Zeiss Ikon

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Ein stilisierter Teil des Zeiss-Tessar-Objektives bildet das Logo von Zeiss Ikon

Die Zeiss Ikon AG war bis zum Zweiten Weltkrieg einer der bedeutendsten Kamerahersteller und Weltmarktführer bei Schmalfilmkameras. Zeiss Ikon stellte neben optischen Geräten auch Türschlösser, Spiegelleuchten sowie Buchungsmaschinen her und war Inhaber des ersten Patentes auf den heute allgemein verbreiteten Profilzylinder.

1926 in Dresden gegründet, gehört das 1989 in Ikon AG umfirmierte Unternehmen zur Assa Abloy Sicherheitstechnik und fertigt nur noch Erzeugnisse der Schließ- und Sicherheitstechnik. Die Marke „Zeiss Ikon“ wird auch für Produkte genutzt, die nicht mit dem Dresdner Unternehmen und seinen Rechtsnachfolgern in Verbindung stehen.

Unternehmens- und Produktgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detailansicht einer Zeiss Ikon Ikonta mit Compur-Verschluss und Carl Zeiss Tessar-Objektiv
Zeiss Ikon Telma

Treibende Kraft des Zusammenschlusses und Eigentümer der Zeiss Ikon AG war das Unternehmen Carl Zeiss in Jena. Im Herbst 1926 fusionierten mehrere deutsche Kamerahersteller[1] zum Zeiss Ikon-Konzern mit Sitz in Dresden:

Um die Ausrichtung auf die Fotografie zu betonen, wurde das griechische Wort εἰκών (eikón = Bild) Teil der Firma. Der erste Gesamtkatalog erschien 1927 und enthielt noch zahlreiche Produkte der Vorgängerfirmen. Kurz darauf gingen noch zwei weitere Hersteller in der Zeiss Ikon AG auf:

Der Ingenieur Sylvester Wöhrle entwickelte bei der Aktiengesellschaft Hahn in Ihringshausen einen Profilzylinder, der 1924 zum Patent angemeldet wurde.[2] 1928 wurde Zeiss Ikon die Patentschrift Nr. 469 260 für den Schließzylinder mit „Hahnprofil“ erteilt.[3] Der Profilzylinder Bauart Zeiss Ikon ist in der DIN 18252 genormt und heute in Europa quasi zum Standard geworden.

Die stückzahlmäßig bedeutendsten Kameras aus dem Hause Zeiss Ikon waren in der Zeit von 1930 bis 1939 die Klappkameras vom Typ Ikonta, die in verschiedenen Negativ-Formaten, Ausstattungen und Bestückungen angeboten wurden. Die Serie wurde nach unten ergänzt durch die etwas abgespeckten Kameras der Nettar- und Bob-Reihe. 1932 wurde die – als Konkurrenz zur erfolgreich im Markt agierenden Leica der Ernst Leitz GmbH gedachte – Systemkamera Contax vorgestellt, der 1936 die Contax II folgte, die erste Messsucherkamera der Welt.

Bereits 1933 richtete sich der Konzern auf die neuen Machthaber ein und brachte die Baldur heraus, eine nach dem NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach benannte Boxkamera in den Versionen für Aufnahmeformat 4,5 cm × 6 cm und 6 cm × 9 cm. 1934 folgte mit der Super Nettel eine 135er-Klappkamera mit Schlitzverschluss „ideal für Wehrtechnik und Sport“. 1936 erschien die Contaflex, eine zweiäugige Spiegelreflexkamera für den Kleinbildfilm und erste Kamera mit eingebautem fotoelektrischem Belichtungsmesser. 1938 stellte Zeiss Ikon die Tengor II vor, eine überarbeitete Goerz Box Tengor für das Aufnahmeformat 6 cm × 9 cm. 1937 kam die Tenax auf den Markt, eine Schnellschussskamera für das Format 24 mm × 24 mm auf 135er-Film. Ihr folgte noch kurz vor Kriegsausbruch die einfachere, im Taschenfomrat gehaltene Tenax I.

