Zigarettenstummel

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Ein Zigarettenstummel
Zigarettenstummel im Aschenbecher
Zigarettenstummel auf dem Boden

Ein Zigarettenstummel, umgangssprachlich auch „Stummel“ oder „Kippe“, ist das Ende einer gerauchten Zigarette. Er besteht aus Papier- mit Tabakresten oder aus dem Zigarettenfilter mit Papierresten.

Kulturelles[Bearbeiten]

In der Nachkriegszeit nahm in Deutschland das Phänomen des Kippensammelns besondere Ausmaße an, wovon einige Lieder zeugen:

Ein alter Schlager, eine Parodie auf Sentimental Journey:

Stell dir vor, wir fänden eine Kippe // stell dir vor, wir fänden zwei // stell dir vor, wir fänden eine dritte // Mensch, wär das 'ne Pafferei[1]

Im Kippenboogie heißt es:

Und morgens in der Straßenbahn - da fängt es auch schon an- da bettelt mich mein Nachbarsmann - um eine Kippe an. Das ist der Kippen-Boogie - Kämel oder Lucki - die Länge ist egal - wir kippen noch einmal. 2. Strophe: Am Bahnhof gibt’s ne Keilerei - und alles passt gut auf - denn einer wirft ne Kippe weg - und hundert stürzen drauf. usw.[2]

Eine besondere Technik des Sammelns von Zigarettenstummeln war das Kippenstechen. Der Kippenstecher befestigte eine Nadel oder einen Nagel an einem Stock, mit dem er dann die Kippen aufspießte.[3]

In der heutigen Zeit hat das Kippensammeln, zumindest in den wohlhabenden Ländern, kaum Bedeutung mehr.

Der Umgang mit Zigarettenstummeln unterscheidet in verschiedenen Kulturen teils stark, so ist es beispielsweise in Japan deutlich stärker als in westlichen Ländern verpönt, einen Zigarettenstummel oder auch nur Asche auf den Boden fallen zu lassen, stattdessen ist der Gebrauch von tragbaren Aschenbechern verbreitet. In Singapur sind für erwischte Kippenwegwerfer drakonische Geldstrafen fällig.[4] In Europa ist es in der deutschsprachigen Schweiz am stärksten verpönt.[5] 21 US-Gemeinden, die sich am «Cigarette Litter Prevention Program» der Organisation «Keep America Beautiful» beteiligten, konnten das Kippen-Littering innerhalb ein bis vier Jahren im Durchschnitt um 42 Prozent verringern.[6] In Deutschland gibt es in zahlreichen Städten Anti-Littering-Initiativen.[7]

Gefahren[Bearbeiten]

Umweltverschmutzung[Bearbeiten]

Zigarettenstummel stellen eine ernstzunehmende Umweltbelastung dar. Die Zahl der weltweit pro Jahr weggeworfenen Zigarettenstummel wird auf 4,5 Billionen geschätzt.[8][9] Laut einer Untersuchung der TU Berlin aus dem Jahr 2014 liegen in Berlin auf einem Quadratkilometer Freifläche durchschnittlich 2,7 Millionen Kippen.[10]

Der Zigarettenfilter aus Celluloseacetat zersetzt sich erst nach Jahren, ist jedoch nicht giftig. [11] Die eigentliche Umweltbelastung stammt von den Tabakresten sowie den im benutzten Zigarettenfilter enthaltenen Giftstoffen. Die Filter können bis zu 50 % des im Zigarettenrauch enthaltenen Teers zurückhalten (und folglich später an die Umwelt abgeben). Hinzu kommen die weiteren im Zigarettenrauch enthaltenen Stoffe, die in verschiedenen Anteilen vom Filter zurückbehalten werden sowie die im Resttabak enthaltenen Tabakzusatzstoffe. Belastet werden hauptsächlich Gewässer.[12] Aus einem Stummel können - beispielsweise durch Regen - knapp zwei Milligramm Nikotin in Böden und Gewässer gespült werden.[10]

Brandgefahr[Bearbeiten]

Weggeworfene, noch glimmende Zigarettenstummel können Brände auslösen. Diese verursachen oftmals erhebliche Schäden und können auch Menschenleben gefährden.

