erhebung in anderen Teilen der preußischen Provinz Posen im Frühjahr 1848 verlangte die Stadt, für den Fall einer Abtrennung der von Polen bewohnten Teile der Provinz, ihre weitere Zugehörigkeit zum Deutschen Bund eventuell durch Beiordnung zur angrenzenden Provinz Schlesien sicherzustellen.[8] Fraustadt wurde auch preußischer Garnisonsstandort. Sein berühmtester hier stationierter Soldat war Paul von Hindenburg, der hier von 1884 bis 1885 als Kompaniechef diente.

Nach 1820 brach der Tuchhandel durch die russische Zollpolitik zusammen, und die Stadt musste sich andere Betätigungsfelder suchen. So erhielt Fraustadt 1881 eine Zuckerfabrik, die bis 2003 als deutsch-polnisches Franchiseunternehmen in Betrieb war. 1857 erhielt die Stadt Eisenbahnanschluss (Strecke Glogau–Lissa).

Unter Preußen setzte im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung auch ein Zuzug von Polen ein: 1871 zählte Fraustadt 6.515 Einwohner (4.100 Evangelische, 2.050 Katholische, 350 Juden). 410 (oder 6,3 %) waren Polen.[9] Bis 1901 war der deutsche Bevölkerungsanteil auf 72,2 Prozent zurückgegangen, währen der polnische Anteil durch Zuzug und eine höhere Geburtenrate auf 27,8 Prozent angewachsen war.[10]

Mit der Grenzziehung von 1920 verlor Fraustadt sein Hinterland, und ein wirtschaftlicher Niedergang setzte ein. Nach 1938 gehörte die Stadt zur Provinz Niederschlesien. 1939 wurde Fraustadt als einziger Grenzort von polnischer Artillerie beschossen, ohne dass große Schäden angerichtet wurden.

Als Teil Polens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Stadt 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg von den alliierten Siegermächte unter polnische Verwaltung gestellt wurde, erfolgte die Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Die Neubesiedelung der Stadt erfolgte durch Polen von jenseits des Bugs, aus Oberschlesien und anderen Regionen Polens.

Seit 2001 ist sie wieder Kreisstadt in der Woiwodschaft Lebus.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige evangelische Kirche Kripplein Christi
Franziskanerkloster
  • Rathaus aus dem 16. Jahrhundert, 1860 umgebaut
  • Pfarrkirche unter dem Patrozinium des hl. Bischofs und Märtyrers Stanislaus und der Mariä Himmelfahrt, gotisch, aus dem 15. Jahrhundert, nach dem Brand von 1685 zwischen 1720 und 1726 umgebaut
  • Ehemalige evangelische Kirche Kripplein Christi von 1604, nach einem Brand 1647 wieder errichtet
  • Gebäudekomplex des Franziskanerklosters, 1638–1646 erbaut, später mehrfach umgebaut
  • Evangelischer Friedhof von 1609
  • Stadtmauern aus dem 15. und 16. Jahrhundert

Gemeinde (Gmina Wschowa)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde Wschowa gehören folgende Ortschaften (deutsche Namen bis 1945) mit Schulzenamt (sołectwo):

  • Łęgoń (Vorwerk Langenau)
  • Łysiny (Lissen)
  • Nowa Wieś (Neudorf)
  • Olbrachcice (Ulbersdorf)
  • Osowa Sień (Röhrsdorf)
  • Przyczyna Dolna (Nieder Pritschen)
  • Przyczyna Górna (Ober Pritschen)
  • Siedlnica (Zedlitz)
  • Tylewice (Tillendorf)
  • Wygnańczyce (Weigmannsdorf)

Weitere Ortschaften der Gemeinde ohne Schulzenamt sind:

  • Buczyna
  • Czerlejewo
  • Klucz
  • Mały Bór (Klein Heyde, 1938–1945 Klein Heide)
  • Nowe Ogrody (Neugrätz)
  • Pszczółkowo
  • Wincentowo (Wiesenthal)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im heutigen Dienstbahnhof Wschowa zweigte die Bahnstrecke Wschowa–Lipinka Głogowska von der Bahnstrecke Łódź–Forst (Lausitz) ab.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Geburtsjahr geordnet

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Daniel Ferdinand Neigebaur: Urkundliche Nachrichten über die frühere Geschichte von Fraustadt. In: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates. Band 15, Berlin/ Posen/ Bromberg 1834, S. 82–89. (Volltext)
  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 294–310.
  • August Gustav Wilhelm Braune: Geschichte der Stadt Fraustadt. Fraustadt 1889.
  • Martin Sprungala: Kronika Wschowy/ Chronik der Stadt Fraustadt (Wschowa). Towarzystwo Przyjaciół Sławy, Sława 2016, ISBN 978-83-932235-1-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wschowa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. a b Heinrich Wuttke: Codex diplomaticus magni ducatus Posnaniensis. Fries, 1864, S. 296 (google.de [abgerufen am 8. März 2018]).
  3. Verband der Historiker Deutschlands. Sektion für Kirchengeschichte, Gesellschaft für Kirchengeschichte (Hrsg.): Zeitschrift für Kirchengeschichte. Nr. 84-85. W. Kohlhammer, 1973, S. 115 (google.at [abgerufen am 8. März 2018]).
  4. Heinrich Wuttke: Codex diplomaticus magni ducatus Posnaniensis. Fries, 1864, S. 303 (google.de [abgerufen am 8. März 2018]).
  5. Heinrich Wuttke: Codex diplomaticus magni ducatus Posnaniensis. Fries, 1864, S. 302 (google.de [abgerufen am 8. März 2018]).
  6. Heinrich Wuttke: Codex diplomaticus magni ducatus Posnaniensis. Fries, 1864, S. 310 (google.de [abgerufen am 8. März 2018]).
  7. Heinrich Wuttke: Codex diplomaticus magni ducatus Posnaniensis. Fries, 1864, S. 308 ff. (google.de [abgerufen am 8. März 2018]).
  8. L. v. J.: Die polnische Insurrektion in Posen im Frühjahr 1848. Glogau 1849, S. 41.
  9. Gustav Neumann: Das deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. 2. Auflage. Band 2. Müller, Berlin 1874, S. 145 (google.at [abgerufen am 8. März 2018]).
  10. Königliches Preussisches Statistisches Landesamt in Berlin (Hrsg.): Preussische Statistik: (Amtliches Quellenwerk). Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. Decker), Berlin 1905, S. 142 (google.at [abgerufen am 8. März 2018]).