Zduny

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Zduny
Wappen von Zduny
Zduny (Polen)
Zduny
Zduny
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Krotoszyn
Geographische Lage: 51° 39′ N, 17° 23′ O51.64666666666717.377777777778Koordinaten: 51° 38′ 48″ N, 17° 22′ 40″ O
Höhe: 119-158 m n.p.m
Einwohner: 4567
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 63-760
Telefonvorwahl: (+48) 62
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Oleśnica–Chojnice
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 6 Schulzenämter
Fläche: 85,20 km²
Einwohner: 7409
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3012063
Verwaltung (Stand: 2013)
Gemeindevorsteher: Władysław Ulatowski
Adresse: Rynek 2
63-760 Zduny
Webpräsenz: www.zduny.pl



Zduny (deutsch Zduny, 1943–1945 Treustädt) ist eine Stadt in Polen in der Wojewodschaft Großpolen. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde im Powiat Krotoszyński.

Geschichte[Bearbeiten]

Zduny an der Grenze zu Schlesien, südlich der der Stadt Posen und südlich der Stadt Krotoschin, auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1241.[2] Es war damals ein herzogliches Dorf und hieß Sdunkow.[3] Der Name der Ortschaft soll sich dabei „von den vielen Töpfern [...], die hier ehemals wohnten“[4] herleiten lassen. 1261 wurde mit Erlaubnis durch Herzog Boleslaus der Fromme von Großpolen Zduny nach Neumarkter Recht zur Stadt erhoben.[5] Als Folge der Gegenreformation kam es ab etwa 1630 durch eine Massenflucht aus Schlesien zu einem bedeutenden Zuzug von Protestanten, die zu einer deutlichen Erweiterung Zdunys um etwa 2000 Siedler beitrug.[6] Grundherr Peter Sienuta gestattete 1637 die Gründung der Neustadt Deutsch-Zduny und des evangelischen Kirchspiels.[5][4] Mit einer dritten 1647 unter dem Namen Sienutowo als Stadt angelegten Siedlung wurden die beiden anderen 1772 unter der Herrschaft der Familie Sulkowski vereinigt.[5] 1703 wurden die Städte Sienutowo und Deutsch-Zduny durch einen Brand weitgehend zerstört und wieder aufgebaut.[7]

1793, bei der Zweiten Polnischen Teilung, wurde die Stadt Teil Preußens. Die Stadt hatte am Ausgang des 18. Jahrhunderts sieben öffentliche Gebäude, zwei Hospitäler, eine evangelische und eine katholische Kirche und 439 Wohnhäuser, davon sieben mit Ziegeldach.[3] In den Jahren 1807 bis 1815 gehörte Zduny zum Herzogtum Warschau, anschließend wieder zu Preußen.[2]

Der Anschluss an das Schienennetz erfolgte 1894 mit der Verbindung Oels-Jarotschin der Preußischen Staatsbahn.[8] Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Zduny am 10. Januar 1920 Teil des wiederentstandenen Polens.[9] Im September 1939 wurde die Stadt von der deutschen Wehrmacht im Rahmen des Polenfeldzugs besetzt, am 26. Oktober in den später als Reichsgau Wartheland bezeichneten Teil des Deutschen Reiches eingegliedert und am 18. Mai 1943 in Treustädt umbenannt.[10]

Im Frühjahr 1945, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde die Gegend von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde die Stadt der Verwaltung der Volksrepublik Polen übergeben. Soweit die deutsche Bevölkerung nicht vor Kriegsende geflohen war, wurde sie in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Religionen[Bearbeiten]

Evangelisch-lutherische Kirche bis 1945

Mit der Genehmigung zur Einrichtung des evangelischen Kirchspiels wurde 1637 die erste evangelische Kirche als Holzbau errichtet. Nach der Zerstörung durch einen Brand 1789 wurde die nächste Kirche als geputzter Ziegelbau mit doppelten hölzernen Emporen errichtet und am 18. November 1792 geweiht.[5] Die Kirche wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1989 als Lager genutzt.[11]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Nachfolgend die graphische Darstellung der Einwohnerentwicklung.[12]

In Zduny waren im Jahr 1890 unter den 3.477 Einwohnern 2.400 Evangelische, 1.025 Katholiken und 52 Juden. [8]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Zduny unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Rathaus
  • barockes Rathaus, erbaut 1684
  • Barockkirche St. Johannes, erbaut 1719–1721
  • barock-klassizistische evangelische Kirche erbaut 1789–1792[2]

Gemeinde[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde gehören neben der Stadt Zduny weitere sechs Ortsteile (deutsche Namen, amtlich bis 1945)[13] mit einem Schulzenamt.