Ab 1940 wurde die gesamte deutsche Industrie auf Kriegswirtschaft umgestellt. Zeiss Ikon konnte nur noch Sonderserien der so genannten Kriegs-Tengor 54/2 und der Tengoflex bis 1944 ausliefern. Die Dresdner Zeiss Ikon-Werke waren während des Zweiten Weltkriegs mit rund 6000 Mitarbeitern größter Rüstungsbetrieb der Stadt. Bei Zeiss-Ikon gab es eine 400 Mitarbeiter starke jüdische Abteilung. Werkleitung und Wehrmacht widersetzten sich Mitte Januar 1942 mit der Drohung, das Werk diesfalls zu schließen, erfolgreich der beabsichtigten Deportation betriebsangehöriger Juden in das KZ Auschwitz-Birkenau.[4]

Im Krieg wurden die Goerz-Werke in Berlin stark zerstört. Das Contessa-Nettel-Werk in Stuttgart blieb völlig unzerstört. Die Dresdner Werke Ernemann und Ica hatten nur geringfügige Bombenschäden. Nach Kriegsende erfolgte eine weitgehende Demontage aller Werke.

Zwangsarbeiterinnen und Außenlager des KZ Flossenbürg bei Zeiss-Ikon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dresdner Goehle-Werk auf der Riesaer Straße 32 und im Werk Reick der Zeiss-Ikon-AG wurden im Oktober 1944 Außenlager des KZ Flossenbürg eingerichtet.

Goehle-Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Goehle-Werk

Das Goehle-Werk (auch Goehlewerk), benannt nach dem Konteradmiral der deutschen Kriegsmarine Herbert Goehle (1878–1947), war 1940/41 als Munitionsherstellungsbetrieb erbaut worden. Es wurden Zeitzünder, Brandschrapnelle für Flakgeschosse und Bombenzünder hergestellt. Im Goehle-Werk arbeiteten neben den Häftlingen aus den KZs Flossenbürg und Ravensbrück hauptsächlich ungelernte Zwangsarbeiterinnen, die zu einem großen Teil aus Polen und der Sowjetunion stammten. U. a. wurde die Jüdin Henny Brenner gezwungen, dort zu arbeiten. Zeugen sagten aus, dass die Lebensumstände der Arbeiterinnen äußerst widrig waren: So sei deren Verpflegung völlig unzureichend und folglich deren Gesundheitszustand mangelhaft gewesen. Die Aufseherin de Hueber wurde als hart und grausam beschrieben. Zahlreiche Fluchtversuche sprechen vom großen Leidensdruck der Frauen. Während der Luftangriffe auf Dresden am 14. Februar wurden die Frauen im Goehle-Werk eingesperrt. Einige flüchteten erfolgreich in den nachfolgenden Wirren. Das Außenlager wurde Mitte April zu Fuß die Elbe entlang und per Bahn nach Leitmeritz (heute Litoměřice) „evakuiert“ und währenddessen befreit. Viele konnten schon vorher flüchten. Im „Goehlewerk-Prozess“ wurden 1949 zehn Personen angeklagt – u. a. der stellvertretende Betriebsleiter, mehrere Meister und SS-Aufseherinnen – und zu Strafen zwischen einem und acht Jahren Haft verurteilt. Häftlingstötungen konnten nicht nachgewiesen werden.[5][4]

nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1948 wurde das Unternehmen enteignet und in einen Staatsbetrieb mit Sitz in Dresden umgewandelt. Durch einen Hauptversammlungsbeschluss vom 3. März 1948 wurde daraufhin der Sitz der Zeiss Ikon AG rechtsgültig von Dresden nach Stuttgart verlegt. Damit waren alle Rechte, vor allem die Namensrechte, in Westdeutschland.