Verschlucken durch Kinder[Bearbeiten]

Kinder nehmen manchmal aufgefundene Zigarettenstummel in den Mund, sei es aus Neugier oder um rauchende Erwachsene nachzuahmen.[13] Abhängig vom Körpergewicht können bereits eine bis drei verschluckte Zigarettenstummel zu deutlichen Vergiftungserscheinungen, wie Übelkeit, Durchfall und/oder Erbrechen führen. So befasste sich beispielsweise der Giftnotruf Berlin im Jahr 2007 allein 260 mal mit Notrufen von Betroffenen, weil Kinder Zigaretten oder Teile davon verschluckt hatten.[14] Im Jahr 2010 waren dies 921 Fälle.[15]

Ein einheitliches Rauchverbot auf Kinderspielplätzen besteht in Deutschland und der Schweiz nicht, jedoch haben sowohl einige Länder (z. B. Bayern), als auch einzelne Kommunen (z. B. Heidelberg, Dresden) entsprechende Verbote erlassen. Seit Juli 2013 ist das Rauchen auf Bremer Kinderspielplätzen verboten, dieses Landesgesetz ist zunächst bis August 2018 befristet.[16] In Berlin besteht mit Ausnahme der Bezirke Neukölln und Treptow-Köpenick auf allen Spielplätzen Rauchverbot.[17]

Eine Untersuchung des Deutsches Krebsforschungszentrums aus dem Jahr 2010 zeigte, dass sich auch trotz entsprechenden Rauchverbots beispielsweise in Würzburg noch mehr als 50 Kippen je Spielplatz finden lassen.[15]

Kuriose Adaptionen der Fauna[Bearbeiten]

Zur Parasitenabwehr bauen Hausgimpel sowie Sperlinge häufig Zigarettenstummel in ihre Nester ein. Laut einer Studie[18] der Universidad Nacional Autonoma de Mexico fanden die Biologen um Monserrat Suarez-Rodriguez in rund 90 Prozent aller Nester Zigarettenfilter integriert. Nachweislich korrelierte das Ausmaß von Milbenbefall tatsächlich stark mit der Anzahl umgenutzter Kippen. Das darin enthaltene Nikotin ist ein starkes Insektizid.[19]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zigarettenstummel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Zigarettenstummel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ein Beispiel mit einem etwas anderen Text
  2. Kippenboogie
  3. Als der Krieg zu Ende ging
  4. Auch in Singapur ist nicht alles sauber
  5. Störfaktor Zigarettenkippe, tagesanzeiger.ch vom 30. April 2015, abgerufen 9. Mai 2015
  6. Keep America Beautiful
  7. Kampagnen für eine saubere Landschaft
  8. Projektarbeit der University of Tennessee at Chattanooga über Zigarettenstummel (englisch) (PDF; 1,1 MB)
  9. Pressemappe Tabak und Umwelt des DKFZ, Seiten 51-57 betreffen Zigarettenstummel (PDF; 9,1 MB)
  10. a b http://www.deutschlandfunk.de/umweltverschmutzung-nikotin-verunreinigt-gewaesser.676.de.html?dram:article_id=288055
  11. Zigarettenkippen nicht achtlos wegschmeißen, feelgreen.de vom 17. Oktober 2014, abgerufen 9. Mai 2015
  12. Website von cigarettelitter.org
  13. CHRU Lille Vergiftung durch Zigaretten bei Kindern (französisch) (Memento vom 20. November 2008 im Internet Archive)
  14. Broschüre Rauchfreie Kinderspielplätze (PDF; 8,9 MB) des Bezirksamtes Berlin Friedrichshain/Kreuzberg, 2007, S. 34, abgerufen am 24. Oktober 2012
  15. a b http://www.slsev.de/fileadmin/user/Dokumente/Die_SLS/dkfz_Rauchverbot_auf_Spielplaetzen.pdf
  16. Rauchen auf Bremer Spielplätzen verboten
  17. http://www.taz.de/!95214/
  18. M. Suarez-Rodriguez, I. Lopez-Rull, C. Macias Garcia: Incorporation of cigarette butts into nests reduces nest ectoparasite load in urban birds: new ingredients for an old recipe?. In: Biology Letters. 9, 2012, S. 20120931, doi:10.1098/rsbl.2012.0931.
  19. Nester aus Kippen, wissenschaft.de vom 5. Dezember 2012, abgerufen 9. Mai 2015