Zollfreigebiet

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Zollamt Bremen-Hansator am ehemaligen Freihafen

Ein Zollfreigebiet, an Wasserwegen auch Freihafen, abseits der Wasserwege Freilager oder Freizone genannt, ist ein in der Regel abgeschlossenes oder umzäuntes Gebiet innerhalb eines Landes, in dem keine Zölle und Einfuhrumsatzsteuern erhoben werden. Derartige Freizonen dienen der Lagerung, Weiterverarbeitung und Veredelung der importierten Waren. Freihäfen sind in der Regel durch Grenzzäune abgegrenzte Teilgebiete von Häfen, in denen es Zolldurchlässe gibt.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Leistungen innerhalb eines Zollfreigebiets an Endverbraucher unterliegen nicht der Umsatzsteuer, da sie steuerlich Sonderregelungen unterstehen: die Freihäfen des Kontrolltyps I gehören umsatzsteuerlich nicht zum Inland; in den Freihäfen des Kontrolltyps II (derzeit Duisburg und bis 2016 Deggendorf) muss normal Umsatzsteuer bezahlt werden.

Das Zollrecht der Europäischen Union bezeichnet Freihäfen als „Freizonen des Kontrolltyps I“.

Sobald Lieferungen von den Zollfreigebieten ins Inland oder das übrige Gemeinschaftsgebiet der Europäischen Union bewirkt werden, wird vom Einfuhrland Zoll und Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) erhoben. Durch dieses Verfahren wird die Liquidität der Unternehmen nicht durch vorläufige Abgaben beansprucht, wenn die Waren nicht im Inland veräußert werden sollen. Ab dem 1. Januar 2011 (nach der VO/EG Nr.2373/2009 vom 1. Juli 2009) wurde jedoch eine summarische Anmeldung für Waren verpflichtend, die von außerhalb der Europäischen Union eingeführt werden, womit einer der wesentlichen Vorteile von Freizonen entfallen ist.

Freihäfen innerhalb der EU-Zollzone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freihäfen gibt bzw. gab es u. a. in Livorno (1675), Triest und Rijeka (seit 1719, damals Fiume) und Emden (1751 bis einschließlich 2009), in Bremerhaven (1827), Brake (1835)[1] und Bremen (1888−2007) (siehe auch: Geschichte der Bremer Häfen) sowie in Hamburg (1888−2012) Cuxhaven (1896), Stettin (1898) und Kiel (1924−2009).

Als wichtiger europäischer Freihafen gilt jener in der Hafenstadt Triest am Ende der maritimen Seidenstraße ("Maritim Silk Road" bzw. "21st Century Maritim Silk Road") mit seinen Anknüpfungen nach Zentraleuropa. Dieser wurde vom österreichischen Kaiser Karl VI. im Jahr 1719 gegründet und später besonders von seiner Tochter Maria Theresia gefördert. Durch den Pariser Friedensvertrag von 1947, das Londoner Memorandum aus dem Jahr 1954 und beispielsweise die italienischen Gesetzesbestätigungen aus dem Jahr 2017 wurde der Status des Freihafens immer wieder international erweitert. Besonderheiten und Vorteile des Freihafens liegen im Bereich der speziellen Bestimmungen zu Import, Export, Zollabwicklung, Lagerung und Steuerrecht. Das Freihafengebiet sieht spezielle Areale für Lagerung, Be- und Verarbeitung sowie Transitzonen für Waren vor.

Seit Gründung der EU wurden Freihäfen auch in den Binnenhäfen Duisburg (1991) und Deggendorf (1992–2016) eingerichtet. Weitere Beispiele für Freizonen oder Freilager im Binnenland waren im Deutschland des 19. Jahrhunderts die sogenannten Zollvereinsniederlagen in Bremen und Hamburg. In Österreich gab es vier Freizonen für die Zwischenlagerung, in Graz, bei Hall in Tirol (Tiroler Zollfreigebiet) und in den Donauhäfen Wien und Linz (hier Zollfreizone genannt).[2]

Die Freihäfen Emden und Kiel sind zum 1. Januar 2010 aus wirtschaftlichen Gründen aufgehoben worden (BGBl. I 2009 S. 1713), da in den letzten Jahren ausschließlich Gemeinschaftswaren, also Waren, die aus dem zollrechtlich freien Verkehr der EU stammen, gelagert und umgeschlagen wurden.

Im Dezember 2009 beschloss der Hamburger Senat, die Auflösung des Freihafens zum 1. Januar 2013 zu beantragen. Den notwendigen Gesetzentwurf brachte die Bundesregierung im September 2010 auf den Weg; der Bundesrat stimmte diesem am 17. Dezember 2010 zu.[3] Durch das „Gesetz zur Aufhebung des Freihafens Hamburg“ vom 24. Januar 2011 (BGBl. I S. 50) wurde die Aufhebung zum 1. Januar 2013 wirksam. Der Hafen wurde dadurch zum Seezollhafen.[4] Zum Hamburger Freihafen gehörte die dortige Speicherstadt mit besonderen Lagerhäusern, insbesondere für Tee, Kaffee, Gewürze und Teppiche. Aufgrund des Strukturwandels wurde das Gebiet um die Jahrtausendwende aus den Zollgrenzen entlassen und bildet nun die nordwestliche Grenze der im Aufbau befindlichen HafenCity.

Derzeit existieren in Deutschland noch Freihäfen in Bremerhaven und Cuxhaven[5] sowie in Duisburg.[6]

Freizonen und Freilager des schweizerischen Zollgebiets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz gibt es mehrere Zollfreilager, u. a. im Raum Basel, am Flughafen Zürich sowie in Genf (Freihafen).[7] Zudem existieren mehrere Zollfreizonen (außerhalb Genfs auf französischem Gebiet, in Samnaun an der österreichischen Grenze).

Zu erwähnen ist Livigno auf italienischem Boden, das zwar nicht dem schweizerischen Zollgebiet angeschlossen, aber direkt an die Schweiz angrenzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vom Freihafen zum Seezollhafen. In: Port of Hamburg Magazine 2/12, S. 6–13, Hafen Hamburg Marketing e.V., Hamburg 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Freihafen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichtsdaten der Stadt Brake (Memento des Originals vom 6. März 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.brake.de
  2. Eintrag zu Zollfreizonen im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon); ältere Version aeiou.at
  3. Pressemeldung vom 17. Dezember 2010, hamburg.de
  4. detaillierte Infos auf zoll.de (Memento des Originals vom 15. August 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zoll.de
  5. "Free zones in existence and in operation in the Community, as notified by the Member States to the Commission" (Memento des Originals vom 19. März 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ec.europa.eu, Stand: 9 August 2012 (PDF; 186 kB)
  6. Duisburger Hafen, Stadt Duisburg, abgerufen am 17. November 2016.
  7. Simon Bradley: The discreet bunkers of the super-rich, swissinfo.ch, 9. Juli 2014 (deutsche Übersetzung)