VEB Pentacon (DDR)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messestand des VEB Zeiss Ikon Dresden (1952)
VEB Zeiss Ikon Pentacon mit Tessar 1:2,8/50
Ikoflex 1B 856/16 (1956)
Contax S: SLR mit seitenrichtigem Sucherbild

Der am Dresdner Standort verbliebene Betrieb hieß ab 1953 VEB Mechanik Zeiss Ikon, ab 1955 VEB Zeiss Ikon.[6] 1958 erfolgte eine weitere Umbenennung in VEB Kinowerke Dresden. Unter dem Namen VEB Kamera- und Kinowerke Dresden entstand dann im folgenden Jahr ein neuer Großbetrieb, in dem weitere Unternehmen der Dresdner optischen Industrie integriert wurden. Ab 1964 firmierte das Unternehmen als VEB Pentacon Dresden. Der VEB Feinoptisches Werk Görlitz wurde zusammen mit dem Pentacon-Stammbetrieb in Dresden und dem Ihagee Kamerawerk AG i. V. 1968 in das Kombinat VEB PENTACON Dresden eingegliedert.[7] Pentacon ging seinerseits 1985 im Kombinat VEB Carl Zeiss Jena auf.

In der Nachkriegszeit wurden unter anderem Sicherheitsschlösser und Kameras hergestellt. Von 1951 bis 1956 wurden Mittelformat- beziehungsweise Boxkameras unter dem Namen Zeiss Ikon produziert. Das letzte Modell dieser Art von Zeiss Ikon war die Tengor 56/2.

Nachfolgebetriebe des ehemaligen Dresdner Kombinats VEB Pentacon Dresden beziehungsweise der Pentacon GmbH stellen heute wieder Spezial- und Digitalkameras her, insbesondere für den chinesischen Markt. Zu den Nachfolgebetrieben gehören die Kamerawerk Dresden GmbH durch Rückübertragung an die Firma Noble und die Pentacon GmbH, die nach Insolvenz durch Schneider Kreuznach übernommen und weitergeführt wurde. In Großbritannien gibt es die Praktica (GB) Ltd, eine Tochter der Pentacon GmbH.

Zeiss Ikon AG (Bundesrepublik Deutschland)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeiss-Ikon Contessamatic
Zeiss Ikon Contaflex Super

Die nach Stuttgart verlegte Zeiss Ikon AG gründete 1950 ein Werk in Kiel für die Produktion der aus dem Ernemann-Erbe stammenden Produktlinie der Kinoprojektoren (Die Zeiss Ikon AG wird von der Fa. Anschütz & Co. GmbH, Kiel, 1975 übernommen. Übernahme der Fa. Anschütz durch die Fa. Raytheon Marine GmbH 1995 und Gründung der ERNEMANN CineTec GmbH 1999). Das „Goerzwerk“ in Berlin-Zehlendorf wurde als Zweigbetrieb wieder aufgebaut. Als neuer Unternehmenszweig kam die Tochterfirma Zeiss Ikon Büromaschinen GmbH hinzu.

1956 wurde Zeiss Ikon mit Voigtländer in der Carl-Zeiss-Stiftung zusammengefasst, ein weiteres Werk in Schelklingen gegründet und das Zett-Geräte-Werk in Braunschweig übernommen. Danach wurden unter dem Dach eines einzigen Konzerns eine ganze Reihe nicht miteinander kompatibler Kamerasysteme angeboten. Das waren im Wesentlichen Contax II/IIIa, Bessamatic, Ultramatic, Contaflex, Contarex, Icarex 35 und die SL 706.

Die Objektivproduktion wurde 1970 nach Braunschweig verlagert, die Kameraproduktion blieb in Stuttgart. 1972 wurde das ehemalige Werk von Contessa-Nettel in Stuttgart geschlossen und die Produktion von fotografischen Geräten vollständig eingestellt.