  • Baszków (Baschkow, 1943–1945 Baschau)[14]
  • Bestwin (Bestwin)
  • Chachalnia
  • Konarzew (Hahnau, 1943–1945 Konradshof (Kr. Krotoschin))
  • Perzyce (Pirschütz, 1943–1945 Pirschütz (Kr. Krotoschin))
  • Ruda (Ruda, 1943–1945 Ruda (Kr. Krotoschin))

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

  • Dziewiąte
  • Hadrianów
  • Ostatni Grosz
  • Piaski
  • Rochy
  • Siejew
  • Szczerków
  • Trzaski

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Zuckerfabrik

Der wichtigste Industriebetrieb der Stadt war die 1882 gegründete Zuckerfabrik, die nach der Jahrtausendwende von der Pfeifer & Langen KG übernommen wurde, aber 2002 trotzdem ihren Betrieb einstellte.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die in Zduny gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Ludwig von Jazdzewski (1838–1911), polnischer katholischer Theologe und Politiker.
  • Bolesław Jaśkowski (* 19. Dezember 1884 in Łobżenica, Kreis Wyrzysk, getötet am 10. November 1939 bei Gniewkowo in der Nähe von Inowrocław), polnischer katholischer Pfarrer in Zduny 1918 bis 1926, Gründer der Zdunyer Volksmannschaft im Großpolnischen Aufstand, Beschützer der deutschen Katholiken in der Zdunyer Pfarrei.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 452–455.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zduny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 28. November 2014.
  2. a b c www.mapa.szukacz.pl, abgerufen am 29. Dezember 2010
  3. a b Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 452–455.
  4. a b Vossberg, F. A.: Wappenbuch der Städte des Grossherzogthums Posen (1866), S.18, online: www.bsb-muenchen-digital.de, abgerufen am 28. Februar 2011
  5. a b c d Julius Kohte, Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Posen. Bd. III. Die Landkreise des Regierungsbezirks Posen, Berlin 1896, S. 310-316 Online: PDF, abgerufen am 29. Dezember 2010
  6. Rogall, Joachim [hrsg]: Land der großen Ströme, von Polen nach Litauen, Siedler Verlag: Berlin 1996, S. 136,139
  7. Adolf Warschauer: Die Städtischen Archive in der Provinz Posen, Leipzig 1901, S. 285, pdf-Datei, abgerufen am 9. Januar 2011
  8. a b www.verwaltungsgeschichte.de, Landkreis Krotoschin, abgerufen am 29. Dezember 2010
  9. www.territorial.de, abgerufen am 1. Januar 2011
  10. Anordnung über Ortsnamenänderung im Reichsgau Wartheland im Verordnungsblatt des Reichstatthalters im Warthegau vom 18. Mai 1943 (pdf; 1,9 MB), abgerufen am 27. Februar 2011
  11. www.zduny.pl, abgerufen am 29. Dezember 2010
  12. Für 1865: Pierer's Universal-Lexikon, Band 19. Altenburg 1865, S. 538 auf www.zeno.org, abgerufen am 25. April 2012
    Für 1875, 1880, 1890: verwaltungsgeschichte.de, www.verwaltungsgeschichte.de, abgerufen am 25. April 2012
    Für 1905: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 858 auf www.zeno.org, abgerufen am 25. April 2012
    Für 1910: www.gemeindeverzeichnis.de, abgerufen am 25. April 2012
  13. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  14. Vgl. Weblink "Anordnung über Ortsnamenänderung im Reichsgau Wartheland" - Landkreis Krotoschin