Seit ca. 1920 wurden im Goerzwerk von Zeiss-Ikon in Berlin auch Leuchten (u.a. Strahler für die Beleuchtung von Läden und Schaufenstern) gefertigt. Einige dieser Modelle wurden von Adolf Meyer gestaltet. Besonderheit der Zeiss Ikon-Leuchten waren die verspiegelten Glasreflektoren. Die Leuchtensparte wurde 1988 als Z-I-Lichtsysteme ausgegliedert.

1989 wurde die Zeiss Ikon AG von dem finnischen Unternehmen Abloy OY übernommen und die Firma in Ikon AG geändert. Heute gehört das Unternehmen zum finnisch-schwedischen Assa-Abloy-Konzern. Im Januar 2003 wurde die Ikon AG („Goerzwerk“) in eine GmbH umgewandelt. Am 1. April 2005 fusionierte die Ikon GmbH Berlin mit eff eff in Albstadt zur Assa Abloy Sicherheitstechnik GmbH mit Sitz Albstadt. Sie beschäftigt sich ausschließlich mit der Herstellung und dem Vertrieb mechanischer und elektromechanischer Schließsysteme (Türöffner) und Sicherheitsbeschläge.

Zeiss Ikon Kameras (2005)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeiss-Ikon Messsucherkamera ZI (2005)

2005 gab es eine Wiederbelebung der Marke Zeiss Ikon (ZI) durch die Carl Zeiss AG. Die neue ZI ist eine völlig neu entwickelte klassische Messsucherkamera für 35 mm-Kleinbildfilm mit hochwertigen, zur Leica M kompatiblen Wechselobjektiven. Sie wurde von Zeiss, Oberkochen entwickelt (Design stammt vom Büro Henssler & Schultheiss). Die Serienfertigung fand in Japan bei Cosina statt.

Produktübersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Zeit vor den Kleinbildkameras stammen Faltkameras wie die Derwal, die Telma und die Ikonta. Zeiss Ikon Kameras waren in vielen Bereichen technologisch führend: so baute Zeiss Ikon mit der Contax die erste Messsucherkamera oder mit der Contaflex TLR im Jahr 1935 die erste Kamera mit eingebautem Selen-Belichtungsmesser. Weitere Beispiele die Contarex und die Ikoflex.

Weiterhin wurden die einfachen Boxkameras wie beispielsweise die Box Tengor in diversen Varianten für die Aufnahmeformate 6 × 9 cm, 4,5 × 6 cm und 6,5 × 11 cm gebaut. Weitere Kameras waren die Era sowie die Balilla.

Zu den Produkten gehörten aber auch andere optische Geräte und Bauteile. Beispiele sind

  • Filmkameras (Movikon, AK8) und Filmbetrachter (Moviskop)
  • Objektive für die Film- und Diaprojektion (Orikar, Talon) oder
  • Diaprojektoren (Ikolux, Perkeo, Paracolor, Unimat).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Gerhard Escher (Hrsg.): Carl Zeiss. Leben und Werk. Jena 1966.
  • Bernd K. Otto: Carl Zeiss Kamera-Register 1902–2012. Verlag Rudolf Hillebrand, Neuss 2013, ISBN 978-3-9813746-4-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kameras von Zeiss-Ikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Modellreihen und einzelne Kameramodelle:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Praktica Zeiss Ikon AG
  2. Verschließen und Verstecken – Schlösser und Beschläge unserer Zeit (PDF; S. 7), abgerufen am 18. Januar 2011
  3. 80 Jahre Profilzylinder, ikon.de, S. 4 (PDF; 665 kB)
  4. a b Jüdische Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie – das Goehlewerk der Zeiss Ikon AG., audioscript. Teil 12 von audioscript zur Verfolgung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden in Dresden 1933 – 1945, Audio-Stadtrundgang Januar 2010, 13:02 min
  5. Wolfgang Benz, Barbara Distel, Angelika Königseder (Hg.): Orte des Terrors: Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Volume 4: Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück. München 2006, C.H. Beck, S. 88ff., abgerufen am 28. August 2013
  6. http://www.praktica-collector.de/Pentacon.htm
  7. http://exakta.photobutmore.de/meyer/